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Angefixt und App-gezockt: Candy Crush Suchti

Geschrieben von Sven
Angefixt und App-gezockt: Candy Crush Suchti

Ihr kennt das vielleicht: Ein Berg Spiele wartet darauf, abgearbeitet zu werden. Und trotzdem lümmelt ihr auf der Couch und spielt irgendwas am Smartphone. Die Zeit verstreicht, keine Konsole wird an diesem Abend angeschaltet. Schuld ist dieses App-Teufelszeug. In meinem Fall aktuell „Candy Crush Saga“.

Sooo süß. (Foto: King)
Sooo süß. (Foto: King)

Der „Witz“ ist ja: Nüchtern betrachtet ist das Spiel echt nicht der Burner. Gerade im Bereich der 3-Gewinnt-Spiele gibt’s viel bessere Alternativen, die mich nicht mit dieser Trägheit oder den langen Ladezeiten stören. Und ich mag es eigentlich sehr, wenn ich mehrere Kettenreaktionen erzeugen kann, indem ich möglichst schnell mindestens drei Objekte miteinander kombiniere. Wie bei „Bejeweled“ oder meinem nach wie vor geschätzten „Zookeeper“. „Candy Crush Saga“ dagegen ist lahm und nur darauf ausgelegt, mir die Centbeiträge aus der Tasche zu ziehen. Das wusste ich schon beim ersten Anspielen. Und das war mir völlig klar, als ich das erste Mal 89 Cent ausgab, um schneller weiterspielen zu dürfen…

King ist 2,67 Euro reicher!

Bezahlen? Das lest ihr hier häufiger. (Foto: King)
Bezahlen? Das lest ihr hier häufiger. (Foto: King)

Mittlerweile, nach rund zwei Wochen, habe ich insgesamt 2,67 Euro (3x 89 Cent) in das Werk von King gesteckt. Bereut habe ich das nicht, schließlich hat mir „Candy Crush Saga“ auf gewisse Weise Freude bereitet. Freude, wenn ich ein Hass-Level endlich schaffte. Freude, wenn es zu zuckersüßen Megakettenreaktionen kam. Freude, wenn mir meine Facebook-Bekanntschaften Herzchen schenkten oder ich ihnen helfen könnte. Naja. Das fand ich jedenfalls zu Beginn ganz nett. Dieser Artikel dient jedoch dazu, endlich mit dieser perfiden Suchti-Free-2-Play-App abzuschließen. Und mit ihr abzurechnen. Denn das, was mir die Entwickler hier vorsetzen, ist unmoralische Abzocke. Vor allem für diejenigen, die sich ohne zu zögern darauf einlassen.

Jedes Level ist zufällig generiert, allerdings scheinen die Macher einen speziellen Algorithmus kreiert zu haben. Dieser sorgt dafür, dass ausgewählte Abschnitte besonders schwer ausfallen, ohne dass es dafür eine nachvollziehbare Erklärung zu geben scheint. Kurz bevor ihr die Mission geschafft habt (sogenanntes Gelee entfernen, bestimmte Punktzahl erreichen, Früchte von oben nach unten bringen etc.) und noch eins, zwei Dreierketten nötig sind, ist in der Regel das Zuglimit erreicht und das Spiel vorbei. Die Alternative ist, es noch einmal zu probieren oder 89 Cent in Vorteile bzw. weitere Spielzüge zu investieren. Entscheidet ihr euch für erstgenannte Variante, ist nach fünf vergeblichen Anläufen Schluss und ihr müsst sehr lange warten, bis ihr neue Lebensherzchen beisammen habt. 30 Minuten für einen Neuversuch? Oder doch besser 89 Cent ausgeben, gleich weiterspielen und die absichtlich fiesen Levels vielleicht doch packen? Umso später der Abend und umso weniger ihr widerstehen könnt, umso mehr Geld lasst ihr bei „Candy Crush Saga“.

Sieht ganz einfach aus, oder? Tja, Pustekuchen! (Foto: Polygamia.de)
Sieht ganz einfach aus, oder? Tja, Pustekuchen! (Foto: Polygamia.de)

Habt ihr nach unzähligen Anläufen und mit etwas Pech einigen Euro einen besonders schwierigen Abschnitt (z.B. Level 23 oder Level 30…) hinter euch gebracht, wird es plötzlich für einige Levels auffällig locker-flockig-leicht, um eure Motivation wieder anzuheben. Zuckerbrot, Peitsche und In-App-Käufe. Mir ist schon klar, dass dies das Geschäftsmodell von King ist, das ist alles heutzutage keine Besonderheit mehr. Durch die Facebook-Anbindung, die anregenden Bestenlisten sowie die simple, bewährte Spielmechanik hatte King einen guten Start, der Erfolg gibt dem Unternehmen ja recht.

