2

The Return of the First Avenger: Superheld im Verschwörungswahn

Geschrieben von Andreas
The Return of the First Avenger: Superheld im Verschwörungswahn

Ja, wie heißt der Film denn nun? „Captain America 2“? „The Winter Soldier“? „The Return of the First Avenger“? Vermutlich weiß nur die Marketingabteilung des deutschen Verleihs, warum sie sich für letzteren Titel entschieden hat. Die verworrene Veröffentlichungspolitik passt aber zum Paranoia-Szenario des neuesten Superhelden-Spektakels aus dem Marvel-Universum.

Ein Held alter Schule

Wir erinnern uns: Der schmächtige Steve Rogers wird im II. Weltkrieg zum Superhelden Captain America gepimpt und schießt Bösewicht Red Skull quasi auf den Mond. Dummerweise stürzt der Captain ab, überwintert rund 70 Jahre im Eis und verpasst deswegen sein Date. Trotz Sinnkrise wird er zum Anführer der Avengers und schlägt einen Angriff aus dem All erfolgreich zurück. So weit, so gut.

Im Gegensatz zum High-Tech-Spektakel eines „Iron Man“ oder dem Shakespeare-Fantasy-Gedöns eines „Thor“ ist Captain America eher ein Crossover aus James Bond und Jason Bourne. Steve Rogers ist der aufrechte Amerikaner, der sein Land vor den Bedrohungen von Innen und Außen beschützt. Ein wahrer Held aus der Vergangenheit – ein moralisch einwandfreier Superheld, der sich nur nach seinem Gewissen und dem Wohl seines Landes richtet.

Neue Probleme, alte Feinde

Das dynamische Duo: Captain America und Black Widow. (Bild: Disney)
Das dynamische Duo: Captain America und Black Widow. (Bild: Disney)

Die Fortsetzung des Filmhits von 2011 vertieft diesen Gedanken und setzt nahezu unmittelbar an die Ereignisse aus „The Avengers“ an. Steve Rogers aka Captain America (Chris Evans) ist zum respektierten Anführer aufgestiegen und erledigt mit Natasha „Black Widow“ Romanoff (Scarlett Johansson) die Dreckarbeit für Nick Furys (Samuel L. Jackson) „S.H.I.E.L.D“- Organisation. Doch dieser High-Tech-Sicherheitsdienst wird von einem Erzfeind unterwandert, Fury fällt einem Attentat zum Opfer und Captain America sowie Black Widow werden als Verräter gejagt. Eine zwielichtige Rolle übernimmt dabei der Vorsitzende des Weltsicherheitsrates Alexander Pierce (Robert Redford). Während der Captain versucht, Licht in das Dunkel zu bringen, schließt er Freundschaft mit dem ehemaligen Elitesoldaten Sam Wilson (Anthony Mackie) und hat ein schmerzhaftes Wiedersehen mit einem alten Bekannten.

Oberflächlich betrachtet ist diese Mischung aus Bond, Bourne und Mission Impossible vor allem eines: unglaublich vorhersehbar. Sämtliche Verschwörungstheorien lösen sich in der temporeichen Handlung schnell auf. Der geheimnisvolle Drahtzieher lässt schon nach der Hälfte des Films die Maske fallen, ohne dass es auch nur einen einzigen Zuschauer überraschen dürfte. Und die Handlung des Films wird etwas schlampig erzählt, Stichwort „Falcon“. Überhaupt dürften sich einige Zuschauer fragen, warum die zwei Komödien-Regisseure Anthony und Joe Russo („Arrested Development“) hinter der Kamera stehen – witzig ist hier wenig. Das muss ja auch nicht sein, aber der Stil des Films ist vollkommen austauschbar und hätte von irgendeinem Studio-Handlanger stammen können.

Paranoia-Spektakel

Nichtsdestotrotz entfaltet sich der Reiz dieses Blockbuster-Spektakels zwischen den Zeilen. Themen wie Weltpolizei, die Nutzung privater Sicherheitsdienste oder verschachtelte Geheimdienstmachenschaften werfen ein erstaunlich kritisches Bild auf die USA. Hier lebt tatsächlich der Paranoia-Thriller des New Hollywood auf, wenn auch nur kurz. Es ist deshalb ein wenig schade, wenn sich die komplexen und ernsten Untertöne schnell in einem vorhersehbaren und klischeebeladenen Drehbuch in Beliebigkeit auflösen. Zumindest versöhnen die Actionszenen für die verpasste Chance, denn wenn am Ende buchstäblich der Himmel über den USA explodiert, hat dies etwas von dem Aberwitz des „Avengers“-Finales. Genrefans werden begeistert sein, alle anderen schauen Probe.

Im Fahrstuhl. (Bild: Disney)
Am Ende bleibt nur einer übrig. (Bild: Disney)
Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Magst du ihn teilen?
Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someoneShare on Google+Share on LinkedIn

Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 28. März 2014

2 Kommentare zu “The Return of the First Avenger: Superheld im Verschwörungswahn

  1. Hmm, klingt ja nicht sooo uninteressant. Den ersten Teil fand ich von allen Superhelden-Verfilmungen der letzten Jahre allerdings am schlechtesten, sogar schlechter als Green Lantern, der ja schon sehr 80er und eher für Kinder gemacht war (das Spiderman Remake habe ich allerdings nicht gesehen). Captain America 1 hatte mir aber zu viel Patriotismus, wenn auch immerhin die Effekte ziemlich cool waren (der schmächtige Steve am Anfang etwa). In Avengers fiel der Captain zumindest nicht negativ auf, also, dann bin ich ja mal gespannt.

Kommentar schreiben