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Dragon Age – Inquisition: Treffen der Generationen

Geschrieben von Daniel

Ein Jahr sind die neuen Konsolen PlayStation 4 und Xbox One nun schon auf dem Markt. Ein Jahr, in dem sie ihre Vorgänger erfolgreich in den Schatten stellen konnten. Medial. Nie hat sich eine neue Gerätegeneration derart schnell verkauft, nie wurden so viele Spiele pro verkaufter Einheit abgesetzt. Ect. etc. Die Superlative scheinen jedoch nicht immer gerechtfertigt.

Der Spagat zwischen den Generationen

Worin liegt denn nun das Neue? Sven hat es in seinem GTA-V-Bericht hinterfragt und damit auch eine meiner Fragen geäußert. Denn bis auf eine höhere Auflösung, hier und da ein paar Effekte habe ich bei Portierungen keine großartigen Unterschiede feststellen können. Ob nun “Tomb Raider”, “The Last of Us” oder die “Master Chief Collection” des “Halo”-Franchises: Mir ist es zu wenig, was geboten wird, wofür ich nun nochmals voll in die Taschen greifen soll.

Anders jedoch Spiele, die für beide Plattformen parallel entwickelt wurden. Und da gehört “Dragon Age – Inquisition” dazu. Ein Rollenspiel, so heiß erwartet, vergöttert wie verdammt und auf Konsole wie PC beliebt, dass es ein Drahtseilakt für die Entwickler von BioWare wurde, auf der alten und der neuen Generation gleichermaßen ein spielbares Produkt in die Regale zu stellen. Die Angst, Xbox 360 und PS3 würden vernachlässigt, kann ich teilen. Nach dem Spielen der OldGen- (Xbox 360) und der CurrentGen-Fassung (PS4) komme ich aber zum Schluss: Beide Plattformen wurden auf ihre Art und Weise gut bedient, ein Kompromiss ist es dennoch.

Me, myself and I

Schon beim Charakter sind die Unterschiede gewaltig. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)
Schon beim Charakter sind die Unterschiede gewaltig. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)

Das fängt schon bei den wesentlichen Charakterdetails meines selbst erstellten Protagonisten an. Wächserne Haut, “aufgeklebte” Haare, wenig glaubhafte Mimik auf der alten Generation. Auf der neuen wesentlich organischere Gesichtszüge, besser modellierte Haare und eine Mimik wie Gestik, die sich nicht mit einem “Last of Us” messen kann, dennoch zeigt, welche Konsole mehr Power besitzt.

Leuchtwesen vs. Knicklicht. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)
Leuchtwesen vs. Knicklicht. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)

Und mein Charakter macht sich auf, durch das Dunkel einer Halbwelt, am Fuße einer Treppe, an dessen oberen Ende ein mysteriöses Leuchtwesen steht, das lockt und mir die Hand zu reichen versucht. Während ich auf PlayStation 4 das Gefühl habe, dort stünde ein Knicklicht mit Armen, spielt die 360-Version viel mehr mit Farben, mit atmosphärischen Nebeln und Blendefekten, sodass ich das andere Wesen kaum als Umriss erkennen kann. Was folgt, ist das Wegsacken meines Charakters, ein tiefer Schlaf, aus dem er erst in einem dunklen Kerker wieder erwacht.

Der Spalter

Dort wird er mit der grässlichen Wahrheit konfrontiert: Er habe eine riesige Explosion verursacht, die nicht nur ein Konklave zweier rivalisierender Fraktionen sprengte, sondern im ganzen Reiche sogenannte Risse öffnete, aus denen nun die dämonische Brut hervorkriecht und sich über diese Welt hermacht.

Es ist nicht so, als würde es auf der Xbox 360 schlecht aussehen. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)
Es ist nicht so, als würde es auf der Xbox 360 schlecht aussehen. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)

Wieder sehe ich die Unterschiede. Auf 360 blendet mich das Licht, das von draußen in das finstere Verlies hineinscheint, kaum. Auf PlayStation 4 hätte man die Entwickler bitten sollen, die Sonne ganz kurz auszuknipsen, so grell ist die weitläufige Szenerie, die sich da aufbaut. Ich erkenne, was der “Riss” ist – ein grün-grell leuchtendes Etwas, das wie ein Tornado am Himmel rotiert. Und ebenso unterscheiden sich 360 wie PS4 voneinander. Auf der betagten Microsoft-Konsole finde ich den Riss wesentlich hübscher, weil er nur angedeutet und wie mit Aquarell-Farben gemalt wirkt, während sich auf PlayStation 4 Freunde des Naturalismus wohlfühlen dürften.

Die Figuren sind gerade auf der neuen Konsolengeneration deutlich detaillierter. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)
Die Figuren sind gerade auf der neuen Konsolengeneration deutlich detaillierter. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)

Nun, mit der Welt konfrontiert, entdecke ich weitere, gravierende Unterschiede. Fast alle NPCs sind auf der alten Generation polygon- und texturarm, die Gebäude kaum liebevoll aus wenigen Komponenten zusammengesteckt, Fahnen wehen nicht im Wind, sondern stehen stocksteif aufrecht. Auf PlayStation 4 hat sich BioWare reichlich Mühe gegeben, der Umwelt Leben einzuhauchen, auch hier, im kalten Gebirge des Fantasiereiches. Stoffe verhalten sich realistisch, Gebäude wirken wie dürftig zusammengezimmert, selbst die kargen Belagerungsanlagen kunden vom harten Leben zwischen Gipfeln.

