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Nintendo Switch: Top oder Flop?

Geschrieben von Andreas
Nintendo Switch: Top oder Flop?

Nintendo hat Anfang Januar die Pläne für die Hybrid-Konsole Switch offengelegt. Sie wird am 03. März erscheinen und vermutlich 330 € kosten. Der Preis deckt sich mit den Prognosen aus unserem Podcast. Darin haben wir auch viel über das Potenzial der Konsole spekuliert. Nun hatte Lara das erste Mal die Möglichkeit, die Switch in Berlin auszuprobieren.

Das Konzept

Die Switch ist ein Hybrid-Konsole für zuhause und unterwegs. Es gibt drei Nutzungsmodi. Den TV-Modus, den Tisch-Modus und den Handheld-Modus. Im TV-Modus ist sie durch eine Dockingstation mit dem TV verbunden. Entfernt ihr den portablen Teil könnt ihr ohne Unterbrechung euer Spiel unterwegs fortsetzen. Der Wechsel geht in beide Richtungen sehr schnell. Für Familien ist das hilfreich, wenn mal wieder der Streit um die TV-Hoheit beginnt. Beim Tischmodus klappt man auf der Rückseite des Tablets einen Aufsteller aus. Mit den Joycons kann so überall zu zweit gespielt werden, ohne extra Fernseher oder Bildschirm.

Der Akku hält allerdings höchstens drei bis sechs Stunden. Dadurch wird die Mobilität gerade bei längeren Reisen mit der Bahn oder im Auto stark eingeschränkt. Ebenso ist die Switch relativ groß und klobig, aber nicht schwer. Die Joycons eignen sich nur für kleine Hände. Zusammengesteckt mit der Halterung bekommt man in etwa die Dimensionen des XBOX-Controllers.

Bild: Nintendo

Über die Onlinefunktionen ist nicht viel bekannt. Es wird wohl einen Online-Bezahlservice geben, aber die Kosten sind nicht bekannt. Der Service wird bis zu seinem offiziellen Launch im Herbst 2017 noch kostenfrei zur Verfügung stehen. Inklusive sind aber einige Nintendoklassiker, die ihr allerdings nur mieten könnt.

Das einzige spielerische Highlight wird für einige Monate „Zelda – Breath of the Wild“ sein. Große 3rd Party-Publisher wie EA wollen bisher nur Konvertierungen bekannter Hits veröffentlichen. Ein neues, vermutlich abgespecktes FIFA wird aber keinen Spieler von seiner PS 4 oder Xbox One loseisen. Anders ausgedrückt: Business as usual. Nintendo hat es wieder nicht geschafft, andere Publisher zu Exklusivmarken zu überreden.

Allein deswegen wird die Switch zu einem teuren Spaß. Ratzfatz sind 400 € weg und ihr könnt im Prinzip monatelang nur Zelda spielen. Allerdings besitzt Zelda nicht annähernd die wirtschaftliche Zugkraft eines BF, Skyrim oder CoD. Den Indie-Support als „Heilsbringer“ anzusehen, ist unrealistisch. Millionseller gibt es in diesem Bereich selten. Die Regel sind kleine ambitionierte Projekte, die für Achtungserfolge sorgen.

Es ist logisch, dass zum Start einer neuen Konsole nur wenige Spiele verfügbar sind. Dies ist aber der Grund, warum eine neue Konsolengeneration von den großen Drei immer zeitnah angestoßen wird. Dadurch sind die Chancen gleich. Nintendo muss sich nun mit einer Konkurrenz auseinandersetzen, die technisch ausgereifter ist und deren Spieleangebot deutlich größer ist.

Die Spiele

Nintendo wartet mit einer mittelgroßen Palette aus neuen und portierten Games sowie Remakes auf.

The Legend of Zelda: Breath of the Wild

Bild: Nintendo

Der interessanteste und stärkste Titel ist „Zelda – Breath of the wild“. Es kombiniert altebekannte Zelda-Stärken mit aktuellen Open-World Elementen. Auf Ausrüstung wird mehr Wert gelegt. Außerdem besitzt Link nun eine Art multifunktionales Tablet, das etwa als interaktive Karte oder Schlüssel zum Einsatz kommt. Ähnlich wie in „Tomb Raider“ wird es auch optionale Prüfungsschreine geben. Zudem bietet das Spiel Amiibo Unterstützung. Ist das der Systemseller?

Snipper-Clipper

Mit „Snipper-Clipper“ kommt ein kleines Koop-Highlight auf die Switch. Zu zweit löst man Puzzle, indem man die jeweils andere Spielfigur zurechtschneidet. Klingt simpel, ist auf jeden Fall sehr spaßig. Viele Rätsel haben mehrere Lösungsmöglichkeiten. Ob das eine Art spiritueller Nachfolger vom bockschweren „Kwirk“ auf dem GameBoy wird?

