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Pottpoly #1: Van Helsing, Retrovirus & Error zum Lesen

Geschrieben von Andreas
Pottpoly #1: Van Helsing, Retrovirus & Error zum Lesen

Pott…was? Hat das was mit Drogen zu tun? Überraschenderweise nicht! Nach unglaublich vielen Brainstorming-Telefonkonferenzen, Marktanalysen, repräsentativen Umfragen und einer Runde Russisch-Roulette war der Name für unseren jetzt regelmäßig erscheinenden Potpourri gefunden. Na, versteht ihr jetzt? In Zukunft möchten wir euch in unserer Pottpoly-Reihe interessante Spiele, Filme, Bücher und andere Dinge vorstellen, die wir für erwähnenswert halten. Kleine, unscheinbare, aber nicht minder spannende Games zum Beispiel. Oder vielleicht ein Roman, den wir euch an Herz legen wollen? Eventuell sogar ein Blockbuster, der es nicht verdient hat, an der großen Glocke zu hängen? Ach, lasst euch überraschen – eventuell haben wir für euch noch die eine oder andere Inspirationsquelle parat? Oder gar eine Kaufwarnung? Schauen wir mal…

Den Anfang im Pottpoly #1 machen der Roman „Error“ von Neal Stephenson, die Knallerei „Retrovirus“ und das wunderbar unkomplizierte, aber genau deswegen spaßige „The Incredible Adventures of Van Helsing“ – let’s go!

Error: Bond trifft WoW trifft Dallas – gelesen von Andreas

Eigentlich klingt alles toll...  (Foto: Manhattan Verlag)
Eigentlich klingt alles toll… (Foto: Manhattan Verlag)

Ich sollte dieses Buch lieben. Neal Stephensons „Error“ ist auf den ersten Blick ein Traum für Nerds und alle, die es gern wären. Es handelt von… ja, von was eigentlich? Der Chef einer Spielefirma ärgert sich mit seinen eigenwilligen Autoren und seiner nicht minder schrägen Familie herum, seine adoptierte Lieblingsnichte hat Probleme mit ihrem Freund, ein paar Hacker aus China wandeln illegal Ingame-Währung in echtes Geld um, ein Russen-Mafiosi braucht dringend Mammon und ein islamischer Terrorist legt sich mit all diesen Leuten an. Wenn da nicht der ehemalige russische Elitesoldat, eine britische Nachwuchsspionin und ein ungarischer Hacker wären! Allein die Idee, eine Lösegeld-Übergabe als eine Art Quest in einem MMORPG zu lösen, ist brillant. Nur kann diese Genialität, dieses Sammelsurium an Ideen auch ermüden. „Bond trifft WoW trifft Dallas“ ist in Stephensons Mammutwerk kein Erfolgsrezept.

Als ich so ein paar Hundert der über 1000 Seiten hinter mir hatte, ging das Lesevergnügen in Lesequal über. Stephenson hat schon in seiner Barock-Trilogie gezeigt, dass er unglaublich viel weiß und es auch zeigen muss. So zerlegt er jede Szene in Details, schildert lückenlos jede Bewegung in einer Action-Sequenz und protzt mit Fakten über Politik, Geografie, Hacker und sogar Game Design. Komma reiht sich an Komma, ein Endlossatz folgt dem nächsten. Da frage ich mich, wie diese Endlos-Sätze durch das Lektorat gekommen sind, denn Stephenson ist beileibe kein Thomas Mann der Nerdkultur. „Error“ ist ein Buch, das ihr euch zur Zierde neben „Der Name der Rose“ ins Regal stellen könnte. Dick, ambitioniert und besserwisserisch.

The Incredible Adventures of Van Helsing – gespielt von Sven

„The Incredible Adventures of Van Helsing“ ist nach meinem Geschmack. In bester Hack&Slay-Manier metzelt ihr euch durch die Szenarien, sammelt Items, verbessert eure Fähigkeiten durch gesammelte Erfahrungspunkte und so weiter. Heiltränke, Spezialfertigkeiten, simples Kampfsystem mit Nah- und Fernwaffen – es ist alles dabei, was ihr von einem solchen Genrevertreter erwartet. 15 Euro für 15 Stunden Spielspaß – passt!

