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Trilogiezwang bei Spielen – und der Unsinn, der dahinter steckt

Geschrieben von Andy
Trilogiezwang bei Spielen – und der Unsinn, der dahinter steckt

Die Videospielindustrie hechelt verzweifelt der großen Filmindustrie her, speziell was den Anspruch der Geschichten und die Umsatzzahlen anbelangt. Doch in einem Punkt ist sie bereits seit gefühlt zwanzig Jahren der unumstrittene Meister: bei den Fortsetzungen.

Jedes minimal erfolgreiche Spiel benötigt ein Sequel. Und sobald dieses im Laden steht, ist die Ankündigung eines dritten Teiles nicht weit entfernt. Denn Trilogien suggerieren gleichzeitig etwas Episches und etwas endgültig Abgeschlossenes. Auch wird es immer mehr Mode, eine neue Marke von Grund auf dreizuteilen, anstatt sich zu fragen: Passt die Geschichte nicht vielleicht auch in ein Programm?

Im Prinzip habe ich nichts gegen Trilogien, wenn sie mehr oder weniger Sinn ergeben. Gerade im Kinobereich gibt es ein paar klassische Beispiele, die jeder kennt. Und die jeder mag – siehe “Zurück in die Zukunft“, siehe “Indiana Jones“, siehe die alten “Star-Wars“-Filme. Und bezüglich Computerspielen bin ich nach wie vor ein großer Fan der Trilogie der Trilogien, namentlich “Ultima 1 bis 9“. Solange es Sinn macht und dahinter ein System sowie eine spürbare Entwicklung steckt – warum nicht?

Lässt selbst den Hauptcharakter kalt: das dritte Resistance.
Lässt selbst den Hauptcharakter kalt: das dritte Resistance. (Foto: Sony)

Doch dieses Jahr habe ich sie hassen gelernt, diese Trilogien. Ohne es direkt nachzuzählen, dürfte ich noch nie so viele “dritte Teile“ von diversen “Blockbuster“-Titeln gespielt haben. Da haben wir “Gears of War 3“, “Resistance 3“, “Killzone 3“, “Uncharted 3“, “Modern Warfare 3“, “Black Mirror 3“ oder auch “Assassin’s Creed Revolutions“, das zwar eigentlich der vierte Teil der Serie ist, jedoch als Trilogieabschluss der Ezio-de-Auditore-Saga vermarktet wird. Hinzu kommen “Battlefield 3“, “Marvel vs. Capcom 3“, “Patapon 3“ und “Saints Row: The Third“, die ich mir jedoch bislang nicht anschauen konnte.

Es ist nicht nur die Vielzahl der dritten Teile, die auffällt. Bei fast allen genannten Fällen rieche ich den “Melk-die-Kuh“-Faktor, der dahinter steckt. “Resistance 3“ und “Killzone 3“ leiden beide unter dem gleichen Problem: Man hätte den Hauptplot bereits im Sequel zu den Akten legen können, wenn dort nach dem jeweiligen Endkampf Schluss gewesen wäre. Aber nein: In beiden Fällen folgte ein dicker Hammer, der dem Spieler suggerierte “Es wird alles viel schlimmer!“. Den Trilogieabschlüssen fehlt obendrauf ein glaubwürdiger Handlungsansatz, weil aus der übertriebenen Hoffnungslosigkeit ein unglaubwürdiges Pseudo-Happy-End entspringt.

“Modern Warfare 3“ oder “Gears of War 3“ gefallen mir vom Plotabschluss her etwas besser, dafür sind diese Shooter exemplarisch für den Stillstand bei Spielkonzept und bei Spieldesign. Alles schon mal dagewesen, nix Neues hinzugekommen, wieso sollte ich das also nochmal zocken wollen? Selbst der Aspekt der Technik greift nicht wirklich, weil die Grafiksprünge von Jahr zu Jahr geringer ausfallen. Und während sich mein Gemotze vorrangig auf die Singleplayer-Kampagnen bezieht, sehe ich auch im Multiplayer-Bereich keine ernsthaften Verbesserungen, die erneut einen Kauf eines 50 bis 60 Euro teuren Spieles rechtfertigen.

Die einzige löbliche Ausnahme ist “Uncharted 3“: Zumindest Naughty Dog hat es geschafft, einen tollen dritten Teil nach dem grandiosen zweiten zu schieben, der in Sachen Staunqualität und Motivationsfaktor kaum nach steht. Dafür sorgen zum einen frische Settings und wahrlich abenteuerliche Situationen (die Villa!), aber vielleicht ist auch der im Vergleich zu den anderen Spielen völlig andere Ansatz an dem Erfolg Schuld. Denn “Uncharted 3“ sieht sich nicht als Finale irgendeiner allumfassenden Trilogie, sondern möchte autark sein. Jeder Teil der Serie zeigt eine in sich abgeschlossene Handlung, in denen allenfalls ein paar der Kern-Protagonisten wiederholt vorkommen. Und selbst wer erst mit der dritten Episode startet, der begreift sofort die Beziehungen zwischen Nate, Victor sowie Elena, ohne dass diese offen ausgesprochen werden müssen. Nicht zuletzt deshalb wird die Serie gerne mit “Indiana Jones“ verglichen, weil sie nach einer ähnlichen Agenda fährt.

