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Skylanders Spyro’s Adventure: Banale Freuden

Geschrieben von Sven
Skylanders Spyro’s Adventure: Banale Freuden

Gelegentlich brauche ich meine Ruhe! Nicht von Spielen, sondern beim Spielen. Ihr würdet vielleicht zum nächstbesten Shooter greifen und ein paar Köpfe zum Zerplatzen bringen. Mich dagegen zieht es seit jeher zu seichter,  kunterbunter Unterhaltung.

Da nicht ständig ein neues „Super Mario“ in 2D erscheinen (wieso eigentlich nicht? Tss!), helfe ich mir mit anderem Entertainment zum Entspannen aus. Ob ihr es glaubt oder nicht – mit „SpongeBob Schwammkopf: Schlacht um Bikini Bottom“ hatte ich damals mehr Freunde als mit so manchem Megablockbuster, eben weil mich der Titel einfach nur auf knuffige, sympathische und farbenfrohe Art berieseln wollte. Und konnte. Ganz ähnlich sieht es bei „Skylanders Spyro’s Adventure“ aus. Die neueste Franchise-Ausschlachtung aus dem Hause Activision Blizzard ist genau nach meinem Geschmack, obwohl der Hersteller mit dieser explizit Kinder anspricht. Zumindest laut Amazon-Produktbeschreibung.

Das Spiel trägt zwar den Namen des früher mal beliebten Drachens, aber er hat quasi nur eine Gastrolle. (Foto: Activision Blizzard)
Das Spiel trägt zwar den Namen des früher mal beliebten Drachens, aber er hat quasi nur eine Gastrolle. (Foto: Activision Blizzard)

Mir ist’s egal, solange ich meine Freude habe. Und die kommt bei „Skylanders Spyros’s Adventure“ schon dank der Geschichte auf. Klar, sie könnte banaler kaum sein, aber sie auch herzallerliebst. Das Böse in Form des Trottels Kaos zerlegt das Fantasy-Reich Skylands, was ihr freilich verhindern müsst. Mittels eines mächtigen Portals könnt ihr das Gleichgewicht in der Welt wieder herstellen und den Gauner vernichten. Dazu sucht ihr Maschinen-Einzelteile in den quietischigen Abschnitten und erhaltet sporadisch Unterstützung von schrulligen Figuren sowie einem körperlosen Wächter. Das inhaltliche Grundgerüst ist simpel und auf die junge Zielgruppe zugeschnitten. Trotzdem ist die Story intelligenter, als sie auf den ersten Blick erscheint. Sicher nicht ohne Grund holten sich die Entwickler zwei talentierte Schreiberlinge ins Boot. Joel Cohen und Alec Sokolow erschufen die sympathischen Helden und bastelten einen Verlauf, dem ihr gerne folgen wollt. Das Duo verantwortete das Drehbuch von „Toy Story“, ihr nächstes Projekt ist übrigens ein Skript für die Verfilmung von „FarmVille“. Irgendwie traue ich ihnen das zu.

Jedenfalls passt diese leichte Kost wunderbar zum eigentlichen Spiel. Pilgert mit eurer Kreatur durch linear gestrickte Levels, kämpft gegen lustig ausschauende Monster und löst infantil anmutende Rätsel. Ihr könnt euch nicht verlaufen, abseits der Hauptwege gibt’s höchstens ein paar schlecht versteckte Geschenke, Hüte für euren Protagonisten oder Mammon zum späteren Aufwerten der Eigenschaften. Das ist alles so überschaubar, so infantil, so schön. So erquickend. Groß anstrengen müsst ihr eure zwei, drei Gehirnwindungen zu keiner Zeit. Ab dem sechsten Kapitel steigt zwar der Schwierigkeitsgrad an, bleibt aber auf einem Niveau, dem auch 10-jährige Spieler gewachsen sind. Hier mal ein Puzzle, da mal ein größerer Boss – alles erträglich und nie ernsthaft stressig. Genau dies ist es jedoch, was ich an „Skylanders Spyro’s Adventure“ schätze: Das Spiel erzeugt ein „Feel-Good“-Gefühl und produziert pausenlos Erfolgserlebnisse. Die Konsequenz für mich: Erholung pur! Wenn ich in einem aktuellen Spiel am besten abschalten kann, dann hier. Freilich könnte ich auch zu einem sehr ruhigen „ICO“ oder dem außergewöhnlichen „Shadow of Collosus“ greifen, nur bei beiden Werken aus der HD-Collection für die PS3 fühle ich zu viel. Anspannung oder Bedrücktheit zum Beispiel. Bei „Skylanders Spyro’s Adventure“ ist das anders. Hier dominieren die gute Laune, die positiven Momente, die amüsanten Dialoge. Keine Schwermut, kein unnötiger Tiefgang. Nennen wir es „Easy Playing“. Dabei verabscheue ich „Easy Listening“ zutiefst. Na, ihr wisst schon, was ich meine. Oder?

