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Battlefield Hardline: Spaß mit Drogen

Geschrieben von Sven

Ihr spielt intellektuelle Indie-Dramen, die euch zum Weinen bringen. Ich zocke „Battlefield Hardline“ und habe meinen Spaß. Kawumm, Krawall und Chaos. EAs Mainstream-Blockbuster gibt mir das, was ich brauche: interaktives Popcorn-Entertainment. BÄM!

Mach den Kopf aus

Sowas wie „Battlefield Hardline“ ist für mich gemacht. Nach einem Scheißtag die Konsole einschalten und loslegen. Gauner abknallen, Drogendealer hopsnehmen, ein Autohaus in Schutt und Asche legen, eine harte Verfolgungsjagd überstehen und mich am Ende freuen, dass ich es irgendwie überlebt habe. Und ich fühle mich gut dabei, weil durch meine vermutlich längst verkalkten Adern etwas Adrenalin geschossen wurde.

Action satt. Also wirklich. (Foto: EA)
Action satt. Also wirklich. (Foto: EA)

Wahrscheinlich hatten die Entwickler ohnehin solche dementen Säcke wie mich im Visier. Denn immer dann, wenn ich einen Spielstand fortsetze oder einen Abschnitt abbreche, bekomme ich ein „Was bisher geschah…“ bzw. „Demnächst bei Hardline…“ in Form kurzer Videospot präsentiert. Ganz ehrlich: Finde ich großartig. Wenn ich einige Tage ein Game nicht gespielt habe, muss ich mich meist wieder einfinden und „warm werden“. Genau diese knackigen Rückblenden sind es, die mich schnell zurück ins Spiel bringen – ähnlich wie bei einer TV-Serie. Gleiches gilt für die Vorschau, die als Appetizer dient und mich tatsächlich dazu bewegt, es baldmöglichst wieder versuchen zu wollen. Das sind simple Elemente, die mir gefallen. Es ist vielleicht eher für Gelegenheitsspieler gedacht, aber effektiv und ne feine Sache.

Action halt

„Battlefield Hardline“ fühlt sich wie ein actionreicher Drogen-Thriller mit soliden Schauspielern an: mittleres Budget, gute Stunts, eine rasant erzählte Story, ein paar kleinere Plot Twist – trotz etwas zu weniger „WTF“-Momente. Passt, gefällt. Und hey – ihr könnt sogar selbst eingreifen. Persönlich bin ich nicht ganz mit dem Detective Nick Mendoza zufrieden, den ihr durch die in zehn Episoden unterteilte Handlung durch die Geschichte führt. Er wirkt doch arg austauschbar und beliebig. Blass und profillos. Er hätte also auch Politiker werden können. Aber die Geschichte schafft es, dass ich sie interessant genug finde, um erfahren zu wollen, wie es weitergeht. Und da kommt noch einiges im Verlauf der paar Stunden, die „Battlefield Hardline“ in der Solo-Kampagne dauert. Vom Cop zum Kriminellen und zurück – flott inszeniert und packend. Was muss ich da unbedingt die Schwächen auf die Goldwaage legen? Mein Gott, klar ist die KI so lala und der Schwierigkeitsgrad nicht ausgewogen. Sicherlich werden mir die Stealth-Passagen nur vorgegaukelt, ich kann auch einfach vorpreschen und alle Gegner umbringen. Macht letztlich keinen Unterschied, lässt mir aber immerhin die Freiheit zu entscheiden, wie ich vorgehen möchte und worauf ich gerade Bock habe. Die technische Seite – da hätte ich von der PlayStation 4 eine ganze Menge mehr erwartet. Gefühlt wäre die Grafik auf der Vorgänger-Generation ebenfalls möglich gewesen. Glaube ich.

Ein paar Emotionen gefällig? Helft eurer verletzten Kollegin... (Foto: EA)
Ein paar Emotionen gefällig? Helft eurer verletzten Kollegin… (Foto: EA)

Aber doch überwiegt bei „Battlefield Hardline“ ein gutes Gefühl. Ich will nur Spaß, nur Action, nur Unterhaltung. Scheiß auf Anspruch! Scheiß drauf, wenn mir Kritiker sagen wollen, dass wäre nur plumper Mainstream-Mist. Na, genau das ist es doch, was ich erwartet habe und häufig genug brauche. Um abzuschalten und in eine fiktive Welt einzutauchen. Dass alles recht schnell vorbei ist, begrüße ich. So habe ich nicht das Gefühl, meine mit dem zunehmenden Alter kostbarere Lebenszeit mit dem Spiel verschwendet zu haben. Und etwas mit technischen Gadgets und realistisch wirkenden Waffen  hantieren – eine prima Sache! Das Spiel ist nicht zu komplex oder tiefgründig, das würde mich vermutlich eh nerven. „Battlefield Hardline“ besitzt eine gute Balance aus Action und Anspruch – das ist viel wert! Dass ich Fieslinge festnehmen kann, weckt in mir sogar Erinnerungen an die gute alte „SWAT“-Zeit. Das nur nebenbei erwähnt.

Multi…was?

Nehmt’s mir nicht übel, aber der Multiplayer-Modus interessiert mich nicht die Bohne. DICE und Visceral verstehen ihr Handwerk, der Teil wird sicherlich was taugen. Vielleicht gucke ich mir den später mal an. Vielleicht auch nicht. Vermutlich nicht. Was soll’s.

ACTION! (Foto: EA)
ACTION! (Foto: EA)

„Battlefield Hardline“ kommt gewiss nicht an ein „Battlefield: Bad Company“ heran, das mich damals echt begeisterte. Aber dieser Ableger ist schnittige Action wie eine Krimi-Serie, die man gerne guckt und bei der es voll okay ist, wenn nach einer Staffel Schluss ist. Story, Charaktere und Spielelemente besäßen eh nicht wirklich Potential für eine weitere Season. Und das ist nicht einmal tragisch, ganz im Gegenteil.

Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 29. April 2015

2 Kommentare zu “Battlefield Hardline: Spaß mit Drogen

  1. Das lustige ist, ich habe die ganzen schlechten Reviews gesehen und gelesen und je mehr ich von dem Spiel sah, desto mehr hat es mich interessiert. Tatsächlich fand ich gerade diesen “Bad Boys in billig”-Trash Charme sehr ansprechend, da interessieren mich auch irgendwelche Ungereimtheiten oder nicht existierender Realismus wenig. Hirn aus und Spaß für ein paar Stunden haben.

    Davon ab bin ich großer Kelly Hu Fan … ^^

    Schade ist nur, dass ich auch nur am Singleplayer bei solchen Titeln interessiert bin und mir so etwas deswegen gerne irgendwann mal für’n 20er holen würde, weil es wegen der kurzen Spielzeit dann doch nicht mehr wert ist.

    Andererseits, da EA ja scheinbar einmal im Jahr jetzt ein Humble Bundle macht, kann man sich da für 5 Euro auch gut “regelmäßig” mit je drei bis fünf tollen Spielen eindecken, dazu die “auf’s Haus” Aktionen, die reichen dann für ein Jahr an EA Spielen.

    • Ja, genau. Kauf es dir, wenn es mal günstig ist. Kann dann irgendwann im Humble Bundle sein oder eben doch für 20-30 Euro im Angebot. Ich fände das als Preis angemessen, eben wenn’s um nett inszenierten Trash geht. Schlechte Reviews – ja, wundert mich nicht. Bei manchen ist EA ja eh schon im Vorfeld Scheiße….

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