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Replayed: Halo – Kampf um die Zukunft

Geschrieben von Sven
Replayed: Halo – Kampf um die Zukunft

Ihr spielt „Titanfall“, ich „Halo“. Verschont mich mit euren riesigen Kampfrobotern, auf die habe ich aktuell keinen Bock. Höchstwahrscheinlich weil ich leider ein Multiplayer-Noob bin. Da reise ich viel lieber in der Zeit zurück, um ein für mich ganz spezielles Spiel noch einmal zu erleben.

Natürlich gab’s schon vor „Halo“ Ego-Shooter auf Spielkonsolen. Für mich ist Bungies Werk aber eine Besonderheit. Denn zum einen überwältigte mich damals diese schöne Science-Fiction-Welt auf einem fremden Himmelskörper (wir wollen es mal nicht Planet nennen), zum anderen ist es für mich DER Shooter, der mich davon überzeugte, dass das Genre nicht zwangsläufig Tastatur und Maus benötigt.

Shooter auf der Konsole?

Als die Xbox am 14. März 2002 in Europa erschien, war ich – wie sicherlich viele andere Spieler – ziemlich skeptisch. Eine Konsole von Microsoft, die eigentlich eh nur auf PC-Hardware basierte? Nunja. Aber da war „Halo: Kampf um die Zukunft“ (sowie „Rallisport Challenge“ und „Dead or Alive 3“…). Ein Launchtitel, der mir verdeutlichen wollte, was in der wuchtigen Spielekiste steckt. Und tatsächlich wurde die Knallerei eines meiner ersten Xbox-Spiele – dem Genre war ich ohnehin schon immer aufgeschlossen, nur eben nicht auf der Konsole. Dort lehnte ich Egoshooter weitgehend ab, abgesehen von seltenen Ausnahmen wie „Goldeneye“ oder „Perfect Dark“ auf dem N64. Aus heutiger Sicht mag das totaler Quatsch sein. Ich erinnere mich aber noch gut, wie schwer mir die ersten Minuten fielen: Koordination, zwei Analogsticks bedienen, sich orientieren, gleichzeitig schießen und laufen – wie furchtbar. Und zu dem Zeitpunkt gab’s den kleineren, sehr viel handlicheren Xbox-Controller noch nicht zu kaufen – wir Europäer mussten uns mit dem Gamepad-Monster abfinden. Was für ein Teil, boah!

Halo früher. Sieht nicht toll aus? Dabei ist das Spiel keine 12 Jahre alt. (Foto: Microsoft)
Halo früher. Sieht nicht toll aus? Dabei ist das Spiel keine 12 Jahre alt. (Foto: Microsoft)

Aber: Die Schlacht um die Ringwelt sprühte sehr viel Charme aus, dem ich mich nicht entziehen wollte. Aus dem Abfinden mit der Bedienung wurde nach einigen Stunden ein „das klappt ja ganz gut“, am Schluss war ich tatsächlich überzeugt, dass das Spielen solcher Titel auf Konsolen prima klappen kann. „Halo“ ist für mich einer der Gründe, wieso ich heute vorzugsweise Shooter am HDTV auf der Couch mit Gamepad in der Hand zocke und meine Windows-Maschine längst nicht mehr erste Anlaufstelle für Spiele dieser Art ist. Vielleicht war es bei euch auch so?

Neu und alt

Zurück zu „Halo“. Mittlerweile gibt’s die Ende 2011 (WTF? Schon wieder so lange her?) erschienene „Halo: Anniversary“ für ein paar Euro, genau die kaufte ich mir letztens, obwohl ich das Original noch besitze und meine alte Xbox aktuell sogar für den sporadischen Retro-Genuss am Fernseher hängt. Aber die Verlockung, meine alte Liebe facegeliftet und attraktiv wie nie neu aufflammen zu lassen, war einfach zu groß. Der Clou: Ihr könnt durch das Drücken der Select-Taste jederzeit zwischen Classic-Modus und modernisierter Fassade wechseln. Zugegeben: Die alte Grafik, so wie ich „Halo“ vor fast 12 Jahren spielte, hat mich regelrecht schockiert. Ist der Titel echt so schlecht gealtert? Ein ähnliches Phänomen bemerkte ich erst letztens bei „Fable: Anniversary“. In Erinnerungen sah bzw. sieht der Titel viel besser aus als in Realität. Wow!

