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The Darkness 2: Hauptsache blutig

Geschrieben von Andreas
The Darkness 2: Hauptsache blutig

Langeweile trotz Krach und literweise Blut. Warum Originale besser sind und mich „The Darkness 2“ anödet. Sorry, Digital Extreme – das war nix.

Ich könnte „Darkness 2“ einfach im Vergleich mit dem Vorgänger niedermachen. Ich würde dann von der mickrigen Spielzeit oder den langweiligen, schlauchförmigen Abschnitten reden. Dass ich immer das Gleiche zu tun habe, und dass es bis auf den Anfang keine „Wow“-Momente gibt. Ich würde aber nicht von der Story reden – die ist auch diesmal klasse inszeniert und erzählt von den Gewissensbissen eines Mafiabosses – Schuld, Erlösung, Vergebung. Aber im Grunde brauche ich gar nicht den Vorgänger zu bemühen. „Darkness 2“ ist auch an sich betrachtet kein gutes Spiel.

Sieht schick aus, aber verliert schnell seinen Reiz. (Bild: Take 2)

Natürlich ist bei einem solchen Urteil Enttäuschung dabei. Obwohl das erste Abenteuer von Jackie Estacado, dem Träger der Finsternis, so einige Macken hatte, war es der etwas andere Shooter – über welches Spiel könnte ich das sonst behaupten? Open-World, Stealth, Action und natürlich die verstörenden Episoden in diesem albtraumhaften I. Weltkrieg – Szenario. Erinnert sich noch jemand an den „Suicide Corner“?

Ich hatte schon ein schlechtes Gefühl, als ich das Spiel auf der Gamescom sah. Entwickler Digital Extremes hatte ordentlich auf die Tube gedrückt. Es knallte überall, Blut spritze, aber Thrill oder Überraschungen? Nein, es sah aus wie ein brutaler Schooter von der Stange. Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass „Darkness 1“ bei den Fans beliebt ist und sich auch ordentlich verkaufte, aber sicher nicht der Blockbuster war, den sich Publisher Take 2 damals erhofft hatte. Vielleicht deshalb die Kehrtwende beim Design. Weg von einer aufwendigen, offenen Spielwelt und hin zum linearen Massenshooter. Nun ja, es hat nicht funktioniert.

Mich persönlich stoßen die teilweise perversen Gewaltszenen ab. Ich reiße mit den Dämonenarmen die Gegner an mich, zerfetze sie in der Luft und esse ihr Herz. Dabei ist es weniger die Inszenierung, die mich stört. Ich würde nämlich die Gewaltszenen von „Dead Space“ vor jedem Kritiker verteidigen und bin quasi mit Horrorfilmen aufgewachsen. Bei „Darkness 2“ ist es aber wieder einmal das pubertäre Idealisieren unnötiger Gewalt. Ständig werden exakt die gleichen Finishing-Moves wiederholt, ohne dass es spielerisch einen Sinn macht.

Multitasking: Man hat alle Hände voll zu tun (Bild: Take 2)

Logisch, Gewalt gehört dazu. Sie kann sogar das Medium Spiel künstlerisch erweitern (wenn wir mal moralische Aspekte beiseite lassen). Allerdings spüre ich bei „Darkness 2“ keinen Drang zu Kreativität. Vielmehr langweilt es nach ein paar Minuten, denn da hat man als Spieler bereits alles gesehen. Wieso sollte es auch spannend sein? Dank sofort verfügbarer Dämonenarme und halbwegs vernünftiger Upgrades spielt man schnell in einer Art „God-Mode“. Die Gegner sind nicht nur dank ihrer beschränkten Intelligenz leichte Opfer, sondern auch aufgrund meiner virtuellen Superkräfte.

Mich ärgert es, dass mir diese sadistischen Gewaltexzesse so leicht gemacht werden. Ein Schlag und schon hängt das Opfer vor meinem Gesicht und ich kann es genüsslich zerfetzen. Die Blut-Reizüberflutung ist natürlich ein bekanntes Problem in der Spielwelt. Im Vergleich zum Film ist sie praktisch der ständige Begleiter des Spielers, und nur durch Gewaltausübung komme ich weiter. In einem dramaturgischen Konzept sollte diese Eskalation aber bewusst Akzente setzen. Zu oft gebraucht verliert sie ihre Wirkung. Warum schockt ein „Martyrs“ am Ende mehr, als irgendein Torture-Porn-Film? Sicher, da ist noch die psychologische Komponente, aber dennoch gilt auch hier: weniger ist mehr.

So nicht. Vielleicht sollten sich die Entwickler mal ein paar gute Actionfilme ansehen? (Bild: Take 2)

Es ist ja grundsätzlich eine Tendenz im Actionspiel auf mehr Tempo und Gewalt, als auf Abwechslung und Originalität zu setzen. „Bit-Sized – Gaming“ oder wie das jetzt so schön trendy heißt. Schnell ein paar Minuten gespielt, sich die Birne zugedröhnt und gleich wieder vergessen. Das ist ziemlicher Blödsinn. Vor allem: ein guter Actionfilm besteht nicht nur aus pausenlosem Getöse. Nein, normalerweise gibt es drei große Actionszenen, die einem das Hirn rausblasen sollen. McClane springt vom Dach? „Somewhere over the Rainbow“ mit Nicolas Cage und John Travolta? Auf dem Bahnhof mit Eliott Ness? Und natürlich: das Ende des Todessterns. Leider scheint Digital Extremes nur Michael Bay zu kennen.

