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Polycast #32: Battleporn im Shitstorm

Geschrieben von Andreas

Vor ein paar Tagen veröffentlichten wir eine sehr kritische Kolumne über “Battlefield One”. Das “Medienecho” überraschte uns. Von den “Sozialen Medien” über Podcasts bis hin zu Zeit Online wurde unser Text verlinkt und die darin enthaltenen Kritikpunkten lebhaft diskutiert, wenn auch nicht immer besonders stilvoll.

Sven unterhält sich mit Andreas über Diskussionskultur im Netz und die Lust am Abenteuerschauplatz Krieg.

Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 23. Mai 2016

28 Kommentare zu “Polycast #32: Battleporn im Shitstorm

  1. Die Meinung der individuellen Mitglieder der Facebookgruppe Videospielkultur representiert nicht zwingend die Meinung und Agenda der Videospielkutur-Vereins!
    Desweiteren habe ich auf Grund der Anschuldigung, dass reine vulgäre Beleidigungen statt gefunden haben, noch ein mal die offene Diskussion überprüft und habe nichts der gleichen gefunden.
    Falls doch ein verbaler Angriff statt gefunden hat bitte ich als Admin der Gruppe immer um Meldung, damit wir schneller reagieren können, auch wenn es selten der Fall ist.

  2. Michael Rudolph schrieb am :

    Wer austeilt muss auch einstecken können. die Polemik des Artikels zusammen mit der Bevormundung des Lesers in richtung “Gewalt ist böse hhhmkay” hinterlässt mich in keinster Weise verwundert über jeglichen Wiederstand oder Trotzreaktion zu dem Thema.
    Ich will Argumente sehen. Warum darf der erste Weltkrieg nicht zu reinen Entertainment Zwecken in ein Spiel gepackt werden. Dass die damaligen Kriegsmethoden grausam und wiederlich sind, bezweifelt niemand. Sadismus und Grausamkeit spielen allerdings in keinem Multiplayer den ich je gespielt habe, eine tragende Rolle.
    Über den Sinlgeplayer ist nichts bekannt. Vielleicht behandelt der das Thema ja ausreichend. Hauptsache schon mal ins Hornissennest gestochen und potentielle Interessenten mit kindischer Stichelei ferngehalten. 2 Thumps up.

    Ach ja: hier noch mal Internet für Anfänger: Ein Shitstorm ist in der Regel das beste, was euch passieren kann. Vielleicht solltet ihr ihn nächstes mal Sinnvoller nutzen.

    • Interessanterweise fand Kollege Sven die Reaktion auf den Artikel schlimmer. Ich wusste sehr wohl, was ich da gemacht habe. Insofern haben mich die Reaktionen nicht überrascht (was auch im Podcast deutlich wird).

      Um mal etwas festzuhalten: In meiner Kolumne geht es nicht um Gewalt in Videospielen, sondern um die moralische Verantwortung bzw. um den “moralischen Kompass”, wie es unser Leser “Le Don” unter der Kolumne bezeichnet hat. Grundsätzlich stört es mich, dass kritische Inhalte, wie eben Krieg, in Videospielen nie hinterfragt werden. Es wird einfach nur konsumiert was uns die Publisher vorwerfen. Das ist in etwa die Situation, die wir in der Anfangszeit des Kinos hatten: es war neu und es war spektakulär. Nach über 40 Jahren Videospielentwicklung kann ich aber schon mal ein bißchen mehr verlangen, nicht wahr? Pures Entertainement ist ok, wenn es denn so eine Art Kontrastprogramm gäbe. So etwas hat das Medium Film bereits seit den frühen 20er Jahren geleistet.

      Übrigens: Wenn wir einen Shitstorm bezweckt hätten, würden wir jetzt mit einer Gueules-Cassées-Klickstrecke weitermachen. War aber nie unsere Intention. Kritische Artikel zum Thema Krieg gab es hier schon vor ein paar Jahren.

      • Michael Rudolph schrieb am :

        Ich frage mich halt immer noch, wieso ausgerechnet Battlefield diese Verantwortung jetzt alleine tragen muss und deswegen nicht wie gewohnt einfach einen Trailer präsentieren kann, der einfach Lust auf den Multiplayer macht. Wenn niemand Lust hat, den ersten Weltkrieg differenziert zu behandeln, dann hat halt niemand Lust. Die Verantwortung trägt entweder jeder oder niemand. Ich denke halt generell ist sowas einfach im Singleplayer besser aufgehoben, da der Multiplayer sich ja Null dazu eignet, Atmosphäre, Grausamkeit, Trauer o.Ä. zu vermittlen. Wenn man das so haben möchte wie bei Filmen, sollte mein nicht auf den Multiplayer schauen, denn Multiplayer sind nicht wie Filme. Singleplayergames schon eher.

