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Battleporn 1

Geschrieben von Andreas

Das neue “Battlefield 1” spielt im Ersten Weltkrieg, und alle jubeln so “Yeah, Senfgas”. Ihr seid doch nicht ganz dicht.

Da stürmen Reiter auf Panzer, Doppeldecker liefern sich einen Dogfight. Und dann steht da noch der coole Held, der mit einem Spaten die Feinde niedermetzelt. Geil, oder? Mehr noch, kriegsgeil. Stört halt nicht, dass der Erste Weltkrieg einer der grausamsten Kriege aller Zeiten war. 17 Millionen Tote, weil die Soldaten damals einige neue Kampftechnologien wie Artillerie oder eben Giftgas einsetzen. Für halbwegs empathiefähige Menschen ist das an Grausamkeit kaum zu überbieten, aber für Spieleentwickler wie Dice ist das eine Fundgrube voller Spielegadgets. Moralische Verantwortung my ass.

Es gibt kaum eine Spielereihe (neben “ARMA”), die den Militarismus und Waffenfetischismus, der mit dem Thema unweigerlich zusammenhängt, so abfeiert wie “Battlefield”. Spielerisch mag das toll sein, die riesigen Schlachten mögen abwechslungsreich sein und das taktische Vorgehen fordernd, aber es ändert nichts daran, dass es realen Krieg als spaßiges Feierabendvergnügen darstellt.

Ihr jetzt so: “Mimimi.”

Dieser pubertäre Umgang mit dem Thema “Krieg” mag vor 20 Jahren noch okay gewesen sein. Das Genre steckte in den Kinderschuhen, die Technik war noch nicht da und die Entwickler waren “nur” Programmierer, aber keine Geschichtenerzähler, die verantwortungsvoll mit so einem Thema umgehen könnten.

Aber heute schreiben wir das Jahr 2016. Es gibt keine Ausreden mehr. Spieleentwicklungen knacken nicht selten das Budget eines Spielfilms. Hunderte von Experten, arbeiten an der Technik, dem Look und den Inhalten. Trotzdem stehlen sich die Spielemacher ständig aus der Verantwortung. Es soll ja nur Spaß machen.

Kein anderes Medium schlachtet reales Leid so ungeniert aus, wie das Videospiel. Wer das aber behauptet, gilt schnell als hinter dem Mond lebende, spießige Spaßbremse (was an sich schon witzig ist, weil in Actionspielen ja meist ein äußerst altbackenes und reaktionäres Selbstjustizszenario entworfen wird). Aber es heißt doch so schön: “Aus großer Kraft folgt große Verantwortung”. Sollen die ganzen Jahre der Entwicklung, die ganzen Monate an Spielzeit, die ganze Lebenszeit, die wir dafür geopfert haben, nur eines sein: oberflächliche Unterhaltung, die ein Jahr später wieder vergessen ist, weil das nächste Spieleupdate ansteht? Alles Zeitvergeudung.

In der Mitte der Gesellschaft?

Angeblich sind Videospiele in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zeigt den “Battlefield 1”-Trailer doch mal euren Eltern, Verwandten oder Freunden, die mit Videospielen nichts am Hut haben. Was werden die wohl sagen? “Herrgott, ist halt ein Videospiel”. Na, Mahlzeit. DAS ist die Mitte der Gesellschaft.

Jetzt kommt dann wahrscheinlich der Spruch: “Du kennst das fertige Spiel doch gar nicht!”. Stimmt, ich war noch nicht mal auf dem Presseevent. Aber wisst ihr was? “Battlefield” hatte inhaltlich noch nie etwas zu sagen. Da die Entwickler laut Interview keine Doku über den 1. Weltkrieg machen, habe ich auch bei “Battlefield 1” erhebliche Zweifel. Bevor ihr also losballert, spielt lieber mal “Valiant Hearts” oder – für Actionfans – “The Darkness”. Da seht ihr mal, wie ein Spieleentwickler mit diesem Thema umgehen sollte.

Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 8. Mai 2016

37 Kommentare zu “Battleporn 1

  1. Mich stört an der Argumentation ein Punkt – vor 20 Jahren ist Heute für Menschen, die 20 Jahre jünger sind.

    Mein heutiges Ich findet den Trailer abstoßend. Aber irgendwo in mir drin weiß ich – wäre ich heute 16, ich würde den Battlefield 1 – Trailer “geil” finden und hoffen, dass ich irgendwie drankomme.

    Würde das Spiel mich zu einem anderen Menschen machen, nur weil es fetzigere Effekte hat als meine WW2-Shooter vor 20 Jahren?

    Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu den bigotten alten Knackern werden, die wir als junge Menschen scheiße fanden. ;)

    • Danke für den Kommentar! Auf FB geht es bzgl des Artikel gerade rund, aber hier ist ja tote Hose :(

      Würdest du dein heutiges Ich jetzt als klüger oder dümmer bezeichnen? Klar habe ich früher dem Ganzen auch unkritischer gegenüber gestanden, aber mit meinem heutigen Wissen kann ich Battlefield 1 nur verurteilen. Nicht alles, was man in der Pubertät gemocht oder getan hat, war gut und vernünftig.

      • Ich glaube nicht, dass die Rückfrage so fair gegenüber jüngeren Menschen ist. Die Pubertät ist nicht die Zeit um gut und vernünftig zu sein, sondern die Zeit um gegen die Lehren der Eltern zu rebellieren und von Kind zum Erwachsenen zu werden.Dazu passt übrigens ganz herrlich dein Artikel – da macht es doch nochmal extra Spaß in Battlefield 1 einzutauchen und den Opa Andreas zu ärgern. :D

        Irgendwo ist der gesäuberte erste Weltkrieg ebenso ein Fantasysetting wie die ferne Zukunft, wo alles aussieht wie im Apple-Store, oder ein Rollenspiel-Mittelalter mit Gleichberechtigung und Schnellreisesystem. Wo ich so darüber nachdenke, ist mir dieses Fantasyszenario sogar noch lieber als Kopftuchmenschen abballern auf Schlachtfeldern der Gegenwart. Viele Staaten, die am ersten Weltkrieg teilgenommen haben, gibt es in dieser Form nichtmal mehr. Der Propagandaeffekt wird also ziemlich eingeschränkt sein.

  2. Sabrina Spr. schrieb am :

    Huhu (ich antworte ganz bewusst mit meinem Klarnamen ;) )
    Zu mir vorne weg: 24 Jahre alt, studiere Game Development, absoluter Battlefield Fan, von BF1 umgeworfen worden -> werde es mir definitiv holen.

