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Grand Theft Auto 5: Klar kommt da noch was!

Geschrieben von Andy
Grand Theft Auto 5: Klar kommt da noch was!

Ein Poly-Bericht über “Grand Theft Auto 5“. Hm… wie fange ich da bloß an?

1. Versuch: “Ja, das Spiel ist ganz nett.“ –  Ne, zu überheblich…

2. Versuch: “Erinnert sich noch wer an “GTA 4“? Nein?“ – Verdammt…

3. Versuch: “Michael ist ’ne coole Sau, Franklin voll der Homie und Trevor der neue Best-Bad-Buddy der Saison….“ – Ach, Scheiße.

4. Versuch: “Gesucht: Ein Leben. Ich, 36 J. alt, schreibe seit Ewigk. GTA-Guide für Onl-Mag. und habe k. Zeit und k. Freunde (mehr). Hilfe. Chiffre-Nr. …“ – (…)

5. Versuch: “Grand Theft Auto 5“ zeigt, wie hässlich der Mensch und wie schön die Welt sein kann.“

Ja, das nehme ich.

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So moralisch zweifelhaft euer Treiben ist, so poetisch schön können Sonnenuntergänge in „Grand Theft Auto 5“ sein. (Bild: Rockstar)

Jetzt mal im Ernst, liebe Kinder: Was soll ich denn über dieses Spiel schreiben, was nicht schon längst geschrieben wurde? Ja, es ist toll. Grandios. Fulminant. Episch. Hurra! Wir haben alle Spaß! Es wird Preise ohne Ende einheimsen und die Erwartungen für ein mögliches “Grand Theft Auto 6“ in Sphären schießen, die man mit keinem Teleskop sehen kann. Obwohl… nun… wie sag ich es bloß? Achja, ich weiß: Der Vorgänger war seinerseits besser und für 2013 sitzt das Spiel in meinen Augen allenfalls auf einem soliden vierten GOTY-Platz.

“Uh, es gefällt ihm nicht.“ – “Na, der will nur Klicks für Polygamia provozieren.“ – “Zuerst der Inner-World-Scheiß und jetzt das hier!“

Äh, ne, nochmal: Das Spiel ist wirklich gut geworden. Die Welt ist in der Tat von ihrer Größe und Ausstattung eine neue Marke, auch wenn mir der Mittelteil aufgepumpt vorkommt und ich die eine oder andere Strecke gerne kürzer gehabt hätte. Dafür ragt über San Andreas ein Berg, der mich bei einem meiner ersten Fallschirmsprünge umgehauen hat. Episch ist gar kein Ausdruck – und rasant ist’s ebenfalls, wenn ich mit dem Fahrrad von der Spitze zurück ins Tal flitze. Oder schnappt euch ein U-Boot, taucht damit auf den Grund des Meeres und steigt bei grellem Sonnenlicht wieder gen Wasseroberfläche. Das folgende Lichtspiel ist magisch.

Rockstar hat sich wirklich Mühe gegeben. Ja, ich würde sogar so weit gehen: Wenn es einen Preis für “Best Effort“ gäbe, dann hätten die Schöpfer den mal ganz sicher. Aber ein GOTY? In DIESEM Jahr? Mein Gefühl sagt mir hier ganz eindeutig: eine Nominierung ist verdient, ein Sieg aber bitte nicht. Dazu ist mir das “Ich-bin-geflasht“-Feeling gerade im Vergleich zu “Grand Theft Auto 4“ zu lauwarm. Ja, ich weiß: Das war nicht so groß, es gab nur einen Hauptcharakter und überhaupt. Aber während vor fünf Jahren der Grad der Atmosphäre auf ein neues Niveau gehievt wurde, wirkt “GTA 5“ irgendwie… herzlos.

“Jetzt hackt’s aber völlig – kommt der bei dem Spiel mit Gefühlsduselei? Soll er doch bei Gone Home bleiben…“ – Hm, ja… vielleicht sollte ich das. Möglich ist, dass ich mich in den fünf Jahren verändert habe, weshalb ich lieber ein knapp dreistündiges Ego-Interactive-Novel spiele, das mich dafür aber wirklich berührt und fassungslos macht.

