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Syndicate: Vergiss den Scheiß

Geschrieben von Sven
Syndicate: Vergiss den Scheiß

Wenn ihr diese Zeilen lest, dann…dürfte wirklich niemand mehr über „Syndicate“ sprechen. Wieso auch?  Der Shooter war eh kaum der Rede wert. Aber er verdeutlicht doch eines sehr gut: Die Beliebigkeit von Spielen heutzutage.

Action und Krawall. Die gibt es auch bei Syndicate. (Foto: EA)
Action und Krawall. Die gibt es auch bei Syndicate. (Foto: EA)

Glücklicherweise gibt es noch immer „Leuchttürme“. Spiele, die Wochen und Monate nach der Veröffentlichung im Gespräch sind. Spiele, in die die Entwickler ihr Herzblut gesteckt haben, was auch die Konsumenten bemerken. Und Spiele, die im Gedächtnis bleiben, weil sie in irgendeiner Weise beeindrucken – entweder bei der Story, beim Spielkonzept oder ganz plump aufgrund der visuellen Präsentation. „Syndicate“ dagegen ist ein Werk, das in keinem Bereich herausragt und daher dazu verdammt ist, in Windeseile in Vergessenheit zu geraten. Zu Recht.

Es war schon im Vorfeld irgendwie klar. Electronic Arts kramte die „Syndicate“-Lizenz aus der Mottenkiste, suchte sich ein kompetentes Studio mit entsprechender Reputation und erteilte den Auftrag für irgendwas Neues. Das Geldverdienen stand offenbar an erster Stelle, was ich ja verstehen kann. Ein großer Spielehersteller braucht Einnahmen,  eventuell auch, um riskante Projekte finanzieren zu können. Es ist ja nicht so, als wäre hier EA immer nur auf den schnellen Euro/Dollar aus. Daher war es wohl naheliegend, aus „Syndicate“ einen Egoshooter zu machen. Ein beliebtes Genre, das seit Jahren Millionen Leute begeistert. Anspruch ist nichts zwingend nötig, Innovationen werden nicht gebraucht. Etwas zum Abreagieren für die Masse, dazu sicherlich noch überschaubare Produktionskosten und eben ein unverändert bekanntes Franchise. Starbreeze würde schon für eine gewisse Qualität sorgen. Fertig ist das sich solide verkaufende Produkt? Schenke ich VGChartz Glauben, dann eher nicht. Auf allen drei Plattformen, auf denen EA „Syndicate“ veröffentlichte, scheint das Spiel ein Flop zu sein. Weltweit rund 140.000 verkaufte Exemplare? Das ist miserabel, trotz erzielten Umsätzen von vielleicht 7-8 Millionen Dollar. Vielleicht sollte der Titel ja ein Abschreibungsobjekt werden? Möglich…

Welches Problem ich mit „Syndicate“ habe? Es ist vermutlich die Enttäuschung darüber, was mir die Entwickler hier serviert haben. Sicher, die futuristische Ballerei ist sehr weit entfernt von einem „unspielbar“, allerdings wirkt das Gebotene so seelenlos, so ersetzbar, so langweilig. Mir ist der Protagonist Miles Kilo (allein schon der Name ist lächerlich) mit seinen Chip-Implantaten und dem Kampf gegen wen auch immer total egal. Charisma? Das war wohl nicht nötig oder hätte den Storyschreiberlingen zu viel abverlangt. Und das ständige stupide Geschieße durch modern anmutende Schlauchlevels – wie kreativ. Wie – ich sagte es ja schon – beliebig. Multiplayer/Koop-Gedöns ist heutzutage trendy und natürlich mit von der Partie. Ist sicher ganz dolle spaßig, interessiert mich in dem Fall nur nicht die Bohne. Denn wenn ich alleine schon keinen Bock auf das billige Spielprinzip habe, wieso sollte ich mir das dann auch noch mit anderen Leuten antun?

Futuristisch und so. (Foto: EA)
Futuristisch und so. (Foto: EA)

Ihr müsst wissen: Ich kann auch mittelmäßigen und manchmal sogar objektiv schlechten Spielen etwas abgewinnen. Solange ich ein Fünkchen „Besonderheit“ erkenne und mich dieser gefangen nimmt, bin ich motiviert, mich längere Zeit mit einem Stück Software zu beschäftigen. Ich verspüre die Lust, mich im nächsten freien Moment dem Spiel zu widmen, denke in anderen Situationen über dieses nach und – ganz selten – träume sogar davon. Das gewisse „Etwas“ muss eben vorhanden sein. Bei „Syndicate“ suche und suche ich…und finde nichts, was mich in irgendeiner Weise bewegt. Quasi Leere im Kopf. Der Gedanke, es wieder in die Konsole einzulegen, erzeugt keine Vorfreude, sondern dezenten Stress. „Muss das jetzt sein?“ Nein. Ich hab mich meist für was anderes entschieden. Dabei mag ich normalerweise Shooter echt gerne. Nur nicht „Syndicate“, weil mir das Spielen nichts bringt. Aber auch gar nichts.