    Zu deinem Blog:
    Ich habe das sehr sehr lange nun sacken lassen und mir viel Zeit gelassen darüber nachzudenken.
    Mein erster Gedanken war (v.a. in Anbetracht deines Alters): ey du Knacker, komm mal klar. Schon allein weil der Text doch recht aggressiv verfasst ist und sich jemand wie ich dadurch persönlich angegriffen fühlt (im ersten Moment).
    Nach einiger Zeit des Überdenkens und mit all der Erfahrung die ich gesammelt habe, sprichst du in deinem Artikel etwas grundsätzlich richtiges und auch wichtiges an, aber du verpackst es falsch.
    Denn die Argumente die du anführst und die vor allem auf moralische Werte abzielen können problemlos auf jedes wohl zweite Game v.a. bei First Person Shootern übertragen werden. Und, blickt man mal zurück, auch auf sämtliche Medien die vor dem Gaming existent waren. Und so war es auch. Dem Fernsehen wurde genau dies bereits vorgeworfen, Bildern und Büchern wurde genau dies bereits vorgeworfen.
    Jedes neue Medium musste über sich ergehen lassen, dass das gezeigte menschenverachtend, gewalttätig usw. sei, jedem Konsumenten wurde unterstellt diese Gewalt auch auf die Realität zu übertragen (im weitesten Sinne gefasst) und dass allein der Wunsch nach mehr solcher Brutalitäten höchst verwerflich sei.
    Aber wie wir wissen haben weder Bücher, noch das Fernsehen, noch Computerspiele jemals zu Amokläufen, Kriegen oder Folterszenen geführt, da waren ganz andere grundsätzliche Faktoren bereits kaputt.
    Von daher finde ich gilt erstmal: Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird ;)
    Und jetzt das große ABER:
    Ich finde durchaus dass es wichtig und richtig ist darauf hinzuweisen, dass das was gezeigt wird reines Fantasiedenken ist, in einer virtuellen Phantasiewelt spielt und weit entfernt ist von der Realität. Das ist klassische Aufklärung, die man jedem angedeihen lassen sollte.
    Es ist ein Spiel. Ende. Mehr nicht.
    Es geht darum zu gewinnen. Das Setting drumherum trägt nur zum Feeling bei, aber in erster Linie will man das gewinnen. Das Krieg keine gute Sache ist, darüber sind sich alle einig. Und wenn du einen Gamer fragst dann wird er dir das auch so sagen. Dennoch aber ist es faszinierend und ich sehe nichts falsches daran, diese Faszination und Begeisterung für dieses Thema virtuell ein wenig auszuleben. Im Endeffekt werden wir aber Battlefield spielen. Nicht 1. Weltkrieg. Wir werden fasziniert sein von der Leistung der Engine und süchtig werden durch das hervorragend designte Gameplay.
    Und dennoch wissen wir: Krieg ist scheiße.
    Mit diesem Wissen im Hinterkopf spielen die meisten Spieler dieses Spiel. Sie kaufen es, weil Doppeldecker und Zeppeline irgendwie cool und faszinierend sind und spielen es immer wieder weil die Spielmechanik Spaß macht.
    Uns pauschal moralische Verdrehtheit anzudichten finde ich weder fair noch weitsichtig. Es ist verallgemeinernd und in gewisser Hinsicht beleidigend.
    Aber es ist ok darauf hinzuweisen, dass das Setting, das zur Verfügung gestellt wird in Wahrheit Not und Elend hervorrief, traumatisierte Menschen, Tod und Krankheit und dass das, was wir da tun, ein virtuelles Erlebnis ist und nichts mit der Realität zu tun hat, bzw. haben sollte. Das steckt zwar in deinem Blog drin, ist aber nur sehr schwer herauszufiltern zwischen all den Vorwürfen und Pauschalisierungen.

    Just my 50 cents ^^

    • Wolfgang Walk schrieb am :

      “Es ist ein Spiel. Ende. Mehr nicht.”

      Und jetzt setzen wir mal Buch ein. Oder Film. Oder Theaterstück …
      Diese Sätze gibt es nicht. Nicht im wirklichen Leben. Dort ist ein Kulturprodukt ein Kulturprodukt und wird als solches ernst genommen. Und das gilt inzwischen auch für Games.

      Wir haben 2016.

    • Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Zunächst mal sind mir als Film- und Medienwissenschaftler die ganzen Diskussionen um Mediengewalt sehr wohl bewusst. Auch brauchst du mir die spielerischen Grundprinzipien nicht zu erklären – so alt bin ich nun auch wieder nicht ;-) Das ändert aber nichts daran, dass mich Marketingsclaims wie “Erlebe das ganze Ausmaß des Krieges” oder “Erlebe die Geburtsstunde der modernen Kreigsführung” sprich Massenvernichtungskrieg, zum Kotzen bringen. Da geht es weniger darum, ob das Spiel zu Amokläufen führt, sondern schlicht und einfach um den Respekt vor den Opfern und die Menschenwürde. Eine Marketingmaschine, welche Massenvernichtungswaffen hochjubelt, ist in meinen Augen respektlos und menschenverachtend.

      • Vergiss bitte nicht dass diese PR Leute Amerikaner sind, und dass Militärdoktrine die seit dem 2. Weltkrieg in der USA herrscht eine ganze Bevölkerung ähnlich eine Hirnwäsche verabreicht hat wie bei den Sowjets. Und diese Aussage kam übrigens nicht wörtlich aber sinngemäss letztlich von einem US Politwissenschaftler. Angesicht dessen müsste man der Aktualität halber eher Battlefield Hardline kritisieren, welche die Militarisierung der US Polizei auch noch propagiert. Angesicht einer US Polizei die ihre eigene Bevölkerung als Feind sieht, ist diese Thematik viel aktueller als ein Spiel über den 1. Weltkrieg und ihren Opfer die gar nicht mehr leben (gibt kaum noch jemand der aktiv den 1. Weltkrieg erlebt hatte). Schlussendlich ist die US Spielindustrie der verlängerte Rekrutierungsarm der US Army und das ist ja auch sehr offensichtlich. Dass uns das als Europäer aufstosst ist nachvollziehbar wird aber egal wie viel wir uns dagegen enervieren nichts ändern, denn die US Presse reagiert ganz anders auf das Thema und das ist für diese Herren in der PR Abteilung relevant.

  3. Wolfgang Walk schrieb am :

    Ziemlich genau meine Gedanken, als ich den Trailer sah. Klar, ich bin schon älter. Mein Vater war noch in WK2 dabei, mein Großvater in WK1 in Verdun. So konservativ wie mein Vater war, hatte er da doch eine klare Ansicht: “Wer immer Dir erzählen will, dass moderner Krieg irgendwie heldenhaft sein kann, der ist ein schon ein Massenmörder.”

