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gamescom 2012: Der völlige Unsinn von Messe-Awards

Geschrieben von Andy
gamescom 2012: Der völlige Unsinn von Messe-Awards

Just heute flatterte eine E-Mail in meinen Postkasten: Eine Jury aus internationalen Journalisten hat von 100 eingereichten Spielen, die auf der diesjährigen gamescom vorgestellt werden, eine Nominierungsliste erstellt. Basierend auf dieser wird dann am Ende der Messe ein Gewinner in mehreren Kategorien gekürt – also solch triviales Zeug wie “Bestes PS3 Spiel“ oder “Bestes Familienspiel“.

Das ist soweit nichts Ungewöhnliches – wohl aber, dass sich anscheinend kein Mensch über diesen immensen Unsinn aufregt.

Man wirft mir gerne mal vor, ich sei viel zu Oscar-fixiert – die Verleihung sei überbewertet, zeichne eh nie den würdigen Sieger aus und es gebe doch noch so viele andere Filme, die das amerikanische Hollywood vergesse. Mag sein – aber dort wird immerhin etwas Handfestes ausgezeichnet, was zumindest der normale Amerikaner zum Zeitpunkt der Verleihung auch selbst im Kino sehen darf.

Celebrete the games (die noch nicht erschienen sind)
Celebrete the games (die noch nicht erschienen sind)

Diese Messe-Auszeichnungen hingegen sind so mit der größte Blödsinn, die sich die Hype-Maschinerie der Videospielindustrie ausgedacht hat. Das soll jetzt kein Rant gegen die gamescom sein, schließlich existieren auch E3-Awards und jedes zweite Onlinemagazin zeichnet ebenso ihre Messe-Lieblinge aus. Nur warum bitte? Sollten Auszeichnungen nicht Spielen vorbehalten bleiben, die fix und fertig auf dem Tisch stehen? Über die Gefahr, dass ein auf den ersten Blick toll aussehendes Game über den Klee gelobt wird und am Ende in der Umsetzung bitter enttäuscht, möchte ich gar nicht erst anfangen (ein “Hallo“ an “Scribblenauts“).

Und diese Nominierungsliste setzt jetzt noch einen oben drauf. Eine internationale Fachjury habe aus 100 eingereichten Spiele eine Auswahl vorgenommen – ich frage mich ernsthaft, nach welchen Kriterien diese entstanden ist. Ich meine: Es sollen die Spiele der Messe gekürt werden, also diejenigen, die dort am besten präsentiert werden. Aber wie zum Geier schaffe ich eine repräsentative Auswahl, wenn die Messe noch gar nicht offiziell begonnen hat?

Hier geht es in meinen Augen um nichts anderes, als bereits im Vorfeld hoch dekorierte Namen in ein noch besseres Licht zu rücken. Die Auswahl der Titel ist jedenfalls völlig trivial – bei den großen Konsolen steht nicht ein “Überraschungskandidat“, von dem man sowieso nicht bereits ewig viel im Vorfeld über diverse Previews oder dank zahlreicher Vorgänger etwas erfahren hätte. Einzig “Ni No Kuni“ für die PS3 wirkt ein ganz klein wenig “intelligent“, doch ist auch dieses Rollenspiel seit eh und je bekannt bzw. in Japan gar bereits seit einem Jahr erhältlich.

Die Liste ”Best of gamescom“ hingegen besteht aus ”Tomb Raider”, ”Dishonored”, ”The Last of Us”, ”Call of Duty: Black Ops 2” und ”Assassin’s Creed 3”. Man hätte auch sagen können: Riesenblockbuster, Megablockbuster, Hyperblockbuster, Superblockbuster und Duperblockbuster.

Auszug aus einer offiziellen Liste der gamescom der Spiele-Vorstellungen. Können wir froh sein, dass Half-Life 3 nicht nominiert wurde? (Foto: gamescom.de)
Auszug aus einer offiziellen Liste der gamescom der Spiele-Vorstellungen. Können wir froh sein, dass Half-Life 3 nicht nominiert wurde? (Foto: gamescom.de)

Ich kann nur hoffen, dass kein Spieler diesen Mist in irgendeiner Form ernst nimmt. Bedenklich ist nur: Die Branche, gerade was die Produktion von großen, millionenschweren AAA-Titeln anbelangt, steht vor einigen schwierigen Problemen sowie schwerwiegenden Entscheidungen und sollte in meinen Augen keine Nuance Energie in diesen Award-Müll stecken. Meine Vorbehalte gegenüber Previews, Vorschauen und Messen wie die E3 oder die gamescom, in denen eventuell gar nicht mal so tolle Spiele mit einem völlig überzogenem Tam-Tam schön geredet werden, sind bereits ohne Messe-Auszeichnungen bedenklich groß. Mal schauen, ab wann es im Vorfeld die Wahl für die beste Messe des Jahres gibt – in der dann eine Fachjury mitsamt Glaskugel die Messen mit dem mutmaßlich besten Spiele-Lineup nominiert…

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Über Andy

Andreas “Andy“ Altenheimer wandelt seit 1977 auf dieser Welt, als „Star Wars“ und „Der Stadtneurotiker“ in die Kinos kamen, und fühlt sich wie eine Mischung dieser beiden Filmklassiker... [Weiterlesen]

Veröffentlicht am 14. August 2012

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