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Prometheus: Job erledigt

Geschrieben von Andreas
Prometheus: Job erledigt

Ridley Scott ist der erfolgreichste Auftragsfilmer Hollywoods. Technisch perfekt und garantiert unpersönlich, aber seit über 30 Jahren enorm erfolgreich.

Sein neuester Filme „Prometheus“ ist die Rückkehr zu seinen Wurzeln. 1979 drehte der damals unbekannte Brite mit ebenso unbekannten Darstellern und wenig Geld den richtungsweisenden SF-Horrorfilm „Alien“. „Prometheus“ soll jetzt die ganze Vorgeschichte des Alien-Universums erklären. Zumindest theoretisch.

Man hat ja länger im Vorfeld des Films spekuliert, ob es nun ein Prequel wird oder nicht. Mal hieß es „Nein“, dann wieder „Ja“. Die Hintergrundinformationen, die der Film nun zur Geburt der Aliens liefert, sind äußerst dünn. Abgesehen von ein bis zwei ikonischen Szenen, bleibt nur ein Alien, das am Ende gar gruselig aus einem Bauch schlüpft. Beinharte Fans mögen vielleicht den ein oder anderen weiteren Hinweis entdecken, aber letztendlich bleibt es in meinen Augen ein sehr unnötiger Film.

Sahen so unsere Urväter aus? (Bild: Fox)

„Prometheus“ ist in erster Linie eine Versammlung guter Schauspieler vor einer technisch imposanten Kulisse. Die Handlung dreht sich um nichts weniger als um den Ursprung der Menschheit. Das Raumschiff Prometheus soll das Geheimnis ergründen und bricht im Auftrag eines reichen Industriellen mit Forschern und Crew auf. Mit an Bord der übliche Alien-Personen-Kanon: die etwas androgyn wirkende weibliche Hauptdarstellerin (Noomi Rapace), ein paar zwielichtige Figuren (Charlize Theron), böse industrielle Strippenzieher und der unvermeidliche Androide (Michael Fassbender). Das war’s dann auch mit den Gemeinsamkeiten.

Der Film „Alien“ war 1979 das Gegenprogramm zur klinisch reinen Science Fiction im Stil von „2001“ oder sogar „Star Trek“. Im Raumschiff Nostromo traf der Zuschauer auf ein Bild aus Zerfall und Schmutz. Das Zusammentreffen der morbiden Atmosphäre, des provokanten Alien-Designs von H. R. Giger und der weiblichen Protagonistin war für damalige Verhältnisse ungewöhnlich und zog ein paar Fortsetzungen und billige Kopien nach sich. Selbst wenn man die ganze Metaebene – Geschlechterkampf, Sex, Feminismus, Geburt, usw. – außer acht lässt, bleibt ein spannender und schockierender Thriller.

Typisch „Alien“: Ein paar Astronauten auf dem Weg ins Ungewisse. (Bild: Fox)

Was auch „Alien“ ausgezeichnet hat – in „Prometheus“ fehlt es völlig. Verstehen wir uns nicht falsch. Prometheus ist technisch perfekt, das Artdesign ist imposant – aber es verfehlt völlig seine Wirkung. Das größte Problem ist wohl, dass es unbedingt ein „Alien“-Film sein will, obwohl es keiner ist. Wobei wir hier keineswegs nur von einem Genre-Wechsel wie vom Horror-Thriller „Alien“ zum Actionfilm „Aliens“ reden, sondern von einem unausgegorenen Mix, der sich für keine Richtung entscheiden kann. In der ersten Hälfte ist „Prometheus“ ein austauschbarer Science-Fiction-Film ohne besondere Vorkommnisse. Ein paar Wissenschaftler entdecken Höhlenzeichnungen, die auf unsere außerirdischen Urväter hindeuten? Außerirdische, die dann doch nicht so hehre Absichten hatten? Ach komm, Ridley, abgedroschener ging’s wohl nicht? Die zweite Hälfte wird mit einer absurden Abtreibungssequenz eingeleitet, mit der es dann in Richtung Action, Horror oder was-auch-immer geht.

Wohin geht die Reise? Scott plant bereits eine Forsetzung. (Bild: Fox)

Scotts Film ist all das, wogegen der erste Teil aufbegehrte. Die reißbrettartige Handlung, der aufgesetzte philosophische Hintergrund, der saubere und langweilige Look. Bin ich überrascht? Nein. Es passt zum Regisseur. Ridley Scott hat mit Ausnahme von eben „Alien“ und „Blade Runner“ nie besonders originelle Filme gedreht. Der Ex-Werbefilmer lebte vor allem vom Artdesign seiner Filme, das er imposant in Szene gesetzt hat. Mit anderen Worten: Die Produzenten sehen, wo ihr Geld gelandet ist. Neben Steven Spielberg und Michael Bay macht das kein anderer in Hollywood so konstant geschickt wie Scott. Deshalb ist er selbst nach Flops wie „Ein Königreich der Himmel“ und „Robin Hood“ gut im Geschäft. An anderer Stelle würde man vom „Abonnement“-Theater sprechen: Risikolose und biedere Unterhaltung, letztendlich aber austauschbar. Das ist deshalb schade, weil jeder der vier „Alien“-Filme die deutliche Handschrift seines jeweiligen Regisseurs trug, wenn auch nicht immer überzeugend. Es war zumindest mutig und jeder der vier Filme hat mich überrascht und nur selten gelangweilt. „Prometheus“ trägt die Handschrift eines Mannes, der etwas erzählen will, aber nicht weiß, was.