    Ich verstehe solche Szenarien nicht, und wünschte, ich könnte sie einfach als pubertär abtun. Wenn sie halbwegs die Regeln der Welt befolgen würden, die sie heraufbeschwören, dann wäre das Spiel sehr kurz, und dann würde der Avatar von irgendeiner verirrten Kugel oder Grante zerfetzt. Oder es wäre länger, und man würde in einem mit Wasser gefüllten Granattrichter an Unterkühlung verrecken, während oben die Maschinengewehre einen tödlichen Vorhang ziehen.

    Aber das wäre halt kein geiles Spiel. Deshalb muss man da eine Männlichkeitsphantasie draus machen, in der der grauenhafte Tod vieler Millionen Menschen zum Marktgeschrei für einen Gewaltporno wird.

    Es sei denn, DICE gelingt die vollkommene Überraschung – und das Spiel ist viel besser als der Trailer.

    • Luis schrieb am :

      Könnten Sie mir bitte den Unterschied zu abertausenden Filmen nennen, die ähnliche Themen seit einem Jahrhundert aufgreifen?

      Warum genau wird jetzt das Gaming an sich angegriffen, wo es die Verherrlichung des Krieges doch schon länger in den audiovisuellen Medien gibt, als die Videospiele selbst?

      • Natürlich gibt es kriegsverherrlichende Filme, allerdings nicht in einer solchen Radikalität wie es eben Spiele tun. Vor allem sind es in den letzten 30 – 40 Jahren nur Nischenprodukte gewesen, die billig für den Heimkinomarkt produziert wurden. Bei Videospielen sind es stattdessen die großen Mega-Blockbuster, die das Medium nach aussen hin prägen.

      • Nicht? Patton, The Partriot, Privat Ryan, Black Hawk down fallen mir gerade spontan ein.. Nebst den paar Antikriegsfilmen (Platoon, Apocalypse now, Full Metal Jacket) der alt Hippies aus Hollywood gibt es sehr viele grosse Hollywood Produktionen die den Krieg verherrlichen, eigentlich die überragende Mehrheit. Und diese gibt es seit den Weltkriegen, gewisse wurden ja in den 30er und 40er sogar als Propaganda produziert. Ehe mal so ein unqualifizierten Mist heraus lässt, sollte man sich bzg. Filmgeschichte schon etwas informieren. Es gab in Hollywood immer schon eine Fraktion die hinter der republikanisch kriegstreiberischen Politik stand und solche die sie kritisierten. Und beide haben diverse grosse Produktionen die letzten Jahrzehnte hervor gebracht, wobei die Propaganda für das Militär klar überwiegt. Wer will sich schon mit seinen Geldgeber verscherzen?

      • @Thomas P.: Wollen wir doch mal bitte sachlich bleiben. Ich kann mich nur wiederholen: Natürlich gibt es kriegsverlichende Filme, nur sind die in den letzten Jahren rar geworden. Private Ryan oder sogar Black Hawk Down arbeiten sogar mit den Mitteln des Anti-Kriegsfilms (wenn es den Begriff überhaupt noch gibt). Platoon wird dagegen oft in die kriegsverharmlosende Ecke gedrängt. Allen ist gemeinsam, dass sie das Thema Krieg nicht so unreflektiert ausbeuten, wie es eben nun mal Videospiele im Stil eines Battlefield tun. Hierin wird nie etwas hinterfragt, während es in einem Film meist mehrere Erzählebenen gibt. Selbst ein “Expendables” – so oberflächlich er auch sein mag – erzählt die klassische Söldnergeschichte von Reue und Vergebung.

  4. chris schrieb am :

    Also das Argument “Kein anderes Medium schlachtet reales Leid so ungeniert aus, wie das Videospiel.” ist ja mal ein Unsinn.
    Sorry aber lieber Autor, schau dir doch einmal alle Kinofilme der letzten 10 Jahre an und dann erzähl mir nochmal das das Thema Krieg beim Videospiel ganz oben steht.

    Das einzige Problem ist bei jeden Spiel wo es darum geht irgendeine Art von Gegner auszuschalten, die Zensur des Deutschen Staates. Das entfernen von Blut oder abgetrennten Körperteilen bewirkt das der “Krieg” verharmlost wird. Würde der Spieler (gerade die Jüngern) sehen was eine Granate wirklich bewirkt, wäre der Respekt gegenüber Waffen und Gewalt deutlich höher in unserer Gesellschaft. Dann hätten solche Spiele auch deutlich weniger Erfolg.

  5. Ursprünglich wollte ich dir euphorisch zustimmen, aber nach einiger Überlegung wage ich zu behaupten, dass du da unbewusst mit zweierlei Maß misst.
    Das sind die abgedroschenen Argumente für Videospiele als Kulturgut, die ich hier nun ablasse, aber sie enthalten nun mal eine gewisse Wahrheit: Jedes andere Medium hat denselben Weg genommen, dieselben Vorwürfe über sich ergehen lassen müssen und ist in dieselben Fettnäpfchen getreten. Wenn du sagst, kein anderes Medium ergötze sich so am Leid anderer wie das Videospiel, hast du wohl nicht allzu viele Thriller gelesen. Oder gar A Clockwork Orange, das sehr intensiv mit Sadismus und Gewaltdarstellung arbeitet. Klar hat das zumindest mehr Aussage als “Töten, geil”, aber für diesen alleinigen groben Unterhaltungswert gibt es unzählige Thriller, Krimis und Horrorgeschichten. Man könnte ihn sogar vielen modernen Klassikern wie Edgar Wallace oder Arthur Doyle unterstellen, wenn man wollen würde. Das nimmt anderen Büchern nicht die Berechtigung, zum Zwecke der Warnung oder der Aussage einer These oder Meinung zu existieren. Ich lese gerade eine Sammlung von Zeitzeugenberichten aus Tschernobyl und habe trotzdem Spaß an S.T.A.L.K.E.R. Analog wertet BF1 mit seiner Existenz Valiant Hearts nicht ab oder verbietet die Existenz von Valiant Hearts die Entwicklung von BF1. Selbst spielen will ich es auch nicht – dass es erscheint, finde ich aber eine gute Sache. Manche Menschen brauchen leichtere Kost, um Interesse für schwerere desselben Themenbereiches zu wecken. Wenn jemand sich BF1 zulegt, hinterher mal im Steamsale Verdun (das übrigens sehr zu empfehlen ist; dort wird sogar der Weihnachtsfrieden eingehalten) mitnimmt und dann Valiant Hearts spielt, dann ist er am Medium Videospiel gewachsen und verkümmert auch nicht wieder, wenn er anschließend hin und wieder ein paar Runden Battlefield spielt.

