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Spieleblogger sind nur dumme Stricher

Geschrieben von Andreas
Spieleblogger sind nur dumme Stricher

Das meinen zumindest die Profis. Die Gamescom sortiert die Blogger aus und in der neuen Pixelmacher-Sendung geht’s um Blogger vs. Industrie. Im Trailer zur Sendung melden sich Jens Quentin von Gameswelt.de und Fabian Döhla von Sega provokant zu Wort.Es geht um Zielgruppen, Meinungsfreiheit und elitäres Gelaber.

Aus PR-Sicht ist der Standpunkt „Blogger sollen ihre Klappe halten“ vollkommen verständlich – unabhängig davon, ob Döhla das jetzt „ernst meint“ oder nicht. Ihm würde ich auch einen Stunt zutrauen, um mal in die Rolle des „Bösen“ zu schlüpfen. Nichtsdestotrotz sind Blogger für einen PR-Manager wohl ein unkontrollierbarer, aber vor allem weitgehend unabhängiger Haufen, der schreibt, was ihm gerade so gefällt. Eine Horrorvorstellung für einen Publisher, denn normalerweise geht es bei guter PR darum, Informationen gezielt zu streuen und zu kontrollieren. Das ist legitim, aber funktioniert nicht immer. Sega-Spiele wie „Binary Domain“ oder „Vanquish“ kamen insbesondere in der Bloggerszene sehr gut an. An der Ladentheke hat ihnen dieser Zuspruch freilich nicht geholfen.

Döhlas Aussagen sind zumindest in dem Pixelmacher-Video nicht gänzlich falsch. ( Foto: Pixelmacher)
Döhlas Aussagen sind zumindest in dem Pixelmacher-Video nicht gänzlich falsch. ( Foto: Pixelmacher)

Quentin, Ex-PR-Manager und jetzt Gameswelt-Chefredakteur, bringt im Pixelmacher-Trailer nun die Qualitätsdiskussion ins Spiel: Nicht jeder, der mal ein Spiel zu Ende gespielt hat, kann darüber schreiben. Schließlich schreibe man bei professionell geführten Redaktionen für die Zielgruppe und nicht für sich selbst. Da ist er im Recht, denn unter den geschätzt mehreren Tausend Spielebloggs sind nur eine Handvoll gute dabei. Ich finde, dass sehr viele Blogger weder Talent noch das ernsthafte Bestreben haben, ein vernünftiges Magazin zu betreiben. Da geht’s eher um kostenlose Testexemplare, Wichtigtuerei und einen kostenlosen Familientrip auf die Gamescom. Tatsächlich habe auch ich oft den Eindruck, dass sich einige Schreiberlinge nur an ihrer eigenen Schreibe ergötzen (gilt für mich übrigens auch). Informationswert? Gleich null.

Nehmen wir doch mal die von mir hochgeschätzten Alpha-Blogger von Polyneux.de. Autor Stiftnürsel schreibt dort zum Beispiel wortgewaltige und stilistisch schöne Artikel. Vor einiger Zeit hatte er einen Text mit dem Titel „Mitteilung bezüglich der Änderungen der Arbeitsanweisungen“ geschrieben. Originell, witzig, pointiert. Nur habe ich nicht so schnell kapiert, um was es geht, und auch heute erschließt sich mir nicht der Sinn des Ganzen. Es war wohl einer dieser Texte, auf die sich Quentin bezog: alles andere als zielgruppenaffin. Kurz, ein nach professioneller Ansicht unnützer Artikel. Dem stimme ich zum Teil sogar zu.

Andererseits Fallbeispiele von Gameswelt: „Vanquish„: 76 %, „Dead Island“ dagegen 86 %. „Vanquish“ wurde vom Tester im „Call-of-Duty“-Stil ratzfatz durchgezockt und deshalb entgingen ihm die Feinheiten des Spiels. Und bei „Dead Island“ wurde ernsthaft die in meinen Augen nicht vorhandene Atmosphäre gelobt. In der Review hat zwar die Grammatik gestimmt, sie war auch pointiert geschrieben, aber nicht gut analysiert. Nüchtern betrachtet: Für mich als Horrorfan war das keine Kaufberatung. Mich hätte da schon interessiert, warum in den Cutscenes plötzlich die anderen Charaktere auftauchen und so tun, als ob sie die ganze Zeit dabei gewesen wären. Oder welche unterschiedlichen Taktiken denn gemeint sind. Ich habe nämlich einfach drauflosgeprügelt und bin damit gut durchgekommen. Romero-Zitate? Hust. Das exzessive Looting ist das direkte Gegenteil der Konsumkritik von „Dawn of the Dead“ & Co.