      • @Michael Nun ja, es ist halt der Trailer zu BF 1 ;-) Wenn es CoD oder MoH gewesen wäre, hätte ich genauso reagiert.

      • Aber wie du selber bemerkt hast gibt es durchaus Spiele wie Valiant Hearths die diese Aufgabe erledigen. Hinterfragst du bei einem Michael Bay Film auch warum Transformers eine halbe Stadt zerstören? Seichte Unterhaltung will unterhalten und nicht mehr. Da höhere Massstäbe anzusetzen ist meines Erachtens vermessen. Nur weil man nicht bei jedem Buch, Film oder Spiel gleich den Debattierklub der verkannten Ethiker zusammen ruft, heisst das nicht dass man sich über kritische Themen nicht Gedanken macht und ein apathisches Scheusal ist.

  3. Michael Rudolph schrieb am :

    Also um die Argumentation an der Stelle zu verfolgen: Ihr Stichelt mit “Kriegsgeilheit” und fordert dann, dass jemand sich sachlich mit eurem unsachlichen Artikel auseinandersetzt. Nee tut mir leid, so funktioniert das nicht.

    Darüber hinaus heisst es: “In Kunst und Film und Literatur gibt es schon seit Langem auch Antikriegs- Statements”. Heisst das jetzt, dass deswegen Battlefield, ein Multiplayer Titel mit langer Geschichte deswegen diese Richtung einschlagen muss? Das ist als Würde ich von einem Horrorfilm erwarten, dass ich ihn auch mit meinen Kindern sehen kann, ohne dass diese schlecht träumen. Ich hab es schon oft gesagt und ich sage es noch mal: Es muss einen Platz für unreflektiertes Entertainment geben. Allein schon, weil die Konsumenten keine Idioten sind, denen man alles vorkauen muss.

    Ihr könnt ja gerne mehr Spiele in Richtung Kriegs kritik fordern. Aber Bitte ohne zuerst die Battlefield/ Shooter Community zu bevormunden und dann zu erwarten, dass diese sich sachlich damit befassen.

    • Wo ist das reflektierte Entertainment im Videospielebereich über Krieg? Ich rede nicht von den ganzen Indieproduktionen, die zusammengenommen nicht mal ansatzweise die Verkaufszahlen und die Aufmerksamkeit eines BF erzielen.

      • Michael Rudolph schrieb am :

        Nicht im Multiplayer, da passt es nicht rein, wie ich oben schon erwähnt habe.
        Ich habe auf facebook bei Videospielkultur e.V. auch schon erläutert, dass der Singleplayer vom neuen Battlefield sehr wohl ein anderes Bild auf das Szenario werfen kann, dort wären alle Erzählerischen Mittel vorhanden, wie Rahmenhandlung, Charaktere, starke Bilder etc. Etwas was ich mir im Multiplayer schlichtweg nicht vorstellen kann.

        Ich habe eigentlich was das angeht keine Hoffnung an das neue Battlefield, da die Story bekanntermaßen schwach ist. Das ist schade, denn es ist schon richtig, dass der erste Weltkrieg richtig was hergibt, speziell, weil so so heftiger Stoff ist. Shooter sind bislang leider generell mager im Erzählerischen.

      • Was hat Erreichbarkeit oder Verkaufszahlen mit der Wertung eines Werkes zu schaffen? Glaubst du bei Film und Buch wäre es anders. Auch dort verkauft sich leichte Kost besser als schwere! Warum sollte das Medium Spiele es besser machen als andere Medien?

      • Ich bin wahrscheinlich durch die Schule (und Fernsehen, Kirche, etc.) geschädigt. Halt ein Kind der 80er, wo einem bei jeder Gelegenheit und überall eingebläut wurde, wie böse wir Deutschen doch sind. Deswegen kann ich mit dem ganzen “Kriegskrams” wohl auch so wenig anfangen. Egal ob “bejubelt” oder “pseudo-kritisch”, es geht mir meist einfach nur auf die Nerven. Am schlimmsten finde ich jedoch immer wieder die gleiche Leier hören zu müssen. Und gefühlt wird die westliche Welt in den letzten Jahren immer konservativer und von freier Meinung keine Spur mehr, sofern man nicht auf der richtigen Seite, der politisch korrekten, steht.