    • Puh, Clockwork Orange als Beispiel für einen oberflächlichen Thriller? Da gibt es seitenlange Abhandlungen, die das Gegenteil behaupten;)

      Ich stimme dir zu, dass jedes Medium verschiedene Stadien der berechtigten oder unberechtigten Kritik durchlaufen musste, egal ob es die ersten gedruckten Zeitungen, die Penny Dreadfuls, Theaterstücke oder Filme waren. Nur haben diese sich weiterenwickelt und sich ihren Stand als anerkanntes Kulturgut erkämpft. Man muss nämlich leider zugeben, dass sich erste Zeitungsartikel oder Romane mit ziemlich blutrünstigen und oberflächlichen Themen beschäftigten, die in erster Linie ihre Klientel schocken sollte, um Aufmerksamkeit zu erregen.

      Videospiele verlassen sich dagegen oft noch heute, über 40 Jahre nach ihrer Erfindung, auf billigste Effekthascherei. Es werden Motive aus Filmen oder Romanen genommen, nochmal ordentlich vereinfacht und dann auf die Zielgruppe losgelassen. Das kann ich in vielen Situationen abwinken. Allerdings wird es kritisch, wenn sich das Medium heiklen und komplexen Themen wie eben Krieg annimmt. Da verlassen sich die Macher doch sehr oft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und der heißt in der Regel Ballern. Zeit für Nuancen bleibt da nicht, aber dummerweise ist dies ein wichtiges Element, um aus Schund Kunst zu machen (mal etwas vereinfacht formuliert). Es gibt natürlich Ausnahmen, wie z. B. Spec Ops The Line usw.

      Ganz unabhängig davon ist eine Marketingkampagne, die Giftgas als Feature anpreist, indiskutabel. Das Gleiche würde ich übrigens auch über Atombombenangriffe bei WW2-Shooter schreiben.

      • Michael Rudolph schrieb am :

        Nur mal so: Giftgas war tatsächlich ein “Feature” im ersten Weltkrieg. Wieso darf es nicht im Multiplayer vorkommen, oder im Trailer?

        Wenn ich einen WW1 Shooter spiele, erwarte ich doch, dass auch tatsächlich hystorisch korrekte oder zumindest inspirierte Kriegsmethoden vorkommen.

        Was Nuklearangriffe angeht: Modern warfare 1 ist da ein gutes Beispiel. im Singleplayer stirbt eine Spielbare Figur an einem Nuklearen Angriff. Glorifiziert wurde da gar nichts.

        https://www.youtube.com/watch?v=jB-n_8zq9Qo

        Auch im Singleplayer zu Battlefield bin ich mir recht sicher, wird Giftgas vorkommen. Mal abwarten, wie sie das Thema behandeln werden.

  6. Meine Güte, bei den Kommentaren mit den immergleichen Argumenten wie “Buch und Film machen es nicht besser”, “Alte Medien” hatten genau so einen Stand” oder “Aber andere Spiele…” wird mir übel. Geht es eigentlich auch ohne diese Ausweich-Argumentation? Aber gut, sei’s drum:

    Der Verweis auf die letzten zehn Jahre Kino-Welt halten Videospiele tatsächlich nicht stand, denn nennt mir mal bitte ein komplettes Film-Franchise, welches jährlich einen neuen Ableger hervorbringt und anfangs sogar immer neue Verkaufsrekorde aufstellt – in der Spielebranche sind es sogar mehrere Franchises. Vor kurzem war Modern Military das dominierende Genre im Spielbereich. Davon ab mag es stimmen, dass Spiele ein relative junges Medium sind, aber wir sind dennoch eine Gesellschafft des 21. Jahrhunderts und wir haben eine kulturelle Messlatte aufgebaut – warum diese künstlich nach unten beschränken und Spiele nach den Kriterien des 18. Jahrhunderts (oder welche Zeit auch immer ihr angebracht haltet) bewerten? Was soll dieses Messen nach zweierlei Mass, wenn wir einem Michael Bay vorwerfen, die Massen mit seiner Scheiße zu verblöden, aber bei Spielen solch einen Mist durchwinken? Bay hat wenigsten soviel Anstand, für seine Macho-Materialschlachten keine realen Schauplätze zu verwursten, sondern Kinderspielzeug-Roboter zu verwenden. Denn das ist etwas, was die Gamer scheinbar auch nicht raffen: Andreas klagt in seinem Artikel nicht die Gewalt in Videospielen zu Entertainment-Zwecken an sich an – es geht darum, ob für diese Unterhaltung reale Begebenheiten missbraucht (yea, I said it) werden sollen. Immerhin ist die CoD-Reihe soweit und setzt auf ein fiktives Sci-Fi-Setting, wenn auch weniger aus Anstands-, als eher aus Profit-Gründen. Oder, Gott bewahre, wir fangen an diese Settings nicht nur für dummen Macho-Scheiße zu verwenden, sondern stattdessen etwas mit Anspruch vorzeigen und das Publikum fördern – wohlgemerkt in der Triple A-Sparte und nicht im Indie-Bereich, der als entschuldigendes Vorzeige-Lamm herhalten darf. Aber Krieg darf scheinbar nur dann herhalten, wenn es cool ist und ja, dann würde ich tatsächlich moralische Verdrehtheit vorwerfen.

    Denn denkt mal nach, was ihr da eigentlich macht und was da eigentlich passiert. Zuerst dachte ich beim Lesen von Andreas Artikel, was denn der alte Kaffee soll. Das ist doch Schnee von gestern. Hallooo, 2010 hat angerufen, wir haben heute doch einen ganz anderen Anspruch. Aber dann sehe ich die Kommentare – nicht nur hier, sondern auf Facebook und ich fange tatsächlich an, mich zu ärgern. Ja, ich könnte ehrlich gesagt Kotzen. Wieso hinterfragen die Spieler nicht das, was, was sie da sehen und trauen sich etwas Scheiße zu finden, bzw. reden die Kritik runter? Schluckt ihr Leute eigentlich alles, was man euch vorwirft? Hat euch die Branche schon soweit durchgekocht, dass ihr alles hinnehmt und sogar verteidigt? Wie weit sind wir eigentlich davon entfernt, dass ein KZ-Manager in den Top Ten der Steam-Charts stehen mag – “ist ja nur ein Spiel.” Aber wehe, ein Publisher veröffentlicht DLC’s oder bietet Pre-Order-Boni. Erst dann ist das Geheule groß.

