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Man of Steel: Oh, Jesus!

Geschrieben von Andreas
Man of Steel: Oh, Jesus!

Supermann ist der langweiligste aller Superhelden. Zu gut, zu stark, zu politisch korrekt. Anders ausgedrückt: Ich habe so meine Probleme mit dem Typ. Und das ist keine gute Basis, um sich Zack Snyders „Man of Steel“ anzuschauen.

33. Diese Zahl springt einem Zuschauer ins Auge, wenn er sich den Film und seine Hauptfigur anschaut. Klingelst da? Clark Kent alias Superman ist im Film 33 Jahre alt. Genauso alt wie Jesus, als er gekreuzigt wurde. Da haben wir auch schon das Thema des Films. Es geht um nichts Geringeres als die Wiederkehr des Heilands…aus dem All.

Frohlocket! Der Heiland ist wieder da. (Bild: Warner Bros.)
Frohlocket! Der Heiland ist wieder da. (Bild: Warner Bros.)

Diese Niederkunft inszeniert Snyder mit einer Hingabe, vor der man Respekt oder einfach nur Kopfschütteln übrig haben kann. Diesem Superman haftet keinerlei Ironie an, durch die das Marvel-Universum so populär wurde. Snyders Superman ist eine pathetisch-religiöse Erweckungsphantasie, die in schönen Bildern inszeniert wurde, aber darüber hinaus so ideenlos ist, wie ein Hollywood-Blockbuster nur sein kann.

Die meisten der spektakulären Set-Pieces hat es so schon in vielen anderen Superhelden-Filmen gegeben. Der Anfang erinnert an „Flash Gordon“ (es fehlt nur noch die Musik von Queen), der Kampf in einer Kleinstadt ist seit „Thor“ offensichtlich Genre-Standard (siehe auch „Iron Man 3“) und die nicht enden wollende Zerstörungsorgie könnte aus „The Avengers“ stammen. Bye, bye New York.

Das Drehbuch hangelt sich mühsam durch Oberflächlichkeiten und Klischees und lässt dabei den interessantesten Aspekt in der Figur Supermans außer Acht: Nicht seine Strumpfhosen sind das Kostüm, sondern seine Rolle als Clark Kent. Das erkannte schließlich schon der gute alte Bill bei Tarantino, aber es hat sich nicht zu Snyder und seine Autoren herumgesprochen. Das hätte auch mehr Details bei Figuren und Handlung verlangt. In dieser Form wirkt das Drehbuch wie eines dieser Spec-Scripts, die ein junger Autor schreibt, um einen Nachweis seiner Arbeit zu liefern. Verfilmt wird so etwas in der Regel nicht.

 

Der Brite Henry Cavill spielt Superman alias Clark Kent alias Kal-El. (Bild: Warner Bros.)
Der Brite Henry Cavill spielt Superman alias Clark Kent alias Kal-El. (Bild: Warner Bros.)

Tiefgang sucht ihr hier vergebens. Stattdessen setzt der Film ganz auf die religiöse Metaphorik. Himmelfahrten werden gleich reihenweise inszeniert, Opfer werden gebracht und alle himmeln diesen stählernen Jesus ehrfürchtig an. Das ist oft an der Grenze zum unfreiwillig Komischen, aber in der gottestreuen USA scheint der Film den Nerv der Zuschauer zu treffen. Bester Filmstart im Juni, teilweise gute Kritiken.

Vielleicht liegt es auch daran, dass „Man of Steel“ durch seine Machart alles andere als trendy ist. Nicht so ironisch wie die Marvel-Superhelden, eher verbissen und düster. Wo aber Nolans „Batman“-Trilogie zumindest ansatzweise eine Parabel auf Schuld, Sühne und Verantwortung zeigte, bleibt es in „Man of Steel“ bei Supis Auferstehung als Erlöser und Retter der Menschheit. Übrigens ist dies gar nicht mal so weit weg vom Ende der „Batman“-Trilogie, was den Einfluss Nolans bei Snyders Film erklären könnte. Trotzdem bleibt „Man of Steel“ ein Superheldenfilm von der Stange. Nix Neues aus Krypton.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 21. Juni 2013

2 Kommentare zu “Man of Steel: Oh, Jesus!

  1. Oguz-Khan schrieb am :

    „Man of Steel“ markiert den Höhepunkt der in den 1970ern Jahren mal mit
    „Der Weiß Hai“ eröffneten sog. Sommer „Blockbuster“ Titel. Und zwar in punkto Leere. Man kann diesen Film nicht mal mehr visuell und akustisch genießen!
    Diesen Streifen als Comicverfilmung zu betiteln währe schon zu seriös. Streng genommen haben wir es hier mit aneinandergereiten Szenen zu tun, aus denen sich ohne Probleme Trailer zimmern lassen. Man denke an die Szene wo er erstmals seinen Kape und Anzug überwirft, oder an die Finale Szene, als Vater Kent seinen Sohn mit dem roten Kape sieht. Als Trailer ergibt das alles Sinn, aber meine Überraschung war groß diese Szenen VÖLLIG unverändert so im Film vorzufinden. Denn dann sind diese Szenen nicht mehr als ein großer haufen Mist. Der messianisch patriotische Ton ist unerträglich. Es gibt keinen Gedanken der zuende geführt wird. Und zu allem Überfluss, es gibt auch nichts mehr zu sehen dank dieser Kamera! Natürlich musste es 3D sein, aber in Kombination mit der Wackelkamera? Unglaublich, als hätte es „Avatar“ nie gegeben. Der Soundtrack ist eine vulgär laute Beleidigung für den Gehörgang. Vielleicht haben wir es hier mit einer neuen Form des Überflusses zu tun. Nachdem Hollywood Jahrelang überflüssige Filme Produziert hat, gehen sie nun über, uns gar nichts mehr anzubieten. Dieser Film simuliert nur noch ein großer BLockbuster zu sein.
    Das wars dann wohl, nicht nur für den Super, Man…

  2. Noch war ich nicht in dem Film… habs aber wohl noch vor. Ich bin kein Superman-Fan. Die alten Teile waren alle nichts gewesen und ziemlich langweilig. Die ganz ganz ganz alten waren halbwegs Okay. Ich schaue da lieber Marvel :) Aber dieser Superman-Film soll sich völlig von den anderen abheben und viel Action beinhalten. Das machts wieder interessant!

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