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Shadows of the Damned: Schade drum

Geschrieben von Andreas
Shadows of the Damned: Schade drum

Warum lässt man ein Spiel links liegen, obwohl man sich darauf gefreut hat? Enttäuschung, Langeweile oder Frust? „Shadows of the Damned“ von Grasshoppers Manufacture bietet von all dem etwas.

Die Koproduktion von Suda 51 („Killer 7“) und Shinji Mikami („Vanquish“) müsste ich eigentlich innig lieben, doch es waren zehn mühsame Stunden, in denen ich mich durch das Abenteuer von Dämonenjäger Garcia Hotspur kämpfen musste.

Besagter Garcia ist die coolste Sau weit und breit. Der Mexikaner sieht toll aus, ist ein eiskalter Killer und ein sensibler Liebhaber – ein Mix aus Brad Pitt, James Bond und Machete. Durch eine miese Laune des Schicksals entführen ein paar Dämonen seine Geliebte Paula und Garcia macht sich mit seinem „Johnson“ auf die Verfolgungsjagd. Wobei es sich dabei um einen multifunktionalen Dämon handelt, der sich bei Bedarf in eine von drei Waffen verwandeln kann. Aber der Humorstil des Spiels sollte ab diesem Moment jedem klar sein: Im Vergleich zu Garcia ist Duke Nukem ein Waisenknabe. Es vergeht praktisch keine Minute im Spiel ohne irgendeine schlüpfrige Bemerkung oder eine Geschmacklosigkeit. Kurioserweise ist das zwar ziemlich derb, aber auch witzig. Spätestens wenn sich der gute Johnson zum riesengroßen Hot Boner wandelt und Garcia die Monster aus der Hüfte erledigt, ist’s passiert. Spätestens dann werdet ihr nämlich vor diesem entwaffnend ehrlichen Fäkalhumor kapitulieren und anfangen zu giggeln. Dazu passt der herrlich schräge Grafikstil mit seinem irren Monsterdesign.

Garcia Hotspur: Zu glatt um richtig badass zu sein.

Garcias Abenteuer spielt sich im Wesentlichen wie „Resident Evil 4“. Ihr säubert ein Gebiet von Dämonen und weiter geht’s. Eure Opfer hinterlassen farbige Kristalle, mit denen ihr entweder bei einem Getränkeautomat Hochprozentiges als Medikit-Ersatz kaufen könnt oder eure Waffen aufrüstet. Mit dem Revolver verschießt ihr dann eine Art Haftmine, das Sturmgewehr schaltet dann Zielsuchmodus ein und das Schrotgewehr verschießt am Ende riesige Totenköpfe, die beim Aufprall explodieren. Natürlich haben diese Waffen nicht die handelsüblichen Namen, sondern heißen „Boner“, „Teethgrinder“ oder „Skullfest 9000“. Wie bereits erwähnt – „zwischen den Zeilen“ ist das Spiel großartig, der Rest enttäuscht.

Ein Spielelement entwickelt sich recht schnell zum Herzstück des Ganzen: das Spiel mit Licht und Dunkelheit. Von Zeit zu Zeit knipsen die Dämonen nämlich das Licht aus und Garcia muss sich entweder sputen oder schnell mit einem „Lichtschuss“ die Finsternis beenden. Gelingt das aber nicht, verliert Garcia seine Lebenspunkte. Daneben sind die Bosskämpfe harte Brocken, die unser Held erst nach mehreren Stufen beenden kann.

Mittendrin: ein klassisches Shoot’em’up. Originell, aber unausgegoren.

Fassen wir zusammen: ein cooler Held, politisch unkorrekt, eine Spielmechanik im Stil von „RE 4“, ein spannender Wettlauf mit dem Tod und schweißtreibende Bosskämpfe. Was will man mehr? Ganz ehrlich: viel mehr. Die ersten drei Abschnitte habe ich mich gelangweilt durch die ständig gleichen Dämonenhorden gekämpft. Erst ab dem vierten Level gab es etwas Abwechslung mit ein paar Shoot’em’up- und Rätseleinlagen. Dennoch – keine „Erlösung“ von dem Einheitsbrei. Typisch ist das (erste) Finale: Big Boss Flemming steht in der Mitte einer Arena und greift mich mit unterschiedlichen Attacken an. Im Prinzip sind alle Zutaten da, doch was ist mein Erfolgsrezept? Immer ausweichen, ballern, Geduld bewahren – das kann dauern. Ich habe mich selten so sehr gelangweilt und – wenn die Konzentration nachlies -geärgert.

Man kann „Shadows of the Damned“ vielleicht am besten mit „Brütal Legend“ vergleichen. Beide Spiele stammen von renommierten Entwicklern, beide bieten eine fantastische Ausgangslage und beide bleiben spielerisch hinter den Erwartungen zurück. Außerdem erschienen beide Spiele bei Electronic Arts, wobei die Entwicklung von „Brütal Legend“ wesentlich komplizierter war. Aber zurück zum Thema und was ich eigentlich sagen wollte: Es gibt Momente, die man einfach lieben muss wie den Auftritt von Ozzy in „Brütal Legend“ oder diesen genialen Ladeschirm bei „Shadows“. Aber sie haben mit dem Spiel eigentlich nichts zu tun. Weder Suda 51 noch Tim Schaffer verändern die Spielewelt, sondern setzen auf monotone Spielmechaniken.

Eine Runde Bowling gefällig? Wieder einer dieser verrückt-genialen Einfälle.

Nur – wo „Brütal Legend“ eine authentische Hauptfigur, tolle Dialoge und ein fast schon melancholisches Ende zeigt, bleibt es bei „Shadows of the Damned“ nur ein Versprechen. Garcia ist ein unausgegorener Mix aus Brad Pitt und Machete wobei eine Kopie von Danny Trejo wesentlich besser gepasst hätte. Und das Zitatenspiel reicht bei mir nur zu einem kurzweiligen Gekicher. Der Rest ödet mich an. Vielleicht ein bisschen mehr an Entwicklungszeit? Ein Publisher, der in dem Spiel mehr als ein Abschreibungsobjekt sieht? Wer weiß – „Shadows of the Damned“ ist ein selbstverliebter Rohdiamant. Genial, unausgereift, enttäuschend.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 25. August 2011

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