Assassin's Creed Revelations: Die Geschichte hängt in der Luft.
Assassin's Creed Revelations: Die Geschichte hängt in der Luft. (Foto: Ubisoft)

Eine weitere Bitte an die Entwickler: Überlegt euch im Vorfeld, wie viele Episoden euer frisch erdachtes Baby verdient. Aber haltet euch dann daran und streckt einen vermeintlichen Erfolg nicht mit unnötigen Teilungen. Das prominenteste Opfer diesbezüglich ist “Assassin’s Creed“: Das war in der Tat als einfache Trilogie geplant, bis die Chefetage von Ubisoft nach dem Sequel plötzlich eine neue Episode pro Jahr verlangte. Das wäre aufgrund der komplexen Handlung und der stets wechselnden Hauptcharaktere sowie Szenarien mit der ursprünglichen Planung nicht möglich gewesen, ergo bekam der beliebte Ezio-Charakter ein Spinoff namens “Brotherhood“ spendiert. Weil dieses zusätzliche Ressourcen verlangte, was wiederum die Entwicklung des eigentlichen dritten Teiles verzögert haben dürfte, hat man dann kurzerhand mit dem storytechnisch völlig belanglosen, inspirationslosen sowie viel zu simplen “Revelations“ eine Ezio-de-Auditore-Trilogie mitten in die Assassin’s-Creed-Trilogie gequetscht. Eine Kunst, die getadelt anstatt geadelt gehört.

Das Fazit? Dritte Teile sind böse? Nicht grundsätzlich, doch die letzten zwölf Monate gab es einfach zu viele Trilogieabschlüsse, die einfach nicht hätten sein müssen. Egal ob die Geschichte krampfhaft gesplittet wurde oder sich die Serie konzeptionell praktisch keinen Millimeter nach vorne bewegte: Hier haben die Herren Publisher vornehmlich an ihre Bilanzen gedacht anstatt an eine würdige Fortführung einer bewährten Marke, die eben nicht nur auf Vertrautes setzt, sondern sich weiter entwickelt. Mal schauen, wie das die nächsten Jahre abläuft – so viele Top-Blockbuster ohne doppelte Sequels gibt es nun nicht mehr…

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Über Andy

Andreas “Andy“ Altenheimer wandelt seit 1977 auf dieser Welt, als „Star Wars“ und „Der Stadtneurotiker“ in die Kinos kamen, und fühlt sich wie eine Mischung dieser beiden Filmklassiker... [Weiterlesen]

Veröffentlicht am 6. Dezember 2011

3 Kommentare zu “Trilogiezwang bei Spielen – und der Unsinn, der dahinter steckt

  1. Pingback: Mastermind Jan Müller-Michaelis | Polygamia

  2. Alex schrieb am :

    Moin Moin,

    Also ich persönlich bin Fortsetzungen nicht abgeneigt, ja ich mag sogar Mass Effect 3 *ahhrggllll*, aber das ist eine andere Geschichte.

    Naja, solange der Verleger nicht nach dem ersten ode zweiten teil meint einen auf Krösus machen zu müssen und was noch wichtiger ist, wenn die Fortsetzung immernoch über genug Substanz verfügt mich als Spieler zu fesseln, dann immer her damit.

    Aber was red ich um den heißen Brei, verzettel mich am Ende noch in Widersprüche, nein, ich zitiere einmal grob den großen Yahtzee Croshaw, einen britisch/australischen Kollegen von euch, als er sagte:

    „Wie schön wäre eine Welt in der Fortsetzungen verboten wären, alle Geschichten wären abgeschlossen, es würde keine Franchises geben und die Nerds würden sich um wichtigere Dinge kümmern, wie ein Heilmittel gegen Krebs zu finden“, Zitat Ende.

  3. Muss hier mal ein altes Thema aufgreifen, da ich gerade „Revelations“ spiele. Die Haupthandlung ist wirklich unglaublich dünn und belanglos, dafür macht mir Konstantinopel an sich als Schauplatz mehr Spaß als Rom aus „Brotherhood“. An die perfekte Balance vom „ersten“ Trilogie-Teil „AC 2“ kommen aus meiner Sicht aber beide Nachfolger nicht mehr hin. Da sollten sie sich lieber mal wieder auf die Handlung konzentrieren (da war Teil 2 ein Musterbeispiel), anstatt immer noch neue Minispielchen zu erfinden (bestes Beispiel: das völlig unnötige Tower-Defense-Intermezzo in „Revelations“).

    Mal schauen, wie mir Teil 3 gefällt, aber die größten Hoffnungen hege ich momentan mit „Black Flag“.

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