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Das Ende der Videospiele…

Geschrieben von Andreas
Das Ende der Videospiele…

Es ist nah. Langsam lugt es aus Blighttown, den Laboren Sarif Industries und den Tiefen Raptures hervor. Kein Elitesoldat, kein Dovahkiin und kein Klempner wird daran etwas ändern. Die E3 hat nämlich wieder einmal gezeigt, dass den Machern nichts mehr einfällt, die Gamescom steht vielleicht vor dem Aus und Sega macht die europäischen Niederlassungen dicht. Auch die Angestellten von Radical („Prototype“) dürfen sich neue Jobs suchen. Es gab wohl schon mal bessere Zeiten in der Branche.

R.I.P. Videospiele. Letztendlich war es aber ziemlich sinnlos. (Bild: Namco Bandai)

Es scheint, als macht sich so etwas wie Resignation in der Branche breit. Cervat Yerli und David Jaffe kündigen das Ende der glorreichen Konsolenära an. Richard Hilleman, immerhin Creative Director von EA, sagte schon vor Jahren, dass die Branche im Umbruch ist. Im Moment lässt sie nämlich viele Fragen offen: Was leistet die nächste Generation? Wie sieht der Vertrieb aus? Ist Onlinezwang die Allzweckwaffe gegen Raubkopien? Und vor allem: Wie sehen die „neuen“ Spiele aus? Im nächsten Jahr soll doch „Next-Gen“ in den Startlöchern stehen. Bisher ist alles, was die Branche bekannt gibt, sehr dünn an Informationen.

Sicher, ein „Spec Ops: The Line“, ein „Bioshock Infinite“ oder ein „Last of Us“ stehen für erwachsene Spieleunterhaltung. Statt einfältigen Gewaltorgien erwartet die Spieler offensichtlich kluge, emotionale und vielleicht sogar tiefgründige Unterhaltung. Trotzdem werden sich diese Spiele zusammen nicht so häufig verkaufen, wie ein bräsiges „Call of Duty“ oder „FIFA 13“. Mir scheint, als haben die Entwickler keine Perspektive, keine Ideen und keinen Mut, um Videospiele inhaltlich voranzutreiben. Dabei ist Innovation die treibende Kraft jeder Industrie. Die Ewiggestrigen von Microsoft oder EA haben davon wohl noch nie etwas gehört. Spiele müssen mit ihren Nutzern wachsen, nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich, um so etwas wie Mehrwert zu erhalten.

Nüchtern betrachtet hat das Medium „Videospiele“ nie das Versprechen eingelöst, dass die Macher seit Jahren wie ein Mantra vor sich hertragen: Erwachsen werden. Die Storys und Figuren entspringen weiterhin den feuchten Fantasien pubertierender männlicher Teenager. Dumpfer Pathos, fragwürdige Moral, Blut, Blut und nochmals Blut. Wenn das nicht genug ist, wird ordentlich provoziert, wie „Modern Warfare 2“ oder zuletzt im Trailer zum neuen „Hitman“-Abenteuer. Leider gibt es viel zu wenige Stimmen, wie von Warren Spector, die ein Ende dieser Gewaltspirale fordern.

„Dead Space 2“: Darf’s ein bißchen blutiger sein? (Bild: EA)

Mich ärgern nicht nur Publisher, die auf Massenabfertigung, schlechte PR oder auf billige Ausreden für miese Verkäufe setzen. Vor allem sind mir sogenannte Journalisten ein Dorn im Auge, die PR-Gelaber abschreiben und Booth-Touren über eine Messe veranstalten. Wen interessiert dieser Mist? Ach ja, den pubertierenden Teenie. Kritischer Spielejournalismus bedeutet heute doch eine Wertung unter 80 Prozent. Da braucht sich niemand zu wundern, wenn das Medium belächelt wird oder als Sündenbock für einen Amoklauf herhalten muss. Nehmt euch doch mal ein Beispiel am Film: Ohne Cahiers du Cinema würde wir dem „Kintopp“ heute nicht so viel Beachtung schenken. Ihr Journalisten seid dafür verantwortlich, ein Medium auch kulturell zu verankern. DAS ist eure Aufgabe. Überlasst die Produktberatung der Stiftung Warentest. Momentan vermittelt ihr den Anschein, als wäre die Spielebranche die tollste Sache der Welt. Ist aber nicht so. Blickt doch endlich mal hinter die Mechanismen der Industrie. Damit meine ich nicht exklusive Previews, sondern provokative Themen.

