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Wie verhext: Drei Abende mit The Witcher 3

Geschrieben von Dominik

“The Witcher 3” ist das erste Spiel in diesem Jahr, auf das ich mich wirklich gefreut habe! Viel zu spielen gab es in diesem Jahr ja eh noch nicht. “The Order 1886“? Schön, aber belanglos. “Bloodborne”? Hardcore-Trial & Error ist nicht mein Ding. “Pillars of Eternity”? Nett, doch nichts für meine Geforce 980 GTX. Und jetzt endlich “The Witcher 3”: Geile Grafik? Check! Kämpfe mit der richtigen Mischung aus Anspruch und Action? Check! Und dazu eine Story, die hier und da mit “Game of Thrones” verglichen wird! Was will man mehr? Naja, dass es nicht ständig abstürzt vielleicht….

Symbolbild #1: Eingefroren. Nichts geht mehr.
Symbolbild #1: Eingefroren. Nichts geht mehr.

Eigentlich hätte ich es besser wissen können – da war ja noch diese dunkle Erinnerung an das erste “The Witcher”, das Spiel mit den kaputten Spielständen (Tipp im Internet: nicht zu oft abspeichern). Oder “The Witcher 2”, das 2011 erschien und noch bis 2012 mit ständig neuen Patches (Neue UI! Mehr Content! Neues Balancing!) versehen wurde, sodass man nie so richtig wusste, wann es denn jetzt einfach mal ausgereift ist. Im Grunde ist es ja toll, dass sich CD Project RED so ins Zeug legt und ihre Spiele auch nach dem Release noch soweit verbessert, dass daraus knapp ein Jahr später mal eine Enhanced Edition wird. Aber nachdem die Veröffentlichung von “The Witcher 3” zweimal verschoben wurde, war ich guter Hoffnung, dass ich bei der dritten Episode gleich von Anfang an zufrieden gestellt werde. Vermutlich könnt ihr euch schon denken, wie es weitergeht…

Der erste Abend…

Kommen wir also zum ersten Abend mit “The Witcher 3”: Ein nett gemachtes Animationsfilmchen aus 2D-Grafiken stimmt mich auf die Welt von “The Witcher” ein. Darauf folgt ein Renderintro, das sich vor Blizzards Trailern nicht zu verstecken braucht. So entsteht Lust aufs Spielen! Der erste Screen mit Spielgrafik ist ein Standbild. Der Ton läuft weiter. Irgendwas stimmt da nicht! Als der Ton dann auch noch hängen bleibt und mich “The Witcher 3” wenig später sang und klanglos auf den Desktop zurückwirft, ist klar, dass das wirklich nicht so gedacht sein kann. Also nochmal. Diesmal wird das Intro übersprungen. Nachdem ich etwa ein halbes Dutzend mal auf die Leertaste hämmere, bin ich wieder an der selben Stelle. Nun darf ich mir Cutscenes in Spielegrafik anschauen, bis der Witcher nackt aus einer Badewanne steigt. Und just in dem Moment, in dem sein vernarbter Rücken den Bildschirm ausfüllt, bleibt wieder alles stehen. Mit einem Crash zum Desktop ist es nicht getan. Diesmal startet der Rechner nach einem Bluscreen neu. Wie schön.

Den Rest des Abends verbringe ich damit, zumindest mal die einfach umzusetzenden Tipps von anderen Spielern (bzw. solchen, die es wie ich erst noch werden wollen) aus dem Internet zu befolgen. Eine ältere Version vom Grafikkartentreiber installieren. Den Detailgrad der Grafik runterschrauben (besser es läuft in hässlich, als gar nicht). Immerhin: Obwohl das Spiel weiterhin zuverlässig abstürzt oder den Rechner neu hochfahren lässt, weil kein Hilfsmittel wirklich anschlagen will – ich schaffe es, zu der Stelle im Spiel zu gelangen, in der mir die Steuerung erklärt wird. Spätestens beim Kampf-Tutorial ist aber Schluss. An der Stelle gebe ich auf. Zeit fürs Bett.

Symbolbild #2: Der Witcher wurde schon mehrmals zusammengeflickt.
Symbolbild #2: Der Witcher wurde schon mehrmals zusammengeflickt.

Lösungsvorschläge aus dem Internet

Abend 2: Den Tag über rede ich mir ein, dass ich einfach auf den obligatorischen nächsten Patch warten werde. Aber dann lese ich auf Reddit von einer einfachen Sache, die ich noch nicht probiert habe und gleich mehrere andere Verzweifelte zum Posten ihrer Erfolgsmeldungen veranlasst: den zweiten Monitor ausstecken. Zuhause also erstmal unter den Schreibtisch kriechen und tatsächlich! Da hängt ja noch der Fernseher mit an der Grafikkarte. Schnell das HDMI-Kabel gezogen und in der Euphorie nochmal beide Intros angeschaut. Jetzt wird es sicher laufen! Die Hoffnung stirbt zuletzt!

