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Dead or Alive 5: 62% Wackelpudding

Geschrieben von Sven
Dead or Alive 5: 62% Wackelpudding

Ich las letztens einen Testbericht über „Dead or Alive 5“. Mir gefielt er nicht, unter anderem weil der Autor die wabbelnden Brüste der weiblichen Spielfiguren doof fand. Das ist normalerweise okay, da seine persönliche Meinung. Aber ist diese Auffassung in dem konkreten Fall nicht oberflächlich?

Selbst noch nicht freigeschaltet, aber wenn das nicht lustig ist - was dann? (Foto: Tecmo)
Selbst noch nicht freigeschaltet, aber wenn das nicht lustig ist – was dann? (Foto: Tecmo)

Denn wenn Tina, Kasumi und Co. die Bildfläche betreten, sorgen sie für (unfreiwillige) Komik. Zugleich ist es aber nur logisch von den Entwicklern, den Spielern genau das zu präsentieren, wofür die „DoA“-Reihe berühmt ist.

Die Jungs von Team Ninja baden regelrecht in Klischees: knackige Ärsche, riesige Möpse, vermutlich über-perfekte Körpermaße. Völlig unrealistisch, keine Frage. Ich sehe das als humorigen und absolut konsequenten Stil. Denn auch die männliche Fraktion der Prügelstars von „DoA“ beziehungsweise „Dead or Alive 5“  ist weit entfernt von einem „normal“. Gewaltige Muskelberge – am besten mit freiem Oberkörper, Schweiß-getränkt und martialischer Stimme. Jetzt mit Gastauftritt eines unheimlichen Akira aus „Virtua Fighter“. Darüber sollte man sich fairerweise auch aufregen, oder? In besagtem Test fand der Schreiberling nur die Götterspeise-Vorbauten der Damen blöd? In Ordnung, aber ist das nicht … ach, was soll’s. Ich will gar nicht den Artikel eines Kritikers zerpflücken, zumal ich etlichen der dort genannten Makel zustimme. Womit ich mich dagegen nicht anfreunden kann, das ist das scheinbar routinierte Abarbeiten eines Rezensionsexemplars, ohne dabei explizit eine Kaufwarnung oder gar Empfehlung auszusprechen. Was bedeuten die da vergebenen 62 Prozent konkret? Für mich? Für Genrefreunde? Für diejenigen, die nicht einmal wissen, was sich hinter dem Namen „Dead or Alive 5“ verbirgt?  Das ist jetzt übrigens ein grundsätzliches Genörgel und kein Angriff auf eine einzelne Person.  Besagte Rezension stellt sozusagen ein von mir willkürlich herausgesuchtes Beispiel dar.

Letztlich muss es immer darum gehen, Spielern zu verdeutlichen, warum sie sich ein Spiel zulegen können – oder es besser lassen sollten. Und dies vergessen manche Autoren oftmals, zu Wort zu bringen. Ich bin da vermutlich keine Ausnahme. Also zurück zu „Dead or Alive 5“. Warum ich das Spiel gut finde?

Seit meinem ersten „Dead or Alive“-Kontakt auf der Dreamcast („DoA 2“, Teil 1 spielte ich erstmals einige Jahre später und war schockiert) verbinde ich mit der Serie positive, launige Unterhaltung. Diese entsteht meiner Auffassung nach durch zwei Aspekte. Zum einen durch die maßlos überspitzte Darstellung der Charaktere in ihren albernen Kostümen – egal ob Männchen oder Weibchen. Zum anderen  ist es das grundlegende Spielkonzept. Ich mag das Genre sehr gerne, aber schon immer fällt es mir schwer, mich mit komplexen Schwergewichten wie „Street Fighter“ oder „BlazBlue“ anzufreunden. Anders bei „DoA“. Hier feiere ich aufgrund der überschaubaren Mechanik nach fünf Minuten erste K.O-Siege und erlerne nach und nach weitere Feinheiten kennen. Ich wachse mit jedem Erfolg und jeder Niederlage, verbessere meine Fähigkeiten und entdecke Stunden später noch Kleinigkeiten oder effektive Manöver. Der meiner Meinung nach wunderbaren Lernkurve ist es zu verdanken, dass die Reihe bei mir ein „Stein im Brett“ hat. Ich bin kein Beat’em’Up-Experte, aber „DoA“ macht es mir leicht, rundum zufrieden zu sein und eben das zu haben, worauf es letztlich ankommt: Spaß!

