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Weihnachten kann kommen: Der Polygamia-Wunschzettel 2011

Geschrieben von Andreas
Weihnachten kann kommen: Der Polygamia-Wunschzettel 2011

Der olle Knilch mit den roten Klamotten hat längst all seine Sympathiepunkte verspielt. Sein ehemals weißer Bart verfärbte sich dank Alkoholexzessen, Nikotin und unkontrolliertem Kohlerouladenkonsum im Verlauf der letzten Jahrhunderte. Vergesst den Weihnachtsmann aus der Coca Cola-Werbung, in Wirklichkeit ist der Typ abgemagert, faltig und…einfach abstoßend. Er könnte glatt aus einem Gruselfilm stammen. Würde er sich auf ein Spielzeugdreirad setzen, er wäre der perfekte Kandidat für „SAW 8“. Der Mix aus Stephen King’s „Es“ und einem Schokoladenweihnachtsmann mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum ist immerhin seinem Job treu geblieben. Und so schleppt er nach wie vor Millionen Geschenke zu den Menschen, die von Jahr zu Jahr immer ausgefallenere Wünsche äußern.

Auch wir sind da keine Ausnahme. Die drei Polys verlangen nach den tollsten Sachen. Und sollte es diese (noch) nicht geben, dann…tja, dann muss sich der W-Man halt was einfallen lassen. Was wir fordern? Eigentlich nichts Spektakuläres…

Was hat der Weihnachtmann Andreas zu bringen?

Einen schwarzen Umhang
Mit so einem Teil sieht man nämlich gleich doppelt so cool aus. Da ich sowieso schon schizophrene Tendenzen habe, würde ich mich über so ein Geschenk sehr freuen, lieber Weihnachtsmann. Dann könnte ich mich nämlich ganz alleine durch die nächtliche Stadt schwingen und auf irgendeinem Kirchenturm die Aussicht genießen. Dass da unten auch zwielichtiges Gesocks ‚rumrennt? Herrgott, dann mach ich halt einen Abstecher und erledige die mit links! Aber dann geht’s wieder zurück in die Lüfte. Mir ist es übrigens egal, ob der Umhang beim Kriechen durch enge Gänge total unpraktisch ist! Ohne ihn fühle ich mich wie ein Raider ohne Keks – also her damit! Andererseits würde…

Haha. Andreas in einem schwarzem Umhang. Er blickt auf Stuttgart und wacht über die Stadt. Er bräuchte übrigens Größe XXS, lieber Weihnachtsmann.
Andreas in einem schwarzem Umhang. Er blickt auf Stuttgart und wacht über die Stadt. Er bräuchte übrigens Größe XXS, lieber Weihnachtsmann.

…die Polizeimarke 1247
…auch gut in meine Sammlung passen. Ok, das Ding ist ein Erbstück und Cole Phelps ist und bleibt ein karrieregeiler Streber. Aber egal, ob er sich im Krieg durchgemogelt hat oder danach bei der L.A.P.D. nach oben geschleimt hat – am Ende kriegt jeder, was er verdient. Aber irgendwo habe ich auch Mitleid mit ihm. Wie ein typischer Held aus einem James-Ellroy-Roman wollte er die Wahrheit finden und nichts als die Wahrheit. Dieser Idealismus hat Phelps etwas weltfremd werden lassen. Naiv ist er in die Fallen seiner Gegner getappt und musste am Ende die Zeche zahlen. So gesehen war seine Einstellung ja nicht schlecht und deswegen auch irgendwo bewundernswert: „Don Quichotte in der Stadt der dreckigen Engel“ ™. Ich würde es natürlich besser machen. „What have we got“ ist doch abgenudelt. Dagegen kann ich „Just the facts, ma’am!“ & Co locker herunterspulen. Die ganzen Sprüche habe ich dank meinem exzessiven TV- und Kinokonsum alle drauf! „Make my day“ oder „Du bist die Krankheit und ich die Medizin“ sind auch cool. Clint und Sly haben halt gewusst, dass man sich auf Gerichte nicht verlassen kann. Gebt mir die Marke und alles wird gut. Einen Wunsch hätte ich da aber noch:

Menschlichkeit!
Leute, es ist doch das Fest der Liebe! Umarmt euch und lasst die Schwerter stecken, denn Zombies waren auch nur Menschen! Nun ja, das funktioniert auch nicht immer. Anfangs war  Frust, Hass und Resignation an der Tagesordnung. Aber es war schön, als der Schmerz nachließ! Und bloß´nicht wie ein Irrer draufloshauen. Lasst euch Zeit, geht in euch. Kurz, findet eure innere Mitte! Und wenn ihr dann auf eure Menschlichkeit achtet, geht’s nämlich gleich viel leichter. Echt jetzt! Deshalb, Freunde, haltet inne! Verbeugt euch mal vor euren virtuellen Gegnern und zollt ihnen den Respekt, den sie verdienen. Und zwar solange bis die ganzen Zombies, Klaffdrachen, Hexen, Spinnen und Dämonen von Maden zerfressen sind und ihre Überbleibsel verrottet sind. Frohe Weihnachten!