Und mich ärgern die Spieler, die wie auf einer Porno-Messe lechzend nach Fotos mit leichtbekleideten Messedamen gieren oder sich lieber kostenlos in Torrentbörsen bedienen. Wenn ihr ehrlich seid, wollt ihr doch gar nicht, dass dieses Medium ernst genommen und Kreativität belohnt wird. Hauptsache das Hirn wegblasen, am besten kostenlos. Es ist ja „nur ein Spiel“.

Natürlich ist es überzogen, von einem generellen Ende der Videospiele zu reden. Der Untertitel sollte wohl heißen „…so wie wir sie kennen“. Obwohl sich die Ära der Blockbuster dem Ende neigt, wird der Download- und Indie-Bereich immer stärker. Während die Kosten bei großen Titeln explodieren, können kleine Teams ihren Produktionsaufwand gering halten. Dank Flash oder iOS war es nie leichter als heute, Spiele zu entwickeln. Dass diese Spiele nie den Umfang eines „Skyrim“ erreichen werden, ist wohl allen klar. Nüchtern betrachtet sind diese Titel ein Rückschritt. Natürlich gibt es da großartige Ausnahmen wie „Lone Survivor„, aber gerade die unberechenbaren Indie-Spiele funktionieren deshalb so gut, weil sie eine Art Gegenkultur zum weichgespülten und massentauglichen Blockbuster-Markt bilden. Ohne ihn sind sie nur die Hälfte wert. Wetten – in ein paar Jahren ist die romantische Euphorie über Indie-Spiele einer nüchternen Langweile gewichen.

„Warface“ von Crytek. Free-to-Play ohne Kompromisse? (Bild: Crytek)

Als letzte Rettung sehen wohl viele Entwickler „Free-to-play“ an. Natürlich ist hier nichts kostenlos. In der Regel funktioniert es nur über Micro-Payment, aber einige Kollegen spekulieren über Veränderungen. Letztendlich könnte das bedeuten: Story nur gegen Bares, das Happy End als DLC. Gewinne können Crytek & Co. damit bestimmt machen – ob sie aber so hoch sind wie bisher, mag ich bezweifeln. Die aktuellen Versuche, siehe unzählige MMOs, deuten eher auf das Gegenteil hin. „Free-to-play“ ist mehr die letzte Option, die ein Publisher zieht, wenn das Spiel gefloppt ist. Man nehme nur „Aion“, „HdR Online“ oder vielleicht demnächst „Star Wars: The Old Republic“.

Deshalb mein Tipp: Genießt noch einmal „Dragon Age“, macht noch mal eine Abstecher nach „Black Mesa“ und hebt euch „Dark Souls“ für die Rente auf. Dann könnt ihr euren Enkelkindern erzählen, wie Videospiele mal fast wichtig geworden wären – und am Ende alles versaut haben.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 2. Juli 2012

15 Kommentare zu “Das Ende der Videospiele…

  1. Chris schrieb am :

    Word! Super Zusammenfassung einer Branchenentwicklung welcher sich insbesondere Radaktuere zu Herzen nehmen sollten. Vielleicht wurden die Maja-Prophezeiungen nur fehlinterpretiert…

  2. mnemo schrieb am :

    Irgendwie erinnert mich dieses intellektuelle Naserümpfen an die Musikdiskussion, die Chart-Radio und Indiemusik hervorrufen. Wenn SO viele „die Charts“ (FIFA, Call of Duty) mögen, warum muss ihnen dann unbedingt etwas anderes aufs Auge gedrückt werden? Spielen wir das mal durch: Call of Duty wird eingestellt, es gibt nur noch anspruchsvolle Spiele mit super intellektueller Story. WILL das auch jeder spielen? Stellt ihr euch mit der Forderung nicht über alle anderen, z.B. die erwähnten Teenies? Solange es beides gibt ist doch alles gut.

    Manche erwachsenen Spiele gibt es doch, Heavy Rain lässt grüßen. Muss jedes Spiel so sein, damit es eine Daseinsberechtigung bekommt?

    PS: Ich weiß, dass der Vergleich mit der Indiemusik hinkt, weil meist auch kein Geld dahinter steckt, um Gegensatz zu AAA-Nicht-Sequels wie „Last of Us“. Andererseits gibt es ja auch Indiespiele.

