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Star Wars – The Old Republic: Es war einmal

Geschrieben von Andreas
Star Wars – The Old Republic: Es war einmal

Einmal so wie Han Solo sein. Nur ein Traum? Nach ein paar Wochen in Biowares „Star Wars: The Old Republic“ kenne ich die Antwort: ja. Ich bin mit „Star Wars“ aufgewachsen und behaupte sogar, dass „Eine neue Hoffnung“ von 1977 der wichtigste Film meines Lebens war.

Wenn ich ihn nicht gesehen hätte, wäre ich nicht so geworden, wie ich heute bin. Studium, Beruf – vieles habe ich danach ausgerichtet. Und natürlich hatte ich den Wunsch, einmal so wie meine Helden auf der Leinwand zu sein. Bis jetzt wurde das von Videospielen nur zum Teil erfüllt, denn die Action- und Geschicklichkeitsspiele boten ja nur äußerst grobe „Star-Wars“-Erfahrungen. Richtig interessant wurde es erst mit „KOTOR“, aber auch dort ließ meine Begeisterung schnell nach. Die spielerische Erfahrung konnte mit meinen Erinnerungen und meiner Erwartungshaltung nie Schritt halten. Es funktioniert halt nicht, wenn man nur einen Helden der zweiten Klasse spielt.

Der Comic-Look ist Geschmackssache. (Bild: EA)

Auch keine gute Voraussetzung: Die bunten Bilderwelten der Prequels oder „Clone Wars“ sind für mich nicht „Star Wars“. Die Original-Trilogie aus den 70er und 80er Jahren sind düstere SF-Fantasy-Märchen, die zumindest bis auf „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ eine ernste Geschichte über Verrat, Vergebung und Erlösung erzählen. Mit den Ewoks, diesen kleinen, ach so knuddeligen Pelzwesen fing es aber schon an. Lucas wollte es allen recht machen, den Großen wie den Kleinen. Für mich war es der Anfang vom Ende. So gesehen ging ich schon mit einigen Vorurteilen an „The Old Republic“ heran.

Ich hab’s aber trotzdem versucht. Einloggen an Tag 1, stundenlange erste Spielsessions, aber nach gut sechs Wochen in „The Old Republic“ war Schluss. Das Spiel, mein Revolverheld und ich wollten nie so recht warm miteinander werden. „Selbst Schuld“ könnte ich jetzt sagen, denn ich war auch nie ein großer MMO-Spieler. Besonders Rollenspiele sind für mich immer eine sehr persönliche Erfahrung, die ich nicht mit anderen teilen will. Mein Held, mein Schwert, mein Weltreich – alles andere ist kalter Kaffee. Ein Massively Multiplayer Online Game bietet mir das nicht. Auch wenn ich meine Figur „formen“ kann, weiß ich sehr wohl, dass gerade ein paar Tausend andere Spieler die gleichen Erlebnisse haben.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich keinerlei Erfahrung mit MMOs habe. „EVE“ ist mir viel zu kompliziert und zeitraubend, „WoW“ wurde ab Lvl 50 langweilig und das üble Grinding in „Aion“ ging mir eigentlich schon von Anfang an auf den Keks. Trotzdem habe ich mir das Daeva-Set geholt und ebenfalls bis Lvl 50 durchgehalten. Ich weiß bis heute nicht, warum ich mir das angetan habe. Nur bei „Guild Wars“ war es anders. Wahrscheinlich habe ich kaum ein anderes Spiel in den letzten Jahren länger gespielt, aber es war auch nie ein echtes MMO, sondern eher ein Koop-Action-RPG mit tollen Multiplayer-Kämpfen.

„SW:TOR“ gilt als der größte Konkurrent von MMO-Platzhirsch „WoW“. (Bild: EA)

Jetzt also „Star Wars: The Old Republic“ von Bioware, den selbst erklärten Meistern des epischen Rollenspiels. Eine eigene Story für jede Charakterklasse, moralische Entscheidungen (was Quatsch ist, man verwechselt es mit strategischen Entscheidungen), epische Kämpfe usw. Die ersten Trailer vom Spiel sahen vor Jahren schon gut aus, aber so richtig heiß war ich auf das Spiel noch nie. Vielleicht weil ich wusste, dass Bioware nicht für Risikobereitschaft bekannt ist. Nein, Überraschungen würde es wenige geben, neue Ideen sowieso nicht. Und so ist es auch gekommen.