Die grafischen Aktualisierungen sind vielleicht technisch nicht sensationell, aber gelungen. (Foto: Microsoft)
Die grafischen Aktualisierungen sind vielleicht technisch nicht sensationell, aber gelungen. (Foto: Microsoft)

Das schickere „Halo“ frischt meine Erinnerungen auch in anderer Hinsicht auf. Die Geschichte hebt mich immer noch nicht an: Ein Superduper-Soldat im Kampf um die Ringwelt. Dieses von Bungie gesponnene Universum konnte mich nie so recht überwältigen. Erstaunlich, dass in den Nachfolgern noch so viel erzählt werden konnte. Und diese ganzen Fanfiction-Stories?! Viel interessanter ist für mich das Drumherum: Ballern, Welt erkunden, mit dem Warthog rumdüsen, Kollegen helfen, Alien-Waffen ausprobieren. Das Gesamtpaket ist irgendwie so schön, so unkompliziert, so spannend, so spaßig. Beim Spielen bedauerte ich einige Male, dass ich mit den ganzen Nachfolgern irgendwie nichts anfangen konnte. Bei „Halo 2“, das ich mir am Releasetag kaufte, war die Luft nach eins, zwei Stunden raus. Beim Debüt dagegen ist das sogar jetzt noch anders. Das „Suchtgefühl“ stellt sich ein, ich besuche altbekannte Orte (Bibliothek. Harhar. Ich freue mich!) und feuere mir den Weg frei. Etwas Geschichte hier und da – aber nur nicht zu viel! Klasse! Ich bin zwar kein fanatischer Spielemusik-Liebhaber, aber die Melodien von „Halo“ brannten sich schon beim 2002 in mein Hirn. Dazu noch die witzigen Sprüche des Allianz-Fußvolks. Bei den deutschen Sprechern muss ich unweigerlich an die Synchronstimme von Steve Buscemi denken.

Keine Enttäuschung

Ich glaube, dass „Halo“ objektiv betrachtet gar kein Meisterwerk mehr ist. Vielleicht nie war? 2002 schwang eine gewisse Erwartungshaltung samt Hype mit – und die frisch erworbene, schweineteure Xbox durfte mich ja auf keinen Fall enttäuschen. Schon gar nicht mit einem Spiel, das zuvor so viele Vorschusslorbeeren erntete. Am Schluss aber dominierte ganz klar die Begeisterung und das intensive Gefühl, in diese prächtig ausgearbeitete Welt katapultiert worden zu sein. Das ist zwar jetzt nicht mehr ganz so phänomenal wie früher, aber in der „Anniversary“-Ausgabe blieb die Freude auf keinen Fall auf der Strecke! Ganz im Gegenteil! Wenn man so viel Positives mit dem Spiel verbindet, kann ich den vermutlich redundanten Shooter-Stumpfsinn mit monotonen Feuergefechten und ständigen Gegnerwellen gar nicht richtig kritisieren. Aber will ich nicht, muss ich nicht. Genauso zwingt mich niemand, mir den Mehrspieler-Modus anzugucken, der mich schon damals nicht die Bohne reizte. Ihr wisst schon – Teufelszeug und Noob und so. Das ist eine Konstante, die sich im Laufe der Jahre nicht veränderte. „Halo“ ist ein vertrautes Abenteuer, das ich gerne neu bestritten habe. Das nächste Mal dann zum 20. Geburtstag in 4K-Auflösung? Oder gebe ich „Halo 2“ in einer Anniversary-Neuauflage  eine zweite Chance?