In der Tat darf ich diesmal sogar das Tutorial abschließen. Und dies, obwohl die Grafik inzwischen wieder auf “Ultra” eingestellt ist. Als ich gerade bei meinem ersten Ritt durch die Landschaft den dank NVIDIA HairWorks unfassbar beeindruckenden Schweif meines Pferdes bewundere, ist der Zauber aber auch schon wieder vorbei. Erstaunlich: “The Witcher 3” läuft jetzt nicht mehr nur ein paar Minuten, sondern sogar rund eine halbe Stunde bis zum Absturz. Reicht ja schon fast zum Spielen, wenn ich regelmäßig speichere! Mit etwas Geduld komme ich so weit, dass ich in einer Kneipe mit einigen der anwesenden Gäste plaudern darf. Nachdem ich zwei der Dialoge zweimal durchgeklickt habe (je einmal vor und einmal nach dem Neustart) reicht es mir aber wieder. Zeit fürs Bett.

Symbolbild #3: Blick in den Abgrund. Bereit für den nächsten Absturz?
Symbolbild #3: Blick in den Abgrund. Bereit für den nächsten Absturz?

Noch ein Patch!

Der dritte Tag vergeht erneut mit Bekundungen meinerseits, das Spiel ruhen zu lassen, bis es gepatcht wird. Und siehe da: Als ich am Abend den Rechner anschalte, ist da was? Genau! Ein neuer Patch! Und die Patchnotes versprechen alles, was ich mir wünsche! Allem voran: mehr Stabilität und weniger Abstürze! Die Freude währt lange genug, dass ich mir einreden kann, der ganze Spuk sei endlich vorbei: Ich verprügle ein paar Halunken vor dem Gasthaus. Ich lasse mich anheuern, einen Greifen zu erledigen, und entschließe mich dazu, noch ein paar Nebenquests zu absolvieren, bevor ich dem Vieh gegenübertrete, schließlich bin ich gerade erst bei Level 2.

Also trete ich an, einen Geist zu vertreiben, wofür ich wie der weltgrößte Detektiv Hinweise aufspüre. Inzwischen so tief im Spiel versunken, dass ich das regelmäßige Speichern längst vergessen habe. Wozu auch? Läuft ja jetzt! Gab doch den Patch! Der Abend endet damit, dass ich fassungslos auf meinen Witcher starre, der mit erhobenem Schwert im Sprung erstarrt ist, just in dem Moment, als er dem Geist den tödlichen Treffer versetzen wollte. Bluescreen. Wutausbruch. Verzweiflung…

Morgen werde ich vermutlich darüber nachdenken, ob ich mir einen 10 Minuten-Timer am iPhone stelle, damit ich in regelmäßigen Abständen ans Speichern denke. Oder überlegen ob ich – Tipp aus dem Internet! Hilft bestimmt! – meine Grafikkarte untertakte. Soll manchen Leuten etwas gebracht haben. Vielleicht siegt die Vernunft und ich warte einfach noch ein paar Monate bis zur Enhanced Edition und quäle mich bis dahin mit “Bloodborne”. Da hab ich wenigstens dafür bezahlt, auf die Fresse zu kriegen. Oder vielleicht gibt’s ja auch auf Steam ein Spiel im Early Access? Da frage ich mich dann wenigstens nicht, warum es noch nicht bugfrei ist…

Über Dominik

Dominik Mieth ist seit Pac-Man von Videospielen fasziniert und öfter durch die Welt 1-1 von Super Mario Bros. gelaufen als zur Grundschule gegangen. Während dem Studium der Filmwissenschaft, Germanistik und Philosophie landete er u.a. bei DemoNews.de, wo er im Austausch für Rezensionsexemplare Spiele testen durfte.... [weiterlesen]

Veröffentlicht am 22. Mai 2015

3 Kommentare zu “Wie verhext: Drei Abende mit The Witcher 3

  1. Oh man, solche Details wurden in den ganzen Tests aber ziemlich unter den Tisch gekehrt.

    Na ja, bei Witcher warte ich eh auf die Enhanced Edition, vorher lohnt es sich einfach nicht. Und außerdem brauche ich immer noch eine neue Grafikkarte, meine alte ist bei Witcher 2 bei maximalen Einstellungen schon arg überfordert, wie ich gerade feststellen durfte, und ich mag solche RPGs nun einmal mit der bestmöglichen Grafik zocken.

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