    • Ich sage ja auch nicht, dass ich bei jedem Blockbuster die Nase rümpfe. Im Gegenteil sieh dir hier mal meine Kritiken zu Batman: AC oder zuletzt MP 3 an. Wenn es nur intellektuelle Spiele geben würde, wäre das auch für mich ziemlich langweilig.

  3. Als letzte Rettung sehen wohl viele Entwickler “Free-to-play” an. Natürlich ist hier nichts kostenlos. […] Letztendlich könnte das bedeuten: Story nur gegen Bares, das Happy End als DLC.“

    Hehe, den Part und das mit den lechzenden Kids, fand ich ziemlich witzig, der Rest ist wohl traurige Realität, wenn auch mit gelegentlichen Lichtblicken. Aber hey, schau dir doch die Gesellschaft und deren Konsumverhalten ansich an, also nicht nur den Bereich der Gamer, wird doch alles immer bekloppter und natürlich liefern die Hersteller das, was „gefordert“ wird. Ein großer Knall wäre mal nice.

  4. Lesenswerter Artikel, der die deutlichen Probleme in der Branche gut einrahmt, aber meines Erachtens aber den Bogen stellenweise auch überspannt. Du schreibst so, als hättest Du jedes einzelne Spiel dieser Welt bereits gesehen, doch gerade in Bezug auf Indie-Spiele ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Davon ab empfinde ich die aktuellen Spiele und die angekündigten Titel im Schnitt nicht so pubertär wie gerne dargestellt. Selbstredend: Blockbuster-Titel gehen den angesprochenen Weg und inszenieren vorwiegend Gewaltorgien, aber Du lässt beinahe sämtliche Genres außer acht, die nicht Action sind. Es mag ja sein, dass ein Strategiespiel wie Europa Universalis oder ein Adventure wie das jüngst erschienene DSA-Spiel nicht den gleichen Profit einfahren, aber sie sind meilenweit entfernt von Bulletstorm & Co und machen nunmal auch einen wesentlichen Teil der Spielelandschaft aus.

    Damit wir uns richtig verstehen: Mich stört der gemessen am künstlerischen Wert unrechtmäßige Erfolg von COD auch, und ich finde es ebenso schade, dass kreative Großentwickler, wie etwa SEGA, stellenweise die Schotten dicht machen müssen. Alles nicht schön. Dass Gewalt aber auch nicht immer zieht, ist aber doch ausgerechnet an Prototype 2 zu sehen. Ein solches Gemetzel – so absurd es auch ist – habe ich noch nie in einem Spiel gesehen.

    Ich glaube das tatsächliche Problem ist eher, dass Spiele zu teuer geworden sind. Auch daran ist COD schuld, denn es hat allen Konkurrenten gezeigt, dass hohe Production Value sich im ebenso hohen Profit auszahlen kann. Mit Betonung auf kann. Viele andere große Franchises haben sich daran fast die Finger verbrannt und konnten ihre Produktionskosten gerade mal so einfahren. Das geht so weit, dass sogar Square angekündigt hat nicht mehr so kostenintensive Spiele auf eigene Faust aus der Taufe zu erheben, wie es etwa bei Final Fantasy 13 und 13-2 der Fall war. Zu riskant. Die hohen Produktionskosten haben u.a. auch zur Renaissance der Indie-Spiele geführt.

    Grundsätzlich ist die Beobachtung aber auch aus meiner Sicht richtig: Die Spieleindustrie befindet sich gerade in einem Wandel, aus technischer und wirtschaftlicher Sicht.

    By the way: Ob Dragon Age jetzt wirklich „erwachsener“ ist als andere RPGs … naja. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

    • Natürlich kenne ich nicht jedes Spiel, aber es geht ja nicht um Einzelfälle, sondern um einen Tendenz. Indies, Adventures oder Strategiespiele haben momentan für die Branche keine wirtschaftliche Relevanz. Wir reden hier von vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Verkaufszahlen. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Frozen Synapse oder Braid, aber sie haben in meinen Augen nicht die Bedeutung, die ihnen zusteht. Und wie beschrieben, funktionieren Indies heute in erster Minie als Gegenkultur. Ich beobachte diese Szene seit gut 5 Jahren und wirklich neue, einzigartige Ideen gibt es selten. Vielmehr wird auf alten Spielprinzipien aufgebaut.

