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A Hat In Time — Stößt ein Indie-Game Mario vom Thron?

Geschrieben von Lara

Bei 3D-Platformern ist Nintendo König. Seit Jahren gibt es für Mario keinen ernsthaften Konkurrenten. Das dänische Indie-Studio Gears for Breakfast will mit “A Hat In Time” aber zumindest am Thron des Klempners rütteln.

Jonas Kærlev gründete 2012 das Studio Gears for Breakfast. Rund zwei Jahre später startete er mit “A Hat In Time” eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne. Statt den geplanten 30.000$ nahm das Studio knapp 300.000$ ein. Gut drei Jahre später, im Oktober 2017 erschien das Game zunächst für Windows und Mac und im Dezember dann auch auf PS 4 und XBOX One. Gerade der Konsolen-Release gab dem Spiel einen enormen Boost. Innerhalb weniger Tage stiegen die Verkaufszahlen auf 150.000 verkaufte Exemplare. Was steckt hinter dem Erfolg von “A Hat In Time”?

Hat Kid steht am Pier von Mafia Town und wird vone einem Mafiakoch skeptisch beäugt.
In Mafia Town ist mächtig was los | Bild: Gears for Breakfast

Die Story dreht sich um das namenlose Hat Kid, ein junges Mädchen, das mit ihrem Raumschiff zu ihrer Heimatwelt zurückkehrt. Während ihrer Reise klopft plötzlich ein Mitglied der Mafia an, um Maut für die Regierung der Stadt zu erheben. Der Mafiamann sprengt die Tür des Raumschiffs und lässt Hat Kid und alle ihre Time Pieces in den Weltraum pusten. Da die Time Pieces dem Raumschiff als Antrieb dienen, macht sich Hat Kid auf die Suche nach dem speziellen Treibstoff quer durch den Weltraum.

Im Kern ist “A Hat In Time” ein klassischer 3D-Platformer. Der Gameplay-Stil erinnert sehr an Nintendo 64 Klassiker wie “Super Mario 64” und “Banjo-Kazooie”. Die offenen Levels können ohne zeitliche Begrenzung frei erkundet werden können. Dabei sammelt man verschiedene Gegenstände, erledigt Aufgaben oder sucht sogenannte Zeitrisse. Als Hauptwerkzeug nutzt man einen Regenschirm, der sowohl als Waffe, als auch als Fallschirm oder Enterhaken genutzt werden kann. Noch viel wichtiger sind die unterschiedlichen Hüte.

Hat Kid wird durch das Aufstampfen einer riesigen Mountain Goat in die Luft gestoßen.
Mit den Mountain Goats sollte man sich lieber nicht anlegen! | Bild: Gears for Breakfast

Um die verschiedenen Hüte zu schneidern, benötigt man Garn, das man in Kugelform überall einsammeln kann. Die neuen Hüte geben Hat Kid neue Fähigkeiten, wie Rennen, explosive Tränke werfen oder die Zeit kurz anhalten. Damit lassen sich neue Wege finden und die Bosse besiegen, die am Ende eines jeden der vier Planeten warten. Die Hüte kann man optisch verändern und erweitern, aber noch viel wichtiger ist: Sie lassen sich jederzeit im Spiel wechseln. Garniert wird das Spielerlebnis von einem stimmungsvollen gute Laune Soundtrack. Zwischen nostalgisch und einprägsam finden die Stücke genau den richtigen Ton, um auf Dauer nicht zu nerven, sondern sich wohl zu fühlen.

Eine Besonderheit von “A Hat In Time” ist die Art und Weise, wie die klassische Spielmechanik auf den vier Planeten in unterschiedliche Kontexte gesetzt wird. Während der erste Planet vor allem zum Erlernen und Verfeinern der unterschiedlichen Fähigkeiten dient, loten die übrigen drei die Grenzen zu anderen Genres aus. Auf dem zweiten Planeten betreten wir die Pfade von Adventure, Social Sim oder Endless Runner. Der dritte Planet spielt mit Horrorgameplay und Fetch-Quests. Am Ende erwartet einen dann ein wirklich furioses Finale, das alle Storyfäden hervorragend zusammenführt.

Hat Kid lugt aus einer Tür hervor während der böse Hausgeist nach ihr sucht.
In der Geister Villa des gruseligen Subcon Forest ist Verstecken die beste Devise | Bild: Gears for Breakfast

Doch perfekt ist das Game nicht. Kameraführung ist unübersichtlich und die Steuerung ist unpräzise. Distanzen werden dadurch oft falsch eingeschätzt und führen zum häufigen Wiederholen einiger schwieriger Passagen. Die Kamera dreht sich manchmal automatisch in der Bewegung. Das führt dazu, dass sich die Spielfigur plötzlich anders verhält als gedacht. Beispielsweise springt Hat Kid bei einem Wandsprung dadurch in die falsche Richtung. Leider wurde die Chance verpasst, Hat Kid zu einer neuen ikonischen Videospiel Figur zu machen wie Mario, Sonic oder Crash Bandicoot. Weder bekommt die Figur einen richtigen Namen, noch erfährt man im Verlauf des Spiels etwas über ihre Herkunft oder ihren Charakter.

Hinzu kommen Kontroversen abseits des Spiels, die mit der Entwicklung zusammen hängen. Ein Youtuber namens Jonathan Aryan Jafari (Jontron) bekam eine winzige Sprechrolle. Noch vor Release veröffentlichte dieser ein Video, in dem er sich massiv rassistisch und fremdenfeindlich positionierte und schrieb auf Social Media Kanälen positive Äußerungen zur GamerGate Gruppe. Trotzdem wurden seine Sätze nicht entfernt und Gears for Breakfast hat sich bis dato auch nicht dazu geäußert. Hinzu kommt der Vorwurf aus der Modding-Community, dass Lead-Entwickler Jonas Kærlev einige zentrale Assets von einem anderen Modder ohne Nennung oder Einwilligung für “A Hat In Time” verwendet hat. Kærlev bestreitet das und es kann letztlich nicht eindeutig festgestellt werden, was an den Vorwürfen dran ist.

Hat Kid steht auf dem Geländer einer fliegenden Insel. Im Hintergrund sieht man eine Mühle und die Aurea Borealis.
Die Alpine Skyline Welt besteht nur aus fliegenden Inseln. Moment aus welchem Spiel kennt man das? Irgendetwas mit Infinite… | Bild: Gears for Breakfast

Konzentriert man sich lediglich auf den Spiel-Inhalt, ist “A Hat In Time” ein nahezu perfekter 3D-Plattformer geworden. Das zeigt, dass Kickstarter Projekte tatsächlich funktionieren können. Ein Mario-Killer ist das Spiel trotzdem nicht. Dazu ist es doch zu kurz und zu klein im Vergleich zum Nintendo-Giganten. Aber es gibt allen, die keine Nintendo Switch haben, endlich die Möglichkeit ein hervorragendes 3D-Plattform-Game zu spielen. Gears For Breakfast haben bereits angekündigt, zwei weitere Planeten nachzuliefern. Für knapp 30 Euro bietet “A Hat In Time” also jede Menge Spielspaß für wenig Geld — gerne mehr davon!

Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 6. Januar 2018

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