3

Brave New World: Drei Science-Fiction-Filme zum Entdecken

Geschrieben von Andreas
Brave New World: Drei Science-Fiction-Filme zum Entdecken

2001, Star Trek und E.T. kennt jeder. Neben diesen Platzhirschen sind aber viele Science-Fiction-Filme zu Unrecht untergegangen und deshalb gibt es hier eine kleine Filmauswahl von Abenteuern im All und „Killerspielen“.

Herrscher der Zeit (Les Maitres du Temps, F/GB/CH/D/Ungarn 1982, R.: René Laloux)

Manchmal kommt zusammen, was zusammen gehört. Dazu zählt das einmalige Zusammenspiel von Regisseur René Laloux, Zeichner Jean Giraud alias Moebius und Romanautor Stefan Wul alias Pierre Pairault. Laloux und Pairault hatten zwar schon mit „Der Phantastische Planet“ (La Planète sauvage, F/ CSSR 1973) einen wunderschönen Zeichentrickfilm geliefert, aber erst mit Giraud zusammen gelang ihnen der große Wurf – zumindest meiner Meinung nach. Für mich zählt „Herrscher der Zeit“ zu den größten Science-Fiction-Highlights meiner Jugend. Er hat eine tolle Story mit einer cleveren Schlusspointe – das war mehr als die meisten Science-Fiction-Filme zu dieser Zeit boten.

Nach einem Raumschiffabsturz auf dem Planeten Perdide ist der Waisenjunge Piel auf sich allein gestellt und muss sich gegen riesige Insekten verteidigen. Über ein Funkgerät ruft er um die Hilfe und die Nachricht erreicht den Abenteurer Jaffar, der sich sofort mit seiner Crew auf den Weg macht. Dabei nehmen sie den alten Raumfahrer Silbad und zwei telepathisch begabte Gnome an Bord, erleben ein paar Abenteuer und landen schließlich nach einer Havarie bei Piel. Dort wartet eine große Überraschung auf sie.

Zugegeben, der Zeichenstil ist für heutige Verhältnisse sehr schlicht, aber dank Moebius sollte der Film für Comic-Fans Pflichtprogramm sein. Das Chamäleon der französischen Comic-Szene hat so unterschiedliche Serien wie „Leutnant Blueberry“ (als Jean Giraud) oder „John Difool“ (als Moebius, zusammen mit Alejandro Jodorowsky) gezeichnet und arbeitete bei Filmen wie „Das Fünfte Element“ mit. Pierre Pairault veröffentlichte einige Romane in den 50ern, aber nur seine Vorlagen zu den beiden Laloux-Filmen machten ihn auch außerhalb Frankreichs bekannt. Auch der Regisseur konnte den künstlerischen Erfolg von „Der Phantastische Planet“ und „Herrscher der Zeit“ nicht mehr wiederholen. 1988 arbeitete er mit Isaac Asimov an einem weiteren Zeichentrickfilm „Gandahar“, den ich aber leider nicht gesehen habe.

Die Crew ahnt nicht, was sie erwartet

Lautlos Im Weltraum (Silent Running, USA 1972, R.: Douglas Trumbull)

Douglas Trumbull ist eigentlich ein Spezialist für Spezialeffekte. Die meisten Kinogänger kennen seine Arbeit aus dem Film „2001“ von Stanley Kubrick, aber Trumbull drehte auch zwei Kinofilme. Einer davon „Lautlos im Weltraum“ kam erst über Umwege in die Kinos und wurde zum Flop. Zu Unrecht – er ist einer der besten Science-Fiction-Filme der 70er Jahre.

In einer fernen Zukunft ist auf der Erde die gesamte Natur zerstört. Stattdessen ziehen riesige kuppelartige Raumschiffe durch das All in denen die letzten Pflanzen und Tiere am Leben erhalten werden. Die wenigen menschlichen Pfleger an Bord werden von ein paar Robotern unterstützt und verrichten ihren Dienst eher mürrisch als idealistisch. Mit einer Ausnahme: Freeman Lowell (Bruce Dern). Er hat sich mit der Zeit zu einem Umweltfanatiker entwickelt und als der Auftrag zur Sprengung der „Kuppel“ kommt, dreht er durch und tötet seine Kollegen. Zusammen mit ein paar Robotern tingelt er monatelang durch das All bis er von einem Rettungstrupp entdeckt wird.