Die Anniversary-Ausgabe sieht auch jetzt noch fein aus! (Foto: Microsoft)
Die Anniversary-Ausgabe sieht auch jetzt noch fein aus! (Foto: Microsoft)

Zu „Titanfall“ möchte ich nur sagen: Vielleicht probiere ich das Teil doch noch aus. Wired meint, MIR könnte das gefallen. Aber das ist ne andere Geschichte…

P.S. Es war gar nicht so schwer, einen für „Halo“ elementaren Namen nicht zu verwenden. :-)

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 14. März 2014

4 Kommentare zu “Replayed: Halo – Kampf um die Zukunft

  1. Ich besitze ja nur die alte XBox, immerhin in der durchsichtigen Acryl-Edition und stolze fünf Spiele – Halo ist leider nicht dabei. Dabei war und ist die Halo-Serie neben Gears of War und Forza ja der quasi eine einzige Grund (abgesehen von einigen Sammel-Exoten wie Lost Odyssey, Magna Carta 2 oder Infinite Undiscovery) für eine 360. Die kostet heute ja auch kaum noch etwas, aber da gibt es ein leidiges Problem mit der Bezeichnung „Frauchen“, die jedes Mal interveniert, wenn das Gespräch auf die 360 kommt: „Du hast soooo viele Spiele und sooooo viele Konsolen, spiel doch damit!“

    Und dann ist da ja noch das Problem, dass man sich dann einen Teil der Spiele auch noch im Ausland bestellen müsste, weil die hier gar nicht erschienen sind, was dann insgesamt, also Konsole mit allen für mich relevanten Spielen, doch wieder ins Geld geht.

    So oder so, Ego-Shooter auf Konsole!? Ich hatte damals meinen Spaß mit diversen N64 Titeln wie Perfect Dark oder Turok (dieser Multiplayer-Ableger), zu zweit waren ich und meine Kumpels damals dann nämlich wenigstens gleich schlecht …

    Alle Jahre wieder lade ich mal die Demo eines Shooters aus dem PSN, u.a. z.B. Killzone (3) und diverse reine Online-Shooter und stelle dann fest, Ego-Shooter und Joypad, das funktioniert bei mir einfach nicht! Ich kriege das aufs verrecken nicht gebacken! Bis ich mit dem linken Stick einen Gegner im Visier habe, haben der und seine Kollegen mich drei Mal gekillt – mindestens! Auf dem PC hätte ich die hingegen innerhalb von Sekunden selbst weg gebratzt.
    Etwas, aber auch nur ein wenig, besser sieht es lustigerweise bei 3rd Person Shootern aus. Zwar bin ich auch da nicht der Held, aber ich kann mich zumeist durchbeißen, auch wenn es mir aufgrund der Trägheit die nicht an mir sondern an der technischen Limitation liegt auf Dauer immer keinen wirklichen Spaß aufkommen lässt. Meist spiele ich solche Titel zwei Stunden am Stück, dann brauche ich eine Woche Erholungspause und dann kann es weitergehen …

    • Mir ging das lange Zeit aehnlich, was die Steuerung bei Ego-Shootern angeht. Und doch habe ich mich mittlerweile sehr gut an das Gamepad gewoehnt, sofern ich nicht erwarte, dass ich ebenso schnell spielen und reagieren muss wie auf dem PC. Bei einem „Bioshock Infinite“ ging das zum Beispiel ganz hervorragend, und auch die beiden ersten „Resistance“-Teile fand ich erstaunlich spielbar auf der PS3, ebenso wie das hervorragende „Far Cry 3“.

      Es mag sein, dass ich nicht so hohe Ansprueche an meine Reaktionsmoeglichkeiten stelle, wenn ich heute noch einen Shooter spiele, denn ich spiele nun mal kaum Multiplayer, sondern zocke lieber die Geschichte durch. Als Wettbewerbsplattform hat die Konsole bei Shootern tatsaechlich immer noch nachhaltig keine Chance gegen den PC, da die Gewandtheit einer Maus von keinem Gamepad imitiert werden kann. Aber im Singleplayer geht mir das nicht ab!

      • Ich bin glaube ich einfach zu ungeduldig. Ich kann auch mit vielen modernen Shootern manchmal nichts anfangen. Wenn ich einen Ego-Shooter zocke, dann will ich den dicken Max markieren, fette Wumme und voll drauf. Ausweichen ist natürlich okay, aber die Hälfte der Spielzeit irgendwo verstecken und abwarten ist mir zu lahm.

      • Das mag es sein, denn ich kann ganz gut mit den eher gemuetlichen Vertretern. Wobei, wenn ich an manche Stellen in „Bioshock Infinite“ denke, kann das mit der Gemuetlichkeit auch nicht passen. Gerade das Ende ist an Hektik nicht zu ueberbieten, und es lag definitiv nicht am Gamepad, dass ich einige Anlaeufe brauchte.

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