    Und falls mir Jemand vorwerfen mag, für den Quatsch einfach zu alt zu sein: Vor zehn Jahren, als die ganze Warfare-Soße losging, fand ich das ganze mit meinen 20 Jahren einfach nur langweilig und habe tatsächlich kein CoD angefasst.

    • Danke für den Kommentar. Ich finde, der trifft es in vielerlei Hinsicht so gut!

      Klar, der Artikel ist von Andreas, aber trotzdem prallen die dummen Kommentare nur ab. Weil sie letztlich auch bestätigen, dass manche Leute gar nicht gewillt und in der Lage sein, eine Diskussion zu führen. Dazu müsste man ja mal vom hohen Ross runterkommen und/oder nachdenken. Andere Kommentare wiederum find ich auch gut. Man muss ja Andreas’ Meinung gar nicht teilen, dann kann man eben Gegenargumente bringen. Aber einfach nur “Quatsch” und dann abhaken. Vielleicht noch “Ist ja nur ein Spiel, was soll dieses Mimimi?” Für mich sind solche Reaktionen auch ein gutes Beispiel dafür, dass man von Spieleentwicklern vielleicht doch mal mehr Verantwortung abverlangen sollte.

      Für mich persönlich sah der Trailer übrigens nach Spaß aus. Hatte ich bei Twitter sogar getweetet. Daran hat sich rein bezogen auf den Ansatz des Spiels gar nichts geändert. Und trotzdem schwingt nach Andreas’ Beitrag ein fader Beigeschmack mit. Eben weil wir viel zu oft alles konsumieren, ohne zu hinterfragen. Das gilt freilich auch für Bücher oder Filme. Nur das ist keine Entschuldigung für menschliche Oberflächlichkeit, die vielleicht auch psychische Konsequenzen hat.

    • An sich richtig, was du schreibst. Allerdings muss man wirklich sagen, dass derzeit im Spielebereich jede Woche eine neue Sau durch das Dorf getrieben wird um Aufreger und somit Clicks und letztlich Einnahmen zu generieren. Da ist die Bild Zeitung ein Waisenknabe gegen.

      Egal ob Sexismus (CD Projects Cyberpunk 2077 als letztes von irgend einem unbedeutendem Entwickler kritisiert weil der Aufmerksamkeit brauchte), KiPo (ganz aktuell eine Mod für Stardew Valley, durch die man einen zehnjährigen NPC heiraten kann) oder Gewalt (DOOM ist spielerisch mau aber begeistert durch seine Brutalität dennoch die Massen).

      Und mich nervt dieser erhobene Zeigefinger wegen jedem kleinen Fliegenschiss inzwischen nur noch.

      • Ist halt kein Fliegenschiss, sondern einer der teuersten, größten und erfolgversprechensten Titel des Jahres.

      • Es geht nicht um die Größe des Spieles sondern um die Shitstorms. Diese werden halt derzeit im Spielebereich fast jede Woche wegen irgend einem Fliegenschiss losgetreten oder es zumindest versucht, da irgendeinen Aufreger künstlich zu erzeugen, in der Regel um Aufmerksamkeit zu erhaschen oder um sich selbst einfach in ein bestimmtes Licht zu rücken. Das eigentliche Anliegen mag zum Teil bereichtigt sein, oftmals ist die Sache aber einfach zu unrelevant oder marginal oder wurde eh schon 1000fach diskutiert.

      • Ich weiß nicht, ob sich der Kommentar auf mich oder Sven bezogen hat, aber es ist sehr bezeichnend, dass du den Dude mit der Cyberpunk 2077-Kritik genau das selbe vorwirfst, was Andreas mit seinem Text abbekommt: Der will nur Aufmerksamkeit. Kritisches Hinterfragen und Denken bezüglich dem “Kunst-” und “Kultur”-Produkt Videospiele hier in den Kommentaren? Ach wo, bloss nicht, wenn es nicht um die 60-Frames und die 1080-Auflösung geht.

        Dabei trifft die Kritik an CD Project einen wahren Punkt, den das bisherige Material war zwar hübsch, aber eigentlich auch sehr debil – kann man natürlich anders sehen, die Kritik muss aber nicht unterbunden werden, nur weil das Oberthema an sich schon älter ist. Genauso kann man auch in Frage stellen, ob Mods, in denen man 10-jährige heiraten darf, wirklich sein sollten – wobei ich auch nicht feststellen konnte, dass dahinter eine große Diskussion entstanden sei und sich das bisherige eher im Bereich von News-Meldungen befand, aber scheinbar ist das schon aufhetzerisch genug. Bezüglich Doom mag ich die Meinung nicht unbedingt teilen (gut, hab mich in dem Thema nicht reingelesen und fürchte, Doom wird auch wieder nur ein lahmer Shooter), aber ich sehe keinen Anlass, warum man so eine Diskussion nicht sinnvoll führen sollte, ohne sich gleich persönlich angepackt zu fühlen – es könnte ja etwas dran sein.

        Es ist schon absurd, dass vermutlich die selben Leute, die am lautesten gegen Andreas und seinen Texten schimpfen, bestimmt die selben sind, die ohne zu zögern Spiele als Kunstmedium bezeichnen würden, welches endlich in der Mitte der Gesellschaft ankommen solle. Denn genau solche Diskussionen gehören einfach dazu und Kunst darf – nee, muss sogar – kritisch betrachtet und hinterfragt und eben nicht dumm konsumiert werden. Genau das ist mit Filmen und Büchern auch nicht anders und gerade zu Filmen wie den Basterds wird es mit Sicherheit entsprechende Diskurse geben. Neulich habe ich einen interessanten Text dazu gelesen, wie im neuen Civil War eigentlich keine der Figuren der Held-Rolle gerecht wurde und in den Kommentaren schrieb niemand “Ist ja nur ein Film” oder “Die will doch nur Aufmerksamkeit.”

      • Hallo Le Don, ich bezog mich schon auf Andreas Kommentar aber dennoch danke, für deine ausführliche Antwort.

        Zunächst, Spiele sind keine Kunst sondern Unterhaltungsmedien. Dass sie oft künstlerisch aufwendiger und anspruchsvoller sind als Kunst die nichts weiter ist als Kunst und keinen weiteren Zweck erfüllt (was sehr selten ist, oftmals wollen ja auch Künstler Geld verdienen) ist ein Nebeneffekt.

