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Pottpoly # 4: Alt gegen neu

Geschrieben von Andreas
Pottpoly # 4: Alt gegen neu

Falls ihr es noch gemerkt habt: Remakes sind voll „in“! Deshalb haben wir uns gleich zwei dieser „Grabschänder“ vorgenommen und sind glücklicherweise nur zum Teil enttäuscht. Gleichzeitig zeigt aber ein ehemaliger AAA-Entwickler, dass er auch tolle Download-Titel hinkriegt. Unser neues Pottpoly: „The Chaos Engine“, „Castle of Illusion“ und „Brothers“.

Brothers: A Tale of two Sons – Emotionen und so; gespielt von Dominik

In das Portfolio der Starbreeze Studios gehören bisher Schnetzelspiele wie „Enclave“ und Shooter wie „The Chronicles of Riddick“. „Brothers: A Tale of Two Sons“ passt da zunächst nicht ins Gesamtbild, denn das Spiel schlägt eher ruhigere Töne an: Ihr steuert zwei Brüder durch eine pastellfarbene Welt und überwindet auf der Suche nach einem Heilmittel für euren kranken Vater allerlei Hindernisse in Form von Klettereinlagen und kleinen Rätseln.

Vielleicht ist der Einfluss des schwedischen Regisseurs Josef Fares („Jalla, Jalla!“) Schuld daran. Von ihm kommt die Grundidee für das Spiel, und wer mal einen Grundkurs in Vermarktung von sogenannten Indiespielen besucht hat, weiß Spielejournalisten Purzelbäume schlagen, wenn man ihnen so eine Story anbietet. Entsprechend brav hat Fares in Interviews auch immer und immer wieder das Medium Film mit dem Medium Spiel verglichen sowie darauf hingewiesen, dass sich Titel wie „The Walking Dead“ oder „Heavy Rain“ zu sehr an Filmen orientieren. Da wird man natürlich automatisch neugierig, was „Brothers“ jetzt zur Eigenständigkeit des Computerspiels als narratives Medium beitragen wird!

"Brothers" von den "Riddick"-Machern: Einfach schön.(Bild: Starbreeze)

Zunächst muss man es Fares anrechnen, dass er es sich nicht nur vorgenommen hat, eine Geschichte zu inszenieren, sondern auch Spielmechaniken umzusetzen, die dazu passen. Bestes Beispiel ist die Steuerung: Jeder Stick (ohne Joypad ist das Spiel gar nicht spielbar) steuert einen Bruder, was alleine die Fortbewegung schon zu einer Herausforderung macht, weil es gar nicht so einfach ist, beide Brüder auseinander zu halten und ihre Bewegung aufeinander abzustimmen. „Brothers“ ist damit von Anfang an ein Spiel, auf das man sich einlassen muss, das klar andere Wege gehen will und dem man es tatsächlich abnehmen kann, das Medium Spiel vorantreiben zu wollen.

„Brothers“ versucht den Spieler ebenso emotional zu berühren wie vor kurzem „Gone Home“, bietet dabei aber mehr Spiel als nur die Interaktion mit der Spielumgebung. Trotzdem ist man nach knapp vier Stunden durch, und das ist auch gut so. Denn „Brothers“ ist die Art von Spiel, die man hervorragend am Stück durchspielen kann. Wer Euro durch Spielzeit teilen muss, ist hier sowieso nicht die Zielgruppe.

The Chaos Engine – Andreas meint, dass früher alles besser war

Vor ein paar Monaten räumte ich bei uns den Dachboden auf und stieß auf meinen alten Amiga 500. Also nicht diesen neumodischen Krams wie einen Amiga 600 oder 1200, sondern auf das alte, vergilbte Original. Ich schloss den Amiga an den Monitor an und musste nicht mal lange überlegen, welche Diskette ich einlegen sollte: „The Chaos Engine“ von den Bitmap Brothers, ein Koop-Arena-Shooter mit RPG-Elementen (Aber wem sag ich das?). Der Spielspaß dauerte nur knapp eine Viertelstunde, dann gab der Amiga den Geist auf. Ein trauriger, aber würdiger Abgang.

Kein Witz - DAS ist die Enhanced-Version.
Kein Witz – DAS ist die Enhanced-Version.

Die Bitmap Brothers waren für mich so etwas wie die Rockstars der Videospielszene, bevor es Rockstar gab. Jedes ihrer Spiele hatten damals einen ganz eigenen, metallisch glänzenden Look, einen treibenden Soundtrack und eine einmalige Spielbarkeit. Solche Kleinode wie „Speedball 2“ und natürlich „The Chaos Engine“ gehören für mich in die Hall of Fame der besten Videospiele aller Zeiten. Leider haben die Bitmap Brothers nie den Sprung auf den PC oder die Konsolen geschafft. Ihr letzter Erfolg war das Echtzeitstrategiespiel „Z“, danach verblasste ihr Ruhm. Ein letztes „Speedball“-Online-Projekt ging baden und viele Ideen wanderten wohl in das unsägliche „Speedball Tournament“ von Frogster Interactive.