Der Poly-Rest versteht nur Bahnhof. Will Andreas irgendjemanden in Dark Souls umarmen? Oder will er NPCs Menschlichkeit schenken? Beides ist irgendwie...komisch?
Der Poly-Rest versteht nur Bahnhof. Will Andreas jemanden in Dark Souls umarmen? Oder will er NPCs Menschlichkeit schenken? Beides ist irgendwie...komisch?

Das erwartet Sven vom Weihnachtsmann

Den Tanuki-Anzug
Wisst ihr, ich habe an sich ganz normale Wünsche. Ich möchte zum Beispiel den Tanuki-Anzug haben. Nichts Besonderes halt. Dank ähnlicher Körperform dürfte mir Marios Waschbärenkostüm perfekt passen. Ich könnte damit die tollsten Dinge tun. Mein Hund würde mich zwar ständig in den flauschigen Schwanz beißen wollen, aber ich könnte ja wegfliegen. Zumindest ein wenig. Oder stellt euch vor, welchen Spaß solch ein Outfit in einem Einkaufstempel bereiten könnte. Schnell beim Media Markt rein, einen Stapel Blu-rays schnappen und rausdüsen. Kommen mir Verkäufer zu nahe, mach ich einfach einen Rundumschlag. Hach. So simpel. Aber bitte, lieber Weihnachtsmann, ich will nur das Original! Das nämlich nähte Peach höchstpersönlich aus 1000 Waschbärenfellen zusammen. Ich hörte, die Reste der kleinen Tierchen verfütterte sie an ihre mutierte Toad-Armee, die 2012 in der Green Hill Zone einmarschieren soll. Aber…ja…das ist eine andere Geschichte.

Das ist nicht der Weihnachtsmann. Aber so ein Billig-Kostüm sollte es auch nicht sein! (Foto: Obsoletegamer)
Das ist nicht der Weihnachtsmann. Aber so ein Billig-Kostüm sollte es auch nicht sein! (Foto: Obsoletegamer)

Einen Sven Simulator
2011 habe ich zirka 20 Simulatoren getestet. Jetzt wird es Zeit, dass mich der Weihnachtsmann für diese Qual entschädigt. Ich wünsche mir den „Sven Simulator“. Das soll allerdings kein schnödes Spiel von Astragon oder UIG sein. Nein, ein waschechter Klon wäre mir lieber. Der erledigt für mich die Drecksarbeit, während ich im nächsten Sommer im Eiscafé sitze und bei Facebook blöde Bilder von meinem Sonnenbrand oder den gewählten Eiskugeln veröffentliche. Ich, also mein „Sven Simulator“, nimmt Telefonanrufe entgegen, schreibt grenzgeniale sowie perfekt formulierte Rezensionen, beantwortet Emails und erledigt die Hausarbeit. Und bevor meine LAG (Lebensabschnittsgefährtin) nach Hause kommt, verkrümelt sich der „Sven Simulator“ in den Keller und schaltet in den Stromsparmodus. 0,01 Watt!!  Dank einer verbauten Festplatte kann ich ihm die neuesten Simulatoren auch gleich via WIFI direkt in den Kopf installieren. Wie praktisch. Ganz wichtig: Er sieht quasi genauso aus wie ich, nur ein klein wenig schlechter. Ich muss mir ja nicht durch eine Maschine noch selbst Konkurrenz machen, oder?

Den Floskelblocker
Den hätte mir der W-Man schon vor ein paar Jahren schenken sollen. Mit dem Floskelblocker gehören langweilige Rezensionen und dämliche Beiträge auf den sozialen Netzwerken der Vergangenheit an. Ich stelle den kleinen Würfel direkt neben den Monitor, dank WLAN-Anbindung hackt er sich in jegliche meiner Datenströme ein. Und er leistet perfekte Arbeit, entfernt er doch alles, was ich nicht mehr lesen mag. So etwas wie „Jammern auf hohem Niveau“, „Potential verschenkt“, „Guten Morgen“ oder „Sven“. Hm. All das, was pro Tag mehr als 25 Mal über meine Pinnwand, Twitter und auf meinen angesurften Webseiten läuft, wird gnadenlos entfernt. Sollte es zu sinnentstellten Formulierungen kommen, dann ersetzt der Floskelblocker diese auf Knopfdruck(roter leuchtender Button auf der Oberseite) durch alternative, positive und passende Sprüche. Aus einem „Guten Tag“ wird schon einmal „Hey, du siehst heute verdammt gut aus“. Das lese ich unverständlicherweise eh viel zu selten. Ja, der Floskelblocker ist das perfekte Geschenk für mich, der es satt hat, sich immer den gleichen Mist zu Gemüte führen zu müssen. Interessant ist übrigens: Manche Portale und Nutzerprofile sind dank des Floskelblockers komplett leer – abgesehen von der Werbung. Komisch, oder?