Ich schätze, „Syndicate“ ist kein Totalausfall, sondern funktioniert. Ich spiele, schieße, laufe, renne, nehme Deckung, nutze Sonderfähigkeiten. Nur wenn nicht einmal eine Winzigkeit Originalität vorhanden ist, frage ich mich schon, wieso ich mir das Spiel antun muss. Mehr als ein Shooter aus der Retorte bieten mir die Entwickler nicht. Eine routinierte, öde Auftragsarbeit ohne Herz und nur mit technischem Verstand. Starbreeze überzeuge mich früher immer – angefangen bei „Enclave“, über das launige „Knights of the Temple“ bis hin zum fulminanten „Riddick“ und dem brutalen „The Darkness“. Doch das hier?  Es fehlt die Leidenschaft,  der Kick. Stattdessen dominiert die Banalität, die in meinen Kopf hämmert: Vergiss den Scheiß!  Dann erfülle ich mal den Befehl meines Hirns…

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 15. April 2012

10 Kommentare zu “Syndicate: Vergiss den Scheiß

  1. Ist es denn so das Syndicate absichtlich also Neuaflage einer alten Marke geplant war?
    Mir kommt es so vor als habe man einen Science-Fiction Shooter programmieren lassen, dann gemerkt das man mit der Qualität keine Aufmerksamkeit generieren kann, und dann auf die glorreiche Idee kam eine alte, relativ unwichtige Marke, dafür zu „opfern“.

    Wie auch immer, ich werde nie verstehen können wie man Spiele mit solch einem grottigen Script durchwinken kann. Denn eine interessante Story ist doch im Vergleich wirklich günstig zu produzieren…

    Nur Interessenshalber: Gibt es so etwas wie geplante Abschreibungsobjekte im Games-Business wirklich? (Bei Filmen war das ja mal ne Zeitlang ein Steuersparmodell…)

    • Naja, im Grunde ist es ja fast egal, ob zuerst das Spiel oder die Lizenz da war – das Resultat stellt so oder so nicht zufrieden. :) Aber…und da wären wir bei der Abschreibung: Man hat sicher auch durch diesen Shooter den Wert der Marke wieder erhöht – zuletzt hatte man sie ja fast vergessen.

      Ich schätze, es gibt auch solche Abschreibungen auch im Games-Business. Wieso auch nicht? EA und Co. sind Unternehmen. Die drücken mit Flops halt ihren Gewinn und damit ihre Steuerlast. Es ist vermutlich besser, weniger Geld zu verdienen, als hohe Steuern zu zahlen. Und da ist es doch praktisch, wenn man Marken wieder vorkramt und damit zwar Verluste macht, aber eben deren Wert aufstockt.

      Es wäre dann sozusagen ein ganz normales unternehmerisches Handeln. EA hatte doch vor einiger Zeit auch ein schlechtes Wing Commander für XBLA rausgebracht. Das war sicher ein ähnlicher Ansatz…

      • Was aber auch nur Sinn macht wenn man eine Marke bilanziell nicht angeben muss (Als immaterieller Vermögenswert bspw.).
        Aber auch dann will mir das nicht so recht einleuchten. Warum nicht lieber 20% vom Gewinn abgeben als weniger Gewinn zu haben und damit auf den Großteil der zu verbleibenden 80% zu verzichten?

        Hach ja, man sollte sich mal mit Bilanzierung auseinandersetzen. Oder man besorgt sich ein Leben..

        Wie auch immer: Es ist bezeichnend das man von diesem Spiel eine solche Meta-Ebene bemühen muss um etwas interessantes daran zu finden ;-)

      • Ich kann dir leider nicht wirklich sagen, wie das z.B. in den Staaten läuft. Aber es ist zumindest teils hierzulande so, dass man mit zunehmenden Gewinn auch mehr Steuern zahlen muss. Sozusagen steigt der Steuersatz abhängig von dem Gewinn – beispielsweise von 30% Steuern auf Gewinn X auf 40% bei Gewinn Y. Ist irgendein Fachbegriff, aber bin da auch kein Experte. Leider (oder zum Glück? :) ).