Jens Quentin wird am 11. Juni 2012 bei Pixelmacher hoffentlich gut argumentieren. (Foto: Pixelmacher)
Jens Quentin wird am 11. Juni 2012 bei Pixelmacher hoffentlich gut argumentieren. (Foto: Pixelmacher)

Aber schauen wir mal genauer hin. Der „Dead Island“-Test erschien als einer der ersten (wenn nicht sogar als erster) deutschsprachigen Onlinetests und liegt rund 15 Punkte über dem durchschnittlichen Xbox-360-Metacritic-Score. Das erinnert mich an eine gängige PR-Methode: Ihr bekommt den Zuschlag, wenn das Spiel bei euch auch ja nicht schlecht abschneidet. Insbesondere in den USA kann man davon ausgehen, dass ein solch exklusiver Test nie ein Verriss ist. Alles nur Spekulation, sicher, aber unabhängig ist anders. Bei einem ernsthaften Spieleblog wäre das – sag ich mal – undenkbar. Die Zielgruppe ist halt oft der Publisher, denn der schaltet die Werbung, der lädt zu exklusiven Veranstaltungen und der verschickt die Testmuster. Spielemagazine müssen da auf einem schmalen Grad wandeln, um bloß niemanden zu verprellen. Ohne aktuelle Infos bist du in der Branche nämlich so gut wie „tot“. Einen Spieleblogger kümmert das erstmal gar nicht.

Tatsache ist allerdings, dass Leser in einem Spielmagazin eine hohe handwerkliche Qualität erhalten. Da wird ein Text lektoriert und redigiert, Fakten beziehen sich auf verlässliche Quellen und wer schnell Neuigkeiten braucht – bitte. Was mich stört, ist aber dieser Tunnelblick à la Oliver Kahn, den Spieleblogs in der Regel nicht besitzen. Für die Profis gibt es dagegen nur den einen männlichen Lesertyp zwischen 14 und 29, der sich einen Dreck um intellektuelle Bezüge schert. Hauptsache Hirn aus und ordentlich drauflosballern. Da frage ich mich ernsthaft, wie sich denn eine „unprofessionelle“ (=abseitig, intellektuell, nicht massenkompatibel)  Review zu „Catherine“ auf Gameswelt verirren konnte. Mal ehrlich, nehmt euch an der Kollegin ein Beispiel. Wollt ihr nicht den Anspruch etwas heben? Als Journalist ernst genommen werden? Nicht mehr der verlängerte Arm der Industrie sein? Nur so als Anekdote: Ich wurde damals als Prüfer bei der USK u.a. nicht genommen, weil ich als Spielejournalist angeblich zu sehr mit der Industrie verzahnt bin.

Spieleblogs sind anders. Und ja, manchmal zu anders. Zu sehr darauf bedacht, sich von der Masse abzuheben und sich in ihren ach so originellen Nerdwelten zu verlieren. Forciert intellektuell, elitär, rechthaberisch. Sie sind aber kein Mainstream, sondern ein Statement, das es einen anderen Blick auf das Medium Spiel gibt. Ob das für einen Käufer wichtig ist, dass ein Spiel mit Moliere-Zitaten gespickt ist, dass es um Transhumanismus geht oder dass es Fragen zu – tief Luft holen – Moral und Verantwortung stellt? Schwierig zu sagen, wenn er doch in dieser Beziehung von den großen Magazinen schön auf dem Niveau von „Brot & Spiele“ gehalten wird.

Die „Pixelmacher“-Sendung, die sich auf dieses Thema bezieht, wird am 11. Juni 2012 bei ZDF Kultur ausgestrahlt. Sie wird vermutlich auch früher in der ZDF Mediathek zu sehen sein.