      Zu teuer? Stimme ich dir voll und ganz zu. Die Frage ist doch: Wieviel ist mir ein Spiel wert? Und da wären wir wieder bei der kulturellen bzw, gesellschaftlichen Bedeutung des Mediums…

      @Dragon Age: Sicher, Geschmackssache. Einerseits geht es mir um die ungewöhnliche Vielfalt der Entscheidungen, die man treffen kann. Andererseits würdest du es doch jedem CoD vorziehen, oder? ;)

  5. Ähnlich wie Micha sehe ich auch hier ein unheimliches Kostenproblem. Wenn die achte Konsolengeneration unsere zwei Meter umfassenden 3DD-Fernseher befeuert, werden Entwicklungs- und Marketingbudgets für AAA-Titel in dreistelliger Millionenhöhe keine Ausnahme mehr sein. 12 Millionen für ein Wing Commander 4 waren mal Wahnsinn – schon heute eher der „normale Wahnsinn“. Das ist eine ganz schön gewagte Wette, die sich auch nur ein großer Publisher leisten kann.

    Das Next-Gen-Spielprinzip – wann gab es das denn das letzte Mal wirklich? War das Ende in den 80ern nicht genau so nah, als es fast nur Hüpf- und Ballerspiele gab?

    Dass sich hier auch die Indies mit wenig Innovation hervortun, finde ich nichtmal so schlimm. Geringe Entwicklungskosten, geringer Kaufpreis, passender Spielspaß. Das ist doch okay.

    • Ach, immer diese vermeintliche Kostenexplosion. Das sind doch die Dinge, die uns vor allem die großen Studios weißmachen wollen. Andererseits nutzen sie dann Entwicklungsumgebungen wie die Unreal Engine oder von mir aus die CryEngine, die Arbeiten deutlich effizienter (und günstiger) gestaltet. Ich denke auch, dass viele Studios schlichtweg ineffektiv arbeiten, Geld sinnlos verpulvert wird und die dazugehörigen Publisher den Überblick verloren haben. Wenn plötzlich 3 Studios an einem Spiel arbeiten, kann das nicht der Sinn der Sache sein. Sicherlich kosten viele Aspekte, z.B. Motion Capturing, Videosequenzen etc.) viel Kohle, aber auch das gehört zur Spieleproduktion dazu: Was ist davon wirklich nötig, um ein gutes Produkt zu erschaffen?

      Persönlich weiß ich jedenfalls nach wie vor nicht, wieso Kosten für „NextGen“-Entwicklungen plötzlich explodieren sollten. Weil man jetzt feinere Texturen und höhere Auflösungen verwenden kann/muss? Die Kosten steigen doch nur, weil Fördermittel mit den Jahren wegfallen, unkontrolliert Personal in guten Zeiten eingestellt wird und man sich verzettelt. Sprich: Unternehmerisches Denken scheint genauso eine große Rolle zu spielen…

  6. Oha, zu diesem Thema könnte ich mich stundenlang auslassen!

    Mir persönlich fehlen wirklich nach fast 30 Jahren Zockerei oftmals die Magic Moments. Pirates! auf dem C64 war so einer, Zelda – A Link to the Past auf dem SNES war einer, Mario 64 auf dem N64 war einer und 2005 bzw. 2006 hatte ich gleich insgesamt drei dieser seltenen und besonderen Augenblicke mit meinem ersten MMORPG: Guild Wars, ein Jahr später dann mit World of Warcraft und nicht zuletzt, parallel zu GW, mit Joint Operations, meinem ersten Online-Shooter.

    Was zeichnet diese, meine Magic Moments aus? Dass diese Titel ein jeweils neues, völlig anderes Spielerlebnis boten, als das, was ich kannte! Dazu eben eine perfekte Spielbarkeit, die sie von der Masse der häufigen (folgenden) Klone abhob.

    In diesen sechs Jahren seit dem letzten Magic Moment hat sich die Branche erheblich weiterentwickelt. Allerdings nicht, durch neue perfekt designte Spielerfahrungen. Der Massenmarkt steht auf „höher, weiter, schneller“, sprich mehr Bombast und bessere Grafik und er steht auf kleine Happen für Zwischendurch auch App genannt. Dieses Verlangen der Masse wird von den Publishern erfüllt. Zumindest solange, bis auch die Masse gesättigt davon ist.

    Dann wird nur ein Titel für Core-Gamer, der eine neue Spielerfahrung bietet und wieder einen Magic Moment liefern kann, die Spielebranche retten bzw. neu beleben können.

