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S.T.A.L.K.E.R.: Endzeit geht weiter. Nur wie?

Eingetragen von am 12. Dezember 2012 – 12:595 Kommentare

Besäße „S.T.A.L.K.E.R.“  nicht dieses außergewöhnliche, radioaktive Apokalypse-Szenario im Gebiet rund um Tschernobyl – vermutlich hätte sich kaum jemand für das 2007 veröffentlichte Debüt „Shadow of Chernobyl“ interessiert. Es kam aber prima an und konnte sich millionenfach verkaufen – trotz unglaublich vieler Bugs.

Die Probleme bei den Entwicklern, sicher zurückzuführen auf katastrophale, womöglich unprofessionelle Arbeitsweisen, ließen trotzdem die Standalone-Fortsetzung „Clear Sky“ fertig werden, die mittlerweile an die zehn Patches erhalten haben dürfte. Immerhin soll „Call of Pripyat“, die bis jetzt letzte „S.T.A.L.K.E.R.“-Episode, recht fehlerfrei in den Handel gekommen sein. Mein persönliches Interesse war schon nach dem wirklich spannenden „Shadow of Chernobyl“ ziemlich abgeflaut,  eventuell habe ich sogar etwas verpasst? Davon ab reizte mich „Metro 2033“ zuletzt auch etwas mehr – das Werk ehemaliger „S.T.A.L.K.E.R.“-Entwickler erschien ein paar Monate nach „Call of Pripyat“ und wird derzeit bei Facebook (solange der Vorrat reicht) als Steamcode verschenkt. Verrückt, echt! Naja, THQ halt…

Jetzt das: Während sich für nächstes Jahr „Metro: Last Light“ anbahnt, soll auch „S.T.A.L.K.E.R.“ zu neuem Leben erweckt werden. Und dies nach den üblen Geschichten der letzten Monate. Das ursprüngliche Studio GSC Game World wurde geschlossen, die aus ehemaligen Mitarbeitern zusammen gestellte Schmiede Vostok Games wollte sich weiter um das offizielle „S.T.A.L.K.E.R. 2“ kümmern. Daraus wurde nichts, da die Rechteinhaber die Lizenz nicht hergeben wollten. Wobei das alles eher grobe und nur teils bestätigte Angaben sind. Letztlich stand „S.T.A.L.K.E.R.“ nie unter einem guten Stern, immer gab’s Schwierigkeiten und Ärger. Ob es am Wodka oder dem lieben Geld gelegen hat? Ich gehe von beidem aus.

Nun hat sich das deutsche Unternehmen bitComposer Games die „S.T.A.L.K.E.R.“-Rechte einverleibt. Die Brüder Strugazki (von den beiden starb Boris Natanowitsch Strugazki kürzlich), Eigentümer und Schöpfer der Lizenz, erlauben dem Publisher das Fortführen der Spieleserie, von der mittlerweile kaum noch jemand redet. Dabei ist eine weitere Umsetzung des russischen Literaturklassikers „Picknick am Wegesrand“ gewiss unverändert reizvoll. Ein paar Leute würden sich wohl auch über ein Remake des russischen Kinofilmmeisterwerks “S.T.A.L.K.E.R.” freuen. Unabhängig davon sei es jetzt das Ziel des Publishers, mit diesem Namen und dem Endzeit-Hintergrund im „…wichtigen Segment der Triple A-Produkte…“ wieder Fuß zu fassen. Ich bin allerdings skeptisch: Der Spielehersteller aus Eschborn, der aus Resten von Atari 2009 aus dem Boden gestampft wurde (u.a. von Managern, die bei den Pleitegeiern 10tacle und Sunflowers tätig waren – das nur nebenbei erwähnt), konzentriert sich aktuell nicht auf große, millionenschwere Produktionen.

Artwork aus S.T.A.L.K.E.R. 2 (Foto: Gamestar.de)

Artwork aus S.T.A.L.K.E.R. 2 (Foto: Gamestar.de)

Ob bitComposer eine solche Lizenz überhaupt stemmen kann – gegenwärtig? Oder haben Spiele zu „The Voice of Germany“ beziehungsweise „Schlag den Raab“ genügend Geld in die Kassen gespült?  „Jagged Alliance“  bestimmt nicht. Einzig „Drakensang Online“ dürfte nach wie vor eine Goldgrube sein. Wie wäre es mit: „S.T.A.L.K.E.R. Online“ – Endzeit im Browser? Mit Zombies, weil die gerade trendy sind? Das klingt jetzt nicht verlockend, oder?

Gerne kann bitComposer Games sein Glück mit „S.T.A.L.K.E.R.“ versuchen. Ich bin nicht im Vorfeld schon abgeneigt, wenn sich die Verantwortlichen ernsthaft ins Zeug legen. Eine strahlende Zukunft geht ja immer – darauf fährt die Zielgruppe (mich inbegriffen) schließlich ab. Doch ich kann mir aktuell beim besten Willen nicht vorstellen, dass aus “S.T.A.L.K.E.R.” jemals wieder etwas werden kann…

Über den Autor Sven, der für Polygamia.de bisher Artikel verfasste:

Sven Wernicke ist Gründer der “Four-Men-Show” Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

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