        Die genannten Beispiele mit Stardew Valley, Cyberpunk 2077 und Doom (da fiel mir gerade kein anderes ein) sollten nur zeigen, dass solche “Shitstorms” halt sehr regelmäßig und inzwischen sehr gehäuft vorkommen. Neben dem mich nerven führt das doch meiner Ansicht nach auch zur Abstumpfung, wenn dann mal ein wirklich diskussionswürdiges Thema anfällt.

        Und klar, die NPC-Kind heiraten Mod ist, wenn man das auf eine reale und ausführlich dargestellte “Beziehung” ummünzt, grenzwertig, allerdings war sie wohl auch noch nicht fertig, da das Charakterbild durch verschiedene ältere Versionen ausgetauscht werden kann. Kann natürlich auch sein, dass dieses Features aufgrund des Drucks nachgereicht wurde. Und außer das man den NPC heiraten konnte ändert der sich allerdings auch nicht und man kann auch nicht mehr oder anders mit kommunizieren.

        Bei Cyberpunk glaube ich allerdings wirklich, dass es dem entsprechenden Entwickler von diesen Walking Simulatoren nur um die Publicity ging. Das gezeigte Motiv mit dem weiblichen Cyborg im knappen Superhelden-“Spandex”, die gerade einen Haufen Polizisten getötet hat und dann überwältigt wurde sieht optisch durchaus aufreizend aus, sofern man das in der Situation so empfinden mag (was sagt das über die Person aus, die nach einer blutigen Schlachtszene nur den angeblichen Sexismus anhand eines Schlussbildes empfindet?). War allerdings natürlich auch eine Hommage an ein Covermotiv des Papier-Rollenspiels aus den 90ern.
        Davon ab war das nur ein Teaser, der angeblich von nur einem Mann entwickelt wurde um etwas zum Zeigen zu haben, und der nicht wirklich was mit dem fertigen Spiel zu tun haben könnte. Ich sage könnte, weil niemand das bisher weiß, es gibt nicht eine Spielszene von dem Titel bisher geschweige denn weiß man etwas über die Handlung.

        Mir z.B. sind beim damaligen Betrachten des Teasers völlig andere Dinge in den Kopf gekommen: cool geschnitten, netter Matrix-Effekt, wenn das Spiel diesen Look und diese Atmosphäre widerspiegeln kann, dann wird das ein absoluter Knaller.
        Dass der weibliche Killer-Cyborg mit ihren Armklingen sexy war ist mir so in der ganzen Action überhaupt nicht aufgefallen. Das kam erst beim betrachten der “Making of” Fotos, wo ich dachte, “oh, das Model sieht der Renderfrau ja sogar ähnlich, Überraschung, verdammt schöne Frau”.

        Ich weiß nicht, wie nichtig ein Argument wie “das ist doch nur ein Medium und nicht real” wirklich ist. Man kann das Kleinreden aber einen Funken Wahrheit ist da doch drin. Denn es wird bei dieser Diskussion über gewalttätige oder sexuelle Darstellung, die ja seit Jahrzehnten schwelt, mindestens mit zweierlei Maß gemessen. Ein Toter im Tatort ist kein Problem, das kann man auch im Kinderfernsehen zeigen. Dabei ist Mord das absolut schlimmste Verbrechen und es spielt im Ergebnis keine Rolle, wie explizit oder überhaupt nicht er dargestellt wird. Der Leiche dürfte das herzlich egal sein. Tot ist tot.

        Knappe Outfits weiblicher Charaktere in Spielen sind nicht nur Lockmaterial für Teenager-Jungen. Im Gegenteil, gerade Frauen lieben es ihren Char in Rollenspielen so “heiß” wie möglich zu gestalten. Es ist eine Fantasie, um der “tristen” Realität zu entkommen. Viele Frauen sind in ihrer Fantasie gerne die schöne begehrte “Prinzessin”. Viele Frauen schauen sich auch gerne die knackigen Männer an. Das geht von beiden Seiten aus.
        Ich habe das Gefühl, echauffieren tun sich hauptsächlich diejenigen, die diese Titel gerade nicht selbst spielen (ähnlich wie die Pfeiffers bei der Killerspiel-Debatte). Leute, die nicht in der Lage sind in solche “romantischen” Traumfantasien abzutauchen sondern alles gleich auf die Realität ummünzen.

        Dabei sind selbst Kinder in der Lage zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Die Gefahren für die wirkliche Welt sind durch solche Fantasien also sehr gering. Im Gegenteil, können sie ja auch ein Ventil sein.

  7. Buranbai schrieb am :

    “Für halbwegs empathiefähige Menschen ist das an Grausamkeit kaum zu überbieten.” Das ist jetzt ganz schön eine Behauptung. Also wenn den Millionen die dieser Trailer begeistert hat und die Millionen die dieses Spiel spielen werden, es vollständig an Empathie fehlt. Würde unsere Welt schon um einiges anders aussehen.

  8. Ich finde die Aufregung um das Spiel mal wieder typisch. Ich weiß nicht, warum man sich darüber aufregen muss, leben und leben lassen, halt.

    Ich selbst mag solche realistischen Szenarien überhaupt nicht, egal wie sie dargestellt sind. Deswegen kann ich auch mit der GTA Serie so gar nichts anfangen und finde sie thematisch regelrecht abstoßend, mit Ausnahme von Vice City, welches sich ja stark an Miami Vice und damit durchaus einem farbenbunten Fantasiesetting orientiert.

    Für mich sind da aber dann auch Filme wie Soldat James Ryan eher kriegsverherrlichend und glorifizierend (ja, wirklich!) oder das ebenfalls abgefeierte Inglourious Basterds, den ich einfach nur widerlich fand, da er eigentlich nicht mal eine vernünftige story geschweige denn Charaktere hat sondern sich völlig auf die Gewaltdarstellung stürzt und alles andere zur Nebensächlichkeit werden lässt.

    Es gibt tatsächlich nur ganz wenige Kriegsfilme (das Anti vergessen wir mal ganz schnell) die ich gut fand, was daran lag, dass der Krieg zwar da war aber die Filme sich eher auf die Charaktere und ihre Erlebnisse konzentrieren. Dazu zählen dann tatsächlich Pearl Harbour, Der längste Tag, Merry Christmas Mr. Lawrance und die Miniserie Band of Brothers.

    Was Battlefield 1 jetzt anders machen soll als ein abgefeiertes Inglourious Basterds kann ich aber nicht nachvollziehen. Von daher, einfach die Kirche im Dorf lassen. Was der eine als schockierendes, aufrüttelndes Anti-Krieg Szenario empfindet sieht der andere als Verherrlichung und Verharmlosung. Es kommt also immer auf das eigene “Mindset” an.

