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The Inner World: Das Anti-GTA

Geschrieben von Andy
The Inner World: Das Anti-GTA

Ich muss mich entschuldigen – bei meinen Lesern, meinen Kollegen von Polygamia und bei den Leuten von Studio Fizbin, den Machern von “The Inner World“. Das Spiel ist seit Ewigkeiten erhältlich, das Versprechen eines feschen Blogeintrags meinerseits mindestens genauso alt und doch… war bislang nichts da. Ich könnte faule Ausreden wie “Mir fiel nichts Würdiges ein.“ suchen, doch wem bringt das Jammern etwas? Dafür möchte ich “The Inner World“ zumindest im Nachhinein auf eine ungewöhnliche Weise zu Ruhm zu verhelfen – indem ich es in einem Atemzug mit dem brandneuen “Grand Theft Auto V“ erwähne.

Gut, es mag sein, dass die kreativen Köpfe von Studio Fizbin das vielleicht gar nicht wollen – denn schließlich dürfte “The Inner World“ das glatte Gegenteil zu Rockstars Mega-Hyper-Super-Duper-Krass-Dick-Blockbuster sein. Aber genau aus diesem Grunde kam ich auch auf diese Idee hier: Nämlich all den Leuten, die keinen Bock auf Gangster, Open World oder derben, Frauen verachtenden Klischees haben, eine Alternative für das nächste verregnete Wochenende zu bieten.

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Robert im Gespräch mit einem Schrof: Das skurrile Viech gehört zu den Highlights der inneren Welt. (Bild: Headup)

Man kann es wirklich drehen und wenden, wie man möchte: “The Inner World“ hat wirklich gar nichts mit “Grand Theft Auto 5“ gemeinsam – von einer rein qualitativen Einschätzung einmal abgesehen. Das eine ist ein strikt lineares wie klassisches Point’n’Click-Adventures, mit per Hand gezeichneten Grafiken und einer niedlich-unbeholfenen Geschichte. Das andere… nun, das wisst ihr alle selbst. Zudem soll das hier kein Artikel über das derzeit am meisten erwähnte Spiel diesseits der Milchstraße sein.

Auch vom Budget her mutmaße ich mal ganz frech einen Unterschied, wie er höher kaum ausfallen könnte. “The Inner World“ sieht nicht so aus, als ob es wirklich teuer gewesen sei – und genau das macht einen Großteil des Charmes aus. Hier steckt kein Hype dahinter, hier wurde nicht die Werbetrommel bis zum Erbrechen gerührt. Es ist ein einfaches, bodenständiges Adventure, das gleichzeitig (oder vielleicht gerade deshalb) erstaunlich viel richtig macht. Wenn ich früher solche mir zuvor unbekannten Titel in die Finger bekam, dann habe ich insgeheim immer auf einen Sleeperhit gehofft. Bezüglich des Point’n’Click-Genres hat dies tatsächlich nur einmal zu einer echten, faustdicken Überraschung gesorgt: die Rede ist von “Edna bricht aus“. Und “The Inner World“ kommt diesem Feeling von damals beängstigend nahe.

Hier ist wirklich alles top: Das Rätseldesign macht Sinn, die Charaktere sind charmant und der Plot schafft eine grandiose Gratwanderung zwischen “geeignet für Kinder“ sowie “anspruchsvoll genug für Erwachsene“. Die Bewohner der inneren Welt, genannt Asposier, werden von Abt Conroy mehr oder weniger geführt, der sie von den bösen Windgeistern zu beschützen versucht. Dass es sich bei dem Kerl um den eigentlichen Antagonisten handelt, das merkt ihr bedeutend schneller als eure eigene Spielfigur Robert. Der naive Zögling stolpert eher unvermittelt in ein großes Abenteuer, das sein Leben und das aller Asposier massiv verändern wird.

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Auch Diebin Laura begegnet seltsamen Forschern und abenteuerlichen Maschinen, die das Rätseldesign erschweren. (Bild: Headup)

Greife ich zu weit voraus? Nein, nein – denn auch von irgendwelchen hanebüchenen Überraschungen oder idiotischen Plottwists möchte “The Inner World“ nichts wissen. Schaut euch das Coverbild an und ihr wisst, was euch erwartet: charmante Schlichtheit, gepaart mit dezent skurrilen Figuren und einem freundlichen Lächeln. Es ist DAS “Gute Laune“-Spiel der Saison – auch, weil es euch spielerisch nicht an der Nase herumführt und euch dank der sehr großzügigen Rätselhilfe zu keinem Zeitpunkt in eine nervige Sackgasse zwängt. Zudem hinterlässt es am Ende einen runden Gesamteindruck und keine unbeantworteten, pseudo-philosophischen Fragen.

