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Mission Impossible – Phantom Protokoll: Anything goes

Geschrieben von Andreas
Mission Impossible – Phantom Protokoll: Anything goes

Nichts ist unmöglich. Regisseur Brad Bird schickt Tom Cruise auf Weltreise und reiht eine rasante Actionszene an die nächste. Als eine Mischung aus James Bond und Indiana Jones trotzt der Star Schwerkraft und Realität.

Cruise fliegt mit dem Kreml in die Luft, Cruise hüpft über das größte Gebäude der Welt und Cruise liefert sich ein Autorennen in einem Sandsturm. Nein, selbst die schärfsten Kritiker können den Einsatzwillen des US-Stars bei diesem überbordenden Actionspektakel nicht bemängeln. Freilich hat er sich als Produzent diese One-Man-Show quasi selbst beschert und ist so in seinem Element: Cruise ist der beste Agent der Welt und muss diese vor einem drohenden Atomkrieg retten. Wie in der Reihe üblich, ist der Plot vollgepackt mit technischen Spielereien und waghalsigen Stunts. Besonders in der ersten Stunde des Films funktioniert das als Action-Komödie hervorragend. Vor allem Simon Pegg als nerdiger Sidekick gelingen ein paar witzige Momente, und selbst Cruise ist sich für einen ironischen Seitenhieb nicht zu schade: Als sich sein ominöses Tonband partout nicht zerstören will, legt er selbst Hand an.

Über den Wolken. Eine der besten Actionsequenzen des Jahres. (Bild: Paramount Pictures)

Die Actionsequenzen zählen zum atemberaubendsten, was ein Zuschauer dieses Jahr im Kino erleben darf. Besonders die Hochausszene bietet genau die richtige Mischung aus Thrill und Aberwitz, durch die man dem Film die ein oder andere logische Ungereimtheit entschuldigt. Regisseur Bird gelingt sogar eine fast surrealistische Arthaus-Actionszene, wenn er seinen Hauptdarsteller durch besagten Sandsturm jagt. Selbst der Showdown in einem Autohaus setzt auf Understatement und wartet trotzdem mit halsbrecherischen Stunts auf. So gesehen ist diese Fortsetzung eine gelungener Film, der mutig auf neumodische 3D-Effekte verzichtet und trotzdem genug „Eye Candy“ besitzt, um mit der aktuellen Konkurrenz mitzuhalten. So weit, so gut.

Das Problem: Hier passt eigentlich wenig zusammen. Da wäre zunächst der jugendliche Held, der eigentlich keiner ist. Cruise wird bald 50 und hat sich bemerkenswert gut gehalten. Aber wenn er sich seine Haartolle aus dem Gesicht wischt und die Kapuze tief in die Stirn zieht, wirkt das doch arg infantil. Warum gönnt sich Cruise und seiner Figur Ethan Hunt nicht die Reife und die Schwächen eines Mannes im mittleren Alter? Logisch, Cruise ist der Adrenalinjunkie unter den Hollywoodstars. Er ist die Nummer 1, der Aufsteiger, der Supermann, dem niemand widerstehen kann. Da passen ein paar Falten nicht gut ins Konzept. Der Entwicklung der Figur Hunt hätten aber ein paar Makel gut getan.

Tom Cruise. Ein Held, der nicht altern will. (Bild: Paramount Pictures)

Eine andere Baustelle ist die Story des Films. Auf den ersten Blick bietet sie nicht mehr als das, was man als Zuschauer von einem durchschnittlichen Actionfilm erwarten sollte: eine große Bedrohung, ein fieser Bösewicht und Ausreden für pompöse Szenen. Dummerweise kommen Bird und seine Drehbuchautoren vom rechten Weg ab. Mit der zwielichtigen Figur des Agenten Brandt, gespielt von Jeremy Renner, kommt in der zweiten Hälfte des Films eine äußerst melodramatische Note in die Handlung. Die zuvor lockere Actionkomödie wird zum Drama um Erlösung und Vergebung. Am Ende wartet dann sogar die Heulsusenpointe.

Bitte nicht falsch verstehen: Wenn der Film von Anfang an diesen Weg eingeschlagen hätte, könnte niemand meckern. Mal die ernsten und bedrückenden Seiten des Agentenlebens aufdecken – warum nicht? Nur funktioniert es nicht, wenn ich zuvor mit lockeren Sprüchen und irren Actioneinlagen um „mein“ Leben kämpfe. So bricht „Phantom Protokoll“ auseinander und lässt zwei Filme zurück. Die Actionkomödie hätte ich gerne bis zum Schluss genossen, das Melodram lässt mich kalt. Tom Cruise will als Ethan Hunt eben alles sein: jugendlicher Held, abgezockter Agent und treuer Ehemann. Es wäre besser gewesen, wenn sich die Drehbuchautoren auf eine Facette konzentriert hätten, als solch einen Rundumschlag zu wagen. Weniger wäre mehr gewesen – wieder einmal.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 19. Dezember 2011

2 Kommentare zu “Mission Impossible – Phantom Protokoll: Anything goes

  1. Schönes Rewview. Ich les deine Seite echt gerne, weil Sie mal ein bisschen kritisch ist.

    Schreibst mal was über den Indiewahn der zur Zeit mit HumbleBundle, IndieRoyale, TigSource und Ludumdare herrscht?

    • Danke. Zu deiner Frage: Da ist momentan nichts geplant. Ich kann ja auch verstehen, warum so viele Indie-Bundles aus dem Boden sprießen. Da viele kleine Entwickler kein Budget für Werbung haben, können sie so noch mal ein paar Verkäufe erzielen. Und alle Bundles sind ja nicht schlecht – gerade das vierte Humble Indie Bundle (Das Original) bietet eine wunderbare Auswahl für jeden Geschmack.

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