  9. Pingback: Runde #58: Battlefield One und der Krieg – Auf ein Bier

  10. @ Spiritogre:

    Es ist mir ehrlich gesagt egal, wie man das bisherige Cyberpunk 2077-Material verteidigen mag, ich werde das Thema nicht nochmal aufrollen und neu erklären, was es so grenzdebil macht – hat ja eh kein Sinn. Und auch nach deinen Ausführungen zu Stardew Valley ist mir immer noch nicht klar, warum die Spielepresse nicht über die Mod berichten sollte. In jedem Falle kann ich bei weitem nicht erkennen, inwiefern die Spielepresse versuchen würde Shitstome zu arrangieren, als vielmehr Diskurse anzustossen (auch wenn es diverse Click Bait-Geschichten geben mag). Du erwähnst “wirklich diskussionswürde Themen,” aber was soll das sein und wie will man solche Themen unterscheiden? Sie sind nicht zwangsläufig unwichtiger, nur weil du dich persönlich von ihnen nerven läßt – leben und leben lassen geht auch in beide Richtungen.

    Das Argument „Das ist doch nur ein Medium und nicht real“ ist völlig nichtig. Ist ja schön, wenn Kinder zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können – ist mir egal, darum geht es nämlich nicht. Medien werden von Menschen konsumiert und können Menschen in der Tat formen. Ich mag jetzt zugegeben ein extremes Beispiel wählen, aber zu Kriegszeiten wurde Propaganda in Form von Medien wie Bild, Rundfunk und Film nicht verwendet, damit die Bevölkerung “ein Ventil ablässt,” sondern um sie anzustacheln und Feindbilder zu schaffen. Achtung: Mir geht es nicht um die Kasualität zwischen Spiele und Gewalt und ich behaupte auch nicht, Spiele würden uns aktuell zu Soldaten formen, aber sie haben – im Zusammenhang mit Andreas Artikel – dennoch eine gewisse Verantwortung und es bleibt kritisch zu hinterfragen, ob das so eigentlich noch vertrettbar bleibt. Wenn in Modern Warfare ein Haus mit “Feinden” zerbombt wird und mir ein Soldat in die Kamera ruft “Man, ist das geil,” dann möchte ich zurückrufen “Man, ist das scheiße!”

    Inwiefern Spiele Kunst sind, ist mir nebenbei gesagt auch egal. Ich habe dazu – eben wegen solchen aktuellen Beispielen wie das neue Battlefield und dem Cyberpunk-RPG – keine hohe Meinung zu den Spielen. Aber dennoch würde ich eine hohe Wette darauf tätig, dass gerade die, die Andreas für seinen Artikel am meisten kritisieren, am lautesten den Kunstanspruch beschwören.

    • Zu dem Kunstanspruch habe ich mich schon oben geäußert.

      Was den Rest angeht, wenn man sich über Gewalt und angeblichem(!) Sexismus in Videospielen aufregt, dann muss man das auch bei ALLEN anderen Medien gleichrangig machen!

      Wobei ich hier eben klar einen Unterschied zwischen Realität und Fiktion festmache.

      Ansonsten kannst du nämlich wirklich beim Vorabendkrimi anfangen (Gewalt) egal wie harmlos / verharmlosend dort Morde dargestellt werden. Mord ist und bleibt das schlimmste Verbrechen. Oder beim Thema Sexismus, da müsstest du mit den Arztromanen und ähnlicher Frauenliteratur beginnen (Rosamunde Pilcher trieft nur so vor Sexismus).

      Sorry, aber Medien werden nun einmal für eine Zielgruppe gemacht und sollen diese unterhalten. Dies tun sie, indem sie real (hoffentlich) nicht normal erlebte Ereignisse möglichst spektakulär für den Konsumenten ausrollen, damit dieser für ein paar Stunden dem grauen Alltag entfliehen kann.

      Wichtig ist eine gute Medienerziehung und dass auch dem letzten Vollhort klar ist, dass man so etwas in echt nicht macht. Was bei 99,9999 Prozent der Menschen auch zu 100 Prozent gegeben ist.

      Dann ist am Ende nämlich völlig egal, wie sexistisch oder gewalttätig ein Medium am Ende präsentiert wird.

  11. der Max schrieb am :

    Es ist 2016 wieso haben wir da Gewalt noch als Entertainment? WIeso lassen wir zu das Athleten im Ring die Fresse einschlagen(Boxen)?

    Es wird auch hier viel herumschwadroniert ob Gewalt, im besonderen mit realitätsbezug noch Zeitgemäss ist. Was ist jetzt eigentlich der Unterschied zwischen Dämonen und virtuellen Menschen abknallen?

    Etwas neues zur Debatte steuert der Text jedenfalls nicht bei.

    Es wurde hier oft das Film Argument angeführt und ich bin dabei wenn man das als Ausweichargument abtut, zumindestens wenn es so verwendet wird.

    Film und Spiel ist nicht direckt zu vergleichen wenn es um Presentation von Inhalten geht. Was aber vergleichbar ist sind ökonomische realitäten. Es gibt halt ne große Fan Gemeinde
    wenn es um “boots to the ground” Spiele geht. Un die holt man halt mit Valiant Hearts nicht ab. So wie jemand der jeden X-man film gucken geht mit arthouse kino eventuell nix anfangen kann. Es geht um Publikums-liebling vs. Kritiker-liebling.
    Klar, ist cool wenn beides zusammenkommt, trotzdem wird jede große Hollywood Produktion den Publikumsliebling vorziehen. Der Sorgt nämlich dafür das man nicht die Tür zusperren muss.

    Was ist also nun die “Mitte der Geselschaft”? Bist du es lieber Autor oder die Millionen die BF kaufen?

    Ich würde mich jedenfalls freuen wenn der Zeigefinger wieder runtergenommen würde, da wenn man schon vor hat eine intellektuell Debatte darüber zu führen ist der wenig hilfreich und man verzettelt sich in Graben kämpfen die nur an der Oberfläche schaben ohne zu irgend einem Erkenntnisgewinn zu kommen.

    Die interessanteren Fragen sind was hat Setting mit Gameplay zu tun? Was muss ein Spiel tun das es die “Mehrheit” (Verkaufszahlen) das als unmoralisch/abstoßend empfindet?
    Wieso ist es bei einem first person game die Messlatte eine andere wenn es um Kontext geht als bei Strategiespielen (CIV der genozid Simulator)? Wie kann Kontext in Spielen mit “fragwürdigen” realitätsbezug so eingebunden werden das er beim Konsumenten zum Nachdenken anstößt?

