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You don’t know Jack…

Geschrieben von Andreas
You don’t know Jack…

Tom Cruise spielt Jack Reacher. Dieser Besetzungscoup ist möglicherweise der einzige Grund, warum sich ein Zuschauer diesen durchschnittlichen Action-Krimi ansehen sollte. Am Ende stellt sich dann die Frage: Beginnt so die Fernsehkarriere von Tom Cruise?

Eine Nummer zu groß? Die Romanfigur ist ein knapp zwei Meter großer Hüne. Cruise misst dagegen nur 1,70. (Bild: Paramount)
Eine Nummer zu groß? Die Romanfigur ist ein knapp zwei Meter großer Hüne. Cruise misst dagegen nur 1,70. (Bild: Paramount)

Jack Reacher ist eine Romanfigur des britischen Autors Lee Childs (aka Jim Grant), der seit rund 15 Jahren auf recht unkonventionelle Art für Recht und Ordnung sorgt. Er macht das offensichtlich sehr erfolgreich (ich habe keines der Bücher gelesen), denn  bis heute erschienen 17 Romane um den ehemaligen Militärpolizisten. Christoper McQuarries Film ist nun eine Verfilmung des Romans „One Shot“ aus dem Jahr 2005.

Das Besondere an der Figur Jack Reacher: Er ist eine Art Phantom, ein Einzelgänger, der von einem Ort zum anderen zieht. Meist taucht er aus dem Nichts auf, wenn ein Fall sein Interesse weckt. In der Verfilmung ist es der Amoklauf eines Ex-Snipers, der scheinbar wahllos fünf Menschen erschießt. Als er verhaftet wird, bittet er verzweifelt „Get Jack Reacher“. Der lässt sich nicht lange bitten und steckt bald mit der ehrgeizigen Anwältin Helen (Rosamund Pike) in einem Komplott. Beim Finale auf einer Baustelle warten auf ihn ein diabolischer Gegenspieler (der deutsche Regisseur Werner Herzog!) und sein brutaler Handlanger (Jai Courtney, bald zu sehen als der Sohn von „John McClane“).

Solche Filme wie „Jack Reacher“ wurden meist in den 80er Jahren gemacht und landen heutzutage meist direkt im DVD-Verleihregal. Ihre Helden sind Darsteller wie Jason Statham, Dwayne Johnson oder Steven Seagal. Es ist deshalb umso verwunderlicher, dass ein „Topstar“ wie Tom Cruise seinen Namen für einen durchschnittlichen Action-Krimi hergibt. Spannung und Tempo sind überschaubar, die Figuren allesamt Pappfiguren und der ach so überraschende Storytwist dürfte selbst unbedarften Zuschauern nach ein paar Minuten klar sein. So ein Stoff taugt meist nur als Pilotfilm für eine Fernsehserie.

Das soll jetzt nicht heißen, dass „Jack Reacher“ ein abgrundtief schlechter Film ist. Nein, die lakonischen Kommentare von Cruise sind treffsicher, Jai Courtney zeigt die nötige physische Präsenz für einen Actionfilm (in Zukunft vielleicht auch nur DTD) und Werner Herzog chargiert grandios als ehemaliger Häftling eines Gulag. Insgesamt ist der Film sehr altmodisch und hat dadurch einen gewissen Charme, der ihn von Effektespektakeln eines Michael Bay wohltuend abhebt. Nur ist es halt nicht genug. Regisseur und Drehbuchautor McQuarrie hat keinerlei Ideen, wie er die maue Geschichte kinotauglich macht. Und sieht man mal von einer rasanten Autoverfolgungsjagd ab, werden auch Actionfans enttäuscht den Kinosaal verlassen.

Möglicherweise wollte McQuarrie nur Gutmachung für „Payback“ leisten. Damals wollte er mit der Hauptrolle einen richtig fiesen Antihelden zeigen, doch Hauptdarsteller Mel Gibson war wohl besorgt um sein Image. Am Ende war es nur ein Torso von einem Badass-Actionfilm. Insofern ist „Jack Reacher“ kompromissloser und die Hauptfigur erledigt seine Widersacher schon mal kommentarlos mit einem Kopfschuss. Ob da auch die bemerkenswert kritiklose Haltung zum amerikanischen Waffenfetischismus dazugehört? Wenn ja, ging der Schuss daneben.

In Erinnerung bleiben nur die Blicke von Rosamund Pike auf die „gloriose“ Erscheinung von Tom Cruise. Ihr Anhimmeln soll wohl eine ähnliche Reaktion beim Zuschauer auslösen: ein Star, um einen ganzen Film zu rechtfertigen. Für die 80er mag das ausgereicht haben. Heutzutage ist es nur ein vom Aussterben bedrohter Dinosaurier.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 3. Januar 2013

3 Kommentare zu “You don’t know Jack…

  1. Was ich mich jetzt frage: Beim letzten Mission Impossible wird der klassische Stil gelobt, hier nicht. Wo liegen denn jetzt genau die Unterschiede?

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