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Dead Island: Zombies All inclusive

Geschrieben von Andreas
Dead Island: Zombies All inclusive

Ich habe mich vor diesem Urlaub gefürchtet. Der erste Trailer zu Techlands „Dead Island“ hat Erwartungen geweckt, die nur schwer zu erfüllen waren. Jetzt liegen einige Stunden des Spiels hinter mir. Und ich frage mich, was das Ganze sollte.

„Dead Island“ ist ein Open-World-Rollenspiel mit Zombies, wahlweise allein oder im Koop-Modus. Der Schwerpunkt liegt auf Nahkampf. Gewehre & Co sind Mangelware. Dementsprechend deftig platzen die Köpfe und es fliegen die Körperteile durch die Gegend. Die visuelle Umsetzung ist bunt-solide und das eigentliche Geschehen kann an manchen Stellen zu einer echten Herausforderung werden. Was „Dead Island“ nicht hat: Abwechslung, Grusel, interessante Figuren oder eine Story. Kurz, es ist Standardkost, die sich reichlich bei „Borderlands“, „Resident Evil 4“ oder „Dead Space“ bedient.

Banoi: Das fast perfekte Urlaubsparadies (Bild: Deep Silver)

Ich will ja nicht behaupten, dass ein packendes Spiel eine gute Story braucht. Tatsächlich funktionieren sie auch ganz gut ohne. Dazu reichen ein klares Spielziel, reichlich Erfolgserlebnisse und ein bisschen Taktik. Jeder Shooter wie „CoD“, jedes Action-RPG wie „Diablo“ oder sogar ein beliebiges Zynga-Browsergame bieten das. Eine Geschichte ist da nur Bonus, oft sind Spiele trotz ihrer Geschichte erfolgreich. Es ist auch kein Leichtes, eine durchschnittliche Handlungsdauer von zwei Stunden auf das Fünffache zu strecken. Folglich können nur wenige Spiele wie „Bioshock“ oder „Dead Space“ das Gegenteil beweisen.

Dooferweise scheint sich das Spiel „Dead Island“ darum kaum zu kümmern, ganz im Gegensatz zum Trailer. Mal ehrlich Techland, ein abgehalfterter Footballspieler, ein Rapper, eine Sicherheitsbeamtin und eine Hotelfachfrau als Hauptfiguren? Geht’s noch klischeehafter? Ich meine, die Vier sind scheinbar zufällig im Spiel gelandet. Ein besondere Motivation außer dem Überleben haben sie nicht. Sie sind austauschbare Figuren, die auch ebenso Polizist, Koch oder Mechaniker sein könnten.

Es gibt eine alte Drehbuchweisheit: „It’s all about character!“. Das bedeutet nichts anderes, als dass jede Tat direkt mit der entsprechenden Figur verknüpft ist. John McClane zitiert nie Shakespeare, Pretty Woman holt nie die Pumpgun heraus und Lassie tritt nicht beim Hundekampf an. Es geht um Authentizität, denn mit glaubhaften Helden fiebert man als Zuschauer stärker mit. In „Dead Island“ sind es alles Pappfiguren. Wieso wandelt sich ein egoistischer Ex-Footballstar plötzlich in einen Menschfreund, sucht Teddybären und trägt Nahrungskisten durch die Lande?

Baseball-Schläger, Rohrzangen oder Küchenmesser. In „Dead Island“ werden Alltagsgegenstände zur tödlichen Waffe. (Bild: Deep Silver)

Kurz, mir ist das Schicksal meines „Helden“ vollkommen egal. Ich hätte gerne erfahren, wie es mit der Familie aus dem Trailer weitergeht. Doch im Spiel findet man nichts davon. Stattdessen geht es in Richtung „verrückter Wissenschaftler, gescheitertes Experiment, blablabla“. Schlimmer noch, Techland will den ganz großen Wurf wagen: Open-World. Dabei ist wohl nichts schwerer, als ein „grenzenloses“ Spielprinzip mit einem Drama zu verbinden. Wo die Spieler möglichst viele Freiheiten wollen, verlangt eine gute Geschichte Ordnung und die Konzentration auf das Wesentliche.

