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Next Generation: Die Meinung eines Branchen-Insiders

Geschrieben von Sebastian
Next Generation: Die Meinung eines Branchen-Insiders

Die Playstation 4 und die XBox One schicken sich dieser Tage an, unsere Wohnzimmer zu erobern, um uns davon zu überzeugen, dass die „Next Generation“ das Beste ist, was Spielern passieren kann. Doch was bestimmt eigentlich das „Next“ in der neuen Konsolentechnik? Wie unterschiedlich wird sich ein „Next Gen“-Spiel im Gegensatz zum jetzt Gewohnten anfühlen? Und läuten die neuen Konsolen nicht einfach nur den Abgesang des althergebrachten Konsolenzyklus ein, der insbesondere durch den mobilen Spielemarkt immer mehr an Bedeutung verliert? All das, und noch einiges mehr haben wir vor einigen Wochen einen erfahrenen Spieleentwickler gefragt: Julian Gerighty arbeitet seit über 15 Jahren bei Ubisoft, hat sich in dieser Zeit um Spieleserien wie „Splinter Cell“, „Assassin´s Creed“, „Far Cry“ oder „Ghost Recon“ gekümmert und ist derzeit Creative Director für das Rennspiel „The Crew“, welches im nächsten Jahr exklusiv für die neuen Konsolen erscheinen wird.

Julian Gerighty, Creative Director von "The Crew"
Julian Gerighty, Creative Director von „The Crew“

Polygamia.de: Was würdest du als die bahnbrechendste Eigenschaft oder Entwicklung für die „Next Generation“ ansehen?

Julian Gerighty: Für mich ging es bei der letzten Generation um HD. Als die 360 rauskam, hatte ich noch einen Röhrenbildschirm. Und ich kann mich an den Ärger über „Dead Rising“ und seine Menütexte auf einem Bildschirm mit Standardauflösung erinnern. Die letzte Generation hat die Entwicklung zum HD-Bildschirm in unserem Wohnzimmer begleitet. HD war das definierende Element dieser Generation. Die neue Generation dreht sich für mich hauptsächlich um eine kontinuierliche Online-Erfahrung, ähnlich wie mit deinem iPad oder einem anderen Tablet, welche ein bisschen fade ausfällt, wenn Du nicht vernetzt bist. Du erhältst keine Nachrichten in Echtzeit, du bist nicht mit deinen Freunden verbunden. Du befindest dich nicht in einer lebendigen Umgebung. Genau das wird uns die neue Generation bringen.

Polygamia.de: Gibt es besondere Eigenschaften der PS4 und/oder der XBox One, über die du besonders begeistert bist? Oder läuft das bei dir wieder auf das ständige Online-Sein hinaus?

Julian Gerighty: Das ist die wichtigste Eigenschaft für mich! Eine weitere bedeutende Eigenschaft ist die Aufnahmefunktion von beiden, die es erlaubt, die letzte Minute, die letzten 30 Sekunden deines Spiels aufzuzeichnen und sie online zu veröffentlichen oder an deine Freunde zu schicken. Das finde ich wirklich sehr cool! Ich liebe das neue Kinect! Ich finde, dass sie nicht nur für Spiele, sondern für Unterhaltungsmedien allgemein hervorragende Möglichkeiten bietet.
Das sind die Dinge, die mir am besten gefallen! Und ich habe ganz bewusst nicht „Grafik“ oder so etwas gesagt, weil es darum nicht geht. Es geht darum, spielerisch etwas zu ermöglichen, was für PC-Spieler schon seit Ewigkeiten Standard ist, nämlich eine Welt, in der man ständig mit den Freunden, mit denen man auch gerne spielen möchte, verbunden ist.

Polygamia.de: Wir sind uns einig, dass die großen Veränderung nicht in den Grafikfähigkeiten oder ähnlichem, sondern in Online-Eigenschaften zu finden ist. Dennoch gibt es auch bessere Technik und mehr Leistung. Wird uns dieser Schub glaubwürdigere Welten oder vielleicht einen deutlichen Fortschritt hinsichtlich künstlicher Intelligenz bringen?