    Es ist 2016 und ihr seid alle doof wenn ihr das mögt sind keine guten Argumente und diskreditieren alle guten Argumente die angeführt wurden.

    Geh jetzt wieder den Weltraum ausrotten den meine Pilze brauchen mehr Lebensraum. Hail to the Gnorfen Empire.

  12. Deine Einwände sind richtig, nur aber falsch wenn du sie nur auf Spiele eingrenzt. Was wir uns doch an Katastrophenmeldungen am TV oder Kriegsbildern ergötzen, obschon es jeder abstreiten wird… mal ehrlich, das Problem liegt viel tiefer. Darum muss ich immer über den Ausdruck “das ist unmenschlich” lachen, denn wir versuchen nur immer unsere positiven Seiten hervor zu heben und gleichzeitig unsere tiefschwarze andere Seite der Medaille zu verbergen. Völkermord ist zu tiefst menschlich, leider, das weiss jeder der sich etwas mit Geschichte beschäftigt hat. Die Frage ist: Glorifiziert man das ganze oder versucht es differenzierter zu analysieren. Ich glaube nur dass Games sich schlecht als Debattierklub eignen.

    • Klar, das Thema kann man auch größer angehen. Nur ging es hier eben aus aktuellen gründen um das Battlefield 1. Ich glaube schon, dass Videospiele mehr leisten können, als sie es aktuell tun. Es gibt gute Ansätze (Spec Ops, Valiant Hearts), die ich auch gerne in solchen Aushängeschildern wie Battlefield sehen möchte.

  13. David schrieb am :

    Sorry im Voraus für den späten, langen und teilweise mäandrierenden Post! TLDR: wie kann man Fantasien moralisch bewerten?

    Man kann durchaus darüber diskutieren, ob Spiele und andere Medien unkritisch von historischen Szenarien Gebrauch machen dürfen. Allerdings müsste man das meiner Meinung nach etwas objektiver machen und nicht bei geographisch und zeitlich näheren Konflikten einen anderen Massstab anwenden als z.B. bei Rome: Total War. Worin besteht genau der moralische Unterschied zwischen Senfgas als Feature oder dem Kriegselefanten, der Leute zertrampelt? Worin derjenige zwischen einem Weltkrieg oder bloss einem Bandenkrieg im Chicago der 30er Jahre?

    Ich behaupte mal, mit etwas emotionaler Distanz sind da jeweils keine grossen prinzipiellen Unterschiede auszumachen.Es sei denn, man möchte Rücksicht auf die Gefühle von Hinterbliebenen und Opfern als Faktor gelten lassen, wonach dann auch je nach geographischer Nähe zum dargestellten Konflikt die Bewertung sich verändert. Dieser Relativismus ist mir aber etwas suspekt. Ich bin eher dafür dass man sagt, alle Spiele mit Realitätsbezug sind in moralischer Hinsicht nach gleichem Massstab zu bewerten.

    Ich kann ja definitiv auf emotionaler Ebene nachempfinden, dass ein salopper Umgang mit derartigen Themen Unbehagen bis Ekel auslöst, ich hab da auch meine Grenzen. Aber es würde mich Wunder nehmen: was genau ist Eurer Meinung nach das Problem, wenn etwas unkritisch als Szenario oder gar als Marketingmittel verwendet wird? Wird das reale Leid dadurch irgendwie abgewertet, relativiert? Es findet sich wohl kaum einer, der findet, dass “Räuber und Gendarme” Polizeigewalt und Gangstertum banalisiert. Wieso nicht?

    These: Ein stupides Werk (ob Spiel oder was auch immer ) hat auch nicht die Kraft, Schaden anzurichten. In der Hinsicht ist ein Spiel halt doch vielleicht manchmal “nur ein Spiel”. Da hab ich nebst Ansprüchen ans Werk halt auch gewissen Ansprüche an den Rezipienten, von dem ich erwarte, dass er aus Battlefield weder Rückschlüsse auf den ersten Weltkriegt zieht, noch sich sonst im Leben beeinflussen lässt.

    Bei allfälligen verletzen Gefühlen von Hinterbliebenen kann ich am ehesten reale Folgen verorten. Ist das ein legitimer Grund zur moralischen Verurteilung? Könnt ich gelten lassen, aber dann bitte auch hier konsequent mit gleichem Massstab für alle und alles, d.h. auch bei Räuber und Gendarme, und zwar nicht erst seit Black Lives Matter.

    Für mich hat das ja alles viel mit Rollenspiel zu tun: solange die Beteiligten verstehen, dass das nicht die Realität ist, bin ich für einen liberalen Umgang auch mit hässlichen Fantasien (was ja eigentlich jedes gewalthaltige Actionspiel, jeder Ego-Shooter ist, denn letztlich hat der Spieler immer die Wahl, etwas anderes zu spielen oder gar nicht zu spielen (Brenda Romeros Train lässt grüssen), irgendwelche moralischen Rechtfertigung in der Spielwelt sind eigentlich nur vorgeschoben, letztlich will der Spieler mal ein bisschen rumballern, könnte man argumentieren).

    Die Kernfrage ist doch: Wie bewerten wir Fantasien moralisch?
    Es gibt Leute, die spielen im Bett einvernehmlich Vergewaltigungen nach (laut Kinsey-Report eine relativ verbreitete Fantasie auch unter Frauen). So sehr mich das abstösst, habe ich Mühe, ein sachliches Argument zu finden, wieso das nicht in Ordnung sein soll, solange es eben einvernehmlich ist und das Verhalten gegenüber anderen nicht beeinflusst. Irgendwo ist es doch etwas Wunderbares, dass der Mensch eine zweite “Realität” im Kopf erleben kann und diese die reale Welt nicht beinflusst. Nicht erst seit Computerspielen spielt in dieser “safe zone” Düsteres eine grosse Rolle, und zwar ganz unabhängig von irgendwelchen künstlerischen Botschaften*, sondern als reinem Spass an der Freude.

    *find ich ja auch toll

    P.S. Ich behaupte mal, wer sich Katastrophenfilme anschaut, hat Lust, Katastrophen zuzuschauen. Wer einen Actionfilm sehen will, will Action sehen, d.h. wie Leute sterben oder zumindest verprügelt werden. Wenn das Drehbuch für den Protagonisten eine Pseudo-Rechtfertigung zusammenbastelt, dann ist das lediglich zur Beruhigung des Zuschauergewissens. Damit hätten wir 2 Blockbuster-Genres. Nein, Filme sind da nicht anders als Spiele. Genauso haben beide Medien auch eher auf’s Intellekt abzielende Werke.

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