Ja, nüchtern betrachtet ist „The Incredible Adventures of Van Helsing“ keine spielerische Sensation.  Aber das, was euch die Entwickler von Neocore servieren, funktioniert prima. Ihr pilgert als Vampirjäger mit eurer geisterhaften Begleitung namens Lady Katarine durch stimmungsvolle Schauplätze und macht das, was ihr am besten könnt: metzeln, schnetzeln, abballern, tolle Attacken ausführen. Das ist launig, unkompliziert und sieht fein aus. Auch der Wechsel zwischen Klinge (Nahkampf) und Schusswaffe (Fernkampf) ist … tja….irgendwie total launig. Witzig ist, dass ihr später sogar so etwas wie Tower Defense erlebt, indem ihr eine Stadt zu beschützen habt. Das bringt etwas Zerstreuung in das sonst geradlinige Abenteuer.

Audiovisuell gut, sogar in deutscher Sprache (Texte) und preislich attraktiv – das stimmt mich wirklich zufrieden!  Erwartet hier kein grenzgeniales Meisterwerk, sondern einfach richtig schöne Hack&Slay-Kost für einige Stündchen, wenn’s draußen wieder regnet zum Beispiel. Eine sympathische, nette Story, jede Menge Action und genügend zum Leveln und Verbessern – mir hat Van Helsing sogar besser als „Diablo III“ gefallen. Aber das sage ich besser nicht laut…

Retrovirus: Damals war alles besser – gezockt von Andreas

Irgendwie nostalgisch.
Irgendwie nostalgisch.

Mitte der 90er Jahre war ich nach einem Spiel süchtig: „Descent“ von Parallax Software. Ich weiß noch, wie ich damals zunächst an der Steuerung verzweifelt bin. Meine Finger verkrampften sich über der Tastatur, bis ich irgendwann den Dreh heraus hatte und mich mit meinem Gleiter durch die einzelnen Levels bewegen konnte – wobei ich beim Finale einfach nur Gas gegeben habe, um abzuhauen. Es war nämlich ein ziemlich irrer Ritt. „Oben“ und „unten“ war in dem Spiel relativ – die völlig freie 3D-Umgebung hat offensichtlich nicht bei wenigen Spielern für „motion sickness“ gesorgt. Merkwürdigerweise ließ beim zweiten Teil meine Begeisterung etwas nach, den dritten spielte ich gar nicht mehr (was aber eher an meiner schwachen PC-Hardware lag) und „geistige“ Nachfolger wie „Forsaken“ strafte ich mit Verachtung.

Kürzlich stolperte ich über ein Spiel, das ich wohl am besten mit „Descent trifft Tron“ beschreiben kann. In „Retrovirus“ von Cadenza Interactive jagt ihr als Anti-Viren-Programm einem gefährlichen Computervirus. Das alles läuft aber nicht so abstrakt ab, wie ihr vielleicht vermuten würdet: Ihr fliegt durch 3D-Labyrinthe und ballert im Prinzip alles ab, was euch in die Quere kommt. Daneben sammelt ihr Datenreste auf und rüstet euer „Programm“ mit neuen Waffen, Schutzschilden usw. auf. Dies ist simpel, steuert sich gut (!) und macht viel Spaß. Was mich stört, das sind die manchmal engen Levels und ja, nach einiger Zeit wird es eintönig. Technik-Freaks werden wohl nörgeln, dass die bunte, aber nicht so spektakuläre Grafik manchmal etwas in Stocken gerät

„Retrovirus“ ist kein „großes“ Spiel. In erster Linie weckt es (nicht nur bei mir) alte Erinnerungen und macht trotz des simplen Spielprinzips Spaß. Retro im neuen Look, mehr nicht.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 10. Juni 2013

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