Julian Gerighty: Die Leistungssteigerung bei der Grafik und der CPU wird verschiedene Dinge ermöglichen, abhängig von individuellen Wünschen. Für unsere Arbeit an „The Crew“ dient sie uns dafür, die riesige Welt ohne Ladezeiten zu erstellen, in der du nach Gutdünken von New York nach San Francisco springen kannst. Das ist ziemlich einzigartig! Für ein anderes Team mag es um eine spezielle Grafikdarstellung gehen, etwa einen impressionistischen Stil, mit dem alles zum Leben erweckt wird und das Geschehen sich letztlich in einem Kunstgemälde abspielt. Bei wieder einem anderen Spiel mag es hauptsächlich um die Animationen gehen. Wir können uns auf unterschiedliche Weise künstlerisch auszudrücken. Das läuft nicht zwangsweise auf Fotorealismus hinaus. Es bedeutet vielmehr, mehr Auswahl und Möglichkeiten zu haben.

Polygamia.de: Es gab jede Menge Kritik nach der ersten Vorstellung der XBox One, insbesondere von Spielern, die sich über die widersprüchlichen Angaben zu DRM und der – wieder zurückgenommenen – Online-Pflicht beschwerten. Kannst du dir erklären, warum es Microsoft so schwer hatte und es niemandem recht machen konnte?

Julian Gerighty: Ich sage jetzt möglicherweise etwas, was nicht viele hören wollen, denn ich bin der Meinung, dass Microsoft wirklich etwas Besonderes vorhatte. Ich meine sogar, dass sie visionär waren. Sie gehen da in eine Richtung, in die Valve und Steam schon eine lange Zeit gegangen sind. Sie haben sich bei der Vorstellung allerdings so ungeschickt angestellt, dass ihre Vision – ihre richtige Vision – nach hinten losgegangen ist. Aber das ist die Zukunft! Sie waren allen zwei Jahre voraus, aber sie haben das in einer Art dargestellt, die nicht die positiven Aspekte vor die Probleme gesetzt hat, und dann haben sie die Kehrtwendung vollzogen! Ich glaube aber trotzdem, dass das alles am Ende die Erfahrung des Verbrauchers beeinflussen wird.

Ich bin grundsätzlich auch gegen DRM und all diese Sachen, wenn es für alle Seiten vernünftig ist. Valve schafft das mit Steam hervorragend. Und niemand beschwert sich über die „ständige Onlineverbindung“ bei „World of Warcraft“. Niemand beklagt sich, da es Teil der Spielerfahrung ist! Das musst Du aber positiver vermarkten! Wenn jemand zu mir kommt und sagt: „Okay, Julian, du musst dieses Spiel kaufen, du darfst es nicht raubkopieren, du wirst für das Gebotene einen angemessenen Preis zahlen. Als Gegenwert erlebst du ein einzigartiges Abenteuer. Du wirst Dinge kennenlernen, die du so noch nicht gesehen hast. Du wirst dein Spielen so vielfältig wie noch nie erleben. Und das alles bekommst du für weniger Geld als dich die Disc aus dem Laden kostet!“ Würdest du ja oder nein sagen? Es kommt immer darauf an, wie es rübergebracht wird.

Für mich hatte Microsoft einen wirklich großartigen Plan!

Polygamia.de: Die Wii U wird derzeit schon als Flop gehandelt. Hat Nintendo hier versagt?

Julian Gerighty: Schreibe niemals, auf gar keinen Fall, zu irgendeinem Zeitpunkt Nintendo ab! Das sind diejenigen, die Spiele so viel besser verstehen als jeder andere auf der Welt. Ich liebe Nintendo! Die Wii U hat ihren Platz noch nicht gefunden. Aber alles, was dafür nötig ist, ist dieser eine Knaller! „Wii Sports“, „Wii Fit“ – ein einziger Knaller! Und du glaubst nicht, dass das Nintendo hinkriegt?

Polygamia.de: Zugegeben hatte auch der 3DS einen schwachen Start, um dann nach einigen großartigen Spielen rund um die üblichen Nintendo-Verdächtigen – Mario & Co. – immer erfolgreicher zu werden. Ubisoft war einer der ersten Entwickler, die sich zur Wii U bekannt haben und mit Spielen wie „Zombie U“ daran gearbeitet haben, dass die Wii U eine erwachsenere Konsole als die Wii sein sollte. Aber ist die Wii U, nach den enttäuschenden Verkaufszahlen, derzeit überhaupt noch ein wichtiger Faktor für Ubisoft?

