15

We own you: Der gläserne Spieler

Geschrieben von Sebastian
We own you: Der gläserne Spieler

Edward Snowden, NSA, Prism – alles Begriffe, die wir mittlerweile zu Genüge kennen und die uns vor Augen gehalten haben, in welcher „schönen, neuen Welt“ wir wirklich leben. Merkwürdigerweise haben all die Enthüllungen der letzten Jahre nicht zu dem kollektiven Aufschrei und den Massendemonstrationen geführt, die ich eigentlich angesichts des ungeheuren Umfangs der Überwachung und der Aushöhlung rechtsstaatlicher Grundprinzipien erwartet hätte. Vielmehr kommt es mir so vor, dass sich die – nach anfänglicher Empörung – herauskristallisierten Reaktionen grob in zwei Kategorien unterteilen lassen: Ein Teil der Bevölkerung gibt an, sie habe nichts zu verbergen und hätte somit überhaupt kein Problem damit, von Geheimdiensten ungefragt überwacht und analysiert zu werden. Der andere Teil ist wohl schlicht überfordert, die Tragweite der Enthüllungen zu erkennen und sieht sich als bloßer User in einer „Always-On“-Welt, aus der es ohnehin kein Entrinnen mehr gibt.

Gefährliche Gleichgültigkeit

Wir passionierte Video- und Computerspieler dürften sich schlecht damit rausreden können, dass sie nicht wirklich begreifen, was da passiert. Und wenn ich an die Entrüstung über Datensammelaktionen von Steam, Origin und Co. denke, scheint es doch unter uns viele zu geben, die sich sehr lautstark gegen unbemerkte Überwachungen zur Wehr setzen. Umso bemerkenswerter sollte in diesem Zusammenhang der Bericht eines Entwicklers von „Free-to-Play“-Mobilspielen gewertet werden, der kürzlich auf Touch Arcade veröffentlicht wurde.

Nur ein weiterer Beitrag für eine gigantische Datensammlung. (Photo: Mashable.com)
Nur ein weiterer Beitrag für eine gigantische Datensammlung. (Photo: Mashable.com)

Was hier von einem Insider berichtet wird, stellt für mich nichts anderes als die Beschreibung einer ungeheuren Datensammlung im Stile dessen dar, was Snowden über die NSA und ihrer befreundeten Geheimdienste in aller Welt enthüllt hat. Es ist von einer Analyse des Spielverhaltens die Rede, von der Auswertung von individuellem Verhalten während, aber auch abseits des Spiels und letztlich von einer gigantischen Sammlung an Profildaten mit einem einzigen Zweck: „[…] to know how we could get the player to buy more stuff, […]“ Der Höhepunkt all dessen ist dann erreicht, wenn der Autor auf die Auswirkungen zu sprechen kommt, die sich mit der Einbindung von Facebook-Daten in diese „unsichtbare“ Analyse von Spielern ergeben haben. Das liest sich dann zum Beispiel so: „We collect as much information about a player as possible, thanks to Facebook we have a ton.” Und wer denkt, er würde als Nicht-Facebook-User fein raus sein, wird kurze Zeit später eines besseren belehrt: “You might not use Facebook, but your connections give you away. If you play with friends, or you have a significant other who plays, we can see the same IP address, and learn who you are playing with.”

Die abschließende Erwähnung des täglichen Datenvolumens, welches von Herstellern von “Free-to-Play“-Titeln gesammelt, genutzt und vor allem auch untereinander ausgetauscht und gegen Bares gehandelt wird, sollte auch dem letzten Zweifler die Augen geöffnet haben, dass das Ausspionieren auf politischer Ebene nur eine Sache ist, für das all die modernen Online-Anwendungen mittlerweile missbraucht werden. Die Zusammenfassung des Autors bringt es auf den Punkt: „Every time you play a free to play game, you just build this giant online database of who you are, who your friends are and what you like and don’t like. This data is sold, bought and traded between large companies I have worked for.”