Entvölkerte Gebirgslandschaften?

Die Welt auf der PS4 wirkt sehr viel lebendiger. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)
Die Welt auf der PS4 wirkt sehr viel lebendiger. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)

Apropos Leben: Die Zahl der NPCs, die nur in der Landschaft rumstehen, unterscheidet sich signifikant. Auf Xbox 360 reduzierte BioWare, wo sie nur konnten, um Leistung einzusparen, während sich auf PS4 in allen Teilen kleine Grüppchen Soldaten bewegen oder hinter Barrieren ausharren. Muss das schlecht sein? Nicht immer. Beides hat etwas für sich, wie ich finde. So könnte ich es durchaus nachvollziehen, wären die meisten Söldner angesichts der nahenden Katastrophe getürmt. Was micht nur stört: Die zugefrorenen Seen. Wenn es einen Beweises bedarf, wie wenig Mühe sich BioWare in einem Detail gegeben hat, dann sind dies die Eisflächen in der ersten halben Stunde. Auf Xbox 360 scheint es, als sei eine Kolonne Farblaster umgefahren, während die PS4-Fassung glaubhaft vermittelt, dass es zugefroerene Seen sind, die Eisflächen tatsächlich Splitterungen zeigen und ihr oft genug das Gefühl habt, fast bis auf den Grund der Gewässer schauen zu können.

Beim Eis musste auf der Xbox 360 sichtlich gespart werden. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)
Beim Eis musste auf der Xbox 360 sichtlich gespart werden. (Links Xbox 360. Rechts PlayStation 4.)

Weitere Details zeige ich euch direkt in einem Vergleichsvideo…

Wichtiger aber: Das Spiel an sich hat weder auf der einen, noch der anderen Plattformgeneration nennenswerte Performance-Vorteile. Klar, Sonys Flaggschiff trumpft mit sauberen 60 fps auf, die 360 bringt es nur auf die Hälfte, dafür bricht die Bildwiederholungsrate nicht ein. Und Sprecher, Soundtrack, Spielelemente und dergleichen sind in beiden Fassungen identisch. Das ist eine feine Sache, wie ich finde. Ich kann mich damit arrangieren, auf beiden Generation ein optisch recht unterschiedliches Produkt zu bekommen, wenn die spielerischen Inhalte gleich bleiben. Mit Grausen erinnere ich mich an den Sprung von PlayStation 2 zu PlayStation 3, wo Titel für beide Plattformen erschienen, jedoch inhaltlich vollkommen unterschiedlich daher kamen – siehe “FIFA”. Und selbst da ich kein enthusiastischer Freund des “Dragon Age”-Franchises bin, mag ich doch die düstere Story, die tolle Vertonung, ich mag es – in beiden Versionen – die Welt zu erkunden, jeden Quadratzentimeter aufzunehmen und jede Sekunde zu genießen. Für ein solches Gefühl braucht es keine neue Generation, sondern nur gute Entwickler. Danke BioWare!

Über Daniel

Geboren 1985 in der graukalten DDR (dazu noch im Berliner Ghetto) strampelte sich Klein-Daniel '89 zur Mauer und riss das Ding kurzerhand ein. Nach der Wende: NES, SNES, MegaDrive, ADHS, N64, PSX und Co. bis er die nebenberufliche Laufbahn des Schreiberlings für Videospiele annahm. Das war ein Fehler. Für die teils erschrockene Leserschaft - nicht für Daniel.

Veröffentlicht am 20. Dezember 2014

Ein Kommentar zu “Dragon Age – Inquisition: Treffen der Generationen

  1. Ich denke, das wird jetzt langsam zur Regel. Bekamen PS3 und XBox 360 zum Ende ihrer Generation noch das technisch machbarste was irgendwie auf der betagten Hardware realisierbar war, und konnte deswegen mit einigen wirklichen Grafikknallern brillieren, so werden jetzt die Titel für PS4 und One entwickelt und die Vorgänger müssen wegen ihrer Verbreitung zwar noch irgendwie bedient werden, aber viele Resourcen werden dort nicht mehr reingesteckt, sodass die Portierungen künftig eher schlecht als recht ausfallen dürften.

    Was ich bisher von DA:I gesehen und gehört habe lässt mich den Titel auf jeden Fall im Auge behalten. Ich bin Story Spieler und da hat mich der erste Teil schon gefesselt wie kein zweites Game – ja, auch ein Baldur’s Gate 2 hatte für mich nicht annähernd diese Immersion. Was mich ein wenig vom Kauf abhält, wenn dann kaufe ich solche Titel ohnehin für PC, wobei, vielleicht in diesem Fall mache ich doch eine Ausnahme – irgendwann, das ist Origin. Ich habe Origin, was nicht das Problem ist, ich habe dort allerdings nur die kostenlosen Spiele von denen, also Dead Space, Dragon Age: Origins usw. und ich ärgere mich über die DLC Politik, denn EA macht seit Origin keine Ultimate Editions mehr sondern verkauft Hauptspiele zwar irgendwann günstig aber die DLCs halt quasi immer zum Originalpreis. Auch zweifle ich ein wenig an der Langlebigkeit dieser Plattform. Und außerdem möchte ich gerade so ein Spiel schon komplett mit Packung und Disk haben. Wenn es dabei bleibt, dass es keine guten Mods (wie für Origins) gibt, dann werde ich warten und vielleicht doch zur Konsolenfassung greifen, Steuerung und Co ist ja ohnehin dafür ausgelegt.

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