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Dying Light: Der Letzte lässt das Licht an

Geschrieben von Dominik

Zombies. Mal wieder. Ausgelutscht. Nicht tot zu kriegen. Da klingt “Dying Light” fast wie ein Versprechen: Vielleicht ist das endlich der Deckel auf dem Faß ohne Boden? Das letzte Aufflackern einer Flamme kurz vor dem Erlöschen? Erlösung von den Untoten? Mal ehrlich: Wir haben doch allmählich alles mit Zombies durch, oder? Klassischen Survival Horror in “Resident Evil”, Open-World-Spiele mit “Dead Rising” und “Dead Island“, Adventures mit “The Walking Dead”. Womit will uns “Dying Light” da noch kommen?

Dead Island meets Mirror’s Edge

Die Antwort lautet: First Person Parkours. Ja, gab’s schon, bei “Mirror’s Edge” zum Beispiel. Aber was sollen sie bei Techland auch machen? Da haben Sie mit “Dead Island” eine Millionenverkäufe versprechende, erfolgreiche Marke am Start – und dann gehört die Koch Media bzw. Deep Silver, die sich den Spaß von anderen Studios wie Yager Development fortsetzen lassen. Es war wohl naheliegend für Techland, beim Erfolgsrezept zu bleiben und dieses mit ein paar neuen Spielelementen aufzupeppen.

Auch in der Welt von "Dying Light" kennen sie Zombiefilme...
Auch in der Welt von “Dying Light” kennen sie Zombiefilme…

“Dying Light” könnte jedenfalls ohne weiteres “Dead Island: Grabbling Hook” heißen. Auch wenn’s diesmal nicht mehr auf einer Insel, sondern in einer Stadt spielt, die unter Quarantäne gesetzt wurde. Da werdet ihr im besten “Escape from New York”-Stil reingeschickt, um einen Undercover-Auftrag auszuführen. Mehr müsst ihr eigentlich nicht wissen, weil’s eigentlich sowieso egal ist. Wegen der Story wird sich das Spiel vermutlich eh keiner kaufen. Die NPCs, mit denen ihr es zu tun bekommt, ziehen sich wie Action-Figuren an und der Plot ist ungefähr so löchrig wie die Kleidung eines Zombies.

Insgesamt gibt es für Spieler von “Dead Island” keine großen Überraschungen. Das Spiel scheint sich auf den ersten Blick etwas ernster nehmen zu wollen (vermutlich entsteht der Eindruck dadurch, dass es sich bei den Zombies nicht um Urlauber in Bademode handelt), im Spielverlauf werdet ihr aber genauso zum Laufburschen für das, was so an Aufgaben nach der Zombieapokalypse anfällt: Generatoren in Gang setzen, Arzneimittel besorgen und so weiter und so fort.

Die NPCs in "Dying Light" sehen nicht nur aus wie Action-Figuren, sie versorgen euch auch mit optionalen Nebenquests, die euch auf Trab halten.
Die NPCs in “Dying Light” sehen nicht nur aus wie Action-Figuren, sie versorgen euch auch mit optionalen Nebenquests, die euch auf Trab halten.

Rennen, Springen, Klettern

Neu (zumindest für ein “Dead Island”-Spiel) ist dabei, dass ihr euch jetzt nicht mehr durch die Horden der Untoten schnetzeln sollt oder müsst, sondern eher versucht, den Handgemengen aus dem Weg zu gehen. Wo “Dead Island” voll auf Nahkampfwaffen setzte, lässt euch “Dying Light” rennen, springen und klettern. Das funktioniert überraschend gut und macht erstaunlich viel Spaß, denn anders als etwa in “Mirror’s Edge” seid ihr hier ja in einer Stadt unterwegs, in der ihr euch frei bewegt. Den Spielfluss kann man sich in etwa so vorstellen wie bei “Prototype” oder “Infamous” ohne die Superkräfte. Nur eben aus der Ego-Perspektive. Ein bisschen also wie “Titanfall” mit Zombies. Gegeneinander spielen könnt ihr übrigens auch. Ein bisschen wie in “Left4Dead”. Oder miteinander, so wie in, naja, “Dead Island” eben.

Der beste Weg zu überleben führt über Häuserdächer. Der Bäckerladen unten ist geschlossen, vermutlich wegen des Namens.
Der beste Weg zu überleben führt über Häuserdächer. Der Bäckerladen unten ist geschlossen, vermutlich wegen des Namens.

Alles in allem bleibt das Spiel durch den Fokus auf die Fortbewegung relativ abwechslungsreich, denn ihr müsst euch immer mal wieder neue Wege über die Hausdächer ausgucken, die euch zu dem angepeilten Ziel führen, ohne in die gierigen Klauen der Untoten zu geraten. Dazu könnt ihr euch kleine Hilfsmittel wie Feuerwerkskörper basteln und diese zur Ablenkung benutzen. Kampf, Crafting und Parkours werden in drei unterschiedlichen Talentbäumen abgehandelt, für die ihr separat Erfahrungspunkte bekommt, wenn ihr die jeweiligen Fähigkeiten einsetzt. Dadurch entwickelt ihr dabei eine Spielfigur, deren Fähigkeiten eurem Spielstil entsprechen. Aber auch das ist nicht neu.

