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Anna’s Quest: Ein Mädel in der Märchenwelt

Geschrieben von Lara

Daedalic ist sowas wie das Netflix für klassische Point & Click-Adventures. Sympathisch, erfolgreich, aber irgendwie doch noch Nische. Außerdem haben die Hamburger einen hohen Qualitätsstandard und ein gutes Händchen, was ihre Spiele angeht. Auch “Anna’s Quest” bietet wieder beste Rätselunterhaltung.

Zunächst hat es den Anschein, als lebe Anna in der Grimmschen Märchenwelt. Die Großmutter wurde zwar per gender-swap zum Großvater, aber mit dunklem Wald und böser Hexe klingelt es im Märchenbuch. Doch sehr schnell wird klar: Diese Fantasiewelt besitzt einen Kniff, denn neben Magie und Fabelwesen ist jede Menge Technologie vorhanden. Grimm 2.0 sozusagen. Ähnlich wie bei den geistigen Vorbildern ist “Anna’s Quest” nicht für alle Altersgruppen zu empfehlen. Kinderfressende Hexen, böse Seegeister und mordende Banditen könnten bei jüngeren Kindern für Alpträume sorgen.

Liebevoll gezeichnete Figuren trefft ihr überall im Spiel. (Foto: Daedalic)
Liebevoll gezeichnete Figuren trefft ihr überall im Spiel. (Foto: Daedalic)

Anna selbst lernt von Kapitel zu Kapitel nicht nur immer besser mit ihrer Telekinese umzugehen, sie  wächst auch charakterlich. Anfangs ist sie noch ein recht naives Mädchen, das nichts von der Welt weiß. Doch je mehr sie erlebt, desto erwachsener wird sie. Bei allem was ihr widerfährt, verliert sie allerdings nie ihre Empathie für andere.

Handgezeichnet

Was mir sofort auffiel: Der Grafikstil ist wunderbar! Ich fühlte mich an alte LucasArts-Adventures erinnert, aber mit frischem Anstrich. Hier wurde richtig Handarbeit geleistet, denn Zeichnerin Schlogger wirkte an den Artworks mit. Der eigene Stil ist gelungen, die großen Köpfe mit den Knopfaugen sind süß, aber nicht zu kindlich. Wie großartig wäre es, wenn Daedalic in Zukunft mit weiteren Comic/Cartoon-Menschen zusammenarbeiten würde? Künstler wie Sarah Burrini, Tim Gaedke oder Adrian vom Baur würden sich da super anbieten!

Die Animationen sind flüssig und das Gameplay funktioniert reibungslos. Neben dem bekannten Sammeln, Kombinieren und Verwenden von Gegenständen spielt auch Annas spezielle Fähigkeit eine wichtige Rolle beim Lösen der Rätsel. Mit Hilfe der Telekinese kann die Kleine Dinge bewegen, zerstören, anstoßen und vieles mehr. Das eröffnet viele interessante Möglichkeiten. Die Sprachausgabe gibt es nur auf Englisch, Untertitel sind in mehreren Sprachen zuschaltbar. Die SprecherInnen leisten  hervorragende Arbeit und passen von ihrer Klangfarbe sehr gut zu den Charakteren. Dass ein paar Nebenfiguren doppelt besetzt wurden, stört mich dabei nicht und fällt nur dem geschulten Ohr auf.

Anna stößt auf allerlei kuriose Maschinen und Apparaturen. (Foto: Daedalic)
Anna stößt auf allerlei kuriose Maschinen und Apparaturen. (Foto: Daedalic)

Auf der Monkey Island-Rätselskala ein klares King’s Quest

Generell bewegen sich die Rätsel auf einem angenehmen Schwierigkeitsgrad. Mit der Zeit wird es zwar etwas kniffliger, aber auf der Absurditäts- und Um-Die-Ecke-Denken-Skala erreicht es keinesfalls ein “Monkey Island”. Nach kurzem Nachdenken und Rumprobieren kam ich immer auf die richtige Lösung. Hatte ich mit der Telekinese die Umstände verändert, ergab sich bei manchen Gegenständen und Interaktionspunkten neue Kontexte. Wenn ich mehrere Gegenstände kombinieren musste – etwa um ein Geisterkostüm zu basteln – gab mir Anna auch direkt einen Hinweis, was noch fehlt. Manche Lösungen wiederum offenbarten sich erst, als Anna an einem bestimmten Punkt stand. Zum Beispiel musste ich mich hinter einem Felsen verstecken, um einen Eremiten aus dem Fenster zu locken.

Anna muss öfter mal entkommen. Das ist nicht immer so einfach. Aber mit ihrer Gabe und ihrer Intelligenz klappt das schon. (Foto: Daedalic)
Anna muss öfter mal entkommen. Das ist nicht immer so einfach. Aber mit ihrer Gabe und ihrer Intelligenz klappt das schon. (Foto: Daedalic)

“Anna’s Quest” bot mir einige Stunden tollen Rätselspaß. Wenn ihr nur annähernd etwas mit Adventures anfangen könnt, solltet ihr zugreifen. Daedalic-Freunde zögern sowieso nicht, denn “Anna’s Quest” steht der “Deponia”-Reihe oder “Harvey’s neue Augen” qualitativ in nichts nach.

Anna’s Quest könnt ihr bei Steam oder Amazon kaufen.

Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 15. Juli 2015

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