    Es ist ja auch nicht so, dass die Hersteller es nicht versuchen. Nur gehen sie die falschen Ansätze. Halbgare Produkte wie Kinect faszinieren fünf Minuten, dann bemerkt man die Mängel und lässt es links liegen.

    Aber auch die Spieler, einschließlich der Core-Gamer tragen Schuld an der Misere. Sie zocken Titel wie Counter Strike, Diablo und Co. zum Teil jahrelang anstelle neue Spiele auszuprobieren – und damit auch zu kaufen. Die Publisher reagieren darauf, indem sie Fortsetzungen produzieren, diese mit DLCs und Co. am Leben halten um die Fans damit auszunehmen. Leute, die diese Titel nur kurzfristig spielen würden, weil ein Battlefield 3 oder Diablo 3 nach ein paar Wochen oder spätestens Monaten ausgezockt ist sind frustriert, weil die Spiele ihnen aufgrund ihrer Auslegung auf jahrelanges Daddeln nicht mehr die Erfolgserlebnisse bieten zum Beispiel weil sie gerade im PvP gegen erfahrene Profis eh keinen Stich sehen und viele Dinge nicht erreicht werden können.

    Online-Shooter und MMORPGs haben hier einen Trend losgetreten, der die Branche lähmt. Dazu die peinliche Angst der Publisher durch Gebrauchtkäufe Geld (das ihnen nicht zusteht) zu verlieren und sie deswegen ihre Kunden Gängeln, mit Accountbindungen, Onlinezwang, Onlinepass, Inhalten nur für Erstkäufer etc. was dazu führt, das weniger Spieler (so wie ich) Spiele kaufen.
    Ich zweifle z.B. daran, dass jemand, der nur hin und wieder spielt und wenig Ahnung von Computern hat, sich nach dem Kauf von GTA IV (auf PC) nicht überfordert fand, alleine weil man sich vor dem Spielen bei drei Onlinediensten anmelden / registrieren musste. Wer hat dazu Lust?

    Indie-Spiele sind übrigens fernab davon der viel beschworene Heilsbringer zu sein. Sie zielen in erster Linie auf eine ganz bestimmte und sehr eng gefasste Zielgruppe. Legend of Grimrock begeisterte Spieler und Fachpresse. Aber wer außer Retro-Fans die damals Dungeon Master oder Eye of the Beholder mochten spielt sowas? Die junge Generation kann mit sowas nichts anfangen. Journey mag ein toller Trip sein, aber ist es überhaupt ein Spiel? Abgesehen von der minimalistischen Spielzeit ist es ein Esoterik-Trip, der spielerisch nicht fordert und deswegen etliche Leute auch nicht tangiert.
    RPG-Maker Spiele im 16 Bit Look wie To the Moon mögen nett sein. Aber sie kommen dennoch irgendwie nie an SNES-Klassiker ran. Wer Retro nicht mag lässt sie links liegen, wer Retro mag, der greift besser zu den wirklichen Klassikern.

    Die E3 bot mit Watch Dogs, Beyond – Two Souls und The last of us drei Triple-A Produktionen, die (mit Ausnahme von Beyond) eine immerhin teilweise neue Spielerfahrung bieten werden. Das sind die Core-Titel, auf welche die Zocker warten. Bei mir kommt dann noch das kommende Tomb Raider hinzu. Alle Spiele sind nicht 100Prozent innovativ oder gar neu, aber sie scheinen seriöse Erwachsenenunterhaltung bieten zu können. Ich erwarte von ihnen keinen Magic Moment aber immerhin das, was ich von einem guten, modernen Spiel heute erwarte. Und das ist auch schon was.

    • Spiritogre, Du sprichst den für mich entscheidendsten Punkt für die Kreativmisere an, nämlich die Spieler, sprich die Konsumenten selber. Da mögen wir noch so über die fehlenden Innovationen bei den Herstellern lamentieren, doch spätestens seit die Spieleindustrie die Zeit der Unschuld verlassen hat und zum millionenschweren Wirtschaftszweig mutiert ist, gilt das Erfolgsprinzip! Und zum Erfolg trägt das Konsumentenverhalten nunmal hauptsächlich bei…

      Allerorten wird über die Ideenlosigkeit eines neuen „Call of Duty“ geklagt und die nächste DLC-Flut zu „Die Sims“ an den Pranger gestellt. Doch so lange sich das alles wie geschnitten Brot verkauft, wird sich daran auch nichts ändern. Und so lange wirklich andere Spielideen entweder nur im Indie-Bereich Achtungserfolge feiern können oder gleich von der Masse ignoriert werden, wird kein großer Publisher an der Marschrichtung was ändern.