1-2-Switch

Die Minispiel Sammlung wartet mit allerlei Kuriositäten auf. Im Duell müssen SpielerInnen Kühe melken, um die Wette essen oder durch HD Rumble erfühlen, wieviele Kugeln in einer Holzschachtel stecken und vieles mehr. „1-2-Switch“ ist ganz klar eine Demonstration der Vielseitigkeit der Joycons und eignet sich hervorragend für Trinkspiele. Äußerst fragwürdig ist jedoch, dass das Spiel nicht beim Kauf der Konsole beiliegt sondern separat gekauft werden muss.

Splatoon 2

Bild: Nintendo

Der Nachfolger des beliebten Multiplayershooters´. Es ist schnell, sieht toll aus und macht einfach Spaß. Der zweite Teil hat natürlich neue Level, neue Modi und neue Waffen im Gepäck. Vorteil: Man kann es in allen drei Switch-Modi spielen. Nachteil: Wenn Nintendos Online Dienst kostenpflichtig wird, muss man zum zocken extra bezahlen.

Arms

„Arms“ ist ein futuristisches Boxspiel mit Fantasy-Elementen für bewegungsfreudige Menschen. Mit den beiden Joycons als quasi Boxhandschuhe prügelt man mit bisher fünf verschiedenen Charakteren aufeinander ein. Der besondere Gameplaykniff: Die namensgebenden Arme sind über mehrere Meter hinweg ausfahrbar. Damit ergibt sich eine Mischung aus Shooter und Prügelspiel. Witzig, aber körperlich schnell anstrengend.

Has-Been Heroes

Entwickler Frozenbyte liefert mit „Has-Been Heroes“ ein 2D Action-Game ab, das auf geschicktes Taktieren setzt. Auf drei parallelen Ebenen kämpft man sich mit je einem Helden durch die Gegnerhorden. Leider lässt sich das Spiel nur im Singleplayer Modus spielen.

Mario Kart 8 Deluxe, Super Bomberman R, Skylanders Imaginators & Co.

Bild: Nintendo

Neben dem obligatorischen „Mario Kart“, das man mit bis zu 8 Leuten im lokalen Multiplayer spielen kann, wartet die Switch noch mit weiteren Fortsetzungen, Remakes und Portierungen auf. Mit „Super Bomberman R“ kommt ein echter Klassiker und für alle Tanzwütigen gibt es „Just Dance 2017“.  „PuyoPuyo Tetris“ vereint gleich Knobelspielhits und „Street Fighter II Ultra“ lässt 2D-Beat ‚em Up-Herzen höher schlagen. Für alle die Sega immer noch lieber mögen als Nintendo kommt „Sonic Mania“.

Neben „Super Mario Odyssee“ und „Skyrim“ sind für 2017 noch einige weitere Spiele angekündigt. „Fire Emblem Warriors“ von den Machern von „Hyrule Warriors“ verspricht Hack’n‘ Slay Action. Bei „Disgea 5 Complete“ kommen alle JRPG-Fans auf ihre Kosten.

Laras Meinung

Beim Spieleangebot kann man nicht meckern. Für alle Geschmäcker ist etwas dabei. Im Vergleich zur WiiU setzt Nintendo aber bei der Switch in erster Linie auf ein junges Erwachsenen Publikum. Die neuen Funktionen mit den Joycons bieten viel Abwechslung im Spieleerlebnis und die Zeichen stehen auf Party-Konsole. Die Handheldvariante eignet sich perfekt für den Arbeitsweg. Noch schnell eine halbe Stunde meine RPG-Party leveln oder ne Runde Mario Kart verkürzt die Zeit. An den Spielen scheitert es jedenfalls nicht. Das größte Problem hat die Konsole mit dem hohen Anschaffungspreis und den Kosten für zusätzliche Gadgets und Dienste.

Andreas Meinung:

In meinen Augen stehen alle Zeichen auf Flop. Trotz des horrenden Preises bekommt ihr als Early-Adopter wenig geboten. Im Gegensatz zu Lara halte ich das Spieleangebot zum Start für miserabel, denn ein „Zelda“ reicht mir nicht und Spiele wie „1-2-Switch“ wären früher nur auf XBLIG verramscht worden. Die Preisgestaltung ist absurd, wenn ihr bedenkt, dass es sich bei der Switch vermutlich nur ein modifiziertes Nvidia-Shield-Tablet handelt, das heute für knapp 200 € gehandelt wird. Dass ich olle Nintendo-Klassiker im Online-Abo nur mieten kann ist ein schlechter Witz. Kundenunfreundlicher geht es eigentlich nicht. Zudem macht das Konzept direkt Nintendos Erfolgsgarant 3DS erheblich Konkurrenz. Ob das trotzdem gut geht? Es kann. Die Current Gen von Sony und Microsoft hat bisher noch nicht „geliefert“ und brav Spiele nach dem Motto „Same shit but better graphics“ veröffentlicht. Dagegen verspricht die Switch ein neues Konzept. Und es spielt Nintendo-Spiele ab. Das war mal eine Lizenz zum Gelddrucken. Aber nach dem blamablen Abgang der Wii und des Riesenflops Wii U darf sich Nintendo nicht schon wieder auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. Irgendwann wird auch das Festgeldkonto Nintendos leer sein.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 31. Januar 2017

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