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Rage: Ein Mythos zerfällt

Geschrieben von Andreas
Rage: Ein Mythos zerfällt

Ich war froh, als es endlich vorbei war. Das Geballer in diesem Ödland war der gleiche Shooterbrei, den ich schon gefühlte 1000 Mal durchgemacht habe. Herr Carmack und sein Völkchen von id tun mit „Rage“ so, als hätte es die letzten 15 Jahre nie gegeben.

Ähnlich wie „Duke Nukem Forever“ ist „Rage“ ein Vertreter der alten Schule. Während ich der sarkastischen Ballerei von Gearbox aber Abwechslung und gelegentlichen Irrwitz zugute halten kann, ist ids Endzeit-Shooter eine spielerische Bankrotterklärung. Die Story ist eh egal: Irgend so ein Typ kämpft für irgend so einen Widerstand gegen irgend so welche Bösewichte. Mit Endzeit, Mutanten und Autos und so. Boah, da läuft einem ja das Wasser im Munde zusammen. Doof nur, dass es das Gleiche mit „Borderlands“ schon gibt und das sogar deutlich packender – was einiges heißen will.

Huch, ein Feind. Macht viel Geschrei, hüpft rum, ist aber auch schnell Geschichte. (Bild: Bethesda)

„Rage“ fängt schwach an und lässt dann nach. Ich habe ja lange darauf gewartet, dass jetzt so ein Aha-Moment kommt, eine Wendung in der Geschichte und eine Mission, die etwas Abwechslung bringen könnte. Aber Fehlanzeige: Ich hol mir einen Auftrag ab, fahr dahin und lauf durch einen „Schlauch“ bis ich alle Idioten abgeknallt habe. Daran ändert sich bis zum Ende wenig. Schwer ist das nicht. Die Gegner kommen zwar teilweise in Massen, aber ziemlich geradlinig auf mich zu. Da reichen dann ein paar Schüsse mit der Shotgun und sie sind hinüber. „Clevere“ Gegner warten dann schon mal kurz hinter einer Barrikade. Bis sie den Kopf herausstrecken und sich von mir abknallen lassen.

Ich bezeichne mich selbst als erfahrenen, aber durchschnittlichen Spieler, bei dem altersbedingt die Reflexe nachlassen. Mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad hatte ich bei „Rage“ nie Probleme. Ich bin einfach nur durch die Level gerannt, ein paar Mal gestorben, aber selbst mit den wenigen Endbossen hatte ich so gut wie keine Probleme. Liegt das an der Maus/Tastatursteuerung am PC? Möglicherweise wird das Zielen dadurch einfacher, aber trotzdem: Die einzelnen Abschnitte sind so linear und schlauchförmig, dass ich da eigentlich gar nicht vorbei schießen kann. Das war wie ein Moorhuhn mit Mutanten.

Endzeit, Western-Style.Eine der typischen Städte in „Rage“. (Bild: Bethesda)

Natürlich hätte ich auch Rennen fahren können, um neue Autos zu kaufen oder meinen Fuhrpark zu tunen. Ich hätte im Ödland auf Kopfgeldjagd gehen und in „Bash TV“ einen Gladiator spielen können. Oder ich hätte mit den Bauplänen Mini-Bomben-Autos, Munition oder irgendetwas anderes bauen dürfen. Aber wieso hätte ich das machen sollen? So gut wie nichts davon wird benötigt. Nur wenige Missionen setzen ein Rennen oder den Einsatz dieser Miniautos voraus. Was hat das dann in so einem linearen Shooter überhaupt zu suchen? Ganz ehrlich – das lenkt nur ab. Vielleicht lag es ja wie so oft am Zeitdruck bei der Entwicklung. Die einzelnen Elemente sind nicht grundsätzlich schlecht. Doch ihnen fehlt die Bindung zum eigentlichen Spiel. Es wirkt fast so, als hätten die Macher nicht gewusst, was sie mit ihren Ideen anfangen sollen.

Jetzt denken bestimmt einige: „Story, Abwechslung, Anspruch ist doch egal. Hauptsache mein PC schafft diesen Benchmark-Test!“. Liebe Fans, hört meine Worte: „Rage“ ist unspektakulär. Bei „Borderlands“ hat Gearbox während der Entwicklung den weisen Entschluss gefasst und das farblose Endzeit-Szenario gegen eine knallige Comicwelt geändert. Bei id ist alles so, wie man ein Endzeit-Szenario aus Film und Spiel kennt. Das ist nicht nur wenig originell, sondern vor allem langweilig. Mal abgesehen von den detaillierten Gesichtern und einigen schönen Panorama-Bildern ist die neue „Tech 5“-Engine für mich eine Enttäuschung. Vieles ist hier nur Tapete. Ich laufe gegen unsichtbare Wände, kann nicht über Geländer springen und die Hintergründe wirken sehr detailarm. Wer so etwas erlebt hat, weiß erst dann die „CryEngine 3“ („Crysis 2“) zu schätzen. Wohlgemerkt, das bezieht sich alles auf die höchste Grafikeinstellung am PC. Die Bugs sind mir in diesem Zusammenhang vollkommen egal.

