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White House Down: Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!

Geschrieben von Andreas
White House Down: Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!

So, das ist also „White House Down“, Roland Emmerichs inoffizielles „Die Hard“-Remake. Ein Riesenflop in den USA und mäßige Kritiken. Könnt ihr euch also das Geld sparen? Nö, um es kurz zu machen! Kein Shakespeare, aber in diesem Jahr könnt ihr euch mit weitaus schlechteren Filmen die Zeit vertrödeln.

Channing Tatum auf den Spuren von Bruce Willis. (Bild: Sony Pictures)
Channing Tatum auf den Spuren von Bruce Willis. (Bild: Sony Pictures)

Schon in den 1980er Jahren war Emmerich so eine Art Möchtegern-Spielberg, der mit Filmen wie „Joey“ oder „Moon 44“ versucht hat, in der oberen Liga mitzuspielen. So richtig hat das aber nur einmal geklappt. Der simpel gestrickte „Independence Day“ traf mit seiner Mischung aus Action, Melodram und patriotischer Phrasendrescherei genau den Geschmack des großen Publikums. In seinem Hang zur Zerstörungswut ist er nur noch mit Michael Bay vergleichbar, aber zumindest hat er sich so etwas wie Moral bewahrt. Während der Amerikaner seinem Trailer Trash – Humor frönt, geht es beim Schwaben um Umweltverschmutzung; oder wie jetzt um den Einfluss der Waffenlobby.

In „White House Down“ erzählt er, wie ein paar irre und enttäuschte amerikanische Faschisten das Weiße Haus in Schutt und Asche legen. Dummerweise haben sie nicht mit dem Sicherheitsbeamten John Cayle (Channing Tatum) gerechnet, der sich zufällig gerade in diesem Moment für den Secret Service bewirbt. Zufällig ist die zuständige Beamtin eine Ex von ihm, und zufällig hat Cayle auch seine kleine Tochter dabei. Ja, an diese schicksalhafte Begegnungen und spätere Wendungen müsst ihr euch gewöhnen, denn davon gibt es reichlich.

Zwei gegen alle. (Bild: Sony Pictures)
Zwei gegen alle. (Bild: Sony Pictures)

Jedenfalls befreit Cayle gleich zu Beginn Präsident James Sawyer (Jamie Foxx) aus den Händen seiner Kidnapper. Fortan stapfen die beiden als dynamisches Duo durchs Weiße Haus. Dabei entpuppt sich Ex-Soldat Cayle als eine Mischung aus Agent 47, Corvo und natürlich John McClane. Mit Leichtigkeit weicht er Schüssen aus und erledigt seine Gegner blitzschnell aus dem Hinterhalt. Aber Schwamm drüber, das sollte nur Realismus-Fanatikern zu denken geben.

Emmerich fährt sowieso erst zur Hochform auf, wenn er dem Irrwitz eine Chance gibt und quasi ein Hauch „Saints Row“ durch die Handlung weht. So wird fröhlich alles in die Luft gesprengt, die Delta-Force-Hubschrauber werden beim Tiefflug geblitzt, bevor sie mit Raketen aus der Luft geholt werden. Der Höhepunkt ist eine Auto-Verfolgungsjagd durch den Vorgarten des Weißen Hauses mit Panzereinsatz und Crash im Swimming-Pool.

Zugegeben – das ist ein ganz schöner Humbug. Gerade gegen Ende hin werden die Story-Wendungen immer unglaubwürdiger. Zumal sich der Drehbuchautor James Vanderbilt ziemlich dreist bei „Die Hard“ bedient. So sind fast alle Figuren – Cop mit Familienproblemen, ausländische Terroristen – bis zur nahezu exakten Übernahme der Dramaturgie mit dem 80er-Jahre-Klassiker identisch. Selbst die Laufzeit von 2 1/2 Stunden stimmt mit dem großen Vorbild überein. Leider wurde auch bei „White House Down“ genau wie damals die Schere angesetzt. Mindestens zwei Gewaltszenen wurde meiner Meinung nach herausgeschnitten.

Das könnte auch eine Szene aus einem Shooter sein. (Bild: Sony Pictures)
Das könnte auch eine Szene aus einem Shooter sein. (Bild: Sony Pictures)

Was aber funktioniert sind die Figuren. Der harte Cop und der pazifistische Präsident ergänzen sich hervorragend, und der Bösewicht macht seinen Job – hinterhältig, sadistisch, aber man darf Mitleid mit ihm haben. Selbst eine der Nebenfiguren bekommt am Ende einen schönen One-Liner spendiert.

„White House Down“ ist Popcorn-Kino durch und durch. Mehr nicht. Tiefgründige Botschaften sucht ihr hier vergebens. Und selbst die an sich kritische Message von der geldgierigen Waffenlobby wird durch die Zerstörungsorgie ins Absurde geführt. Trotzdem – mehr Popcorn werdet ihr für Geld dieses Jahr nicht bekommen.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 5. September 2013

4 Kommentare zu “White House Down: Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!

  1. Habe in einem Interview mit Emmerich gelesen, dass der Film in den USA auch deswegen gefloppt ist, weil zum einen ein Konkurrenzfilm ein bisschen vorher erschient (Namen habe ich gerade vergessen, irgendwas mit „Phoenix“, glaube ich), und weil zufällig dieser Film nicht ganz so liberal ist wie Emmerich, der ja doch fast ein Obama-Liebesfilm gedreht hat.

    Aber gut – Hauptsache Popcorn!!!

      • Danke, genau so hieß er! Laut Emmerich gefällt „Olympus has fallen“ den Republikanern wesentlich besser, weswegen er erfolgreicher ist. Spricht für den Exil-Schwaben, dass er den patriotischen Pathos eines „Independence Day“ gegen eine liberale Vision mit leichter Kritik an den Erzkonservativen in seinen Blockbuster packt.

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