Scott will, so scheint es zumindest, nur Geld verdienen. Das ist legitim, andere machen es auch, und er macht das solide. Was will ich ihm Böses? Es ist halt nur ein Job.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 11. August 2012

7 Kommentare zu “Prometheus: Job erledigt

  1. Königreich der Himmel war ein Flop? Also ich mag Scott Filme, vor allem immer noch ein Meilenstein von ihm war Spy Game – nein Moment der war von seinem Bruder…Gladiator aber war von ihm auch ein sehr schöner Film und die Wahl der Komponisten ist auch immer wieder perfekt bei den Ridley Brüdern!

  2. Ich mag eigentlich Ridley als auch Tony Scott Filme. Die waren in meiner „Jugend“ immer ein Zeichen von herausragender Qualität. Königreich der Himmel ist vielleicht etwas „dröge“ aber dennoch ein sehr schöner Film. Selbst Black Hawk Down hat mich nicht mehr so aus den Socken gehauen. Aber eigentlich ging es bei mir schon mit dem hochgelobten Gladiator los, den ich auch z.T. recht unspannend fand. Auch wenn der Film vielleicht die Türen für Miniserien wie das sehr gute Rome geöffnet hat. Aber Robin Hood ist einer der wenigen Filme überhaupt, die ich nicht zu Ende gesehen habe. Er war einfach langweilig.

    Prometheus, nun, deine Review schlägt in die Gleiche Kerbe wie viele andere. Wobei es auch viele Leute zu geben scheint, die dan Film absolut toll fanden. Ich weiß nicht, ob ich die ganzen Logiklöcherm dämlichen Fehler und sonstiges ausblenden und einfach als Popcorn-Kino genießen kann. Selbst Alien 3 und sogar 4 boten ein paar philosophische Ansätze und waren zumindest in sich konsistent. Außerdem haben wir nicht mehr die 80er, wo ich so manche dämliche Handlung verziehen habe, solange der Film sonst cool war. Vollidioten als Wissenschaftler, die in unserer Welt mit ihrem Sicherheitsverständnis nicht einmal im hintersten China eine Anstellung bekommen hätten und einem in einem Film als „genialste Köpfe der Menschheit“ verkauft werden sollen sind ganauso out wie viele andere Dinge in Promoetheus.

  3. Ich bin eigentlich großer Fan der Scott-Brüder und finde ihre Filme alles andere als austauschbar. Ridley ist für zwei meiner Topfavoriten verantwortlich, nämlich „Gladiator“ und „Black Hawk Down“. Auch „Blade Runner“ und „Alien“ sind Klassiker für mich, auch wenn das beim ersten hauptsächlich am visuellen Stil liegt, den Ridley Scott – wie Andreas schon richtig erwähnt – absolut beherrscht.

    Von „Prometheus“ muss ich mir ein eigenes Bild machen, um mitreden zu können. Sämtliche Reviews, die ich bislang gelesen habe, sagen entweder Top oder Flop – und letzteres genau aus dem hier erwähnten Grund, dass sich der Film nicht entscheiden kann, was er eigentlich sein will – Prequel oder alleinstehend, Action-Horror oder Philosophie-Sci-Fi!

    Natürlich muss Scott wie alle seiner Kollegen auch Geld verdienen, aber in die Michael Bay-Liga gehört er für mich daher noch lange nicht. Dazu beherrscht er in seinen meisten Filmen das Erzählen zu gut…

  4. Das hier ist eigentlich eine gute Zuammenfassung der Logikfehler im Film.

    http://www.juliansanchez.com/2012/06/11/whats-wrong-with-prometheus-a-partial-list/

    Diese Konversation zwischen Noomi Rapace und dem Engineer ist auch wunderbar.

    http://enchantedmitten.blogspot.de/2003/12/reading-previous-entries-in-this-series.html

    Das wirklich dämlichste überhaupt am Film ist doch, warum die Engineers eine Sternenkarte (wie wird nich klar aus dem Film) auf der Erde deploieren, die zu Ihrer biologischen Waffenbasis führt.

    Ach … irgendwie ist alles inkonsistent!

    Ich mag schon gar keine neuen SciFi Filme mehr sehn. Kommen doch eh keine anspruchsvoll-philosophischen SciFi Filme mehr :-(.

    Na ok…MOON fand ich super. Das war aber seit Jaaaaaaahren der letzte.

  5. the-devil-in-blue-shorts schrieb am :

    „“Prometheus” trägt die Handschrift eines Mannes, der etwas erzählen will, aber nicht weiß, was.“ -> Mein Zitat des Tages!
    Was könnte Hollywood für Filme gebären, würde man sich der Prequelmanie entziehen.
    Neue Ideen braucht die Filmbranche… Und nicht nur die…

  6. Oguz-Khan schrieb am :

    „Blade Runner“ und „Alien“ sind also nur die Ausnahmen welche Ridley Scott hervorgebracht hat? Danke für diese Ausnahmen!

    Das Problem an „Prometheus“ ist seine schlichte Verwechslung der Begriffe Konstruktion und Schöpfung. Denn nichts anderes wird hier verhandelt. Woher kommen wir? Er scheitert somit schon an seiner Fragestellung. Was folgt sind die Trümmer eines guten Films, aber diese Trümmer sind immer noch besser als Meisterwerke wie „Transformer“ oder „GI:Joe“.

    • Mit dem Unterschied, dass Transformers und G.I. Joe sich nicht selbst ernst nehmender aber dafür spaßiger Blödsinn sind. Prometheus jedoch pure Langeweile ist und Aufgrund des Faktes, dass er ernst genommen werden will durch die Logiklöcher dann endgültig völlig versagt.

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