5

Company of Heroes 2: Kein Bock auf Krieg

Geschrieben von Andreas
Company of Heroes 2: Kein Bock auf Krieg

„Company of Heroes 2“ ist seit einiger Zeit draußen, und noch einmal lässt das Genre Echtzeitstrategie seine Muskeln spielen. Die Reihe zählt zu den wenigen Marken, die noch Spieler anziehen. Sega hat eigenen Angaben zufolge bereits rund 400.000 Exemplare davon verkauft. Ein toller Erfolg! Und trotzdem dümpelt das Genre dahin. Vielleicht liegt das ja an Spielern wie mir.

Juhu, es ist wieder Krieg! (Bild: Sega)
Juhu, es ist wieder Krieg! (Bild: Sega)

Verdammt lang her

Ich mochte mal Echtzeitstrategiespiele und habe fast alles gespielt, was Rang und Namen hatte. „Total War“, „Starcraft“, „Warcraft 3“, „Age of Empires“, „Dawn of War“, „Battle Realms (!)“ undundund. Eine Zeit lang gefiel es mir, dass ich ganze Armeen kontrollierte, Taktiken austüftelte und am Tech-Tree bastelte. Jetzt nicht mehr. Jetzt ödet mich „Company of Heroes 2“ nur noch an. Es ist nicht so, als hätte Relic schlechte Arbeit geleistet. Wer den ersten Teil mochte, wird sich auch jetzt „gerne“ in den Russland-Feldzug stürzen. Nun ja, fast alle. Ich halt nicht.

Es fing schon kurz nach dem Start an. Während um mich herum die Kugeln einschlugen, schickte ich meine Soldaten wie Lemminge in die Schlacht. Ich sollte die deutschen Truppen zurücktreiben und nahm eine Stellung nach der nächsten ein. Das sah spektakulär aus, aber ich dachte mir so: Na und? Ich entdeckte nichts, was ich nicht schon aus anderen RTS-Spielen kannte und fragte mich, wofür Relic so lange gebraucht hatte. Natürlich ist jetzt alles düsterer, als im patriotischen Vorgänger, weil ich meine russischen Truppen wirklich als Kanonenfutter gebrauche. Nichts mit „Semper Fi“ und so. Aber sonst? 08/15 Echtzeitstrategie. An der Ostfront nichts Neues.

Irgendwie stößt mich das Genre inzwischen ab. Einerseits liegt es am ständigen anonymen Zinnsoldaten-Geschiebe, andererseits an der Unfähigkeit, sich weiter zu entwickeln. Während sich selbst Shooter in den letzten 15 Jahren weiterentwickelt haben – emotional und dem Mut zum Flirt mit anderen Genres – ist ein RTS ein RTS geblieben. Statt Innovation geht es bei „CoH 2“ & Co. nur um Feinjustierung. Fans scheinen das zu mögen, dem Rest der Spielewelt ist das egal.

Sinnsuche zwischen MOBA & Tower Defense

Der böse Russe?
Der böse Russe?

Tot ist das Genre trotzdem nicht. Allerdings sind es nicht mehr die großen Cash-Cows wie „Starcraft 2“, die es am Leben halten. Stattdessen wird die Szene von kleinen, mehr oder weniger gelungenen Indie-Spielen, F2Play-MOBAS und unzähligen Tower-Defense-Varianten dominiert. Alle haben etwas gemeinsam: Niemand kann in diesem Genre gelungene Geschichten erzählen. Das ist schade, denn dies gilt heutzutage zu Recht als das Kriterium für ein „erwachsenes Spiel“. Aber es fällt schwer von Emotionen und Moral in einem Spiel zu erzählen, wenn es doch nur um Massenvernichtung geht.

Was uns wieder zu „CoH 2“ zurückbringt. Relic versucht es nämlich mit einer Handlung: Ein russischer Leutnant erzählt im Straflager von seinen Erlebnissen aus dem Krieg. Das soll wohl kritisch sein, das Leid des Krieges beleuchten und so. Tatsächlich ist es für mich ein Paradebeispiel für diese sogenannte „ludorative Dissonanz“, dem Missklang zwischen der Geschichte und dem eigentlichen Spiel. In einem Großteil der Kampagne muss ich gewinnen, indem ich meine Armee „verheize“. Und ich werde am Ende für meine Taten belohnt. Klar, das ist das klassische Spielprinzip, doch warum ist Relic nicht so ehrlich und steht dazu? Warum müssen mir die Entwickler diese Geschichte aufzwängen, um mein Gewissen zu beruhigen? Über die Glorifizierung des 2. Weltkriegs könnte man auch lange streiten. Vielleicht steckt dahinter ein besonders perfider Gedanke: Indem die russische Armee so negativ dargestellt wird, wird einmal mehr das Klischee vom bösen Russen beschworen. Den amerikanischen Patrioten wird es freuen, einige russische Spieler fanden es wohl nicht so toll.