Eine gigantische Datensammel-Maschine. (Photo: techbeat.com)
Eine gigantische Datensammel-Maschine. (Photo: techbeat.com)

Wenn ich all das lese, denke ich an die bemerkenswerten Gedanken, die Glenn Greenwald, freier Mitarbeiter für den britischen „Guardian“ und der Mann, der mit Snowden gesprochen und all die Enthüllungen in Gang setzte, in seinem Buch zum Thema – „No Place to Hide“ – formuliert hat. Er argumentiert, dass das Internet und die immer stärker vernetzte Welt das demokratischste aller technologischen Werkzeuge darstellt, die die Welt je gesehen hat. Und angesichts solcher Beispiele wie des „Arabischen Frühlings“ oder auch verschiedener Blogger-Aktivitäten in Krisenherden wie der Ukraine oder Syrien lässt sich sehr gut erkennen, was Greenwald damit meint. Doch er schreibt auch, dass es die Menschheit versteht, all das ins Gegenteil zu verkehren und die neue Technologie zu einem Instrument der Unterdrückung von Freiheit, Privatsphäre und freier Meinungsäußerung zu machen. Natürlich hatte er dabei vor allem die staatlichen Institutionen im Visier, aber angesichts des oben zitierten Touch Arcade-Berichtes dürfte klar sein, dass mittlerweile alle Bereiche der Gesellschaft von derartigen Angriffen auf den Datenschutz und der freien Selbstbestimmung betroffen sind.

Keine Utopie mehr

Steuern wir also tatsächlich auf eine Welt zu, in der wir „gläsern“ werden, erkennbar für jeden, der einen Nutzen an unserem täglichen Verhalten findet? Wollen wir uns bei all unseren Tätigkeiten – beim Spielen, beim Essen, beim Autofahren oder Einkaufen – analysierbar für andere machen, ihnen die Möglichkeit geben, unser Verhalten so zu beurteilen, dass es zum Zwecke der Gewinnmaximierung ausgewertet und abgeschöpft werden kann? Wollen wir wirklich aller Welt mitteilen, welche Vorlieben wir beim Spielen, beim Spaziergehen, bei der Auswahl unserer Partner, unserer Haustiere oder unserer Getränkemarke haben? Wollen wir ernsthaft, dass jedes „Selfie“ unseren momentanen Standort verrät und wir uns damit die letzte Illusion eines ungestörten Urlaubstrips nehmen?

Einsamer Warner oder Retter der Privatsphäre? (Photo: Wikimedia.org)
Einsamer Warner oder Retter der Privatsphäre? (Photo: Wikimedia.org)

Wenn wir weiterhin mit derselben Gleichgültigkeit auf derartige Enthüllungen reagieren wie das im Fall Snowden und NSA bislang geschehen ist, steuern wir auf eine Welt zu, die in zwei kürzlich erschienenen Büchern auf erschreckend-realistische Art beschrieben wurden und ich euch allen nur wärmstens als Lektüre empfehlen kann:

Zum einen wäre das „Super Sad True Love Story“ von Gary Shteyngart (Amazon-Link), einem russisch-stämmigen US-Schriftsteller, der vor dem Hintergrund einer absurden Liebesgeschichte die Vision einer Welt zeichnet, in der die Bevölkerung verpflichtet wird, ständig online zu sein und damit überall Spuren zu hinterlassen, die von Staaten und Firmen analysiert und ausgebeutet werden können.

Die andere Empfehlung bezieht sich auf Dave Eggers‘ Roman „Der Circle“ (Amazon-Link), der nichts anderes beschreibt als das, was das allgegenwärtige Google-Alphabet-Konglomerat schon jetzt in unserem Alltag darstellt – und welche Ausmaße es in naher Zukunft noch annehmen könnte.

Es bleibt mir letztlich nur die Hoffnung zu formulieren, dass doch nicht alle bei dieser offensichtlichen Aufgabe unserer persönlichen Identität und Individualität mitmachen wollen.

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Magst du ihn teilen?
Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someoneShare on Google+Share on LinkedIn

Über Sebastian

Sebastian Schmucker erblickte 1975 das Licht der Welt im tiefsten Bayern, der Wahlheimat seiner Eltern. Diese sollte er erstmal lange Zeit nicht verlassen, was sprachlich aber keine Spuren hinterlassen hat...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 30. September 2015

15 Kommentare zu “We own you: Der gläserne Spieler

  1. Sandra schrieb am :

    Manchmal wundert es mich, wie schnell ich mich schon wieder (nicht mal ganz zwei Jahre nach dem Facebook-Whatsapp-Deal) rechtfertigen muss, warum ich kein Whatsapp benutze und wie oft ich der Aussage „ich habe ja nichts zu verbergen und man kann ja eh nichts dagegen tun“ gegenüber stehe. Gegenargumente gibt es viele, dennoch hält sich diese meinungziemlich hartnäckig. Ich frage mich immer, warum? Ist die Thematik zu komplex? Ist es zu unklar, was man dagegen tun kann?