Genug ist genug

Tja, wenn die Kohle locker sitzt...? (Foto: King)
Tja, wenn die Kohle locker sitzt…? (Foto: King)

Dennoch: Umso länger ich „Candy Crush Saga“ spiele, umso mehr macht sich das Gefühl breit, als würden mich die Macher verschaukeln. Ach was sage ich? Für dumm verkaufen! Die Hoffnung und die vermeintliche Chance aufs Gewinnen („Ich bin kurz vor dem Ziel“)  treiben mich an, es weiter zu versuchen. Die Unfairness versuche ich auszublenden, obwohl sie mir unter die Nase reibt: „Gib doch Geld aus, um das Level zu knacken! Tut nicht weh, wirklich nicht..“. Und niedlich ist die Grafik schon irgendwie. Aber es muss mal Schluss sein! Ich fühle mich gegängelt und verarscht, belästigt von den Angeboten und genervt von den zahllosen Facebook-Anfragen. Diese Zeilen sollen meine Selbsttherapie sein, da ich meist nach dem Schreiben über ein Spiel das Interesse an diesem verliere. Hoffentlich klappt das auch bei diesem brisanten Fall.

Eines habe ich mir ebenfalls vorgenommen: Ich suche jetzt nach Alternativen. Ein aktuelles, mobiles 3-Gewinnt mit etwas mehr Tiefgang (besitzt „Candy Crush Saga“ eigentlich auch nicht, vermutlich kommt es deswegen so gut an?) und ohne Ingame-Käufe oder frustrierende Wartezeiten, die einen aus dem Flow reißen – da muss es doch was geben?! Vielleicht sollte ich mal nach einem geeigneten Spiel für meinen 3DS suchen? Den habe ich lange genug vernachlässigt, dabei hat er doch so viel zu bieten

Manchmal frage ich mich, ob die Leute, die am Tablet oder Smartphone zocken, nicht irgendwann genug von F2P haben. Mich ärgert es zunehmend. Uu gerne würde ich für gute Spiele auch etwas mehr zahlen, um meine Ruhe zu haben. Ingame-Käufe werden wohl nicht so schnell verschwinden, aber vielleicht denken die Konsumenten im Lauf der Jahre um. Sie sind schuld an kostenlosen Spielen und deren Monetarisierung, sie können mit ihrem Verhalten wieder etwas ändern.

So, ich spiele dann mal noch eine Runde „Candy Crush Saga“. Aber danach ist endgültig Schluss…

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 17. Januar 2014

4 Kommentare zu “Angefixt und App-gezockt: Candy Crush Suchti

  1. Magic schrieb am :

    Man muss hier nur ruhig bleiben und wirklich kein Geld ausgeben, es kommt mal der Zeitpunkt wo dann doch der Level geknackt wird.

    Für so nebenbei mal zocken wenn man mal z.B. auf die Bahn warten muss oder kurz vor dem schlafen gehen im Bett als Einschlafhilfe ist es noch okay, aber als Hauptbeschäftigung ist mir das Spiel dann doch zu langweilig.

    Ist aber witzig wie viele das Spiel doch spielen, ich weiss nicht ob die Amerikaner noch mehr süchtig danach sind. Als wir vor kurzem dort im Urlaub waren konnten wir beobachten wie viele das Spiel am zocken waren, sogar in einem Museum wo es doch eigentlich viel interessanteres zu sehen gibt. Aber die sind da drüben wohl noch viel extremer als hier was die Benutzung von Smartphones betrifft. :D

  2. Das erinnert mich an die ersten Automatenspiele (Pong, Space Invaders, Pacman). Da musst man doch auch staendig Geld nachwerfen um mehr Leben zu bekommen. Es kam sogar vor, dass hin und wieder nach einem Techniker verlangt wurde, weil der Automat nicht mehr funktionierte – welcher dann erstaunt feststellte, das der schon rammelvoll mit Muenzen war. Es kam aber auch die Zeit, in der Techniker nur vorbeikamen, um die Geraete wieder abzuholen, weil sich keiner mehr dafuer interessiert hat. Die Zeit wird auch fuer Candy Crush kommen – und im Internet haben Trends noch eine viel kuerzere Halbwertzeit und werden durch etwas neues ersetzt.

    P.S.: http://www.youtube.com/watch?v=aeLTx-ZhlFQ

    • Azuris schrieb am :

      Definitiv, solche Minispiele sind oft der Mode unterworfen und werden schell ersetzt.
      Mich reizen solche pay2win Spiele aber kaum, möchte ich ein Spiel solchen Genres kaufe ich es mir (Tetris, Puzzle Fighter, Yoshis Cookies) oder finde eine kostenlose Alternative, da gibt es ja schon seit je her tausende Freeware-Titel.

      Moorhuhn war eines der Modespiele die ich hatte, das war damals aber noch kostenlos ;P

  3. DaSoulJah schrieb am :

    Also für neue Leben würde ich nie bezahlen, dafür gibt es ja doch die Möglichkeit, die Systemzeit kurz nach vorne zu stellen und vor dem Beginn (wenn man wieder „voll“ ist) zurück zu drehen! Cheaten? Ich weiß, aber in dem Fall ist mir das 10 mal lieber als 0,89 € zu blechen.

    Ich hab das Spiel auch schon oft genug verflucht, hab einige der Level teilweise 1 – 2 Wochen gespielt, bis es klappte. Aber dafür war dann die Freude umso größer! Ich kann also die Hassliebe des Autors nachvollziehen :)

    Als Alternative kann ich jedem BlockLegend ans Herz legen. Auch ein netter Match-3-Klon (allerdings ohne „Combos“, dafür mit Aufleveln und Rogue-like-Spielmechanik), den es aktuell für 1,79 € im Apple AppStore gibt.

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