      Im weitesten Sinne läuft das auf die klassische „Abstimmung mit Füßen“ hinaus: Stellt Euch vor, ein neues „Modern Warfare“ erscheint, und keiner geht hin und kauft’s…
      Wunschtraum, klar, aber wär doch mal was!

      • Ich finde es gar nicht mal so schlimm, wenn es erfolgreiche Popcorn-Massenmarkt-Titel gibt. Auch bei Filmen mag ich die. Allerdings bin ich immer recht schnell von solchen Spielen ermüdet. Teil 1 super, Teil 2 gut, Teil 3 okaaaayy…, ab Teil 4 gääähhn.

        Allerdings gehöre ich auch nicht zur Sorte Spieler, die ununterbrochen über Jahre hinweg „ihr“ Spiel zocken können. Spätestens nach ein paar Wochen brauche ich auch beim besten Spiel zumindest eine (längere) Pause. Und ich staune dann immer über Leute, die seit zehn Jahren Starcraft, Diablo 2 oder CounterStrike daddeln, Titel, die ich nach ein paar Stunden durch und dann auch satt habe.

        Es wäre nur wünschenswert, wenn dennoch innovative Titel entstehen, die vielleicht nicht ein ganz so hohes Budget hatten, sich dafür aber dann auch zwischen ein bis zwei Millionen Mal verkaufen. Scheinbar(?) gelingt dies wohl zu wenigen, sodass sie eben selten produziert werden. Ich denke da eben gerade an sowas wie Alpha Protocol. Wobei ich sicher bin, wenn es etwas ausgefeilter und bereinigt gewesen wäre, hätte es sich sicher gut verkaufen können. Und deswegen glaube ich eigentlich, dass sich solche Spiele durchaus lohnen können.

  7. Kann dem nur zustimmen. Der weichgespühlte Mist langweilt mich auch immer mehr. Und dann Wundern sich die Konzerne warum sie mit wenigen Blockbuster all den Rest subventionieren müssen. Wie wäre es mal eine Marke wie Call of Duty 5 Jahre Pause zu gönnen um dann mit wirklich frischen Ideen die Leute zu überraschen? Mann kann die Kuh auch melken bis die Milch sauer wird, so geschehen mit Tony Hawks, Command & Conquer usw. Danach ist eine millionenschweres Branding dafür rein gar nichts mehr wert, weil ein Ruf versaut hast du schnell, und die Leute vergessen nicht so schnell.

    • Das ist ja das Problem was Funcom derzeit mit The Secret World hat. Nur 200.000 Exemplare!
      Warum? Weil das Setting mal etwas anderes ist und nicht der MMO-Einheitsbrei – prompt wird es nicht gekauft. Innovation wird bei den Verkäufen einfach nicht belohnt! Dafür gibt es nun wirklich zu genügend Beispiele.

      Dazu weigern sich viele Leute Funcom-Games zu kaufen, weil Age of Conan damals keinen perfekten Start hatte, obwohl es natürlich heute ein super Spiel ist und Funcom im Laufe der Zeit praktisch alle Probleme beseitigt hat. Eine zweite Chance gibt es aber scheinbar nicht.

  8. Fluxx schrieb am :

    Oh, ja. Die Gewinne sind sogar noch höher, da man bei diesem Modell einfachen Programmcode beliebig oft verkaufen kann. Hüte, Skins für Rüstungen oder Waffen, Munition, Tränke für schnelleres Leveln, Reittiere, Begleiter, usw., alles Dinge mit recht geringem Entwicklungsaufwand. Bezahlt wird in den Itemshops mit Credits, Diamanten oder irgendeiner anderen Zwischenwährung, die verschleiern, wieviel Geld man tatsächlich bezahlt. Free-to-Play rechnet sich schon, wenn 5 bis 10 Prozent der registrierten Benutzer regelmäßig Geld im Itemshop ausgeben.

    • Fluxx schrieb am :

      Hm..das zitieren hat nicht ganz geklappt. Mein Kommentar bezieht sich auf den Absatz über Free to Play im Original-Artikel.

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