    Prinzipiell ist es ja schon bequemer, sich einfach nicht zu wehr zu setzen, besonders dann, wenn man von dieser Entwicklung persönlich noch nichts spürt. Umgekehrt müsste man eher auf Komfort verzichten: Eben kein Smartphone, das alles kann, keinen Messenger benutzen, mit dem manfast all meine Freunde erreichen kann, nicht die populärste Internet-Vertriebsplattform benutzen, auf der womöglich die besten Angebote und das größte Angebot an Games zu finden sind. Es ist anstrengend. Und man muss wahnsinnig viel recherchieren. Wobei dies ja auch nicht die Lösung ist, sich vor neuen technischen Entwicklungen komplett abzuschotten, um hinsichtlich Datenschutz „rein“ zu sein.

    Ich denke, eigentlich hat der Kunde viel Macht, schließlich entscheidet er, wofür er seine Daten und sein Geld her- und ausgibt. Allerdings auch erst in der Masse, so als Einzelne Person fühle ich mich immer recht machtlos… :( Und hier frage ich mich: Wie lässt sich die große Masse wirklich mobilisieren, wenn sie selbst bei Snowden und weiteren Datenschutz-Skandalen fast stillschweigend zugesehen hat? Ich habe keine Ahnung :/

    P.S.: Falls das ok ist kann ich auch noch die interaktive Webserie „Do-Not-Track“ empfehlen (https://donottrack-doc.com/de/episodes/), die auf sehr unterhaltsame Weise aufzeigt, wie mit unseren Daten gearbeitet werden kann.

  2. Ein nach wie vor wichtiges Thema, das immer wieder besprochen und diskutiert werden sollte, denn Mensch neigt sehr schnell zu vergessen.

    Wie meine Vorrednerin werde ich auch sehr oft kritisiert, dass ich immer eine „Extrawurst“ haben muss, eben, weil ich z.B. Threema oder Telegram benutze anstatt WhatsApp.

    Die Ausreden sind meistens: „Ja, aber WhatApp benutzen halt alle“ und dass, obwohl diese Personen genau wissen, was vor sich geht bei solchen Diensten. Ich habe auch immer wieder direkt gefragt und wie es sich immer wieder herausstellt, ist es schlicht und einfach Faulheit, was anderes „sicheres“ zu benutzen.

    Andererseits, solche Datensammelei von Facebook und F2P-Games sind größtenteils rechtens, im Gegensatz zur Geheimdienst-Ausspäherei. Denn, der User hat die AGBs unterschrieben, in denen so etwas mehr oder weniger deutlich schwarz auf weiß drin steht.

    Problem ist es, viele interessiert das einfach nicht oder sie sind sich dessen bewußt, aber zu faul etwas ändern.

    Dabei, da geb Sandra recht, die Masse an Kunden hätte so viel Macht gemeinsam etwas zu verändern! Nur wie mobilisiert man die?

    • Sebastian schrieb am :

      Hallo Stefan,

      zwei Anmerkungen zu Deinem Kommentar:

      Die von Dir zitierten „Ausreden“ sind für mich leider ein Beweis dafür, wie unmündig unsere Gesellschaft wird – und da nehme ich mich explizit in vielen Bereichen auch nicht heraus. Wenn sich der Einzelne tatsächlich standing von außen diktieren lässt, was er gefälligst zu benutzen hat, um „dabei zu sein“ oder „dazu zu gehören“, dann brauchen wir uns wirklich nicht wundern, wenn Snowden’s Enthüllungen in ihrer Tragweite vollends an uns vorbei gehen. So ganz nach dem Motto: „Ist ja schon schlimm, was die da machen, aber es kümmert die anderen ja auch nicht, also mach ich mal nicht mit, weil ich sonst ausgegrenzt werde.“ Nun, wir haben in der Geschichte leider viel zu viele Beispiele, in der ganze Bevölkerungen so gedacht haben – mit entsprechend verheerenden Folgen!
      Alle, die eine solche Argumentation an den Tag legen, sollten sich wirklich dringend mal „Der Circle“ durchlesen, denn genau darauf zielt das Buch ab – es machen halt alle, also machen wir auch mal ungefragt mit!

