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Super 8: Spielberg mit Lensflares

Geschrieben von Andreas
Super 8: Spielberg mit Lensflares

Es ist zweifelhaft, ob Super 8 für einen Zuschauer unter 35 bedeutsam ist. Es ist purer Retro-Chic, denn das Action-Melodram von J.J. Abrams könnte so ähnlich aus den 80er Jahren stammen. Die Technik mag neu sein, aber die Inhalte sind gleich geblieben.

Ende der 70er Jahre, eine Kleinstadt in den USA: Ein paar Teenager drehen einen Zombiefilm und werden Zeuge eines Bahnunglücks. Nach und nach stellt sich heraus, dass in einem der Waggons ein Alien war, das nun die ganze Kleinstadt terrorisiert. Als auch noch das Militär einrückt, die Bewohner in Lager sperrt und überhaupt ziemlich geheimnisvoll tut, liegt es an den Kids, das Unheil abzuwenden. Dass hier ein Hohelied auf Zivilcourage, Freundschaft und Vergebung gefeiert wird, versteht sich von selbst. Geradlinig, unterhaltsam und politisch korrekt.

Don't bring me down. Der junge Joe muss nicht nur den Tod seiner Mutter verkraften, sondern auch auch ein Alien besiegen

Abrams, immerhin der Kopf hinter verzwirbelten Verschwörungsthrillern wie „Lost“ oder „Alias“, ist gar nicht der Typ für so eine Story. Zu simpel ist die Auflösung – wenn man von einer solchen überhaupt reden kann. Und die Verweise auf UFO-Mythen wie Roswell oder Area 51 sind naiv und abgegriffen. Das Einzige, was für Verschwörungsfans noch übrig bleibt, ist bzw. war die virale Marketing-Kampagne vor dem Filmstart. Kollege Sven und zahlreiche andere Kinofans wurden so auf einen Film aufmerksam, der die ganze Geheimniskrämerei gar nicht verdient hat. Es ist eines dieser typischen Action-Melodramen, die das Hollywoodkino der 80er Jahre geprägt haben.

Man nehme dazu ein paar neugierige Teenager oder junggebliebene Erwachsene aus zerrütteten Familien und lasse sie auf eine übernatürliche, wissenschaftliche oder außerirdische Bedrohung prallen – das waren die Erfolgzutaten des Spielberg-Prinzips. Dabei sind nicht unbedingt die Filme des Regisseurs wie „E.T.“ gemeint, sondern vielmehr die zahlreichen Produktionen seines Studios „Amblin Entertainment“ in den 80er Jahren. Regisseure wie Joe Dante oder Richard Donner skizzierten in ihren Jugendabenteuerfilmen „Gremlins“ oder „Goonies“ nicht nur das Idyll der amerikanischen, capraesken Vorstadt, in der jeder jeden kennt, sondern waren mit ihren zahlreichen Filmzitaten auch typische Vertreter der Postmoderne. Zwar ertranken der Witz und die subversiven Ansätze eines Films wie „Gremlins“ schnell in einer sentimentalen Moral und hinter dem Streicher-Ballast der Filmmusik, aber es waren Filme für Geeks. Zumindest in dieser Hinsicht ist der Weg zu Abrams nicht weit.

Das Ende der Idylle. Fans von Katastrophenfilmen kommen auch auf ihre Kosten.

Bei „Super 8“ dienen diese Filme als Blaupause, und außer Abrams‘ manierlichen Lensflare-Effekten und der unglaublichen Zugunfallszene gibt es für dessen Fans wohl nichts zu sehen. Stattdessen darf man gaffende Teenager, dumme Erwachsene und geschickte Musikeinspielungen bewundern. Die Story leiht sich einige Ideen aus „It came from outer Space“ oder „Them“, die Schockeffekte verlieren sich schnell im Genreeinheitsbrei und das sentimentale Herz der Geschichte ist der Verlust der Mutter. Kurz, hier ist wahrlich nichts neu. Abrams gelingt es aber, den altbekannten Spielberg-Stil, ähnlich wie schon bei „Star Trek“, zu modernisieren. Statt einem 50er-Jahre Rocksong dröhnt jetzt E.L.O.s „Don’t bring me down“ aus den Boxen, die Teens drehen einen Zombiefilm, ein typisches Phänomen der späten 70er Jahre. Und in einer witzigen Szene wird das Vietnam-Trauma herbeizitiert.

Man kann Abrams nun vorwerfen, dass er immer den sicheren Weg nimmt. Der Held ist nicht der dicke Nachwuchsregisseur Charles (Riley Griffith) oder der irre Pyromane Carl (Ryan Lee), sondern der kluge, sensible, gut aussehende Joe (Joel Courtney). Sein Vater ist nicht Alkoholiker, wie der von Joes großer Liebe Alice (Elle Fanning), sondern Polizist. Egal, wie sich alle am Anfang hassen oder wie aussichtslos die Situation auch scheinen mag – am Ende haben sich alle lieb. Das ist einerseits kalkuliert und politisch korrekt, aber andererseits waren das Filme wie „The Goonies“ auch.

BFF. Joe und seine Clique decken alle Klischees ab.

Es bleibt die Frage: Geht die Rechnung von Regisseur Abrams und Produzent Spielberg auf? Kommt jetzt „Amblin reloaded“? Auf den ersten Blick schon, der Film ist ein Kassenhit und die Kritiken sind überwiegend positiv. Allerdings dürfte dies eher auf den Hype zurückzuführen sein, als auf die Qualität des Films. Machen wir uns doch nichts vor – „Super 8“ ist unterhaltsam, aber auch durchschnittlich. Die moralische Botschaft ist zwar gut und schön, aber heutzutage ziemlich altbacken. Vielleicht entspringt das dem Kalkül der Filmemacher: Botschaft als dramaturgisches Gadget. Bei allem Witz und der handwerklichen Raffinesse bleibt deswegen ein etwas schaler Beigeschmack, weil man als Zuschauer Abrams in die Falle gegangen ist. Als nostalgischer Trip in die Memory Lane funktioniert es trotzdem. 16 Bit, aber mit dem Look von heute.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 1. August 2011

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