Julian Gerighty: Ich kann für Ubisoft allgemein nicht sprechen, da ich nur Teil von „The Crew“ bin. Aber ich bin mir absolut sicher, dass Ubisoft eine große Zuneigung für Nintendo hat. Und ich glaube auch, wir sollten Nintendo weiter unterstützen. Sie sind die Besten der Welt! Für Videospiele, für echte Videospiele sind sie die beste Firma des Universums! Lass uns dieses Gespräch in einem Jahr nochmal führen, und ich bin mir sicher, dass die Lage für die Wii U dann anders ausschaut.

Die besten der Welt - trotz der Wii U. (Foto: Digitaltrends.com)
Die besten der Welt – trotz der Wii U. (Foto: Digitaltrends.com)

Polygamia.de: Was macht Dein neues Spiel „The Crew“ zu einem echten „Next Generation“-Spiel, mal abgesehen von der bereits erwähnten riesigen Welt?

Julian Gerighty: Diese riesige Welt ist wichtig. Die ganze USA zu haben, das ist ein großes Ding! Aber das ist für mich nicht das entscheidende „Next Gen“-Element!  Das zeigt sich vielmehr darin, dass in einer Welt gespielt wird, die von anderen Spielern zum Leben erweckt wird, die sich ständig verändert, dir permanent neue Herausforderungen und Möglichkeiten bietet. Du kannst dich mittels all dieser Leute, die die gleiche Leidenschaft für das Autofahren teilen, selbst entfalten. Das ist das wahre „Next Generation“-Element! Es ist eine tatsächlich lebendige Welt. Was kannst du noch mehr von einem „Next Gen“-Spiel – oder von einem Spiel allgemein– erwarten?

Polygamia.de: Gut, die herausragende Eigenschaft der „Next Gen“, das ständige Online-Sein, um eine lebendige Spielwelt erfahren zu können, wird von „The Crew“ bedient. Aber was macht den Inhalt „Next Gen“? Klar, die Welt ist riesig, aber ist sie denn mit genügend Substanz gefüllt?

Julian Gerighty: Ich denke, die Frage geht in die Richtung: Ist es ein gutes oder schlechtes Spiel? Bietet das Spiel genügend Tiefe, ist es immer spannend, gibt es für alle Aspekte – ob Erkundung, Wettbewerb oder kooperatives Zusammenspiel – genügend neue Anreize? Das hängt natürlich vom Spiel ab! Wenn die Welt ohne Inhalte bleibt, ist es ein schlechtes Spiel! Unsere Aufgabe besteht darin, eine Welt mit einer Fülle von unterschiedlichen Sachen zu erschaffen, die auf unterschiedliche Spieltypen Rücksicht nehmen. Ich möchte am Abend zum Beispiel eher gegen andere Spieler antreten, als am Morgen (in meinem Fall um sechs Uhr früh), wo ich nicht unbedingt für ein Deathmatch zu haben bin. Da möchte ich erkunden und entdecken! Ich will mit „The Crew“ erreichen, dass für diese unterschiedlichen Vorlieben Platz ist. Ich möchte, dass all die verschiedenen Spielertypen immer etwas im Spiel finden, was ihnen Spaß  bereitet.

Polygamia.de: Du hast bereits erklärt, dass die Welt von „The Crew“ durch das Zusammenspiel mit allen anderen Spielern über die Online-Verbindung lebendig wird. Wie schätzt du das Risiko ein, dass es als Solo-Spieler etwas einsam werden könnte?

Julian Gerighty: Aber das wird nicht passieren! In dieser Welt wird es immer andere Spieler geben. Es liegt an dir, ob du für dich alleine spielen möchtest. Wenn du mit anderen gemeinschaftlich spielen willst, kannst du das tun. Und wenn du gegen andere Spieler antreten möchtest, kannst du das ebenfalls machen. Das ist das eigentliche „Next Gen“-Element! Egal, nach was dir gerade der Sinn steht, du wirst es in der Welt finden. Es kann vorkommen, dass du die Brooklyn Bridge überquerst und auf der anderen Straßenseite eine Polizeikontrolle mit einem anderen Spieler siehst. So wird die Welt zum Leben erweckt! So etwas hättest du in einem vorprogrammierten Szenario niemals erlebt. Alles um dich herum lebt! „Far Cry 3“ hat das bereits sehr gut gezeigt. Nichts ist vorbestimmt, alles ist im Fluss, was eine völlig neue Glaubwürdigkeit in eine solche Welt bringt!

