Artikel von Andreas Altenheimer
Andreas “Andy“ Altenheimer wandelt seit 1977 auf dieser Welt, als „Star Wars“ und „Der Stadtneurotiker“ in die Kinos kamen, und fühlt sich wie eine Mischung dieser beiden Filmklassiker... [Weiterlesen]
Vorwarnung: Dieser Artikel ist weniger euphorisch, als gewohnt – was Videospielkonzerte anbelangt. Das liegt primär an persönlichen Umständen, die den Eindruck eines solchen Abends automatisch verwässern.
Wisst ihr, was ich an diesem Freitag machen werde? Ich gehe zum hiesigen Fachgeschäft und kaufe mir “Far Cry 3: Blood Dragon” für den PC. Warum ich das tue, obwohl ich bereits einen Rezensionscode für die Xbox-360-Version fleißig gebraucht habe? Weil ich unbedingt die beiliegende Soundtrack-CD haben will.
Früher, da war alles so einfach. Ein japanisches Rollenspiel war ein Hit, eine Filmumsetzung Müll und Nintendo-Produkte das Non-Plus-Ultra. Selbst als mit Nintendo 64 und GameCube die Verkaufszahlen mal nicht so dolle waren, da sicherten exklusive Top-Hits (z.B. “Super Mario 64″ oder “Metroid Prime”) den Kult-Status sowie der Handheld-Markt die finanzielle Zukunft.
Eines muss ich Konami lassen: Sie wissen, wie man belächelte “Metal-Gear”-Charaktere nachhaltig interessant macht. Im leicht umstrittenen zweiten “Solid”-Teil kam nicht jeder Neuling gut an – ich sage nur Vamp, die La-li-lu-le-lo (wer das auswendig fehlerfrei aufsagen kann, der ist ein echter MGS-Freak), Liquids Arm und natürlich Raiden.
Drei Monate lang lebte ich in Angst. Ich lebte in der Angst, nach 30 Jahren endgültig gesättigt zu sein. Mich könne nichts mehr überraschen, mich könne nichts mehr ehrlich überzeugen – außer es steht “Independent“ plus “Mindfuck“ drauf.
Aus! Schluss! Vorbei! Disney schließt LucasArts. Was mir vielleicht vor 10 Jahren noch einen Herzinfarkt beschert hätte, das entlockt mir heute allenfalls ein Fünkchen nostalgischer Wehmut. Der Abstieg von einem nahezu sicheren Hit-Garanten zu einer Maschinerie austauschbarer 08/15-Star-Wars-Lizenzspiele ist beispiellos und eigentlich unendlich traurig.
Ach, die 1990er. Das waren noch Zeiten, in denen ich von Spielen träumte, die so real wie die Realität aussahen. Bereits solch Urgesteine wie David Cranes “Ghostbusters“, Ron Gilberts “Maniac Mansion“ oder Dave Fox “Zak McKracken“ hegten in mir den Wunsch, dass es so cool wäre, wenn die Grafik einem Kinofilm gleiche.
“Tomb Raider“ ist das nächste Mitglied einer inzwischen nervigen Gruppe voller Reboots sowie Neuinterpretationen bewährter Serien. Die Angst vor dem kapitalen Flop schlägt immer höhere Wellen, weshalb nun die letzte Bastion des Kletterns und des Kraxeln fallen musste.
Eigentlich war es ja klar: Als Double Fine vor gut einem Jahr diesen sensationellen Erfolg feierte und Spendengelder von über drei Millionen US-Dollar zusammen bekam, da guckte der Pferdefuß bereits um die Ecke und grinste hämisch.
Mark Wahlberg sagt: “We have a tie!“ und alle Oscar-Blogger weltweit: “KREISCH!!!“. Oder besser: “SCHEISSE, MEIN TIPPSCHEIN!!“
Wenn ihr mit irgendjemanden über die Oscar-Verleihung reden solltet und dieser jemand den Patt in der Kategorie Tonschnitt als größte Überraschung bezeichnet, dann wisst ihr: Ihr habt einen echten Geek vor Augen.
Wenn das Rennen um die Academy Awards 2013 eines gezeigt hat, dann dass wir Oscar-Watcher wirklich leicht zu begeistern sind. Unter normalen Umständen müsste es eine langweilige und ähnlich wie vor vier Jahren vorhersehbare Verleihung geben, als “Slumdog Millionär“ nicht aufzuhalten war.
Wenn Spieleentwickler die Schnauze voll haben und mal etwas völlig anderes machen wollen, bei dem jeder seriöse PR-Manager entsetzt die Hände über den Kopf schlagen würde, dann entsteht so etwas wie “Antichamber“. Bereits der Name klingt ungelenkt und unnatürlich. Er schreit regelrecht heraus: “ICH BIN ANDERS!“
Wisst ihr, was für mich den Unterschied zwischen einem guten und einem grandiosen Rätsel ausmacht? Der Grad der Befriedigung, wenn ich es gelöst habe. Und nach wie vor halte ich diesen Faktor für Spielspaß gewichtiger als eine gescheite Geschichte.
Capcom hat momentan kein glückliches Händchen: Zuerst krempeln sie “Resident Evil“ zum zweiten Mal völlig um und landen dabei einen Griff ins Klo, sowohl bei den Kritikern als auch den Spielern. Und nun steht seit ein paar Tagen das neue “Devil May Cry“ im Laden, in Form eines Reboots und inklusive einer durch die Bank [...]
Es ist wieder Zeit für mein ganz persönliches “Guilty Pleasure“: Die Oscar-Nominierung sind raus! Und dies gut zwei Wochen früher als wir es aus den Vorjahren gewohnt sind, um die Zeitspanne zum Ermitteln der Gewinner zu strecken.