Ein schönes Bild. Leider gibt es bei „Rage“ viel zu wenige dieser Momente. (Bild: Bethesda)

Woran liegt das alles? „Rage“ ist ein sogenannter AAA-Titel, ein Blockbuster mit angeblich hohen Ansprüchen. Es ist nach etlichen Jahren die erste neue Marke von id und war einige Zeit in Entwicklung. Allerdings war diese bewegt, denn vor zwei Jahren wurde der Titel noch bei Electronic Arts präsentiert. Herausgebracht hat ihn dann allerdings Bethesda. Und die ziehen jetzt die Reißleine. Nach den durchwachsenen Kritiken und offensichtlich nur zufriedenstellenden Verkäufen wurde die Entwicklung von „Doom 4“ angeblich gestoppt. Geht jetzt wieder eine Kündigungswelle los?

id hat sich viel zu lange auf den Lorbeeren von „Doom“ & Co ausgeruht und die letzten Jahre einfach verpennt. Mit „Rage“ kommt nun das böse Erwachen. Es ist ein Standard-Shooter mit einer mickrigen Spielwelt, eintönigen Missionen und einer langweiligen Story. Kurz, ein Shooter aus dem letzten Jahrtausend. Wenn es der Erstling eines kleine Indie-Studios gewesen wäre, hätte niemand gemeckert. Vom Erfinder des FPS-Genres hätte ich mehr erwartet. Quo vadis, Mr. Carmack?

 

 

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 23. Oktober 2011

10 Kommentare zu “Rage: Ein Mythos zerfällt

  1. Seh ich genau so.

    Rage is ein Fallout 3 light (ultralight).

    Boa schon der Anfang is wie Fallout 3 ohne Story des Aufwachsenden. Die Welt Ultramickrig. Will man mal aufn Tisch springen, geht das nicht. Wieso? Im Jahe 2011.

    Egal… wieder ein Kau fürs Klo. Schade!

  2. Pingback: angespielt 021 – Batman’s Rage | monoxyd

  3. Endlich sind wir mal einer Meinung. Rage ist der Anfang vom Ende, es sei denn Carmack konzentriert sich wieder aufs Spiele machen anstatt Raketen bauen.

  4. Pingback: Spiele 2012: Aber bitte ohne Lizenz?! | Ausblick | Polygamia

  5. JoMi schrieb am :

    Lol. Wie blödsinnig ist es Fallout mit Rage zu vergleichen?! Dann sind ja alle Autorennspiele gleich oder alle Weltraum Spiele auch gleich. Ist doch egal ob die Spiele sich von der Geschichte ähnlich sind, es geht doch um die Atmosphäre und da hat Rage voll getroffen. Das Spiel hat mir richtig spass gemacht und kann es nur jedem Empfehlen. Keine Ahnung was ihr alles im Spiel haben wollte. Eine Eierlegendewollmilchsau gibt es ziemlich selten. Jetzt zocke ich Duke Nukem Forever und da kann ich sagen was für eine Enttäuschung.

      • Majo schrieb am :

        Na, gerade hab ich mal Borderlands 2 gekauft und muss doch das folgende loswerden:

        Bei Rage 2 mit Patch sind das Gunplay, die Texturen,die 60FPS und die Animationen allesamt 20 mal besser als bei Borderlands 2.

        Was ist so Tolles an Borderlands? Die Graphik ist mies. Die Gegner sind mies, die Story ist was für Kids und die Autos werden mit
        der Maus gesteuert.
        Nebenquests wie „Inflitriere 5 Bullimog Nester“ könnten auch auch Mafia 2, Jimmys Vandetta stammen.
        Keine schönen Cutscenes.
        Lustige Bunte Schildchen müssen aufgesammelt werden. Ich werde mit Zahlreichen Waffen zugemüllt und muss alle 2 Minuten überlegen was ich wo mitnehme ,
        verkaufe und wegschmeisse.
        Sofort bekomme ich für meine Klasse einen Hilfsrobot und der wird unverzichbar bei allen Gefechten.
        Also von nun an bei jedem Gefecht „F“ drücken für den Hilfsrobot und das bis zum Spielende, „Gähn“.
        Die Graphik von Borderlands? Ich dachte sofort an „Outlaws“ für 3dfx aus dem Jahre 1997 wo die Gegner 2 Dimensionale Bitmaps waren oder so.
        Also wenn Borderlands 1997 rausgekommen wäre dann gäbe es sicher 210% Wertung dafür aber heute?

        Rage hätte noch ein oder 2 weitere DLCs verdient, Der Buggy aus der Ich-Perpektive und einige Rennen mehr.
        Das was Rage abwertet sind meiner Meinung nach diese Ekelszenen: Gedärm- und Leichenhaufen, fiese miese Klos wo man aus versehen reingeht und sich ekelt
        und die ekelig aussehenden Mutantengegner
        Es hätte hier einfach nur ein schöneres Setting gebraucht…

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