„The Chaos Engine“ wurde jüngst für den PC aufgelegt. Das Beste, was man darüber sagen kann ist, dass es sich kaum vom Original unterscheidet. Das war es dann aber auch schon, denn der Rest ist eine Frechheit. Die versprochene verbesserte Grafik ist so gut wie nicht zu erkennen und die einzige echte Neuheit, der 2-Spieler-Onlinemodus, funktioniert bei mir überhaupt nicht. Lediglich die Gamepad-Steuerung finde ich etwas genauer. Insgesamt wirkt dieses „Remake“ eher wie eine Emulation, als eine Neuentwicklung. Ich frage mich ernsthaft, ob der Entwickler von Abstraction Games mehr als eine Woche für die Programmierung gebraucht haben. Ich habe keine Ahnung, ob die Bitmap Brothers dringend Geld brauchen und sich keine Mühe für eine Qualitätsabnahme machen. Mein Rat: „Lasst das mit den Remakes bleiben“. Für einen Rockstar ist es manchmal besser auszubrennen, als langsam zu verblassen.

Castle of Illusion – Sven hüpfte mit Micky durch fantasievolle Welten

Erst Dagobert, jetzt Micky. Vermutlich kommen bald die Neuauflagen von „König der Löwen“ und „Pocahontas“? Mir soll’s recht sein, wenn wie bei „Castle of Illusion“ die Qualität stimmt. Ich mag den Lover von Minnie zwar nicht wirklich, aber sowohl damals auf dem Megadrive als auch jetzt auf PC und Konsole (Windows- und Xbox 360-Version gespielt) bereitet mir die klugscheißende Maus echt viel Freude. Im Vergleich zum Original hat sich freilich einiges getan: Die neuen Levels erinnern zwar an ihre Vorlagen, die Entwickler inszenierten diese allerdings neu. Das heißt: alte Gegner, alte Schauplätze, aber neu arrangiert sowie teils komplett verändert. Klar, Grinsemaus Micky bewegt sich etwas träge und so manche Passage ist echt unfair bis frustrierend (gleich der erste Abschnitt – bäh!), aber alles in allem mag ich diese simple, aber fordernde Hüpferei. Abschalten und durch die fantasievollen Landschaften stampfen, um vielleicht irgendwann Minnie wieder zu finden – es ist so schön, so beschaulich, so launig. Dazu gibt’s einen tollen Sprecher, der ähnlich einem Märchen die Geschichte erzählt – passt! Nostalgiker können übrigens zwischen dem originalen Soundtrack und neuen Melodien wählen; eine nette Idee. Schade ist wiederum, dass Sega die 16bit-Version des Spiels nicht noch mit dazugepackt hat.

Sicher, am Schluss ist vom alten „Castle of Illusion“ gar nicht mehr so viel übrig geblieben. Aber das ist auch besser so. Denn in Wirklichkeit ist das alte Jump&Run vom Megadrive vermutlich heftig gealtert. Also behalte ich es lieber schön in Erinnerung und schwelge mit dem neuen „Castle of Illusion“ in der Vergangenheit. Ihr ahnt, was ich meine? Na, worauf wartet ihr noch?

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 13. September 2013

3 Kommentare zu “Pottpoly # 4: Alt gegen neu

  1. Brothers ist wirklich großartig, hat mir auch sehr gut gefallen. Castle of Illusion ist dann jetzt am Wochenende dran. Bei Chaos Engine habe ich schon nach dem plötzlichen Auftauchen und dem Video nicht wirklich etwas erwartet.

  2. Ich will nur nochmal hinzufügen, dass Shadow Warrior ein echt geiler Remake ist. Bin gerade noch auf Arbeit, aber werde nachher mal weiter schnetzeln. Ansonsten freue ich mich eigentlich darüber, dass die Entwickler alte Games nochmal neu auflegen. Das ist immernoch besser, als 5 Jahre lang immer das gleiche Spiel nur zu „updaten“! *hust*COD*huuust*

  3. Ich finde auch, dass alte Spiele aufgefrischt auf den Markt kommen sollten.Wie auch beim Whiskey, ist alt immer besser als neu, das gilt auch für Spiele, wenn sie an die heutigen Möglichkeiten angepasst werden! Also los Entwickler…

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