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Murdered – Soul Suspect: Der Geisterdetektiv in dir

Geschrieben von Lara

Als es im Juni letzten Jahres das erste Mal angekündigt wurde, weckte “Murdered: Soul Suspect” große Begehrlichkeiten. Ein düsteres Mystery-Adventure in realistischer 3D-Optik für Konsole? Ein vergleichbares Szenario hat es lange Zeit nicht mehr gegeben. Während auf dem PC viele exquisite Adventures in allen mögliche Farben und Formen erschienen, blieben Konsolenzocker auf dem Trockenen. Auch das von der Beschreibung ähnlich klingende “Ghost Trick: Phantom Detective” ging in eine andere Richtung, da durch die Manga-Grafik ein ganz anderer Ton angeschlagen wurde. Noch dazu war es exklusiv für Nintendo DS und iOS. Kein Wunder also, dass sich Konsoleros nach “Murdered” die Finger leckten.

Mysteriöse Geistererscheinungen überall. (Bild: Square Enix)
Mysteriöse Geistererscheinungen überall. (Bild: Square Enix)

Ein ernsthaftes Spiel

Detective Ronan O’Connor ist ein harter Hund, aufgewachsen in den brutalen Straßen der Stadt und lange Zeit als Kleinkrimineller unterwegs. Doch weder sein urbane Erziehung noch seine Arbeit als Polizist können ihn vor seinem Schicksal bewahren. Er wird in der Eröffnungssequenz zunächst aus dem Fenster eines mehrstöckigen Hauses geworfen und danach mit seiner eigenen Waffe erschossen. Als Geist in einer Zwischenwelt gefangen, muss er nun seinen eigenen Mord aufklären, um ins Jenseits zu gelangen.

Der Ort des Geschehens spielt dabei eine tragende Rolle: Salem im Bundesstaat Massachusetts an der Ostküste der USA. Die Kleinstadt wurde 1626 von ein paar puritanischen Pilgern und Fischern gegründet. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte die Stadt durch Hexenprozesse in den 1690ern.

Langsam setzt sich das Puzzle zusammen. Mysteriöse Geistererscheinungen überall. (Bild: Square Enix)
Langsam setzt sich das Puzzle zusammen. Mysteriöse Geistererscheinungen überall. (Bild: Square Enix)

Die Zwischenwelt, in der sich O’Connor befindet, ist in einem milchigen Grau gehalten. Der Ort mit seinen verwinkelten Straßen und zahlreichen engen Gassen wirkt beengend und düster. Die Atmosphäre der Geisterwelt des Mystery -hrillers in Adventureform funktioniert. Was stört, sind vor allem die lebenden Bewohner von Salem. Sie wirken arg hölzern, ähneln sich zu sehr und scheinen nur aus mehr oder weniger verliebten Pärchen zu bestehen. Generell schwächelt “Murdered” auf der technischen Seite etwas.

Packend

Trotzdem hat mich das Spiel in den Bann gezogen. Die dichte Atmosphäre, die verschiedenen Orte (wenn auch ein wenig klischeehaft) und das kontinuierliche Zusammensetzen des Puzzles um den Mord machen “Murdered” zu einer runden Sache. Neben der Hauptstory gibt es noch einige Nebenquests, bei denen ich anderen Geistern helfe, ins Jenseits zu gelangen. Außerdem dürft ihr in bestimmten Bereichen versteckte Gegenstände finden. Habt ihr alle gesammelt, gibt’s eine kleine Mystery-Geschichte des Schauplatzes.

An Tatorten müssen alle entscheidenden Hinweise gefunden werden. Mysteriöse Geistererscheinungen überall. (Bild: Square Enix)
An Tatorten müssen alle entscheidenden Hinweise gefunden werden. Mysteriöse Geistererscheinungen überall. (Bild: Square Enix)

Von der Stimmung und der Story erinnert mich “Murdered” an Filme wie “In meinem Himmel” oder “The Freighteners” gepaart mit Crime-Thrillern wie Im “Netz der Spinne” oder “Die purpurnen Flüsse”.

“Murdered” legt viel Wert auf Story und leider etwas wenig auf Gameplay. Die Tatortuntersuchungen sind weder schwierig noch besonders abwechslungsreich. Auch konnte ich im Prinzip nichts falsch machen. Ich durfte die gefundenen Hinweise so lange kombinieren, bis ich die richtigen zusammen hatte – und das ohne negative Auswirkungen auf das Geschehen. Da hätten sich die Entwicklerleute von Airtight Studios bei ihren Kollegen von Telltale ruhig ein bisschen was abgucken können. Entscheidungen und Fehler sollten Konsequenzen haben. Apropos Entwicklerstudio: Airtight Games wurde mittlerweile geschlossen. Niemand weiß warum. Also auch hier bleibt es ganz im Sinne des Spiels mysteriös.

Ich jedenfalls hatte großen Spaß mit “Murdered: Soul Suspect”. Es war mal etwas ganz anderes. Etwas, das nicht total abgefahren sein wollte. Etwas Ruhiges, Spannendes. Übrigens ist die deutsche Synchronisation sehr gelungen. Die Stimmen passen zu den Charakteren, die Dialoge wirken nicht aufgesetzt. Auch mal schön. Mittlerweile kostet das Spiel nicht mehr die Welt. Wer Adventures und Mystery mag sowie nicht auf feinste Augenschmaus-Grafik besteht, der sollte sich “Murdered” holen. Es lohnt sich.

Tl;dr: Ein spannendes Adventure für Erwachsene. Abzüge in der B-Note aufgrund der Grafik.

Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 24. Juli 2014

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