Alle Artikel aus dem Bereich Epic Fail
Damals, als ich noch lustig war, freute ich mich auf den 1. April. Denn das war DER TAG, an dem ich andere Leute veralbern konnte. Der Spielebranche ist es zu verdanken, dass mein Humor irgendwann verloren ging.
Dumm gelaufen: Kürzlich wurde bekannt, dass von dem Spiel Crysis 2 bereits vor dem offiziellen Erscheinen eine illegale Version im Netz existiert.
Ich lass mich häufig von großen Ankündigungen blenden, bin ein zwanghafter Early Adaptor und kaufe mir gerne vermeintlich innovativen Schnickschnack, sobald er erhältlich ist.
Ich müsste sie lieben, vergöttern, verehren. Sie bieten nämlich das, was ich mit zunehmendem Alter von anspruchsvolleren Spielen erwarte. Tiefgang, Dramatik, Emotionen, Humor – gerne kombiniert mit Gesellschaftskritik, Mystery und Verschwörungen.
Was ich mir vom Spielejahr 2011 wünsche: mehr Mut, mehr Innovation, mehr Konsequenz. Vor allem aber wünsche ich mir Entwickler, die ihr Medium ernst nehmen und nicht nur sagen: Es ist doch nur ein Spiel.
Völlig voreingenommen wagte ich mich an „Call of Duty: Black Ops“ heran. Welche Erwartungen hatte ich schon nach „Modern Warfare 2“, das mich von Anfang an langweilte und dann noch diese fragwürdige Flughafenszene präsentierte?
Ich liebte sie! Wirklich und inbrünstig. Als sie am 23. März 2007 in Europa in den Handel kam, gehörte ich zu den „Early Adaptors“, die das fünf Kilogramm schwere Klavierlack-Monster am Tag der Veröffentlichung kauften.
Aus. Vorbei. Besucherrekord. Mit knapp 255.000 Besuchern konnte die Gamescom in Köln den Erfolg aus dem Vorjahr bestätigen. Über 500 Aussteller zeigten an die 200 Spielepremieren – obwohl die Branche in Deutschland das erste Mal einen Umsatzrückgang verbucht hat.
Was denken eigentlich Spieler, Filmfans und Musik-Liebhaber, die illegal Inhalte aus dem Internet laden, über ihre Taten? Wieso machen sich Raubkopierer freiwillig und meist wissentlich strafbar? Auf Polygamia.de sprechen einige Raubkopierer über ihre Motive und schieben die Schuld indirekt auch auf die Industrie.
Klar, mich zwingt niemand, in einem Monat viele Spiele zu kaufen. Aber durch Hypes, Tests, fette Marketing-Kampagnen werde auch ich neugierig gemacht. Am liebsten möchte ich alle TOP-Titel der letzten und kommenden Wochen haben, zocken, ins Regal stellen. Aber wieso eigentlich?
Wie viel Sympathie für ein Unternehmen ist nötig, um Produkte von diesem zu kaufen? Muss man EA mögen, damit man zum nächsten „Need for Speed“ greift? Oder spielen einzig und allein die Qualität und das Grundinteresse eine Rolle? Was soll man von “Call of Duty: Black Ops” halten?
Kürzlich sagte Cevat Yerli, Chef des Frankfurter „Crysis 2“-Entwicklers Crytek, dass gratis angebotene Spieledemos „Luxus“ seien, auf den wir in absehbarer Zeit womöglich verzichten müssen. Ich meine: Ich bin nicht bereit, für Demos zu zahlen. Und das hat auch Gründe.
Ja, früher war alles besser. Damals hatten die Menschen noch Humor. Ich zum Beispiel. Jetzt dagegen machen uns die drohende Arbeitslosigkeit, die nahende Apokalypse (2012 – jetzt auf DVD und Blu-ray erhältlich!) und die allgegenwärtige Weltwirtschaftskrise Angst, für Spaß ist kein Platz mehr. Das merkt man auch an den Aprilscherzen, die sich so im Internet tummeln.
Es donnerte. Es blitzte. Regen prasselte an die Fenster. Die schönen 20 Grad des Nachmittags waren längst vergessen, jetzt war es stürmisch, kalt und nass. Draußen. Einem erholsamen und gemütlichen Abend stand nichts im Weg. Die Freundin schmökerte in ihren Frauenzeitschriften, ich kramte einige Spiele heraus, die teils eingeschweißt im Regal standen.
Ich habe nichts gegen Fortsetzungen. Egal ob Spiel, Film oder Buch – Hauptsache man gibt sich Mühe. Ärgerlich finde ich es aber, wenn fünf Entwicklungsstudios fast drei Jahre an einem Spiel arbeiten und dann nicht mehr als einen Mission-Pack zum Vollpreis veröffentlichen.