Oh! Männer schlagen Frauen! Skandalös! (Foto: Tecmo)
Oh! Männer schlagen Frauen! Skandalös! (Foto: Tecmo)

Mir sind ein paar der Neuerungen von „Dead or Alive 5“ total egal. Online-Mehrspieler-Modus mitsamt Online-Pass? Von mir aus. Als alter Sack will ich den Titel gefälligst mit Freund oder Freundin an einer Konsole erleben. Im Duell oder gerne im (nicht mehr neuen) Tag-Team. Die Story hätten sich die Entwickler ebenfalls sparen können. Ihr glaubt gar nicht, was für ein Mumpitz das ist. Gruseliger Trash in Perfektion, aber immerhin als Tutorial geeignet. Sonst war es das eh schon, abgesehen von ein paar weiteren Angriffen, ergänzenden Kämpfern und einer deutlich aufpolierten Optik. Gerade im Vergleich zu „DoA 4“ sind vor allem die Animationen und Charakterdarstellungen auf der Höhe der Zeit. Einige Schauplätze dagegen wirken arg angestaubt, andere (Floß, Zirkus z.B.) gefallen mir richtig gut. Inakzeptabel sind nebenbei erwähnt die elendigen Ladezeiten der Xbox 360-Version, sofern ihr das Spiel nicht auf der Festplatte installiert habt.

Ich muss es abschließend noch einmal betonen: Unabhängig vom Geschlecht reduzierten die Designer die Charaktere auf ihr Äußeres, was anderes macht bei einem Beat’em’Up ohnehin keinen Sinn. Bei der bescheuerten Hintergrundgeschichte reiben sie euch das noch einmal unter die Nase. Natürlich sehe ich mir gerne hübsche, computergenerierte Damen aus – das gehört zum Reiz von „DoA“ und ist ein beabsichtigtes Element der Erfinder. Quasi wie die opulent inszenierten Schauplätze eines Crytek-Shooters. Stereotypen gibt es auch in fast jedem aktuellen Spiel, hier hebt sich „DoA 5“ nicht von den Vorgängern und anderen Titeln ab. Sehr wohl aber bei dem einsteigerfreundlichen Spielprinzip, das in mir immer wieder aufs Neue Freude aufkommen lässt. Es ist so unkompliziert, dass ich gerne spontan ein Match wage und mich nicht immer ständig hineinfinden muss.

Dieser DoA5-Neuzugang zwinkert mir immer so nett zu. (Foto: Tecmo)
Dieser DoA5-Neuzugang zwinkert mir immer so nett zu. (Foto: Tecmo)

Mein Fazit? Ihr mögt Beat’em’Ups wie ich? Habt aber von taktischen Finessen keine Ahnung und rümpft die Nase bei monströsen Arcade-Sticks? In erster Linie wollt ihr Spaß haben – alleine oder mit Kumpels in einem Raum (jaja, voll Retro)? Über kitschige Klischees könnt ihr lachen? Alle Fragen mit JA beantwortet? Dann wisst ihr, wieso es sich lohnt, zu „DoA 5“ zu greifen.

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 11. Oktober 2012

3 Kommentare zu “Dead or Alive 5: 62% Wackelpudding

  1. Ich liebe DoA! Mein erstes war auch DoA 2 auf Dreamcast und das hat mich länger beschäftigt als jedes andere Prügelspiel, egal ob Street Fighter 2 Turbo auf SNES oder Tekken 3 und Soul Calibur auf PS1 bzw danach dann irgendwas auf PS2 oder PS3.