(Anmerkung von Sven: Zur Sicherheit hab ich mir mal die Domain www.blogssindtot.de gesichert. Harhar.)

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 4. Juni 2012

21 Kommentare zu “Spieleblogger sind nur dumme Stricher

  1. Peter schrieb am :

    Ach herrje, Hauptsache mal so nen richtig polarisierenden Trailer gemacht. Rambazamba für die Quote! Mit der rhetorischen Frage zum Schluss aber dann doch nicht die Eier gehabt, den ganz großen „Skandal“ zu provozieren.

    Sind die Quoten wirklich so schlecht?

    Das Leben ist zu kurz um sich so eine polemische Scheiße reinzuziehen. In der Zeit zocke ich lieber selber Games anstatt mir ne Meta-Diskussion von Lohnbrot-Spieleschreibern über Amateur-Spieleschreiber anzuschauen. Ich brauch nur bei Gelegenheit mal wieder die „Reviews“ von 4Players überfliegen, dann seh ich was bei den „Profis“ alles gegen den Strich läuft.

    Blogs mag es oft am journalistischen Handwerk fehlen, dafür sind sie meist meinungsstark und (zumindest die Blogs, die nicht um Testmuster betteln) unabhängig.

  2. Pflichtfeld schrieb am :

    Wer bei „Mitteilung bezüglich der Änderungen der Arbeitsanweisungen” nicht geschnallt hat, worum es dabei ging oder was der Sinn hinter dem Text war, sollte es sich vielleicht verkneifen, über die Qualität von Spieleblogs zu sinnieren. ;) (Aber das war vermutlich eh nur ein Scherz.)

    Zum Thema an sich … also in dem Trailer zur Sendung kommen mir die beiden Typen ziemlich selbstherrlich vor, so sie das denn ernst meinen, soviel zum Ego.

    Letztlich ist es doch bei den Blogs und beim professionellen Spielejournalismus das gleiche, es gibt welche, die haben was drauf und das liest oder schaut man gerne, und es gibt welche, die verzapfen nur Dünnpfiff. Sehe da keinen großen Unterschied bezüglich der Zielgruppe, Blogger sind aber zumindest meist nicht so blöd, dass sie sich einreden, sie würden irgendwie objektiv und mit Sicht auf oder aus Sicht irgend einer komischen „Zielgruppe“ schreiben. Wer für irgendein Blatt oder eine Seite Tests schreibt, gibt auch nur seinen persönlichen Senf zu den Spielen ab – zumindest wenn da keiner reinredet, entweder die eigenen Vorgesetzten oder sogar die Industrie.

    Das eine ist nicht besser als das andere, aber ich persönlich lese lieber „Privatmeinungen“ in einem Blog oder Forum, als das komische Gesülze bei IGN & Co, auch und gerade weil da mal speziellere Sichtweisen und Akzente bei sind.

  3. Rainer schrieb am :

    Wirklich? Da wird den Blogs mal zurecht ans Bein gepinkelt und alles, was euch dazu einfällt, ist diese billige Polemik? Ist ja auch einfacher, sich wahllos mal ein paar Reviews rauszupicken und die Prozentzahl mit Metacritic zu vergleichen, um dann irgendwelche irrwitzigen Konstrukte herbeizuführen. Sorry, aber das ist genau der Grund, warum Blogs nicht ernst genommen werden und Blogger nicht mehr auf die gamescom dürfen. So argumentiert nämlich auch jeder 12-jährige in Foren.

    • Hihi. Du meinst, wir hätten besser erwähnen sollen, dass Gameswelt die Download-Server für DeepSilver/Kochmedia stellt und stets gut mit Werbung von dem Spielehersteller beglückt wird? Ach, das ist sicher auch das Argument eines 12-Jährigen in einem x-beliebigen Forum. :)

      Ansonsten: Kannst den Text von Andreas gerne noch einmal lesen, der Metacritic-Vergleich war nur zur Veranschaulichung, nicht zur Spekulation gedacht.