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Ein Antiheld allein reicht nicht mehr aus: Der Wechsel zu drei Hauptcharakteren sorgt zwar für keine storytechnischen Geniestreiche, aber für Abwechslung im eigentlichen Spielverlauf. (Bild: Rockstar)

Aber nein, ich höre mich jetzt schon wieder so an, als ob mir “GTA 5“ nicht gefällt. Denn nüchtern betrachtet gibt es kaum etwas, was mich stört. Die Geschichte ist zwar nicht der Überbringer, jedoch mag ich die Charakterdreiteilung. Der nahtlose Wechsel funktioniert tadellos und vermittelt einen ganz zarten Hauch eines innovativen Spielerlebnisses. Mein Favorit des Trios ist übrigens nicht der allseits beliebte Trevor (der zwar kaputt ist, aber bei dem mich diese eine, ganz bestimmte und bereits jetzt berüchtigte Folterszene zu sehr angewidert hat), sondern Michael. Der ist auch ein Arsch, jedoch mit Stil. Und seine Familiengeschichten sind irgendwie traurig und lustig zugleich.

Die Menge der Story-Missionen hätte man etwas reduzieren und/oder den Schwierigkeitsgrad erhöhen können. Ganz selten riecht das Spiel nach “Masse statt Klasse“, obwohl solch grandiose Erlebnisse wie auf einen fahrenden Zug springen oder die cool gemachten Raubüberfälle schnell entschädigen. Das glatte Gegenteil zum Thema “Easy Going“ sind die Such- und Sammelobjekte: Was Rockstar sich hier zum Teil für Verstecke einfallen lassen hat, damit ich alle Teile eines Briefes oder die Bruchstücke eines ominösen Raumschiffes (!) erhalte, geht in Richtung “Bastardigkeit“.

Jetzt hab ich wieder den Faden verloren… öhm… Technik, genau: Die finde ich stark. Was war das? Was sagt ihr? Wenn etwas nicht so geil an “GTA 5“ sei, dann die Technik? Weil es… ruckelt? Äh… was habt ihr denn erwartet? Das Rockstar zaubert, oder wie? Das die eine derart komplexe und detaillierte Spielwelt mit einer acht Jahre alten (!) Technik ruckelfrei über die Bühne fegen? Nie-im-Leben.

Wenn ich mich über etwas beim Programmcode aufregen könnte, dann über die K.I. Sobald ich “GTA“-typisch böse bin und mich die Polizei auf dem Kieker hat, ploppt sie plump an den unmöglichsten Stellen meiner unmittelbaren Umgebung auf – und verpufft genauso schnell ins Nichts, wenn ich mich für eine Weile verstecke. Überhaupt: Die Verfolgungsjagden im Vorgänger wirkten damals auf mich authentischer und packender. Liegt es am Zahn der Zeit? Ich muss das alte Spielchen dann doch mal bei Gelegenheit für einen Vergleich heraus kramen.

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Für all diejenigen, die gar nicht wissen worum es geht: In „Grand Theft Auto“ klaut ihr Autos und fröhnt in der Regel illegalen Freizeitbeschäftigungen – wie Auftragsmorde oder Banküberfälle. (Bild: Rockstar)

Im Gesamten untermauert das Spiel meine These, dass Rockstar neben Naughty Dog der derzeit zuverlässigste Entwickler ist. Sprich: Ein Game aus der Ecke ist im Regelfall ein Hit – so wie das früher mal bei diversen japanischen Herstellern der Fall war. Bei all dem Nitpicking, das im Zeitalter des Internets unumgänglich ist, kann mir keiner erzählen, dass “Grand Theft Auto 5“ nicht liefern würde. Es ist, wie schon mehrfach angedeutet, eine Spielweltwundertüte, deren simples Auskundschaften bereits Stunden, Tage, Wochen beschäftigen kann. Der Gewaltgrad ist zwar hoch, aber in 99% aller Fälle derart überzogen, dass ich am liebsten von einer Karikatur reden möchte – die besagte Folterszene ausgeklammert.

Und dann muss ich auch so konsequent sein und die dezent Frauen-verachtende Note des Spiels in die gleiche Schublade stecken. Allerdings würde es Rockstar sicherlich gut tun, wenn sie sich endlich mal um einen weiblichen Spielcharakter bemühen. Böse Mädchen gibt es doch auch… hab ich gehört.

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Über Andy

Andreas “Andy“ Altenheimer wandelt seit 1977 auf dieser Welt, als „Star Wars“ und „Der Stadtneurotiker“ in die Kinos kamen, und fühlt sich wie eine Mischung dieser beiden Filmklassiker... [Weiterlesen]

Veröffentlicht am 13. Oktober 2013

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