Nüchtern betrachtet ist „TOR“ ein solides MMO und bietet alles, was man davon erwarten darf: unterschiedliche Charakterklassen, typische Teamkämpfe, Instanzen, Crafting. Bioware versucht gar nicht irgendwo anzuecken. Und die Idee, seine Helfer zum Sammeln zu schicken, dürfte wahrscheinlich die revolutionärste des Titels sein. Als Spieler kann ich Bioware gar nicht böse sein, weil es ja genau das liefert, was andere Spiele wie „WoW“ so erfolgreich gemacht haben. Sauer bin ich den Machern also nicht, aber lieben kann ich sie dafür auch nicht.

„Star Wars: The Old Republic“ ist in meinen Augen furchtbar beliebig. Sicher, ich habe nur knapp 20 Stunden im Spiel verbracht und mich hauptsächlich gelangweilt. Aber das ist eine lange Zeit und bis zu diesem Zeitpunkt sollte jedes Spiel zeigen können, was es kann. Ändert sich danach was, sagen wir ab Lvl 30? Darf ich da einen Todesstern in die Luft jagen? Trauern, weil Yoda und Obi-Wan tot sind? Oder bleibt es bei der Bioware-Blaupause aus Frage-und-Antwort-Spielen? Kurz, wird das Spiel besser? Ich meine, außer den Cutscenes. Die sind nämlich klasse. Aber wenn ich einen Film sehen will, gucke ich mir lieber die DVD von Episode IV nochmal an. Das ist nämlich alles, was mir von „Star Wars“ geblieben ist.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 6. März 2012

Ein Kommentar zu “Star Wars – The Old Republic: Es war einmal

  1. Geschätzter Kollege,

    ohne „TOR“ gespielt zu haben, kann ich mir gut vorstellen, was Dich in den 20 Stunden so geplagt hat, zumal Du ja auch erwähnst, was für Dich eine echte RPG-Erfahrung ist. Ein MMO in diesen Tagen ist – bis auf einige löbliche Ausnahmen wie beispielsweise „Guild Wars“ – nichts anderes als ein aufgeblasenes Chat-Programm mit Item-Sammelsucht und Geschicklichkeitsfaktor. Was dem ganzen mächtig abgeht ist das Gefühl, an etwas Großem und Kontinuierlichem beteiligt zu sein – also gerade das, was ein gutes Solo-RPG an allen Ecken und Enden vermittelt.

    Ich habe sehr viele schönen Stunden in „Lord of the Rings Online“ verbracht, weil ich mich an der schönen Gestaltung der Welt und so mancher Questreihe erfreuen konnte. Aber je länger ich mich dort aufgehalten habe, desto mehr wurde mir wieder bewusst, dass praktisch nichts, was ich in diese riesigen Welt mache und erlebe, auch nur irgendeine Konsequenz haben wird. Da kann Bioware in „TOR“ noch so viele Zwischensequenzen aneinanderreihen und vom eigentlich „hohlen“ MMO-Story-Gefüge ablenken – letztendlich bleibt für alle Freunde von packenden Handlungen und nachvollziehbaren Spielerlebnissen letztendlich die große Ernüchterung!

    Schade um die schönen Welten, in denen man wirklich so tolle und bahnbrechende Dinge erleben könnte – wenn sie denn nicht zu einem MMO von der Stange gehören würden! Da gehe ich doch tausend Mal lieber mit dem „Witcher“ auf die Pirsch oder mit dem Namenlosen auf die Suche nach seiner Wxistenz in „Planescape: Torment“, als mich durch tausende Gegner zu schlagen, die dann fünf Minuten später hinter mir wieder alle aufstehen…

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