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XCOM Enemy Unknown: GOTY der Herzen

Geschrieben von Andreas
XCOM Enemy Unknown: GOTY der Herzen

Dieses Spiel dürfte es nicht geben. „XCOM Enemy Unknown“ ist altmodisch, komplex und schwer. Trotzdem schlägt dem Spiel so etwas wie Liebe entgegen. Egal ob in der Presse oder auf Facebook und Twitter – Firaxis‘ Neuauflage eines Spieleklassikers ist der Liebling der Branche.

Eine typische Szene: Katz-und-Maus-Spielen mit den Aliens. (Bild: 2K)

„Enemy Unknown“ ist ein rundenbasiertes Strategiespiel über mordende Aliens, stramme Soldaten und geniale Wissenschaftler. Kurz, es ist an sich ziemlich uncool. Schon das Original von 1994 war eher etwas für Nerds. Der Spieler wurde einfach ins kalte Wasser geworfen. Es gab kein Tutorial und dauerte einige Zeit, bis man sich zurecht gefunden hatte. Da war es aber meist zu spät, die Aliens hatten gewonnen und die Erde war verloren.

Obwohl diesmal ein Tutorial existiert, ist die Neuauflage ähnlich unbarmherzig. Das Herzstück sind nämlich die bis zu sechs Soldaten, die in die Schlacht geschickt werden. Jeder hat eine eigene Klasse – vom Frontkämpfer bis zum Sniper – und jeder kann ziemlich schnell und unwiderruflich sterben. Gerade am Anfang reicht meist ein gezielter Schuss und schon ist es vorbei. RIP, bitte nachrücken.

Zudem bin ich ziemlich schlecht in dem Spiel. Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich den Spielstand neu gestartet habe. Vielleicht lag es auch daran, dass ich gleich zu Beginn sehr optimistisch auf „Ironman“ stellte, der mir nur einen Speicherplatz gewährte. Ich stürzte mich wagemutig ins Gefecht und hatte Glück, dass ich mit einem Soldaten heil aus der Sache rauskam. Als mir dann Soldaten und Geld ausgingen, startete ich das Spiel neu. Diesmal nur auf „Classic“, aber es ging genauso weiter.

Dogs of War. (Bild: 2K)

Es dauerte etwas, bis ich ein „Gefühl“ für das Spiel entwickelte. Nur kleine Schritte machen, damit ich noch eine Aktion freihabe, zusammen bleiben (aber nicht zu dicht – wegen den feindlichen Handgranaten) und natürlich „Overwatch“: Automatisch feuern, wenn sich ein Feind aus der Deckung bewegt. Und Nachladen nicht vergessen! Das Wichtigste aber ist mit dem Ableben meiner Soldaten zu leben. In der Welt von „XCOM“ gehört das virtuelle Sterben zum Alltag. Ich bin sicher, dass ich keinen von meinen „Helden“ bis zum Ende am Leben halten kann. Dass ich bei soviel Sorge in meinem „Ameisenbau“ die Überreste der Aliens für neue Waffen, Rüstungen und Technologien benutzen kann? Geschenkt!

Um das Spiel zu genießen, müsst ihr gehörig Verständnis aufbringen. Firaxis macht es euch nicht leicht: Das 50er-Jahre-SF-Szenario ist erschreckend naiv. Dort, wo andere Spiele mit Effekten protzen, bieten euch die Entwickler hakelige Animationen und grobe Texturen. Technik? Von gestern. Bugs? Aber Hallo! Figuren stecken schon mal den Kopf durch die Wände und Schussanimationen sind manchmal nur zu erahnen. Und ja, wer den Controller schon an die Wand schmeißt, weil er trotz 94 % Wahrscheinlichkeit keinen Treffer gelandet hat, sollte einen Bogen um das Spiel machen.

Fliegen darf ich auch. (Bild: 2K)

Für mich gehört „XCOM: Enemy Unknown“ auf die Liste der besten Spiele des Jahres (die nebenbei bemerkt fast nur aus Take Two-Spielen besteht, aber das ist ein anderes Thema). Allerdings ist bei dem Titel „GOTY der Herzen“ ein wenig Melancholie dabei. Trotz vierjähriger Entwicklung und großem Marketingaufwand wird sich das Spiel nicht annähernd so oft verkaufen wie „Halo 4“ oder „Black Ops 2“. Wetten, dass es aber länger in den Köpfen hängen bleibt?

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 31. Oktober 2012

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