Vielleicht schieße ich mit diesem Anspruch über das Ziel hinaus. Techland wollte vielleicht nur ein „Borderlands“ mit Zombies. So gesehen gibt es ja auch Gutes zu berichten: Relativ schnell finden sich Autos, die Kämpfe werden dank unterschiedlicher Gegnertypen herausfordernder und an den Werkbänken können sich die Spieler ihre eigenen Waffen zusammenbasteln. Allerdings müssen die Verteidiger des Spiels zugeben, dass die Macher oftmals geschlampt haben. In der Einzelspieler-Kampagne darf ich mir Cutscenes aus dem Koop-Modus ansehen, nahezu kaputte Autos stehen plötzlich wieder an der Basis, und kümmert mich das Schicksal der einzelnen Auftraggeber? Offensichtlich nicht. Zumindest wäre es logisch gewesen, wenn ich sie an einen sicheren Ort bringen könnte.

An Ende ist man klüger. Statt Drama und Emotionen wird wie üblich draufgehauen.(Bild: Deep Silver)

Ich muss aber ehrlich zugeben: „Dead Island“ ist wie die meisten anderen Spiele. Es ist nicht besonders schlecht, aber auch nicht besonders gut. Das relativ simple Spielprinzip kann zeitweise im Koop-Modus unterhalten und die Story ist sowieso nur eine Ausrede zum Zombieschlachten. Ich kann nur nicht verstehen, warum man sich die Mühe mit diesem Trailer gemacht hat. Es wäre ehrlicher gewesen, wenn einfach ein paar Leichenteile durch die Luft gewirbelt wären. Zombies gehen doch immer.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 28. September 2011

6 Kommentare zu “Dead Island: Zombies All inclusive

  1. Ich hatte ja Spaß mit Dead Island, aber vielleicht auch, weil ich mich nicht durch den Trailer habe hypen lassen. Mir war klar, dass hier deutlich zu hohe Erwartungen gesetzt werden. Aber die Intention von Techland ist auch ziemlich eindeutig: Der Trailer wurde dermaßen viral, dass ein vorher extrem unbekanntes Spiel zum neuem Messias der Zombie-Fans erkoren wurde. Was besseres hätte den Jungs nicht passieren können.

    • Klar, ich habe auch nicht erwartet, dass Techland die Erwartungen erfüllen kann. Ich finde aber, dass sie es zumindest hätten versuchen können. Das Geballere im letzten Drittel bringt ja theoretisch etwas Abwechslung hinein, aber im Grunde genommen muss ich doch nur warten, bis die strunzdummen Gegner ihren Kopf aus der Deckung heben. Ich hätte ja das ganze monotone hin- und her verschmerzen können, wenn wenigstens die Story halbwegs in Ordnung wäre. Aber die wird in meinen Augen einfach nur billig hingerotzt.

    • Ich suche nicht nach dem nächsten „Sieben“, sondern nach Ansätzen von Story oder überzeugenden Charakteren. All das, was „Dawn of the Dead“,“Braindead“ (v. P. Jackson) oder sogar „Saw“ und „Hostel“ hatten. Nichts von dem finde ich in „Dead Island“.

      • Schreibt doch lieber mal wie schlecht Rage geworden ist (schlechteste id-software Game aller Zeiten) anstatt dafür zu werben. Das Game hätte ein Verriss verdient: zu kurz, schlechte Grafik durch schlechte Engine, null Story, ewigs gleiche Gegner, Schlauchlevels und viel zu kurz geraten. Das Game ist eine Katastrophe, wenn man es als Konkurrent zu Borderlands anschaut (und das will es definitiv sein).

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