      • Rainer schrieb am :

        Genau das machst du/ macht ihr doch die ganze Zeit: Spekulation. Irgendwelche hanebüchenen Gründe anführen, warum Gameswelt und sowieso die gesamte Spielepresse korrupt ist und die Blogs die wahren Retter des Spielejournalismus sind. Da wären wir wieder beim Ego der Blogger…

        Jeder, der derart mit den Wertungen und Metacritic argumentiert, um irgendwas zu veranschaulichen, was Blödsinn ist, hat bei mir ohnehin verschissen. Was schade ist, denn ich stimme zumindest dem zu, dass Blogs hin und wieder ein nettes Plus an „andersartigen“ Meinungen abbilden können, was die Magazine wegen der Zielgruppe wohl nicht in dem Umfang können. Bzw. als Leser erwarte ich auf diesen Seiten ja auch einen Test des Spiels und keinen Roman über die Bedeutung des Dritten Weltkriegs in Call of Duty. ;)

      • Seufz. Vielleicht solltest du mal schauen, wer hier in diesem Blog schreibt? http://www.polygamia.de/team <- nur mal als keine Anregung. Wir sehen uns nicht nur als Blogger. Unabhängig davon lohnt es sich natürlich auch, das Video von den Pixelmachern anzuschauen. Die Aussagen dort sind nicht minder polemisch und verallgemeinernd. Darum ging es doch auch: Pauschalisieren ist unangebracht. Autor Andreas ist gerade im Urlaub, aber er hat dazu sicherlich auch noch etwas zu sagen. :)

    • Der Titel mag provokant sein, der Inhalt ist es nicht und schon gar nicht polemisch. Wenn, dann hätte ich einfach drauflosgemeckert ohne irgendwelche Argumente zu nennen. So nenne ich aber Beispiele auf beiden Seiten und wiege sie gegeneinander ab. Am Ende bekenne ich mich halt zum ernsthaften Spieleblog. Möglicherweise mag dir diese Meinung nicht gefallen, aber deswegen polemisch dagegen zu pinkeln, ist albern.

  4. Grimmig schrieb am :

    Schön und gut. Nur leider am Thema vorbei. Wo ist jetzt das Argument, warum Blogger uneingeschränkt(!) Zugang zur gamescom erhalten sollten?

    Das Problem ist, dass der Großteil der Blogs da draußen unprofessionell und oft unregelmäßig gepflegt sind. Möchte ich als Messebetreiber bei meinen Geschäftskunden, die erhebliche Summen aufwenden, ernst genommen werden, muss ich der Flut an Kindern und Jugendlichen, die sich als bloggende Journalisten akkreditieren, Herr werden.

    Das Dutzend professionell aufgestellter Blogs wird sicherlich keine Probleme haben, eben diese Professionalität unter Beweis zu stellen. Zumal immer betont wurde, dass jeder, der einen Termin im B2B-Bereich hat, der Zutritt nicht verwehrt bleibt!

    Es geht um die Schmarotzer und nicht um die Frage, ob sich Journalisten elitärer fühlen (dürfen). Nicht die Journalisten haben die neue Regel aufgestellt, sondern die Messe. Dieser Beitrag ist leider ein gutes Beispiel, wie sich die Bloggerszene nicht verhalten sollte. Den Journalisten mangelnde Kompetenz und Professionalität vorzuwerfen ist der komplett falsche Ansatz. Vor allem wenn man dies an 2 Wertungen festmacht.

    Mich hätten schlagkräftige Argumente gefreut. Und dabei zählt nicht, dass Blogs angeblich so unabhängig sind, wie sie sich gerne geben. Weil sie es oft eben nicht sind! Beleidigte Kolumnen sind in diesem Fall sicherlich nicht förderlich.

    • Blogger uneingeschränkt zur gamescom? Puh, davon war doch nie die Rede, siehe Text. :) Andreas sagt ja selbst, dass es genügend Laien gibt (die nicht wirklich etwas auf der gc zu suchen haben, wenn man es mal so betrachtet).

      Ich hab nur gerade das Gefühl, als hättest du da auch etwas in den falschen Hals bekommen bzw. den Ansatz des Artikels nicht ganz verstanden? Dass es Journalisten an Kompetenz und Professionalität fehlt, wurde doch so nie behauptet. Ganz im Gegenteil?