      Bezüglich der AGBs, die das angeblich alles decken, melde ich – ohne jemals eine AGB komplett durchstudiert zu haben – meine Zweifel an. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine AGB eines simplen Handy-Spiels es billigt, dass ganze Benutzerprofile mit der Hilfe anderer Dienste, wie z.B. Facebook, angelegt werden können, die dann auch noch mit anderen Firmen getauscht bzw. mit Geld gehandelt werden. Wenn diese Tragweite der Datennutzung tatsächlich so explizit in AGBs vorhanden wäre, würden diese so langsam den Umfang der Bibel erreichen.
      Nein, ich glaube vielmehr, es werden schwammige Formulierungen verwendet und letztendlich darauf vertraut, dass es ohnehin keiner liest und hinterfragt. Und genau damit haben die Produzenten ja auch recht – es passiert ja kaum was von Kundenseite!

      • AGBs sind nur dann gültig, wenn sie sich in jedem einzelnen Punkt strikt an die Vorgaben des BGB halten. Dass tut fast keine AGB. Die meisten sind sogar nur schlichte 1:1 Übersetzungen amerikanischer EULAs. haben also rechtlich außer bei zufälliger Übereinstimmung der Gesetze relativ wenig Belang noch würden sie vor Gericht Bestand haben. (Damit eine AGB überhaupt erst einmal gültig wird, müssen ohnehin verschiedene Faktoren vorliegen, sie muss z.B. VOR dem Kauf oder dem Anlegen eines Accounts etc. angezeigt werden, ein Verweis auf eine Unterseite reicht in der Regel nicht).

        Daten dürfen nach Datenschutzgesetz z.B. nicht einfach an Dritte weitergegeben werden. Zwar beauftragen Firmen spezielle andere Firmen mit der Auswertung aber diese Auswertungsfirmen dürfen – so das Gesetz und die Theorie – diese aber nur an die ursprüngliche Firma zurückgeben und die darf die dann auch nicht an andere rausgeben oder verkaufen, es sei denn, er hat dafür explizit die Einwilligung des Nutzers erhalten (Opt-In).

      • Sebastian schrieb am :

        Danke für die Klarstellung, aber genau da fängt doch die Ohnmacht der Kunden an. Warum regt sich über die offensichtliche Missachtung der hiesigen Gesetzgebung keiner auf? Warum werden diese AGBs einfach mal so akzeptiert, obwohl sie eben nicht unseren Ansprüchen entsprechen? Liegt es wirklich daran, dass sich das Internet nicht für „nationale Gesetzgebungen“ eignet und wir deswegen mal beide Augen zudrücken, wenn es um Online-AGBs geht? Müsste der Weg nicht andersrum sein, nämlich dass die Online-AGBs sich eben an die geltende Rechtsprechung halten?

        Wenn eine derart gleichgültige Haltung des Kunden überhand nimmt – und das ist ja schon längst geschehen -, dann brauchen wir uns über die derzeitige Situation und die Unfähigkeit zur Reaktion auch nicht wundern.

      • Gesetzlich sind ja nur die Stellen in den AGBs gültig, die unserem Gesetz auch entsprechen. Das Problem sind eher die Kunden bzw. Nutzer, die dann in Foren immer Falschwissen verbreiten, z.B. dass man nicht das Eigentum an einer Software erwirbt sondern nur eine Lizenz, was halt totaler Blödsinn ist.

        Den Firmen ist das natürlich nur recht, wenn die Kunden sich so veräppeln lassen. Wenn es dann tatsächlich mal vor Gericht geht ist das ohnehin alles unerheblich. Oder anders gesagt, in der Regel kann man AGBs und EULAs auch komplett ignorieren. Als Endanwender interessieren sie mich nämlich nicht und sind für mich auch nicht weiter von Belang, es sei denn, es geht irgendwie in den Onlinebereich rein. Accountbindung ist hier ein wichtiges Stichwort.

      • Sebastian schrieb am :

        Spiritogre,

        kannst Du für Deine interessante Ausführungen mal ein paar Quellen verlinken? Und was meinst Du genau mit der Bedeutung von Accountbindung?

        Danke und Grüße,

        Sebastian

      • Accountbindung wird halt z.B. im Fall von Steam interessant. Die Verbraucherzentrale hat mal gegen Valve geklagt. Das Urteil war dann so: ja, der Käufer erhält das Eigentum an seinem Spiel, ABER das nützt ihm nichts, da der dafür benötigte Account auf den Servern von Steam läuft und diese Server gehören nicht ihm sondern halt Valve.

