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Yoshi‘s Woolly World: Schöner als Regenbogen-Einhornkotze

Geschrieben von Sven

Innerhalb kürzester Zeit überkam mich ein Zuckerwahn. Meine Anwälte prüfen gerade, ob ich Nintendo aufgrund des Hervorrufens von Krankheiten verklagen könnte. Denn „Yoshi’s Woolly World“ ist ja sooooooooooooooooooooooooooo zuckersüß! Wenn ich von diesem Spiel kein Diabetes bekomme, von welchem dann?

Die ersten Minuten bei „Yoshis Wooly World“ versetzen mich bereits in einen Schockzustand. Überall Wolle. Alles ist aus knuffigstem, quirlig farbenfrohen Garn gestrickt. Ausnahmslos alles! Sämtliche Yoshis, Gegner, Hintergründe, Landschaften. Der Wahnsinn. Das ist eine multiple Orgasmusgarantie für Amigurumi-Fetischisten. Die japanische Strick- und Häkelkunst als zum Leben erwecktes Videospiel. Sackboy kann einpacken. Jedenfalls: Was Nintendo mir hier vorsetzt, ist herzallerliebst, visuell eine Wucht und so kunterbunt, dass sogar kotzende Einhörner neidisch auf diese Farbenpracht blicken. Zu Recht, wenn ihr mich fragt.

Feel-Good und so

Dass Yoshi jetzt eine Wollzunge ausfährt, um Gegner zu verpeisen und sie in Garnknäuel zu verwandeln, die abgefeuert werden können – eigentlich nur konsequent. Aber im Kern spielt sich „Yoshi’s Woolly World“ genauso wie „Yoshi’s Island“ vom SNES. Nur ohne einen furchtbaren Baby-Mario. Ihr hüpft, lauft, „knobelt“ und kämpft durch fünf wunderbare Welten, nutzt eure gewohnten Fähigkeiten und genießt das Ambiente. Beim zuständigen Studio GoodFeel ist der Firmenname offenbar Programm. Ach, neu ist übrigens der kooperative Zweispielermodus. Legt zusammen mit einem zweiten Yoshi-Kumpel los und sammelt im Team alle versteckten Blümchen, Wolle-Packungen und Edelsteine, die vielleicht irgendwas freischalten oder vom Schurken Kamek aufgedröselten Yoshis wieder zum Leben erwecken. Alleine oder zu zweit besitzt „Yoshi’s Woolly World“ also alles, was euch motiviert, um weiterspielen zu wollen. Abgesehen von den vielleicht recht langen Ladezeiten. Geschenkt! Dass GoodFeel mit „Kirby und das magische Garn“ schon einmal mit Wolle spielte, möchte ich an dieser Stelle nur nebenbei erwähnen. Sicher purer Zufall….

OMG! OHHHH MEIN GOTT! (Foto: Nintendo)
OMG! OHHHH MEIN GOTT! (Foto: Nintendo)

Was mir „Yoshi’s Woolly World“ mal wieder unter die Nase reibt: Nintendo benötigt offensichtlich keine Innovationen. Die Japaner servieren mir ein 20 Jahre altes Spielkonzept. Und es stört mich nicht. Es ist ja so liebenswert, so charmant. Scheiß auf frische Ideen, stecken wir altbekannte Mechanismen einfach in neue, noch schönere Fassaden. Die Teens und Twens im Jahr 2015 werden das vermutlich eh nicht bemerken. Die freuen sich auch über die putzigen Yoshi-Amiibos in drei Farben. Sie bringen dem Hersteller vermutlich eh mehr Kohle als das eigentliche Spiel.

Schöne Sache

Nicht, dass ihr mich falsch versteht: „Yoshi’s Woolly World“ ist für mich ein Vergnügen. Es ist so ein unkompliziertes, sehr naives, ja fast infantiles Erlebnis, das ich sogar absichtlich auf den niedrigeren der zwei Schwierigkeitsgrade stellte. Ich möchte durch die knalligen Levels pilgern, alle Geheimnisse entdecken und mich an dem nostalgischen Gefühl erfreuen. Es ist wie eine Reise in eine Vergangenheit, die es so nicht gab. Denn früher sah das alles natürlich nicht im Ansatz so schnieke wie heute aus. Und ich musste nicht so einen riesigen, klobigen Controller in den Händen halten, der in dem Fall leider keinen Mehrwert besitzt. Naja.

Sogar die Endbosse sind süß. Aber nicht schwierig. (Foto: Nintendo)
Sogar die Endbosse sind süß. Aber nicht schwierig. (Foto: Nintendo)

Für mich ist „Yoshi’s Woolly World“ ein weiteres Beispiel dafür, dass Nintendo gar keinen Aufwand betreibt, die genial-kultigen Spielkonzepte früherer Tage anzutasten. Vielleicht ist das auch besser so. Denn heutzutage noch etwas zu erfinden, das wir in 20 Jahren in dieser Form spielen wollen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Um es kurz zu machen: Ja, „Yoshi’s Woolly World“ möchte ich euch empfehlen. Wenn dieser entzückende Plattformer euer Herz nicht erwärmt, dann habt ihr eines aus Stein. Ich habe mir übrigens keinen Yoshi-Amiibo gekauft. So herrlich der aussehen mag, ich weigere mich, diesen wertlosen Plunder zu unterstützen.

Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 29. Juni 2015

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