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Papa Sangre: Mit den Ohren sehen

Papa Sangre: Mit den Ohren sehen

Es muss schlimm sein, seine Augen nicht mehr verwenden zu können. Keine Sonne, keine Blumen, kein blauer Himmel. Alles ist in Dunkelheit gehüllt. Man sagt, blinde Menschen schulen ohne das optische Sinnesorgan intensiver das Gehör und die Orientierungsfähigkeit, um in unserer farbenfrohen Welt besser zurecht zu kommen. Alles schwer vorstellbar, was? Dank „Papa Sangre“ könnt ihr zumindest ein wenig erfahren, wie es sich anfühlen muss, nichts mehr zu sehen und dafür umso mehr zu hören…

Papa Sangre: Sehen in der Dunkelheit?
Papa Sangre: Sehen in der Dunkelheit?

So doof es klingt, aber „Papa Sangre“ solltet ihr am besten selbst erleben. Denn statt euch auf dem iPhone, iPod Touch oder iPad (hochskalierter Modus) eine Grafikorgie zu präsentieren, setzten die Entwickler auf ein ganz anderes Konzept. Dieses ist salopp gesagt: „Seht mit euren Ohren“. Folglich benötigt das Spiel zwingend Kopfhörer, ansonsten könnt ihr die gruselige Odyssee nicht im Ansatz verstehen, genießen, hinter euch bringen. Die Speaker der iOS-Geräte genügen nicht, „Papa Sangra“ setzt nämlich auf eine intensive Stereo-Akustik.

Ja, und? Wie funktioniert „Papa Sangre“ nun? Gleich zu Beginn erklärt euch eine wunderbare Frauenstimme, dass ihr im Reich der Toten angekommen seid und aus diesem entkommen sollt. Dumm nur, dass ihr in dieser Welt nichts mehr sehen könnt. Vergesst also euer Augenlicht! Ausschließlich das Laufen ist noch möglich, dazu bewegt ihr einen Kompass und eure beiden Füße, die symbolisch auf dem Touchscreen dargestellt werden. Einzig und allein euer Gehör hilft euch bei der Orientierung, und genau das ist elementar wichtig bei „Papa Sangre“. Klänge und Geräusche dienen dazu, Schlüssel und wichtige Objekte aufzuspüren bzw. den Ausgang aus den tatsächlich sehr unheimlichen Verliesen zu erreichen. Der Clou ist, dass sich auch fiese Monster in der Gegend herumtreiben, die auf euch aufmerksam werden, wenn ihr ihnen zu nahe kommt, stolpert oder schlichtweg Lärm verursacht, indem ihr an Gegenstände und ähnliche Hindernisse stoßt.

Eure einzige Möglichkeit aus dem Reich der Toten zu entkommen: Kompass und Füße
Eure einzige Möglichkeit aus dem Reich der Toten zu entkommen: Kompass und Füße

Das klingt etwas befremdlich, hm? Ist es aber nicht, wenn ihr euch auf „Papa Sangre“ einlasst. Statt einer opulenten Optik servieren euch die Entwickler unfassbar gute, räumliche Effekte, durch die ihr die virtuelle Umgebung regelrecht spürt. Das in Worte zu fassen ist nicht einfach, eben weil euer Empfinden durch das Gehörte und nicht durch das Dargestellte entsteht. Es ist  erstaunlich, wie gut der 3D-Effekt suggeriert wird, und das durch Stereo-Kopfhörer. Wenn ein komisches Spielzeug um euch herum fährt, erkennt ihr sofort, ob es links oder rechts an euch vorbei rauscht oder gar hinter euch steht. Grandios und enorm stimmungsvoll! Ohnehin versprüht „Papa Sangre“ unglaublich viel Atmosphäre und kann diese recht lange aufrecht halten. Das liegt an den immer komplexer werdenden Abschnitten voller Mysterien, Kreaturen und Ungereimtheiten. Dennoch ist die Grundidee in ihrer spielerischen Vielfalt begrenzt, es sei aber betont, dass die Macher das Bestmögliche aus ihrem akustischen Adventure gemacht haben. Und sie verdienen für ihren Mut, etwas Neuartiges erschaffen zu wollen, großen Respekt. Trotzdem: Ein wenig nutzen sich die Ton-Spielelemente im Verlauf ab.

Sympathischer Kerl, hm?
Sympathischer Kerl, hm? Immerhin hat er einen Hut auf!

Ich nehme ungern das Wort Innovation in den Mund, denn oftmals werden uralte Ideen als neue verkauft, was mir als Spielekenner meist recht schnell auffällt. Im Fall „Papa Sangre“ muss ich sagen, dass mir sowas in dieser Form noch nicht untergekommen ist. Aus diesem Grund ist dieses Werk für mich wirklich … tja…innovativ. Ich will euch dieses Grusel-Abenteuer der blinden Art echt ans Herz legen, wenn ihr wie ich auf der ständigen Suche nach frischen Herausforderungen seid. Das Spielerlebnis ist anders als man es gewohnt ist, genauso überzeugen die hervorragenden Effekte und 3D-Klänge. Schade ist höchstens der Verzicht auf eine deutsche Lokalisierung, sodass ihr halbwegs vernünftige Englischkenntnisse benötigt, um euren Spaß zu haben. Verfügt ihr über diese, dann schnappt euch diese seltsam gute App. Die 5,49 Euro sind jeden Cent wert! Weitere Informationen findet ihr auf der offiziellen Webseite oder direkt bei iTunes.

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 21. Januar 2011

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