Der Humor ist ebenfalls einfach nur süß und dem modernen Zeitgeist entsprechend etwas frech. Sei es die kesse Diebin Laura, der verzweifelte sowie im Gefängnis sitzende Schneider oder ein ungemein “ätzendes“ Tier namens Schrof: Die Figuren leben von einem herrlich harmlosen Zynismus, der niemanden weh tut und trotzdem lustig ist. Einzig Robert selbst ist arg bieder geraten und deshalb eine kleine Schwachstelle, weshalb ich “The Inner World“ nicht ganz auf Daedalic’sches Niveau heben möchte.

Deshalb: Gebt dem “kleinen“ Titel seine verdiente Chance. Bei all dem Brimborium, der derzeit von den Millionen teuren Highend-Produktionen verursacht wird, ist “The Inner World“ das perfekte Ausweichziel – egal, wie alt es ist.

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Über Andy

Andreas “Andy“ Altenheimer wandelt seit 1977 auf dieser Welt, als „Star Wars“ und „Der Stadtneurotiker“ in die Kinos kamen, und fühlt sich wie eine Mischung dieser beiden Filmklassiker... [Weiterlesen]

Veröffentlicht am 18. September 2013

8 Kommentare zu “The Inner World: Das Anti-GTA

  1. Oguz-Khan schrieb am :

    „The Inner World: Das Anti-GTA“ oder „Borderland 2: Das Anti-Call-of-Duty“! Summiert wollen Sie sagen „Polygamia: Die Anti-Mainstream-Spiele(und Filme) Website“! Wenn dies Ihre Intention war so muss ich sagen, leider falsch. Angefangen bei dem auffälligen Graffiti mit dem Hinweis natürlich vorerst GTA 5 frei bleiben zu wollen. Allein der penetrante Hinweis und das vorerst Nichterwähnen wollen von GTA 5 adelt dieses Spiel mehr als es dies vielleicht verdient hätte. Wenn Sie wirklich ernst nehmen was Sie schreiben, hätten Sie ohne weiteres aufsehen GTA 5 nicht getestet oder erwähnt und es einfach dabei belassen. Ein ganz normaler Test zu GTA 5 hätte es auch getan, in dem sie wie zu jedem anderen Spiel auch, einfach Ihre Erfahrungen niederschreiben. Statt dessen verweisen Sie gerade mit dem Hinweis auf einen Bericht bewusst verzichten zu wollen, auf die Wichtigkeit dieses Spiels und tragen zur Mythenbildung bei, welches dieses Spiel ja umgibt. Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich vermuten das sie einen ganz geschickten Werbecoup für GTA 5 betreiben. Innerhalb der Satirischen Welt von GTA wäre der Hinweis GTA nicht erwähnen zu wollen, der Gipfel der Satire. Willkommen in San Andreas liebes „Polygamia“ Team. Naja aber ich irre vermutlich mal wieder völlig und missverstehe alles! Denn Sie werden sich des Themas GTA 5 ja sowieso mal annehmen wollen, nur halt nicht dann wenn es alle anderen tun. Wie subversiv. Eine echte Entscheidung, für oder gegen GTA 5, wäre auch zu viel gewesen. Wer will sich heute schon noch festlegen? Alles ist doch nur subjektiv, relativ und am ende eine Parodie. Sich wirklich entscheiden zu wollen, so weit kommt es ja noch. Aber nein ich irre vermutlich schon wieder, denn Sie wollten ja nie Stimmung für oder gegen GTA, sie wollten nur „Hip“ daherkommen, natürlich folgt noch der Bericht. Außerdem kann ja jeder Denken was er will usw. Es ist ein Elend mit Menschen dies sich nicht entscheiden und festlegen wollen. Eine Haltung zu haben ist auch nicht leicht, zugegeben…

    • He? Kapiere nicht, was du sagen willst. Siehe Einleitung dieses Artikels hier. Der Hintergrund hier bei Poly war ein Scherz, eben weil alle über GTA 5 berichtet haben. Wir machen das auch, Andy will etwas über den Titel schreiben. Der gleiche Andy, der The Inner World toll findest.