        Wäre das in den Staaten bzw. in anderen Ländern auch so, macht es durchaus Sinn, den Gewinn zu drücken, weil man so weniger Steuern zahlen muss.

        Und ja: Syndicate hatte auch ein guter Shooter werden können – also auch ein Erfolg. Wäre mir ebenfalls lieber gewesen. :)

  2. Es ist ja schon lustig, aber ich habe vor kurzem in der von mir hoch geschätzten „GamesTM“ auch einen Test über „Syndicate“ gelesen, der eine ganz andere Sprache gesprochen hat als diese Abrechnung meines geschätzten Kollegen. Zwar herrschte auch beim dortigen Tester eher Unverständnis darüber, warum man für dieses Spiel denn gerade die „Syndicate“-Lizenz wieder ausgemottet hat, aber grundsätzlich zeigte sich der Rezensent doch angenehm überrascht und attestierte dem Werk, der bislang beste Shooter des Jahres 2012 zu sein.

    Hm, da muss ich mir dann doch wohl mal ein eigenes Bild davon machen, denn ich möchte ja hier meinem Blog-Chef nicht ins Wort fallen, ohne „Beweise“ vorlegen zu können.

    Eins lässt sich aber wohl auch mit möglicherweise unterschiedlichen Geschmackswahrnehmungen nicht widerlegen, nämlich dass der finanzielle Erfolg bei „Syndicate“ wohl ausbleiben wird. Und das dürfte die Lizenz wieder zurück in die Mottenkiste bringen, wo es nach 15 Jahren wohl für ein Sportspiel wieder ausgegraben wird… :-)

    • Syndicate als Sportspiel? Hehe…wie sollte das dann aussehen? Vielleicht ein FIFA Syndicate, bei dem man seine Spieler mit Chipimplantaten verbessern kann? :)

      • Ist ja fast egal, wie es als Sportspiel ausschauen mag, nachdem sich schon kaum einer vorstellen konnte, wie man das isometrische Echtzeitstrategie-Geschehen des Ur-„Syndicate“ in einen Action-Shooter umwandeln soll! Wobei Dein Vorschlag mit den Chip-Implantaten schon eine interessante Richtung aufzeigen würde. Wenn Du dann noch die Geschichte erzählst, dass der Profifußball von habgierigen Kartellen ausgeblutet wird, hast Du fast schon wieder die Kurve zur Originalvorlage gekriegt.

        Allerdings könnte man auch argumentieren, dass das nichts Neues wäre, denn ausgeblutet wird der Profifußball ja schon heute… Aber das ist bekanntlich ein ganz anderes Thema!

        :-)

  3. Altairre schrieb am :

    Als der erste Trailer für Syndicate veröffentlicht wurde, habe ich mich auf das Spiel gefreut, denn die Ideen des „breaching“ und das „business is war“ Szenario hat mir schon zugesagt (muss dazu sagen, dass ich das alte Syndicate nicht gespielt habe und somit auch grundsätzlich auch kein Problem mit dem Genrewechsel habe).

    Je mehr Gameplay dann aber veröffentlicht wurde, dest kälter hat mich Syndicate gelassen, so beliebig und langweilig sah es aus. Ich bin sowieso kein Freund von FPS, daher muss ein FPS etwas Besonderes bieten, damit ich ihn mir genauer Anschaue.

    Bei Bioshock 2 war es die Atmosphäre, bei Crysis die verschiedenen Möglichkeiten Gefechte anzugehen.Syndicate wirkt wie ein Shooter von der Stange und ich konnte mich noch nicht mal dazu bringen es auszuleihen.

    Wenn ich den Artikel so lese scheint mir, als ob ich nichts nennenswertes verpasst hätte.

  4. Wenn es nicht so traurig wär... schrieb am :

    …könnte man fast darüber Lachen.

    Danke für diese deutlichen Worte. Bei aller kurzfristigen Neugier auf diesen belanglosen Egoshooter ist die langfristige Enttäuschung schwerwiegender. Der Nachgeschmack ist übel.

    Ob EA nun noch was mit der Marke anfängt? Ja hoffentlich, aber vielleicht sollten sie sich diesmal etwas von der Retrobegeisterung, die XCOM Enemy Unknown auslöst und von der Offenheit der Shadowrun-Macher (via Kickstarter) inspirieren lassen.

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