  4. @ Michael Rudolph:

    Um mich mal auf einen deiner ersten Kommentaren und deinen neueren auf den vorherigen Artikel zu beziehen, aber, genau, vielleicht wird Battlefield 1 den ersten Weltkrieg würdigend behandeln und uns nicht nur platte Action-Unterhaltung bieten – vielleicht bietet mir mein Chef demnächst auch an, die halbe Arbeit für den doppelten Lohn machen zu dürfen, denn man wird ja noch an den Weihnachtsmann glauben dürfen.

    Nee, Leute, pardon für den Sarkasmus, aber ernsthaft. EA präsentieren ihren neuen Ableger mit teils super hektischen Schnitten, Zeitlupen, fetten Explosionen, Panzern, Pferden, einem Mega-Zeppelin und einem dick-aufgestylten Remix zu Seventh Nation Army und da meint man noch, die werden das Thema gebührend, mit Anstand und vielleicht sogar fördernd behandeln? Das ist das selbe Macho-Franchise, für das eine Mega Fox geworben hat. Es ist nicht nur das eine Franchise, sondern das ganze Genre, welches uns jährlich Unterhaltung bietet, die gezielt lediglich irgendwelche Kinder-Phantasien bedienen. Mag man mir vielleicht nicht glauben, stammt aber vom “lead designer and technical art director” vom ersten Modern Warfare, der in “The making of Call of Duty 4: Modern Warfare” (zu finden auf Gamasutra) sagt

    “Kids the world over grow up fantasizing about being a soldier, and we aimed to let adults live out their childhood fantasies”

    Genau deswegen finde ich dieses Genre so mies und da muss man sich nicht über die Kritik wundern, wenn für diesen Scheiß nicht nur Johnny Cash und David Bowie missbraucht werden, sondern mal wieder reale Szenarien ran dürfen, ohne sich mal in der Pflicht zu nehmen, diese angemessener zu behandeln. Siehe dazu dann auch die Szenen in Modern Warfare, in der eine feindliche Basis zerbombt wird und ein Soldat in die Kamera guckt und schreit “Man, ist das geil!” oder die munteren Kommentare, als der Spieler selber bomben darf. Am Ende sind es dann aber nur die doofen Russen und Araber, die “verdient” getötet werden – es ist immer noch der Feind, der die Atombombe zündet und als Monster darsteht, aber der Spieler darf immer noch der Gute bleiben. Und nun, knapp zehn Jahre später sag keiner von den glühenden Fans “Man, das war ganz schön aufwühlend.”

    Deswegen braucht es solche Artikel und deswegen muss ein Andreas die Battlefield-Spieler “bevormunden”, denn die Spieler (allgemein) scheinen es ja gar nicht mehr zu merken und meinen tatsächlich mehr als diese albernen Männerphantasien sehen zu können.

    Oder die immer gleichen Argumente. Wie oft musste Andreas schon sagen, dass es hierbei gar nicht um Gewalt in Spielen an sich geht? Teufel, da wird Gewalt allgemein von einem ganz besonderen Spezi in einen Topf geworfen, weil man bloss nicht differenzieren dürfe und wilde Vergleiche mit dem Tatort aufgestellt – als ob der auf einer Stufe mit z.B. A Serbien Film (jaha, hier habt ihr mal ein Filmbeispiel für Dreck) stehen würde.

    • Du verwechsels Unterhaltung mit kritischer Mahnung. Bei Unterhaltung muss und vor allem sollte nicht immer dieser (nervige) erhobene Zeigefinger vorhanden sein.

      • Nö, nicht wirklich, weil ich auch nicht davon rede, dass Unterhaltung grundsätzlich diesen Zeigefinger haben müsste. Umgekehrt sollte man auch nicht alles hinnehmen und geil finden, was einem als Unterhaltung aufgetischt wird.

      • Macht ja auch keiner. Aber Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Da sollte man sich mit dem mahnenden Zeigefinger eben zurückhalten.

  5. Nö, wieso sollte man? Es geht mir ehrlich gesagt am Allerwertesten vorbei, wenn sich einer wie davon genervt fühlt. Anhand der Reaktionen auf Andreas Artikel sieht man ja, dass die Leute eben doch ungefragt die immer gleiche Scheiße konsumieren und medial weiter verblöden. Paar Zeigefinger wären abseits von Spec Ops und Indie-Spielen wahrscheinlich mal angebracht.