Die Bundesprüfstelle mag immer noch keine Zombies

Viel mehr muss ich eigentlich gar nicht über das Spiel sagen. Ist es schlecht? Nein! Ist es ein Pflichtkauf? Ebenfalls nein! Angesichts der Tatsache, dass das Spielejahr 2015 eher gemächlich ins Rollen kommt, könnte man an sich schon mal einen Blick riskieren, wenn einem Zombies noch nicht so krass zum Hals raushängen würden, wie einem Untoten die Gedärme aus dem Bauch. Bei vielen scheint das allerdings nicht im selben Maße der Fall zu sein, wie bei mir denn “Dying Light” scheint sich zu verkaufen wie geschnitten Brot. Laut der NPD Group verbucht “Dying Light” im ersten Monat sogar die besten Verkaufszahlen aller Zeiten für eine neue Spieleserie im Survival Horror-Genre. Dürfte “Evil Within” ärgern, das sich diesen Titel nur für ein paar Wochen sichern konnte. Dabei hatte es doch auch Zombies am Start! Wenn man sich das so anschaut, dürfte es eher unwahrscheinlich sein, dass die Untoten in nächster Zeit ihre Ruhe finden werden. Bedauerlich. Inzwischen ist das Thema wirklich zu Genüge ausgeschlachtet worden.

Einziges Hindernis für Spieler mit einer unerschütterlichen Beigesterung für Untote auf der Suche nach neuem Futter für ihre PS4 oder Xbox One bleibt hierzulande allerdings ein alter Bekannter: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ist nach wie skeptisch gegenüber Zombies eingestellt. In Deutschland ist das Spiel im Eilverfahren indiziert worden. Macht aber nichts, denn einen offiziellen Release in Deutschland gab es ohnehin (noch) nicht und die Retail-Versionen aus dem europäischen Umland lassen sich ohne Probleme auf Steam aktivieren oder auf der Konsole installieren (getestet habe ich das allerdings nur mit der PS4-Version) und dann auch mit einem deutschen Account spielen. Mit der Konsolenversion hatte ich übrigens weniger Probleme als der PC Version. Mein i5 mit 3GHz, 8GB RAM und einer 2GB Geforce 660Ti hatte wesentlich mehr mit dem Spiel zu kämpfen, als die Playstation 4. Zumindest ich kann mich also nicht dem Urteil von Digital Foundry anschließen, dass die PC Version die beste ist.

Über Dominik

Dominik Mieth ist seit Pac-Man von Videospielen fasziniert und öfter durch die Welt 1-1 von Super Mario Bros. gelaufen als zur Grundschule gegangen. Während dem Studium der Filmwissenschaft, Germanistik und Philosophie landete er u.a. bei DemoNews.de, wo er im Austausch für Rezensionsexemplare Spiele testen durfte.... [weiterlesen]

Veröffentlicht am 15. Februar 2015

4 Kommentare zu “Dying Light: Der Letzte lässt das Licht an

  1. Dürft ihr so einen Test denn überhaupt hier veröffentlichen? ^^

    Dying Light ist so eine Sache. Generell interessiert es mich nicht sonderlich, allerdings habe ich einige Streams auf Twitch gesehen und fand es recht unterhaltsam und durchaus nett, da es sich zumindest im späteren Verlauf ja teilweise wie ein normaler Egoshooter spielt. Im Vergleich zu den inoffiziellen Vorgängern scheint dies hier jedoch ohnehin der beste bzw. interessanteste Titel zu sein.

    Generell ist (sollte) die PC Version selbstredend die optisch beste sein, entsprechende Hardware vorausgesetzt. Wobei es ja einen Patch gab, der die Performanceprobleme deutlich verringert hat, allerdings hat Techland hier wohl getrickst und einfach die Weitsicht auf 50 Prozent reduziert …

  2. Jonas schrieb am :

    Wenn man keine Zombies mag sollte man einfach kein Zombiespiel mehr spielen und nicht rumjammern, dass doch bitte endlich keine Zombiespiele mehr gemacht werden sollen… ich hasse Sportspiele und fordere doch auch nicht, dass bloss kein weiteres FIFA erscheinen soll. ;)

    Ich habe mit Dying Light sehr viel Spaß gehabt und ertappe mich gerade wie ich nach dem Durchspielen immer noch weitermache und die restlichen Quests, Challenges und Achiements hole, einfach weil es Spaß macht in dieser Welt per Freerunning unterwegs zu sein. Das macht mir mehr Spaß – offenbar auch langfristig – als so manches krampfhaft originelle und neuartige Spiel der letzten Zeit…

  3. Hihi! Ja, gibt viele Zombie-Spiele da draußen, aber man muss ja nicht jeden sch… spielen ;)
    Zumal uns gerade die Zombie-Spiele, meiner Meinung nach, 2 großartige Spiele beschert haben, die für die letzten 10 Jahre einzigartig waren: The Walking Dead Staffel 1 und The last of Us… Ich bin nach wie vor großer Fan der Untoten… aber Dying Light reizt mich jetzt gar nicht. Aber scheinbar kann man damit dennoch spaßige Stunden verbringen, wohl auch aus Mangel an anderen interessanten PS4/XBone-Spielen…

  4. Pingback: Dying Light: My Apocalypse Collector’s Edition kostet 340.000 Euro! | GamingGadgets.de

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