Andy hätte gern vom Weihnachtsmann

Das Testlabor

Da ich absolut größenwahnsinnig bin und unbedingt den Wunschzettel von Sven sowie Andreas überbieten muss, fange ich mit etwas richtig Großem an: Ich wünsche mir ein Labor mit ganz vielen Tests, eingeteilt in verschiedene Kammern und ausgestattet mit unzähligen Plattformen, Farbkübeln sowie Würfeln. Dort kann ich dann endlich die Portalkanone ausprobieren, die ich mir vor vier Jahren gegönnt habe. Und weil das Ding selbstreparierend ist, muss ich mich auch nicht um die Instandhaltung kümmern. Für Abwechslung ist in jedem Fall gesorgt, genau wie für die Unterhaltung – Wheatly und GlaDOS garantieren, dass es mir hier nicht langweilig wird. Die bereits erwähnten Farbkübel sorgen zusätzlich, dass ich mir keinen alten Hut in den Keller stelle, sondern etwas wirklich Frisches, Neues und Brillantes leiste. Aber der Burner sind die Kammern, die extra für zwei Personen gedacht sind:  So viel Spaß hatte ich vielleicht weniger als fünf Mal mit einer Frau – über den Satz dürft ihr denken, was ihr wollt.

Ein wenig Angst haben wir schon vor Andy, sollte er mal eine Portalgun in die Hände bekommen. (Foto: Volpin Props)
Ein wenig Angst haben wir schon vor Andy, sollte er mal eine Portalgun in die Hände bekommen. (Foto: Volpin Props)

Einen Zensurgnom
Dieses Geschenk ist perfekt für jeden idealistisch-perfektionistisch veranlagten Videospielkritiker geeignet – also genau wie ich es einer bin. Denn was gibt es Schlimmeres, als nicht über die eigenen Lieblingsspiele schreiben zu dürfen, weil manche davon indiziert sind? Der Zensurgnom schafft Abhilfe: Er überpinselt einfach alles Brutale mit rosaroter Farbe – die genialste Idee des Jahres. Das ist dann zwar nicht mehr so schön atmosphärisch wie authentisches Blut oder eklige Gedärme, aber dafür umso lustiger. Der Gnom sollte noch im Idealfall mit der Stimme von Götz Otto reden können und mir stets ins Wort fallen. Dann bestehe ich auch jedes Abenteuer gegen verrückte Oberinnen, irre Doktoren sowie mobbende Mitschüler und kann mich ganz auf die brillantesten Rätsel seit dem Tag der Tentakel konzentrieren. Ja, selbst Harveys hynpotischen Verboten halte ich stand und freu mich umso mehr über mein junges Leben als blondes Mädchen mit zwei Zöpfen. Verdrängung kann so schön sein!

Die Köpfe von Smough und Ornstein
Andere hängen sich Hirschgeweihe an die Wand, bei mir müssen der fette Smough und der schlaksige Ornstein herhalten – kein Wunder, bei DEM Kampf, der mich gute fünfzehn Stunden Arbeit gekostet hat. Die Wutanfälle mitsamt Adrenalinausstößen dürften meine Lebenserwartung entweder aufgrund des Kraftaktes beträchtlich verringert oder erhöht haben. Frei nach dem Motto: Was mich nicht umbringt, macht mich stark. Obwohl ich technisch gesehen verdammt oft gestorben bin – und jedes Mal stieg der Wiederbelebungswille immens an. Ich wollte doch noch mehr von dieser unglaublich intensiven wie einmalig gestalteten Welt sehen! Ich fühlte stets so viel Entwicklungspotenzial und Erkundungswille, wie niemals zuvor. Nur mit der Menschlichkeit, die sich Andreas wünscht, mochte ich kaum etwas anfangen – dafür es aber den sensationell ekligen Fröschen mit ihren verfluchten Glubschaugen heimzahlen.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 20. Dezember 2011

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