    Und “Geschmäcker sind verschieden” ist in dem Zusammenhang ein denkbar blödes Argument. Um den Gedanken mal weiter zu spinnen, aber es ist auch nicht okay im Holocaust-Mahnmal in Berlin verstecken zu spielen, weil “Geschmäcker halt verschieden sind.” Nein, keine Gegen-Argumente, das macht man nicht – hat gute Gründe.

    • Und mir gehen Leute auf die Nerven, die seit 100 Jahren immer wieder mit dem gleichen erhobenen Zeigefinger kommen. So schließt sich dann der Kreis. Ich muss das nicht haben, ich kann zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Also anders ausgedrückt, meinetwegen mahnt in euren Kreisen und echauffiert euch aber lasst die anderen damit zufrieden.

      • Klar, da ist man schnell in der Bevormundungsfalle, aber mit deinem “echauffiert euch aber lasst die anderen damit zufrieden” verbietest du praktisch jede kritische Auseinandersetzung mit einem kontroversen Thema. Aber weisste, ich glaube diese Spielerszene hat den erhobenen Zeigefinger schon mal nötig. Gestern habe ich in Battleborn gegen einen Typen gespielt, der sich “#Auschwitz” nannte. Haha, witzig. Über so Typen stolpere ich öfters. Hitler, Goebbels (natürlich alles in Leet-Speak für “Kenner”) scheinen da doch ziemlich präsent zu sein. Wenn die Spieler denn überhaupt wissen, wen sie da meinen.

        Historisches Grundwissen sollte jeder besitzen. EA hatte nach eigenen Angaben große Bedenken wegen BF 1, weil sie glaubten, dass ihre Zielgruppe den Ersten Weltkrieg gar nicht kannte. Und diese Leuten soll er als großes Actionspektakel vorgesetzt werden? Da kannste auch einen Hardcore Porno mit einer Jungfrau drehen und die DVD deinem 12 jährigen Neffen zum Geburtstag schenken.

        Aber damit wir uns hier richtig verstehen: Es geht mir nicht darum, ob die Spieler Realität und Fiktion unterscheiden können. Wie Le Don schon geschrieben hat: Es gibt Dinge, die macht man nicht. Du würdest doch auch nicht auf einen Friedhof gehen und auf das Grab eines Fremden pinkeln, oder? Ich würde Videospiele gerade bei der Gewaltdiskussion gegen jeden verteidigen, aber wenn dieses Medium nur eine Richtung kann – Spaß um fast jeden Preis – dann darf ich dagegen anbrüllen. Mag sein, dass du mit deiner Bildung und deinem Weltverständnis alles richtig einordnen kannst. Aber du bist halt auch nur einer unter Millionen.

      • Natürlich ist das Mahnen und Aufklären wichtig, schon alleine, damit so etwas nicht wieder geschieht.

        Auch ich finde es absolut “panne”, wenn sich jemand in einem Spiel den Nick Hitler oder ähnliches gibt. Allerdings finde ich schon, dass man da auch schauen muss, wieso die Person dieses tut. Für Ausländer ist das z.B. oft “nur” ein Name eines großen Bösewichts, leider. Bei deutschen Jugendlichen hängt viel von der sozialen Schicht und auch dem Alter ab, in der Pupertät sind Kinder gerne rebellisch und üben sich im Tabubrechen und Grenzen ausloten. Die meisten werden sich später zu wunderbaren Menschen entwickeln aber sicher wird es auch einige geben, die asozial bleiben und quasi unter den Tisch fallen. Hier muss sich dann in der Gesamtgesellschaft vielleicht noch einiges ändern, um solche Fälle aufzufangen und letztlich doch noch zu integrieren. Wie das geschehen soll oder z.B. auch finanziert werden kann, darüber kann man sicherlich hervorragend streiten.

        Entscheidend ist letztlich tatsächlich die Erziehung und die Sozialisierung. Von daher ist es auch wichtig, wen man dann letztlich mit seinem “mahnenden Zeigefinger” erreichen kann und will.

  6. Volle Zustimmung zu Andreas Kommentar. Man soll sich echauffieren und kritische Kommentare schreiben dürfen, aber dabei bloss keinen auf die Nerven gehen und alle in Ruhe lassen? Das ist doch blödsinn, völlig konträr zum eigentlich Sinn der Sache und unterstreicht dann wieder, wie unkritisch Spieler ihr Hobby behandelt haben möchten.

    Inwiefern Spieler zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können, ist für mich auch irrelevant, denn das ist nicht das eigentlich Problem, warum es solche Diskussionen überhaupt gibt. Hatte ich aber auch schon in der vorherigen Diskussion erläutert.

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