„Silent Running“ atmet deutlich den Geist der Hippie-Ära und das beginnt schon mit dem Titelsong von Joan Baez. Wenn man den aber überstanden hat, kann man sich auf einen schönen melancholischen Weltraumtrip einlassen mit ökologisch korrekter Botschaft. Schade, dass Trumbull danach nur noch einen Film gedreht hat: „Projekt Brainstorm“ (USA 1983) mit Christopher Walken. Ein Film, der es fast auf diese kleine Liste geschafft hätte.

Düstere Zukunftsvision mit Flower-Power-Touch

Das Millionenspiel (D, 1970, R.: Tom Toelle)

Anfang der 70er war dieser TV-Film ein Skandal. In einer Reality-Show (moderiert von Dieter Thomas Heck) spielt ein braver Bürger (Jörg Pleva) um sein Leben. Verfolgt von etlichen Kamerateams und einer Killertruppe (u.a. mit Dieter Hallervorden) muss er sieben Tage überleben um 1 Million zu kassieren. Das klingt nach Trash, aber das ist es nicht.

Regisseur Tom Toelle und Drehbuchautor Wolfgang Menge bearbeiteten die Kurzgeschichte „The Prize of Peril“ von Robert Sheckley zu einer düsteren Medien-Satire aus der nahen Zukunft. Der Clou: Alles sollte so realistisch wie möglich sein und so wurden die Zuschauer am Anfang von einer TV-Ansagerin begrüßt, ein Show-Ballet überbrückte die Pausen und ein Reporter (Heribert Fassbender) befragte die Zuschauer auf der Straße. Die Illusion war für damalige Verhältnisse perfekt („War of the Worlds“ lässt grüßen) und so hagelte es Beschwerden, aber auch Bewerbungsschreiben. Wochenlang war die Bundesrepublik im Schockzustand, aber die Macher hatten vergessen sich die Rechte an Sheckleys Geschichte zu sichern und so verschwand der Film für Jahrzehnte im WDR-Archiv. Erst 2002 wurde der Film wieder ausgestrahlt und 2009 sogar auf DVD veröffentlicht.

Andere Filmemacher stellten sich klüger an. 1982 erschien das französische Remake „Kopfjagd“ und ein paar Jahre später die bekannteste Variante des Themas „Running Man“ (USA 1987) mit Arnold Schwarzenegger nach einem Roman von Richard Bachmann alias Stephen King. An Toelles „Millionenspiel“ hat sicherlich der Zahn der Zeit genagt, aber es ist beeindruckend zu sehen, wie die Filmemacher bereits vor 40 Jahren ein „Killerspiel“ zum Top-Thema gemacht haben.

Hitman Hallervorden auf der Jagd nach dem großen Geld
Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Magst du ihn teilen?
Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someoneShare on Google+Share on LinkedIn

Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 2. Dezember 2010

3 Kommentare zu “Brave New World: Drei Science-Fiction-Filme zum Entdecken

  1. quotentoter schrieb am :

    Aber wo ist denn da Soylent Green? oder Logan's Run?

    Planet der Affen fand ich früher auch ziemlich cool, aber das ist ja auch ein sehr bekannter Streifen.

    Gab es eigentlich in letzter Zeit mal wieder einen richtig guten Science-Fiction-Streifen??? Eigentlich schade, an guten Büchern mangelt es ja nicht. Ich hoffe ja immer noch auf eine saucoole Verfilmung von DUNE. Da hat man sich ja zigmal dran versucht, ist aber immer ein bisschen dran gescheitert……sehr schade…….

  2. He, das ist doch nur eine kleine Auswahl und ich kann da durchaus nachlegen;) Logan's Run (Film + Serie) finde ich persönlich etwas überbewertet. Soylent Green ist allerdings ein guter Tipp. Die meisten denken da zwar immer an Hestons letzte Worte im Film, aber mir wird immer Edward G. Robinson im Gedächtnis bleiben. Aber: Ist der Film nicht auch sehr bekannt?

    Gute SF-Filme sind in letzter Zeit rar gesäht. Vielleicht als Tipp: Moon.

    Übrigens geht hier bald ein ähnlicher Artikel über Horrorfilme online…

  3. Soylent Green ist schon bekannt, denke ich. Aber was war denn der letzte Satz von Heston? Zu ihm würde ja gewiss irgendwas mit Herrenrasse und so passen. :)

Kommentar schreiben