        Verbraucherzentrale gegen Valve:
        http://www.computerbase.de/2014-03/urteilsbegruendung-gegen-steam-account-verkauf/

        EuGH Urteil zum Thema Weiterverkauf gebrauchter Software (auch Downloads):
        http://www.telemedicus.info/urteile/IT-Vertragsrecht/1400-EuGH-Az-C12811-Zur-Erschoepfung-bei-Gebrauchtsoftware-UsedSoft.html
        http://www.damm-legal.de/eugh-gebrauchte-software-darf-weiterverkauft-werden-urheberrechtlicher-erschoepfungsgrundsatz-gilt-auch-fuer-software-die-im-wege-eines-downloads-erworben-wurde
        https://de.wikipedia.org/wiki/UsedSoft

        Software als Sache (und damit wird durch Kauf das Eigentum übertragen:
        http://www.anwaltscontor.de/software-als-sache/

      • Sebastian schrieb am :

        Klasse! Vielen Dank für die Quellen.

        Und das Thema „Steam“ zeigt dann auch wieder die Tücken, mit denen sich die Gesellschaft im Internet-Zeitalter auseinandersetzen muss. Eigentum eigentlich ja, aber dann doch irgendwie nicht!

  3. Anfang der 80er sind die Leute gegen die Volkszählung auf die Straße gegangen, Begriffe wie der „gläserne Bürger“ machten die Runde.

    30 Jahre später ist mehr oder minder Resignation eingekehrt. Wir leben nun einmal in einer digitalen, komplett vernetzten Welt. Dabei geht es schon vorher los. Die Gemeinden geben teilweise die Anmeldedaten weiter, wer mit EC Karte zahlt wird registriert wann, wo und wieviel Geld ausgegeben wird, ähnliches bei Kreditkarten, da gibt es spezielle Firmen für, die das Bankenübergreifend erledigen.

    Wer bei Gewinnspielen mitmacht oder Bonussysteme wie Payback oder gar die Karte seiner Tankstelle nutzt weiß ebenfalls, dass alle Daten gesammelt und ausgewertet werden.

    Die Geheimdienste sind noch mal ein anderes Kaliber. Aber auch das ist nicht neu, das Echolon-System exisitiert seit Jahrzehnten und hört jedes Telefonat ab.

    Jetzt kam mal wieder das Internet ins Visier, durch Windows 10 wurde diese Diskussion erneut losgetreten. Dabei geisterten leider viele Falschmeldungen und Halbwahrheiten durch die Newsportale. Denn die entsprechenden Microsoft (nicht Windows) Dienste gelten für ähnliche Dienste seit Jahren exakt gleich.

    Wobei teilweise gar nicht verstanden wird, welche Daten warum gesammelt werden.

    Zunächst aber noch zum Artikel. Insbesondere die Erwähnung der IP Adresse fand ich interessant. Durchaus einer der Gründe, warum ich kein Kabel-Internet möchte. Ich will keine an mich fest gebundene IP Adresse. Das Zuordnen von IP Adressen nützt der oben angegebenen Firma also überhaupt nichts, weil außer genannten Kabelnutzern fast alle Internetnutzer eine variable IP haben, die sich nach spätestens 24 Stunden ändert (Zwangstrennung des Providers).

    Dis gesagt, finde ich es schlimm, wenn mein Surf- und Spielverhalten gesammelt und ausgewertet wird und ich entsprechend auf mich zugeschnittene Werbung (nicht wegen Adblocker) angezeigt bekomme? Nun, ehrlich gesagt halte ich zugeschnittene Werbung für interessanter. Werbung für Dinge, die mich überhaupt nicht interessieren finde ich viel nerviger.

    Aber welche Daten schauen sich Dienste nun eigentlich an? Die E-Mail Provider durchstöbern die Mails um Spam auszusondern. Drama? Solange keine Angestellten manuell meine Mails lesen doch eine gute Sache, oder!? Siri oder Cortana speichern Eingaben um besser auf meine Anfragen zu reagieren – verständlich, oder!? Auch in Ordnung wenn das keiner weiter persönlich liest. Clouddienste erhalten Zugriff auf den PC – müssen sie ja, wenn sie Daten von meiner Festplatte auf den Onlinespeicher hochladen wollen. Die Wetter-App benötigt meinen Standort wenn sie mir mein lokales Wetter anzeigen soll. Kein Thema!

    Problematisch wird es, wenn Programme oder Webseiten mehr Daten sammeln als sie benötigen. Gerade auf Android stelle ich immer wieder fest, dass da Apps Berechtigungen wollen, wo sich einem die Haare sträuben (unter Windows sind solche Berechtigungen übrigens unmöglich). Warum will App 08/15 Zugriff auf meine Kontakte?
    Was geht ein Programm XY an, welche Software sonst noch bei mir installiert ist?