Ist zwar ein Pressebild, aber genau so sehen die Schauplätze aus: Überschaubar und süüüüß. (Foto: Activision Blizzard)
Ist zwar ein Pressebild, aber genau so sehen die Schauplätze aus: Überschaubar und süüüüß. (Foto: Activision Blizzard)

Ich möchte betonen, dass ich hier nicht von einem Wimmelbildspiel für die angeblich existenten Casual-Gamer rede. Nein, „Skylanders Spyro’s Adventure“ besitzt in jedem Fall mehr Anspruch dank diverse Spielmechanismen. Es gibt mehrere Kampfattacken, das Erlernen neuer Talente ist auch möglich und nötig. In den späteren Kapiteln gehen die Denkherausforderungen über billigsten „Sokoban“-Quark hinaus. Das Rundum-Sorglospaket sieht beiläufig erwähnt auch niedlich aus und verfügt über eine solide deutsche Sprachausgabe.

Und da ist natürlich noch das feine Gadget mit dem Namen Portal of Power. Das ist eine großartige Spielerei für „Pokemon“-Fanatiker, vermute ich. Dem Starterpack von „Skylanders Spyro’s Adventure“ liegt das Gerät bei, das wie die Miniaturversion eines „Star Trek“-Beam-Apparates aussieht. Auf dieses Portal stellt ihr eine der drei mitgelieferten Skylander-Figuren, was das Spiel sofort erkennt. Prompt ändert sich euer Charakter in die das gewünschte Monstrum. Möchtet ihr den Titel nur durchspielen,  könnt ihr das mit einer beliebigen Figur tun. Unter anderem mit dem namensgebenden Spyro. Wollt ihr dagegen auf Entdeckungstour gehen und möglichst viele bescheuerte Hüte (für Spyro? WTF!) oder Geschenke abstauben, benötigt ihr mindestens acht solcher Plastikkreaturen. Bemerkt ihr den Haken? Richtig, fünf müsstet ihr zusätzlich erwerben – 8 Euro kostet ein Stück.

So sehen Portal und Figuren aus. (Foto: Activision Blizzard)
So sehen Portal und Figuren aus. (Foto: Activision Blizzard)

Die Entwickler waren nämlich clever: Jede Figur gehört einem Element an, also Wasser, Erde, Magie, Feuer, Untote und so weiter. In „Skylanders Spyro’s Adventure“ findet über überall Abschnitte, die ihr nur dann besuchen könnt, wenn ihr einen entsprechenden Skylander auf dem Portal of Power platziert. Ansonsten gibt’s keinen Zugang zu den Boni und anderem Nonsens. Fanatische Sammler benötigen sicher unbedingt alle 32 Figuren, wodurch der Titel zu einer kostspieligen Angelegenheit mutiert. Trotzdem: Die Idee ist irgendwie total cool, zumal das Portal in den schönsten Farben leuchtet. Oder sollte ich beim Spielen nicht mehr so viel saufen? Nebenbei erwähnt: Die Skylander speichern ihre Fähigkeiten direkt in den Figuren, sodass ihr diese zu einem Freund mitnehmen und gemeinsam den kooperativen Spielmodus verwenden könnt. Alles in allem ist das Konzept klug, im schlimmsten Fall teuer und motivierend für Jäger und Sammler. Okay, aus dem Alter bin ich raus, mich reizt das nicht. Wobei…hm.

Alle Figuren im Spiel (bzw. in der Realität) besitzen individuelle Fähigkeiten und Waffen. Letztlich entscheidend ist aber die Wahl des Elements. (Foto: Activision Blizzard)
Alle Figuren im Spiel (bzw. in der Realität) besitzen individuelle Fähigkeiten und Waffen. Letztlich entscheidend ist aber die Wahl des Elements. (Foto: Activision Blizzard)

Auch ohne das Portal of Power hätte mir „Skylanders Spyro’s Adventure“ gefallen. Es gibt eben diese Tage, an denen ich nichts Kompliziertes ertragen und spielen mag. Dann ist dieses Werk der ideale Zeitvertreib, um den Alltag Alltag sein zu lassen. Ich kann gemächlich abschalten und eine freundliche Welt besuchen. Die Flucht in ein völlig triviales Fantasy-Reich ist angenehm, sozusagen eine Erholung. Deshalb verdient sich „Skylanders Spyro’s Adventure“  einen Platz in meiner Sammlung. Ich werde das Spiel hin und wieder nochmal gebrauchen können…

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 18. Oktober 2011

Ein Kommentar zu “Skylanders Spyro’s Adventure: Banale Freuden

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