    • Zitat: „Da ist er im Recht, denn unter den geschätzt mehreren Tausend Spielebloggs sind nur eine Handvoll gute dabei. Ich finde, dass sehr viele Blogger weder Talent noch das ernsthafte Bestreben haben, ein vernünftiges Magazin zu betreiben. Da geht’s eher um kostenlose Testexemplare, Wichtigtuerei und einen kostenlosen Familientrip auf die Gamescom.“

      Ich habe nie behauptet, dass Blogger uneingeschränkten Zugang zur Gamescom erhalten sollen. Ich gebe dir aber recht, dass ich die Rolle eines vernünftigen Spieleblogs besser hätte erklären müssen.

      Und fandest du den Stil wirklich „beleidigend“? In meinen Augen war er sogar relativ emotionslos geschrieben. Ich ende ja auch mit einem äußerst positivem Beispiel auf Gameswelt.

  5. Der Artikel trifft es eigentlich ganz gut.

    Ich war auch mal in der Welt der sogenannten „Spielejournalismus“ und überall kam ein ähnliches Bild auf: Ja nicht den Publishern/PR ans Bein pinkeln, weil dann kommen keine Muster und keine Werbung mehr. Da sind vor allem die kleinen Magazine betroffen. Viele schaffen da den Spagat zwischen „zu sehr nach PR gerichtet“ und „frei und offen drüber berichten“ nicht. Das ist leider sehr schade und wohl auch DER Grund, warum viele (u.a. ich selbst) beschlossen haben „Frei und offen“ über seine Meinung zu bloggen, quasi auf eigene Faust. Man hat keine Rechenschaft mehr vor PRler oder Chefredaktion abzulegen, sondern nur vor sich selbst und das ist auch gut so. Dass von 100 Blogs vielleicht 10 hochwertig sind, ist auch Tatsache und wenn man wie die Gamescom pauschalisiert, dann trifft es eben auch die 10 Guten. Schwierig auf jeden Fall das zu bewerten.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich schreibe auf meinem (unregelmässigen) Blog hauptsächlich für mich. Mir ist dabei egal, was PR/Publisher denken. Wenn mir ein Muster geschickt wird, freue ich mich, aber ob ich was drüber mach, bzw. wie ich drüber mache ist meine Sache. Und wenn ich keine Muster bekomme, ist das aus deren Sicht verständlich, denn Blogs haben meistens keine so große Reichweite wie Mags und die „ollen Blogger“ machen eh was sie wollen. Da muss man mit Leben. ;)

  6. Man schaue sich nur einmal Previews in einem x-beliebigen Spielemagazin an. Schon vor zehn Jahren hat mich aufgeregt, dass die einfach nur nach PR-Geblubber klingen. Ich war dann schon froh, wenn im zugehörigen Test ein paar Ausgaben später diese Titel dann doch nicht so gut abschnitten.

    Ja, es ist ein schmaler Grat. Ich habe auch Spieletests für ein Online-PDF-Magazin geschrieben. Und es gab Publisher wie DTP, um mal ein (damaliges) Positivbeispiel zu nennen, die gar keine Probleme machten und gerne Testmuster schickten und es gab die Anderen…
    Heute schreibe ich nur noch aus Spaß und über das, was mich interessiert. Und ich bemühe mich auch gar nicht erst um Testmuster oder ähnliches. Ich denke, das es gegenüber dem Publisher unfair wäre, da ein Spiel kostenlos abgreifen zu wollen, nur um auf meinem privaten Blog darüber zu schwadronieren.

    Aber der Grat, den (gedruckte) Zeitschriften aber auch Spieleportale wandern müssen, der geht ja noch weiter. Sie müssen auch an die Leser denken. Einem Spiel wie Diablo 3 eine „schlechte“ Wertung, also irgendwas unter 85, geben? Dass kann sich KEINE Zeitung leisten! Die Massen an Fans würden den Test in der Luft zerreißen! In Folge dessen ist leider erkennbar geworden, das gerne mal unbekanntere Titel abgestraft werden, damit überhaupt mal ein paar schlechtere Wertungen im Magazin stehen.