All das wollen wir erreichen, mit dem zusätzlichen Vorteil, dass nichts davon von künstlicher Intelligenz abhängig sein wird, sondern von echten Spielern!

Polygamia.de: Diese Erfahrung hängt dann aber sehr vom Erfolg des Spiels ab. Wenn es niemand kauft, wird das eine ziemlich tote Welt.

Julian Gerighty: Wenn du es allein für dich kaufst und niemand anderes ein weiteres Exemplar erwirbt, könnte es tatsächlich etwas einsam werden! Aber dann ähnelt es einem „Forza Horizon“, in welchem du immer andere Fahrzeuge, andere potentielle Gegner triffst, nur sind diese „Bots“ und keine echten Spieler. Hat sich irgendjemand bei „Forza Horizon“ über Einsamkeit beschwert? Schau – das ist die „zusätzliche Ebene“, etwas, was wiederum PC-Spieler seit Jahren kennen. Nimm „World of Warcraft“, welches jetzt seit acht Jahren oder so gespielt wird. Die Leute kennen diese Art von Erfahrung und Bindung. Und das ist genau das, was die „Next Generation“ ins Wohnzimmer übertragen wird.

Eine tatsächlich lebendige Welt - "The Crew" (Foto: Ubisoft)
Eine tatsächlich lebendige Welt – „The Crew“ (Foto: Ubisoft)

Polygamia.de: Hat es sich mit der neuen Technologie zunächst so angefühlt, als würdet ihr bei null anfangen müssen oder habt ihr letztendlich nur das bekommen, was ihr eigentlich schon immer haben wolltet?

Julian Gerighty: Hier zeigt sich das Großartige an Ivory Tower [Anm. d. Red.: Entwicklerteam von „The Crew“], die seit mehr als zehn Jahren an dieser Art von Spiel gearbeitet haben. „Test Drive Unlimited“ war ein Renn-MMO! Es war in vielerlei Hinsicht nicht perfekt, aber es war ein aufsehenerregendes Spiel mit einem sensationellen Weitblick. Wir arbeiten jetzt daran, das alles wesentlich zugänglicher und dynamischer zu machen. Es ist tatsächlich eine Idee, die das Team seit zehn Jahren mit sich herum trägt. Ist das also grundlegend neu für sie? Nicht wirklich, aber Umfang und Qualität sind es!

Polygamia.de: Wie wichtig wird die Handlung im Spiel sein?

Julian Gerighty: Die Handlung wird ca. 20 Stunden einnehmen. Du kannst sie allein oder auch kooperativ durchspielen, und sie wird dich von Detroit nach New York, Miami und Las Vergas bringen, ehe sie in Los Angeles ihren Abschluss findet. du reist also von Küste zu Küste. Ich würde das als ein 20-Stunden-Tutorial bezeichnen, welches nach und nach die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten im Spiel zugänglich machen wird. Es gibt dem Abenteuer eine Linie, damit man sich nicht verliert. Man wird immer etwas zu tun haben, das Spiel wird einem immer Aufgaben stellen. Man kann natürlich auf eigene Faust erkunden und verschiedene Sachen freischalten. Aber wir werden auf jeden Fall einen vorgegebenen Weg zum Kennenlernen des Spiels anbieten. Es hängt natürlich auch von den eigenen Interessen ab: Wenn du mehr auf Solo-Spiele stehst wie ich, wird die Handlung für dich einen Großteil des Spiels ausmachen. Wenn du eher auf Multiplayer stehst, sind das vielleicht höchstens 20% deiner Spielzeit.

Polygamia.de: Du hast die Handlung ein „Tutorial“ genannt . Heißt das, dass sie komplett abgeschlossen werden muss, um sich frei in der Welt bewegen zu können oder kann alles von vornherein ohne Einschränkungen erreicht werden?

Julian Gerighty: Die ganze Welt ist offen! Du kannst machen, was du willst und fahren, wohin du willst. Alles kein Problem!

Polygamia.de: Entsprechen all die Ankündigungen rund um die „Next Generation“ deinen Erwartungen und bringen sie die Leistung und Freiheit, die du dir als Spieleentwickler gewünscht hast?