      Was anderes wollten wir hier nicht ausdrücken. Wir haben doch nichts gegen GTA 5? Wieso sollten wir auch? Es geht uns um Spiele. Immer.

    • Nein, wir sind keine Anti-Mainstream-Spiele (und Film) Website. Lesen Sie mal die Artikel zu „White House Down“, „The Avengers“, „Max Payne 3“ oder „Bioshock Infinite“. Verrisse lesen sich anders. Im Gegenzug bekommen bei uns auch solche „Indie-Perlen“ wie „Don’t Starve“ ihr Fett weg.

      Wir sind in erster Linie kritisch. Dass wir dann auch Mainstream-Spiele und Filme kritisieren ist selbstverständlich, denn: Mainstream markiert das Ende einer Entwicklung. Und das ist beim momentanen Stand des Mediums „Videospiel“ fatal.

  2. Meine Einschätzung ist eher, dass hier mit GTA um Aufmerksamkeit gebuhlt wird. Fans von Open World Actionspielen, die jetzt auf eine Indie-Alternative gehofft hatten, werden sich allerdings verwundert am Kopf gekratzt haben.

    Das Problem von Inner World hingegen dürfte eher die Zielgruppe sein. Spielen Kinder überhaupt noch Point & Click Adventures? Also bleiben die Altspieler, welche die optisch ähnlichen Daedalic-Adventures lieben. Ich glaube abseits von wenigen Deutschen kann mit so einer Optik aber kaum jemand was anfangen. Ich sage es immer wieder, ich mag diesen Grafikstil partout nicht. Er erinnert mich an Kinderbücher der 70er und früher 80er, die einem mit dem Zaunpfahl hilfreiche Lehren eintrichtern wollten, das ist richtig, das andere ist falsch. Und so ähnlich habe ich auch das Gefühl, kommen diese Spiele daher.

    Zum Glück zeigt selbst Daedalic inzwischen ein Einsehen und macht z.B. die DSA Adventures mit „vernünftiger“, stilvoller Grafik.

    • Mit „GTA“ um Aufmerksamkeit buhlen? Nö, das machen wir vielleicht dann, wenn wir über das Spiel berichten. Aber natürlich lässt sich jeder kurze Kommentar, der vielleicht auch nur dazu diente zu erklären, warum wir gerade jetzt mal über „Innerworld“ schreiben und nicht über „GTA“, als opportunistische PR-Maßnahme darstellen. Wer aber mal genau liest, warum Andy von einem „Anti-GTA“ spricht, wird vielleicht verstehen, worauf sich dieser Begriff bezog.

      Und wir sind alles andere als „Anti-Establishment“, aber wir schreiben hier sicherlich auch keine 08/15-Spieletests. Reviews, die es auf allen möglichen, etablierten Spieleseiten zu lesen gibt, wollen wir nicht auch noch reproduzieren. Das machen wir entweder an anderer Stelle oder – speziell in meinem Fall – machen es gar nicht mehr, weil die Zeit dazu fehlt. Ich schreibe für Polygamia, weil ich über mein Lieblingshobby schreiben will und nicht, weil ich einen Standardtest abliefern möchte. Entsprechendes wird man in Bälde auch von mir in Sachen „Splinter Cell: Blacklist“ hören…

      Davon abgesehen kann ich das mit dem Graftikstil der Daedalic-Spiele durchaus nachvollziehen. Das ist auch nicht immer mein Geschmack! Das trifft aber nicht nur auf die Spiele dieser deutschen Softwareschmiede zu – „Warcraft 3“ konnte beispielsweise bei mir nie landen, weil ich den Comic-Look völlig unpassend fand. Daher habe ich auch noch nie ernsthaft „World of Warcraft“ angeschaut. Comic und Fantasy passen für mich einfach nicht zusammen…

      • Hey, ich kenne eure Seite doch nun schon recht lange, keine Panik also!

        Der Punkt ist, die „Nicht-Verbindung“ von Inner World und GTA ist so konstruiert und sorry, unlustig, dass es die einzig übrig bleibende Option war. Und selbst wenn nicht, so oder so war die Erwähnung ein Griff ins Klo …

      • Gut, dass nicht immer alles bei allen so ankommt, wie es vielleicht gemeint ist, muss man halt hinnehmen. Die Annahme der Schleichwerbung für „GTA V“ durch die Erwähnung bei „Innerworld“ ist aber mindestens genauso tief ins Klosett gegriffen…

  3. Pingback: Grand Theft Auto 5: Klar kommt da noch was! | Polygamia

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