    Ich durfte das auch persönlich feststellen, als ich meine Preview zu Rift als Gastbeitrag auf ein größeres Spieleportal stellte. Der Shitstorm der Fanboys rollt noch heute über mich hinweg. Dabei war deutlich zu merken, dass die den Artikel gar nicht objektiv gelesen haben, denn ich habe das Spiel sehr häufig sehr gelobt. Nur ich habe es eben auch gewagt Kritik anzubringen – und am schlimmsten, ich habe doch tatsächlich den Vergleich mit WoW gebracht – das konnten die überhaupt nicht ab. :(

    Zu Blogs kann ich sagen, die meisten Hobbyisten-Blogs sind relativ schlecht gepflegt. Wie sollen die auch stets aktuell gehalten werden? Ich merke das ja selbst an meinem Blog. Ich habe durchaus noch einige Themen auf dem Zettel, aber ich komme nicht dazu, die Artikel zu schreiben. Wenn dann der Blogger auch noch Probleme mit der Rechtschreibung hat und sich vielleicht auch nicht so gut ausdrücken kann, dann ist halt irgendwann ganz schluss mit lustig. So ein Blog ist halt eben mal was zum Zwischendurch lesen. Als (Haupt-) Informationsquelle taugt so was nichts.

    Andererseits schätze ich gerade Blogs, die ein Spiel frei nach Schnauze und völlig subjektiv testen. Hier kann ich mir als Leser halt aussuchen, was ich daraus mitnehme. Ich merke relativ schnell, ob der Geschmack des Bloggers dem meinen entspricht oder eben total anders ist. Ich drehe dem „Tester“ auch keinen Strick daraus, wenn er eine völlig andere Meinung zu einem Titel hat als ich. Geschmäcker sind halt verschieden. Allerdings mag ich es gar nicht, wenn Blogs zu sehr den Spieletests in Zeitschriften nacheifern, um professionell zu wirken, und eine Objektivität vertäuschen, die Spieletests eben nur selten haben. Da fehlt mir dann einfach die persönliche Note und ich würde lieber einen Test eines professionellen Testers vertrauen, als einem Blogger.

    • Altairre schrieb am :

      Das ist wirklich ein ganz heikles Thema. Auf der einen Seite finde ich es zu einfach große Spielemagazine oder Seiten in eine Kiste zu steckend und verallgemeinernd „Die Wertungen sind doch alle gekauft oder aus Angst vor den Publishern entstanden“ zu sagen (ich sage nicht, dass es in diesem Artikel gemacht wurde), auf der anderen Seite haben unabhängige Blogs natürlich ihre Vorteile.

      Ich für meinen Teil bevorzuge es zu wissen, was und wer hinter den Tests/Artikeln steht, ein Vorhaben das zumeist nicht ganz einfach ist. Passenderweise habe ich dazu erst neulich eine sehr interessante Diskussion in einem Podcast von giantbomb gehört, in dem im Prinzip gesagt wird, dass die Presse und Industrie natürlicherweise sehr eng verzahnt sind und dass das auch die wenigsten bestreiten würden. Das heißt am Ende allerdings nicht, dass die Tester ein Spiel deshalb besser/schlechter bewerten müssen oder es tun. Nehmen wir z.B. einmal Dead Island: Ich sage nicht dass die Argumentation und Andeutungen im Bezug auf den Gameswelt Test falsch oder richtig sind, ich weiß es einfach nicht, obwohl es natürlich sehr verdächtig aussieht. Für den Kontext: Ich mag Dead Island nicht besonders. Meine go-to Website hat Dead Island allerdings ziemlich gut bewertet und ich fand das auch in Ordnung. Denn zusätzlich zum Test gab es Videos und Podcast Diskussionen in denen sehr gut herauskam, dass und warum dem Tester das Spiel wirklich richtig gut gefällt. Warum gewisse Kritikpunkte für ihn nicht so stark ins Gewicht fallen. Das ist mir bei einem Test viel wichtiger, als der Umstand, ob sich die Wertung und Meinung mit meiner deckt. Ach ja, übrigens war auch auf dieser Seite Werbung für DI geschaltet. Wenn man die Tester und ihre Art zu testen kennt und einschätzen kann, dann kann man auch viel mehr für einen persönlich wichtige Infos herauslesen, als man es normalerweise könnte. Daher halte ich auch nichts davon auf Metacritic zu schauen oder jeden erstbesten Test zu lesen der mir unter die Nase kommt. Ich warte bis die Leute das betreffende Spiel reviewen, von denen ich weiß, wie sie in der Hinsicht ticken.