In „Spec Ops: The Line“ hat der Spagat zwischen Shooter und Anti-Kriegs-Botschaft funktioniert. In „Company of Heroes 2“ langweilen mich die Zwischensequenzen, nie fühle ich Empathie für die Figuren. Die Figurenanimationen und die Dialoge mögen für das Genre gut sein, im Vergleich zu einem „The Last of Us“ hinken sie meilenweit hinterher. Ein gemeiner Vergleich? Vielleicht, aber warum soll ich heute noch Qualitätsmaßstäbe aus den 1990ern ansetzen?

Das Spiel lässt mich kalt und es ärgert mich. Diese „Schweißschübe“, von denen anderen Rezensenten sprechen, habe ich nie gespürt. Mir war es schnell egal, was da auf dem Spielfeld passiert. Vielleicht bin ich auch zu doof dazu. Oder zu alt. Oder zu verkopft. Möglicherweise alles zusammen. Ich weiß nur eines mit Sicherheit: ich bin raus. RTS my ass.

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Magst du ihn teilen?
Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someoneShare on Google+Share on LinkedIn

Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 10. August 2013

5 Kommentare zu “Company of Heroes 2: Kein Bock auf Krieg

  1. T-Virus schrieb am :

    So viel blödes geschwätz habe ich lange nicht gelesen…..warum lässt man auch einen Hater dieses Genre testen?! vor allem was hat sich denn bitte bei Shootern verändert?! rumlaufen und ballern der einzige unterschied bleibt die Anzahl der Mitspieler…..diese Seite habe ich zum ersten und zum letzten mal besucht DANKE

    • ocelot schrieb am :

      Ich bin absolut deiner meinung. Nur rumzuhaten is schon sehr schwach. Das genre als tot zu bezeichen auch sehr waghalsig. Das einzige was hier epic fail ist, ist ein dein artikel.

      • Jemanden als „Hater“ zu bezeichnen, der jahrelang Strategicals gespielt hat – wie er übrigens auch erwähnt -, zeugt nicht gerade von einer logischen Argumentation. Viel besser wäre es da gewesen, wenn Ihr neben Euren ganzen Wutausbrüchen auch nur EIN EINZIGES GEGENARGUMENT aufgeführt hättet.

        Einfach nur schreiben „Bäh, Ihr habt ja so unrecht und Ihr tut meinem Lieblingsspiel ja so weh“ kann jeder…

    • Danke für das Feedback, auch wenn dir der Artikel nicht gefällt. Ich bin aber kein Hater. Im Gegenteil, ich nenne Gründe für den Niedergang des Genres. Zugegeben, am Ende habe ich es etwas überspitzt zusammengefasst. Aber Hand aufs Herz, wieviele große RTS-Marken gibt es noch? SC, CoH, TW und vielleicht DoW. Mit Ausnahme von SC sind das alles keine Millionseller mehr und deshalb bergen sie aufgrund der hohen Entwicklungskosten ein großes wirtschaftliches Risiko. Aus diesem Grund verlagern große Publisher das Genre gleich ins F2P-MOBA-Fach. Sicher wird Sega mit Coh 2 Geld verdienen, aber hauptsächlich nur, weil sie es günstig aus der Konkursmasse von THQ gekauft haben. Die hohen Entwicklungskosten können Sega deswegen egal sein. Es bleibt aber Fakt: Wenn CoH wirklich so eine tolle Marke wäre, hätte sie THQ gerettet. Würde es heute Activision oder Take Two finanziell schlecht gehen, brauchen sie nur ein neues CoD oder GTA anzukündigen und alles wäre gut.

  2. Gamer2Go schrieb am :

    Naja, gerade geistige Höchstleistung ist das Spiel „Company of Heroes 2“ nicht gerade. Sind leider nur Soldaten zu einer Einheit zusammen gebatscht. Also letztlich nur Health-Status als Balken-Einheiten wie in einem ganz simplen Strategie.

    Wer CoH mag, mag auch anspruchsvolle Filme (hmm … räusper …) wie
    „Der Soldat James Ryan“.

    Ein Strategie-Spiel mit verschiedenen Panzerungs-Werten, Munitions-Typen, versch Kampfwagenkanonen-Typen sowie optionaler DirektSteuerung eines jeden einzelnen Soldaten bei bedarf wäre schön.

    naja, CoH bleibt eben simpel wie ein Flash-Game,
    eben mit 3D-Unterschied

Kommentar schreiben