    Allerdings ist der Flair auch irgendwie weg. Seit Tekken 5 auf PS2 sehe ich KEINE grafische Verbesserung, egal ob Tekken 6, Tekken Tag Tournament 2, Soul Calibur 4 oder 5 oder jetzt halt DoA 5. Grafisch ist, bis auf die etwas höhere Auflösung heute, kaum ein wirklicher Unterschied zu 1999 zu bemerken. Dadurch, und auch weil sich effektiv inhaltlich kaum etwas tut, man denke mal an diesen tollen Modus in Soul Calibur 2, glaube ich, wo man über eine Karte wanderte, heute kann man froh sein, wenn es überhaupt einen Storymodus gibt. Faszinieren mich die Spiele immer weniger.

    Auch kann es sein, dass ich langsam älter und meine Reflexe langsamer werden, aber ich habe spätestens seit Soul Calibur 4 oft das Gefühl, die 3D Prügler werden immer unfairer.

    DoA 2 wird also wohl auf absehbare Zeit mein ewiger Favorit bleiben. Allerdings werde ich DoA 5, wenn es Budget ist, eine Chance geben. Genauso wie DoA Dimensions auf dem Nintendo 3DS auf meiner „must have“ Liste steht, sofern ich irgendwann mal einen 3DS kaufe.

    • Also das kann man gar nicht mal so sagen: Ich habe mir vor dem Spielen von DoA5 noch einmal die Demo von DoA4 angeschaut – das sind schon erstaunliche Unterschiede. Ich glaube, bei Prügelspielen sieht man den technischen Fortschritt nicht so sehr wie zum Beispiel bei Shootern, zumindest vermute ich das. Es ist viel passiert innerhalb von 5 Jahren (oder 10…), nur bekommen wir das nicht mehr mit. Die Animationen waren schon zu PS2-Zeiten sehr gut – oder eben auf der Dreamcast. Nur glaube mir: Wenn du dir jetzt Teil 2 anschaust, siehst du, wie groß der Sprung zu DoA5 ist.

      Und ich bin mir auch unsicher, ob die Prügelspiele immer schneller werden oder meine Reaktionen mit dem Alter schlechter. Objektiv einschätzen kann ich das ja kaum. :)

      DoA auf dem 3DS finde ich btw toll…das ist das Spiel, was ich auf dem 3DS bisher am längsten gespielt habe. Das will was heißen….glaube ich. :)

      • Danke für die Antwort. Also das mit der Grafik ist mir hauptsächlich bei Tekken 5 (PS2) zum kurz darauf gekauften Soul Calibur IV (PS3) aufgefallen. Da habe ich tatsächlich fast gedacht, dass das PS2 Spiel besser aussieht. Ansonsten ist natürlich vieles von der Erinnerung abhängig, die, das gebe ich zu, auch gewaltig täuschen kann. Immerhin ist es durchaus einige Jahre her, wo ich zum letzten Mal DoA 2 eingelegt habe.
        Grundsätzlich denke ich aber schon, es ist ja gerade bei japanischen Spielen ein Problem, dass die Technik nicht wirklich auf aktuellem Stand ist.

        Was die Schwierigkeit angeht, nunja, früher waren die Prügler auch z.T. echt heftig schwer aber man hat es irgendwie immer geschafft, irgendwann einen Gegner zu besiegen. Bei Soul Calibur 4, glaube im Story Modus, hat es selbst auf einfachstem Schwierigkeitsgrad gefühlte eine Millionen Versuche gekostet Darth Vader zu schlagen, während darauf folgende Gegner dagegen wieder ein Kinderspiel waren. Aber gerade bei dem Spiel gab es etliche solcher Momente, wo ich das Pad am liebsten gegen die Wand gepfeffert hätte.

        Ich kaufe (fast möchte ich sagen leider) Konsolenspiele kaum noch bei Release sondern eher später, wenn sie etwas günstiger sind. Da steht DoA 5 aber auf jeden Fall ganz oben auf meiner Prioritätsliste.
        Für den 3DS interessieren mich bisher eigentlich nur DoA Dimensions und Resident Evil Revelations, weswegen ich mir die Konsole noch nicht zugelegt habe. (Bisher spiele ich 3DS dann gelegentlich bei meiner Schwester, die hat auch Ocarina of Time).

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