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Alone in the Dark – Illumination: Licht aus!

Geschrieben von Daniel

Ihr dachtet, „Alone in the Dark“ wäre tot? Das tat ich auch und war überrascht, dass mit „Illumination“ urplötzlich ein neuer Serienableger das Licht auf Steam erblickte. Nun… eine Totgeburt.

Ich muss mir gar nicht ausmalen, wie Ataris Führungsriege ticken könnte, sondern habe eine recht konkrete Vorstellung davon. Denn vergangenen Oktober traf ich in Berlin Ataris neuen Chef/Investor Fred Chesnais zum Interview für ein Branchenblättchen und war einigermaßen erschrocken. Mal von seinen schroffen Umgangsformen von oben herab abgesehen, war seine Vorstellung der Unternehmensführung ein Schlag ins Gesicht für jeden Gamer. Für ihn war Atari nicht der wohklingende Name, den Spieler auf aller Welt vernahmen, sondern eine Cash Cow, die gemolken werden musste. Und wenn der letzte Tropfen Milch aus dem Euter gezogen wurde, wird eben noch ein schöner Vorleger daraus gemacht, das Fleisch zu lecker Mahlzeiten gegart, die Knochen zu Gelatine verarbeitet und der Rest körperlicher Existenz zu Tiermehl zermahlen, um die nächste Kuh schnellstens auf Schlachtgewicht zu päppeln.

Allein in der Dunkelheit - sprichwörtlich.
Allein in der Dunkelheit – sprichwörtlich.

Mit dieser Denke wurde aus dem altehrwürdigen „Roller Coaster Tycoon“ eine Free-to-Play-Abzocke für Smartphones und Tablets, die immerhin für viele Wochen an der Spitze der Charts stand. Aus „Asteroids“ wurde ein wirrer Battlefield-Verschnitt. „Pridefest“ immerhin war der Versuch, eine neue Marke aus dem Boden zu stampfen – nur um die LGBT-Community ihr Geld aus den Taschen zu ziehen. Na prima, da wird sexuelle Selbstbestimmung und das damit verbundene Selbstbewusstsein in ein weiteres Geschäftsmodell gepresst.

Unfertig

„Alone in the Dark: Illumination“ mag verglichen damit noch ein harmloser Nackenschlag sein. Kenner der Serie werden aber zu Recht monieren, dass so ziemlich jede Serientradition mit Füßen getreten wird. Es erwarten euch keine toll geschriebenen Geschichten, keine zwielichten Charaktere, keine fordernden Rätsel oder eine dichte Atmosphäre. Nein, die Entwickler versuchten einen Hybriden aus „Alan Wake“ und „Left 4 Dead“ zu erschaffen, der immerhin 30 Euro kosten soll. Für eine Vorschauversion. Eine unfertige Vorschauversion.

Der hat es gut, der ist tot und muss sich nicht mit dem miesen Design rumschlagen.
Der hat es gut, der ist tot und muss sich nicht mit dem miesen Design rumschlagen.

Die Idee, vier Spieler im Universum der Reihe zusammenzubringen, um sie gegen Höllenbruten antreten und bestehen zu lassen, mag noch einleuchtend klingen – doch schon nach dem ersten Level macht sich Ernüchterung breit. Generische „Trage Gegenstände von A nach B“-Anweisungen tuckeln über den Schirm, hinzu kommen die willkürlich auftretenden Monster, die ihr mit wenigen Schuss zurück in die Niederungen der Hölle ballert. Und da ist der aus allen Ecken triefende Zwang der Entwickler, mit vielen dunklen Texturen und einer viel zu dichten Nebeltechnik so etwas wie Gruselstimmung zu generieren. So richtig seid ihr aber auch nie „Alone“, da das Konzept auf eben jene vier Spieler ausgelegt ist – und „in the Dark“ fällt ebenfalls aus, weil die nur lieblos zusammengebastelten Karten mehr Leuchtmittel als ein Lampen-Großhändler aufweisen. Immerhin kommen so die gelungenen Grafikeffekte zur Geltung, was der neuen Unreal Engine 4 zuzuschreiben ist.

Die 08/15-Story wird euch in viel zu umfangreichen Texttafeln und kleinen Tickerbändern nähergebracht.
Die 08/15-Story wird euch in viel zu umfangreichen Texttafeln und kleinen Tickerbändern nähergebracht.

Zum Glück alleine

Es mag zynisch klingen, aber ich freue mich, dass ich auf den Servern so gut wie keine Spieler antreffe und in der Lobby auf leere Slots starre. Und so „genieße“ ich die Einzelspielerkampagne, die mir vor jedem Level eine viel zu massige Texttafel einblendet und zur Interaktivität innerhalb der Levels im unteren linken Bildschirmrand weitere Informationen vor die virtuellen Füße kotzt. Da, wo ich sie also nicht bemerke und selbst Nachrichtensender nicht auf die Idee kämen, ihren Newsticker entlang zu ziehen. Und überhaupt ist auch der Solo-Part der auf einsame Seelen zugeschnittene Versuch, die Verzweiflung und das Warten auf einen neuen Kracher á la „Alan Wake“ auszunutzen, um selbst noch den ein oder anderen Euro rauszupressen.

Meine Empfehlung: Die alten Serienteile spielen oder in Remedys Gruselkracher eintauchen. Besser als das hier ist das in jeder, wirklich jeder Hinsicht.

Über Daniel

Geboren 1985 in der graukalten DDR (dazu noch im Berliner Ghetto) strampelte sich Klein-Daniel '89 zur Mauer und riss das Ding kurzerhand ein. Nach der Wende: NES, SNES, MegaDrive, ADHS, N64, PSX und Co. bis er die nebenberufliche Laufbahn des Schreiberlings für Videospiele annahm. Das war ein Fehler. Für die teils erschrockene Leserschaft - nicht für Daniel.

Veröffentlicht am 1. Juli 2015

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