    Hier wünsche ich mir einfach mehr Eingriffsmöglichkeiten des Nutzers! Grundsätzlich sollte der Gesetzgeber vorschreiben, auch für Webseiten, dass ein Opt-in unbedingt erforderlich ist, wichtig: mit spezifischen Einstellmöglichkeiten.
    Und das dass Abnicken einer AGB, die ohnehin zu Teilen immer ungültig sind, nicht ausreicht.

  4. Wow! Sehr schön Diskussion. Glaube genau das ist das Problem, dass sich „mal“ aufgeregt wird über solche Themen, aber nach 1-2 Wochen ist alles wieder beim Alten…

    Nunja… und Spiritogre hat recht, jeder Vertrag bzw. AGBs sind nichtig, wenn sie gegen Gesetze verstoßen, was insbesondere beim strengen deutschen Datenschutz häufig der Fall ist.

    Aber interessieren tut es keiner, nicht nur wegen Desinteresse, sondern auch wg. schwammigen Formulierungen und ner riesigen Menge an Text.

    Hatte auch mal persönlich einen Fall, da wurde meine Adresse fröhlich von Firma zu Firma weitergegeben. Hab da mal nachgeforscht, weil ich ja das Recht auf Auskunft habe in Deutschland… Das hat dann bei nem Rechtsanwalt geendet, der mir keine Auskunft auf die Herkunft der Daten gab, weil… festhalten… Betriebsgeheimnis! (Hab darüber auch gebloggt, falls es jemand interessiert, Webseitenlink oben folgen ;) )

    Ich bin leider nicht in der Jura-Materie drin und kann nicht sagen ob sowas rechtens ist. Aber weit kommt man als „Kleiner hinterfragender User“ einfach nicht.

    • Sebastian schrieb am :

      Hallo Stefan,

      Du schreibst völlig zurecht, dass „Desinteresse“ der Grund für eine echte Gegenreaktion auf ein solches Verhalten ist. Ich denke, die ebenfalls von Dir angeführten Punkte „schwammige Formulierungen“ und „riesige Mengen an Text“ sind dafür aber nicht weitere Gründe, sondern schlichtweg Entschuldigungen, die wir uns einfallen lassen, um über unser Desinteresse und das Gefühl, nicht wirklich zu wissen, was da eigentlich passiert, hinwegzutäuschen. Wenn wir uns wirklich dafür interessieren würden, würden uns doch wohl keine Textmengen oder unklare Begrifflichkeiten aufhalten, wie Dein eigenes Beispiel ja durchaus zeigt.

      Nein, in unserer schnelllebigen Zeit fehlt uns meines Erachtens der Sinn dafür, unsere eigenen Interessen mit Nachdruck zu verfolgen, denn „das bringt ja ohnehin nichts, wenn ich da als Einzelperson was mache“. Wenn jede Einzelperson das denkt, wird daraus letztlich eine lethargische Masse!

  5. Sebastian schrieb am :

    Da es sowohl in meinem Artikel als auch der damit verbundenen Diskussion immer wieder über das Desinteresse bzw. die Apathie der Kunden gegenüber der angesprochenen Thematik geht, will ich doch mal auf zwei positive Gegenbeispiele der letzten Tage verweisen, die zeigen, dass sich durchaus was bewegen kann, wenn auch der einzelne mal beginnt, aufzustehen und seine Rechte einzufordern:

    Zum einen die sicherlich mittlerweile allseits bekannte EuGh-Entscheidung zum „Safe Harbor“-Abkommen:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/europaeischer-gerichtshof-erklaert-safe-harbor-abkommen-fuer-ungueltig-a-1056366.html
    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/safe-harbor-urteil-triumph-fuer-snowden-blamage-fuer-merkel-kommentar-a-1056438.html

    Und zum anderen die Aktionen der Bürger zur laufenden Diskussion in Sachen „Netzneutralität“:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/netzneutralitaet-umfrage-drei-viertel-der-deutschen-sind-dafuer-a-1056562.html

    Es geht also doch, und wir brauchen uns mit unseren individuellen Sorgen und Ansprüchen nicht hinter Phrasen, Paragraphen und verklausulierten Formulierungen verstecken, um letztendlich zu kapitulieren.

Kommentar schreiben

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.