Massenshooter wie „Darkness 2“ oder „CoD“ finde ich einfach nur langweilig. Es fehlt das Spiel von Verzögerung und Eskalation, dass die Wirkung von Gewaltszenen unterstreicht. Sie werden so austauschbar und billig. Es mag merkwürdig klingen, aber bei einem Spiel wie „Dark Souls“ hat man Respekt vor dem virtuellen Tod. In „Darkness 2“ werden die Opfer am Fließband geliefert. Laut, brutal und blutig, aber auch unglaublich öde.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 25. Februar 2012

7 Kommentare zu “The Darkness 2: Hauptsache blutig

  1. Torsten schrieb am :

    Ich sehe das anders. Die „Dunkelheit“ wird ja intensiviert durch den Fakt langsam die Kontrolle zu verlieren. Daher, und aufgrund des Hungers der Dunkelheit, ist es zweckmäßig blutig zu sein, gezwungenermaßen.
    Das macht aber noch keinen Vergleich mit COD wett (wesentlich unblutiger), oder welchem Shooter auch immer. „Hauptsache blutig“ ist ja der Sinn der Story. Im Gegensatz zu üblichen Shootern wie Far Cry, Stalker, oder ähnlichem. Mal abgesehn von Bulletstorm (da war es unnötig blutig) geht TD II doch einen ehrlichen Weg.
    Ich zitiere : „Massenshooter wie “Darkness 2″ oder “CoD” finde ich einfach nur langweilig“
    Äpfel mit Birnen ^^
    Zudem ich bei TD II eher sparsam mir Munition umgehe, und mehr die „dunkle Seite“ gebrauche, wie es der Plot verlangt.
    Zitat : „Nein, es sah aus wie ein brutaler Schooter von der Stange“
    Eben nicht ! Es ist ein Comic der gut umgesetzt wurde. Ähnlich wie Sin City. Selbst die letzte Batman Fassung war mindetens genauso derbe.
    Zitat : “Darkness 2″ ist auch an sich betrachtet kein gutes Spiel.
    Den Satz hätte ich am Ende erwähnt, als Highlight zwischen all dem Niedertreten :)
    Das war alles was ich damit sagen wollte.

    • Bei der Deutung der „Finsternis“ stimme ich dir 100 % zu. Gewalt und Blut gehören dazu. Nur verkommt es in „Darkness 2“ zur Fließbandarbeit. Ständig bin ich dabei irgendjemanden zu zerfetzen. Das wirkt dann wie ein schlechter Witz, der beim 100sten Mal auch nicht besser wird. Warum fällt es mir als Spieler so verdammt leicht die Finsternis zu kontrollieren? Warum gibt es da nicht ein paar Hürden, bis ich das alles beherrsche? Du wirst ja wohl nicht abstreiten, dass ich fast das ganze Spiel über in dem angesprochenen God-Mode herumlaufe, oder? Nebenbei, ich hab’s auf „Auftragskiller“ und uncut durchgespielt.

      Und natürlich kann ich „Darkness 2“ als Massenschooter bezeichnen. Nimm doch mal den sehr guten ersten Teil. Open-World, nicht linear, Darklings zum taktischen Einsatz – all das fehlt in der Fortsetzung, auch weil es im Shooterbereich leider nicht erfolgreich ist. Stattdessen laufe ich wie in CoD durch Schlauchlevels, die Gegner kommen schön alle von vorne damit ich das Steuerkreuz des Gamepads nicht viel bewegen muss und die K.I. ist strunzdumm. „Darkness 2“ ist auf Tempo, Linearität und Spektakel inszeniert bei dem die tiefgründige Bedeutung der Grundidee schnell vergessen wird.

  2. Mir reicht schon dieses Zitat, um das Spiel nicht zu beachten:

    In einem dramaturgischen Konzept sollte diese Eskalation aber bewusst Akzente setzen. Zu oft gebraucht verliert sie ihre Wirkung.

    GAnz ehrlich, ich habe es so langsam ziemlich satt, dass manche Hersteller meinen, durch die immer noch explizitere Gewaltdarstellung am laufenden Band ihre PR-Maschinerie am Laufen zu halten. Gewalt und Tabubrüche als „Anheizer“ für ein Spiel sind derart infantil, dass es in einem „Kulturgut“ wie dem Computerspiel eigentlich nichts zu suchen hätte. Dummerweise scheinen da aber Entwickler UND Kunden in letzter Zeit anderer Meinung zu sein, wie der Erfolg von „Call of Duty“, „Dragon Age“ oder „God of War“ zeigt. Das mögen alle in sich gute Titel sein (was auf „The Darkness 2“ wohl eher nicht zutrifft), aber mich nervt es einfach an, dass in all diesen Titeln Gewalt in einem völlig übertriebenen Maße zelebriert oder – wie bei „Modern Warfare“ – einfach mal moralisch Fragwürdiges als spielbares Blockbuster-Kino inszeniert wird.

    So lange diese stumpfe Inszenierung des Abartigen und Fragwürdigen immer noch für Verkaufsrekorde sorgt, ist der Weg zum Kulturgut für mein liebstes Hobby immer noch ein langer…

  3. Schade, genau die Kritik die ich nach dem tollen Erstling eigentlich nicht lesen wollte. Trotzdem danke dafür, ich werde mir das Spiel als Budget-Titel aus UK aber wahrscheinlich doch noch ansehen um zu sehen wie sich die Story weiterentwickelt hat.

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