      Noch ein paar Anmerkungen:

      „Man schaue sich nur einmal Previews in einem x-beliebigen Spielemagazin an. Schon vor zehn Jahren hat mich aufgeregt, dass die einfach nur nach PR-Geblubber klingen. Ich war dann schon froh, wenn im zugehörigen Test ein paar Ausgaben später diese Titel dann doch nicht so gut abschnitten.“

      Ist ne Zwickmühle für die Presse. Previews sind eher dafür da einen Überblich darüber zu geben, welche Ideen und Ansätze vorhanden sind und was das Spiel bieten soll. Preview Builds sind logischerweise unfertig und daher ist es schwer etwas daran zu kritisieren, weil alles noch „subject to change“ ist. Man könnte nun verlangen, dass dennoch kritisiert werden sollte, was bei diesem Build im Argen liegt, aber dann erzeugt man bei den Lesern schon eine negativen Eindruck, der dann am Ende vielleicht gar nicht gerechtfertigt war.

      Letztlich will ich noch jedem, den das Thema „Verzahnung Presse und Industrie“ interessiert die E3 Podcasts von Giantbomb ans Herz legen, denn dort wurde eben dieses Thema von Vertretern der Presse und der Industrie diskutiert. Wirklich extrem interessant und aufschlussreich. Insgesamt symbolisiert GB für mich sowieso eine extrem gute Kombi aus Blog und großer Spieleseite.

      • Da stimme ich dir in einigen Punkten zu. Spieler sollten sich von der Illusion befreien, dass Tester nur Kumpels sind, die ehrlich und unbeeinflusst ihre Artikel schreiben. Industrie und Presse sind im Bereich Spiele extrem eng verzahnt, weil nur wenige branchenfremde Firmen große Werbung schalten. Am Ende ist Spielejorunalismus ein Geschäft wie jedes andere auch und da muss Kohle fließen um über die Runden zu kommen.

        Zum Thema Previews: Da gibt es zum einen Events bei denen das Spiel mehr oder weniger spektakulär präsentiert wird (z. B. Nachtclub in Soho) oder Messepräsentationen. Wie in anderen Branchen auch werden die Journalisten dort hofiert und es werden nur sehr dünne Informationen gstreut. In der Regel ist das Material erstklassig bzw. wurde nur für die Präsentation erstellt (z. B. die GC-Präsentation von Dishonored). Aus den wenigen Informationen kann man meist halt nur das Positive herausfiltern. Ich habe bisher nur selten erlebt, dass ich auf Anhieb wusste: „Das wird nix!“ (z. B. Darkness 2). Als Journalist wird man unfreiwillig teil der PR-Maschine.

        Am Ende bleibt einem als Spieler nur zwei Dinge übrig: seine eigene Meinung und die Tester seines Vertrauens.

  7. Klar!

    Wenn Blogger dumme Stricher, dann sind natürlich Spielejournalisten schwule Arschkriecher :D.

    Ich schließe mit den Worten von Peter Licht…“Wir werden siegen“ ;)!

  8. LOL schrieb am :

    Dafür, dass Blogs in seinem Augen der „Abfall“ seines Berufsstandes sind, scheint er sich ja häufiger darauf herumzutreiben, um so eine fundamentale Aussage treffen zu können.

