4

Polycast #102: Sowjetische Science Fiction Literatur zu Zeiten der Tauwetter-Periode

Geschrieben von Lara

Nachdem wir vor einigen Wochen den Afrofuturismus besprochen haben, widmen wir uns in dieser Folge des Polycasts einer anderen Unterkategorie des Science Fiction. Die Tauwetter-Periode dauerte vom Tod Stalins 1953 bis zur Entmachtung seines Nachfolgers Nikita Chruschtschow 1964. Sie beschreibt eine Zeit der Auflockerung und größeren Freiheit der inneren Kultur in den Staaten des Ostblocks. Der Name geht auf Ilja Ehrenburgs Roman „Tauwetter“ zurück.

Unser Gast Christopher hat sich in einer geschichtswissenschaftlichen Arbeit mit dem Zeitraum befasst und sich speziell die Science Fiction Literatur angeschaut. Am Beispiel von Iwan Jefremows “Andromedanebel” erklärt er Lara, wie sich die politischen Veränderungen dieser Zeit auf die Kulturproduktion ausgewirkt haben. Außerdem zeigt sich im Gespräch, dass die Begriffe “wissenschaftliche Phantastik” und “Science Fantasy” in vielen Fällen deutlich zutreffender sind als “Science Fiction”. Lara und Christopher diskutieren auch, warum es sich heute noch lohnt Bücher aus dieser Zeit zu lesen und schlagen eine Brücke zu aktuellen Stoffen.

Shownotes:

Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 17. März 2018

4 Kommentare zu “Polycast #102: Sowjetische Science Fiction Literatur zu Zeiten der Tauwetter-Periode

  1. der_Manu schrieb am :

    “Picknick am Wegesrand” erschien 1971, die Verfimung “Stalker” 1979, da war konnte von dem Unfall iin Tschernobyl (26. 04. 1986) natürlich allenfalls eine vage Vorahnung im Raum stehen.

    Dennoch danke für diesen interessanten Polycast, der dem westlich geprägten Science-fiction-Fan einen guten Einblick in die Literaturszene hinter dem Eisernen Vorhang gegeben hat und Lust gemacht hat, sich auch mit den weniger bekannten Werke aus diesem Genre zu beschäftigen.

    Mit besten Wünschen,

    der Manu (Lara weiß schon, wer :-) )

    • Lara schrieb am :

      Vollkommnen richtig, war keine Reaktion auf Tschernobyl, eher die Angst vor dem Fallout! Danke für den Hinweis.

      Super, genau das wollten wir machen, mal einen Blick auf andere Kulturkreise/Epochen werfen. :)

    • Christopher schrieb am :

      Danke für den Hinweis. Hab fürs nächste Semester einen Kurs zu sowjetischer Nuklearpolitik belegt, um mein gefährliches Halbwissen aufzubessern

      • der_Manu schrieb am :

        Eine Sitzung kannst Du Dir ja jetzt schon sparen. :-)

        Aber: Natürlich hatte ich als Zeitzeuge dieselben Assoziationen, als ich die Fernsehbilder aus Tschernobyl mit der entvölkerten Todeszone mit den Bildern aus “Stalker” (der zu dem Zeitpunkt, glaube ich, schon mal im ORF-Fernsehen gelaufen war) verglich. Aber die Strugatzkis sind da wohl eher von der Realität eingeholt worden.

        Übrigens wird die Bildung der “Zonen” im Buch gar nicht unbedingt als Katastrophe empfunden. Es ist eben ein Leben mit den Folgen der Berührung mit einer extraterrestrischen Zivilisation, die sich auf dem Weg durchs All kurz zum “Picknick” auf der Erde niedergelassen und rätselhafte Spuren hinterlassen hat, und es herrscht eine gewisse morbide Goldgräberstimmung.

        Es gibt zwar tödliche Fallen wie z.B. Hochgravitationsfelder, die den ahnungslosen Besucher einfach platt am Boden zermatschen und daher treffenderweise “Fliegenklatschen” heißen, aber – wie Lara schon sagt – auch Faszinierendes und Segensreiches, wie z.B. Gestein, das Licht absorbiert und zeitversetzt wieder entlässt, weswegen es als Schmuckstein sehr beliebt ist. Oder allerlei technische Hilfsmittel, deren Wirkungsweise teils nicht erklärt wird, die aber sehr begehrt sind.

        Das Düstere im “Picknick” geht eher von den Menschen aus, die sich durch die Zone selbst, aber auch durch ihre Lebensumstände in der Halbwelt der Schmuggler und Geschäftemacher zum Negativen verändern. In der Verfilmung werden dann wirklich fahle, gebrochene alte Männer vor entsprechend heruntergekommener Kulisse draus.

Kommentar schreiben