  9. Altairre schrieb am :

    @Andreas: Vollste Zustimmung! Auch das wurde in einem der Podcasts erwähnt. Die Präsentationen sind gepolished bis zum geht nicht mehr, oft von einem eigenen Team erstellt und außerdem ist meist ein Entwickler zu gegen, der selbst bei einer hands-on Demo bei Fragen oder Problemen zur Vefügung steht und viel erklären kann. Für mich ist das in Ordung, weil ich von einer Preview nur wissen will, was ich von dem Spiel erwarten kann bzw. in welche Richtung es gehen WILL. Es zeigt mir, ob ich es interessant finde oder nicht. Nehmen wir z.B. das neue Tomb Raider. Die gezeigte E3 Demo sah ziemlich spektakulär aus und hat mir wirklich gefallen. Ob das Spiel letztendlich gut wird, das wird sich noch zeigen. Wird der Werdegang von Lara ordentlich erklärt bzw. erzählt? Taugt das Gameplay etwas? Welche Freiheiten habe ich? Wie stark gescriptet ist das Spiel? Endet es am Ende doch wieder wie Uncharted und ich mähe mich durch Gegnermengen? Das kann eine Preview mir nicht sagen. Die Preview kann mir nur sagen: Hey, ich versuche etwas neues und das ist, was ich im Moment anbieten kann. Die Kunst ist es, aus dieser Demo ein interessantes und vollwertiges Spiel hervorzubringen.

    „Spieler sollten sich von der Illusion befreien, dass Tester nur Kumpels sind, die ehrlich und unbeeinflusst ihre Artikel schreiben.“

    Auch hier will ich mich auf eine Diskussion von GB beziehen: Ein Spielejounalist kann versuchen beim Testen den Einfluss der Industrie so weit wie möglich zu minimieren, aber so etwas wie objektive Tests gibt es nunmal nicht. Jemand der in der Pressebranche arbeitet hat nunmal einen anderen Blickwinkel als der Otto-Normal Spieler oder auch der kleine Spieleblogger. Das hat seine Vor- und Nachteile. Mancher kann es sich leisten ein Review Event abzulehnen, weil er die Umstände nicht angemessen findet und mancher nicht. Dahinter stecken selten Faulheit oder sonst irgendwelche schlechten Intetionen.

    „m Ende bleibt einem als Spieler nur zwei Dinge übrig: seine eigene Meinung und die Tester seines Vertrauens.“

    Und je größer die Industrie wird, desto wichtiger wird das, besonders der erste Teil. Wobei Meinung nicht heißt, dass ich unter den Mass Effect Test, der unter 90 Prozent geblieben ist, schreibe: „OMG ich denke, dass ME das beste Spiel evar ist und ihr habt doch keine Ahnung. LOL.“ Wie schon geschrieben, wenn ich einen Tester einschätzen kann, weil ich mehrere Tests von ihm gelesen habe (und nicht nur auf die Wertung geschaut habe) dann kann mir auch ein nicht unbedingt positives Review sagen, dass ich mir das Spiel vielleicht mal anschauen sollte und umgekehrt. Manchmal wird man dadurch sogar auf Perlen (ich nenn es jetzt einfach mal so, auch wenn es seine Fehler hat) wie Binary Domain hingewiesen, das bei mir völlig unter dem Radar durchgeflogen wäre.

    Ein letzter Gedanke: Wenn man von der Industrie redet, dann hört sich das ein bisschen wie der große böse Mann an, der die großartigen Ideen und Indieentwickler unten hält. Auch hier gibt es natürlich kein schwarz und weiß und es arbeiten eine Menge toller Leute in der Gamesindustrie (nochmal: man höre sich die E3 Podcasts mit Leuten wie David Jaffe, Ed Boon oder Johnny Vignocci an).

  10. @Andreas,
    ich habe eben mal den Artikel „Mitteilung bezüglich der Änderungen unserer Arbeitsanweisungen“ wie oben erwähnt gelesen und finde ihn großartig, herzlichen Dank für diesen tollen Link!

  11. Blog sind was sie sind: die Meinung von Endkunden. Wer diese mit Redaktionen vergleicht und meint sie müssten ernsthaft gleichziehen, der hat das Bloggen nicht verstanden. Ist aber nichts neues. Nur weil sich ein paar wenige Blogger wichtig nehmen und sich selbst mit professionellen Plattformen vergleichen (komischerweise dennoch nicht in eine solche schaffen), muss man nicht die ganze Szene über den Kamm scherren. Ich schreibe für mich selber und Kollegen. Wen es nicht interessiert oder mein Schreibstil zu schlecht ist, den zwingt auch nicht es zu lesen. Das Problem erledigt sich von selbst, warum sich auch die Diskussion darüber erübrigt.

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