Julian Gerighty: Ich glaube, du könntest jeden dazu fragen, und alle würden antworten: „Nein, wir wollen mehr, wir wollen mehr!“ Letztendlich wollen immer alle mehr! Das wird eine großartige Generation! Die „Online“-Vision für zukünftige Konsolenspiele ist ein hervorragender Ansatz, sowohl von Sony als auch von Microsoft. Natürlich könnten wir mit noch mehr Leistung immer noch mehr machen! Es geht aber nicht nur um Leistung, sondern was wir damit anstellen! Es gibt diesen riesigen Unterschied zwischen einem Naughty Dog-Spiel und den meisten anderen Konkurrenten. Sie verstehen, wie sie die Leistung ausnutzen können. „The Last of Us“ schaut besser aus als viele bislang vorgestellten „Next Generation“-Titel.

Schöner als viele, bisher vorgestellten "Next Gen"-Titel - "The Last of Us" (Foto: venturebeat.com)
Schöner als viele, bisher vorgestellten „Next Gen“-Titel – „The Last of Us“ (Foto: venturebeat.com)

Polygamia.de: Haben wir jetzt das Ende des traditionellen Konsolenmarktes erreicht oder wird es eine weitere „Next Generation“ in der Zukunft geben?

Julian Gerighty: Das hängt davon ab, wie „Tradition“ definiert wird. Die Frage ist kompliziert zu beantworten. Bedeutet der Kasten in Deinem Wohnzimmer, der physische Medien abspielt, „traditionell“ ? Dann würde ich jetzt  vom Ende sprechen. Wenn damit das vermeintliche Ende von großen AAA-Produktionen gemeint sein soll, würde ich sagen: niemals! Das ist vergleichbar mit der irrigen Annahme, Kinos würden verschwinden, nachdem das Fernsehen erfunden wurde. Das wird nicht passieren! Auf was wir das alles spielen werden, ist eine ganz andere Frage. Aber ich wage mal die Wette: In zehn Jahren wird es immer noch Sony, Nintendo und Microsoft geben. Wir werden möglicherweise einige zusätzliche, wichtige Firmen haben, darunter wahrscheinlich die cleversten von allen!

Polygamia.de: Der PC im Spielemarkt – werden wir das auch in Zukunft sehen oder wird das eher eine Randerscheinung werden?

Julian Gerighty: Meiner Meinung nach ist heutzutage der PC die wichtigste Plattform überhaupt. Du kannst so viele unterschiedliche Sachen mit dem PC machen, von Indie-Titeln über Browser-Spiele und Steam Greenlight bis hin zu den großen Online-Multiplayer-Spielen und den Blockbustern. Was dem PC zum einen schadet, sind die Raubkopien. Wie stellt man sicher, dass man an dem Spiel, an welchem lang und hart gearbeitet wurde, auch wirklich was verdient, dass es tatsächlich gekauft und nicht gestohlen wird? Das ist die eine Sache, und die andere ist, dass das Spielen meist nicht im Wohnzimmer stattfindet. Haben wir Lösungen hierfür? Ja, ich denke, dass es diese Lösungen heutzutage gibt. Ich glaube, dass wir hierfür mehr und mehr PC-spezifische Ansätze sehen werden. Die Ouya ist ein großartiges Beispiel. Die Ouya ist letztendlich nur ein Android-Telefon, welches Spiele auf dem Fernseher abspielen kann. Tolle Idee! Niemand wird sie als „Next Gen“-Konsole betrachten, aber es ist eine „Next Gen“-Erfahrung, da es etwas Neues und Modernes für das Spielen bringt. Für mich war der PC noch nie so wichtig wie heute!

"Next Gen" sorgt für Online-Erfahrungen a la "World of Warcraft" im Wohnzimmer (Foto: Blogspot.com)
„Next Gen“ sorgt für Online-Erfahrungen a la „World of Warcraft“ im Wohnzimmer (Foto: Blogspot.com)

Polygamia.deDu bist jetzt schon seit 15 Jahren im Spielebereich. Macht es immer noch Spaß oder sehnst du dich nach guten, alten Zeiten zurück?

Julian Gerighty: Zunächst möchte ich sagen, dass ich ein riesiger Spielefan bin. Ich glaube an Spiele, ich lebe sie, ich liebe sie! Ich stehe jeden Morgen um sechs Uhr auf, um spielen zu können und dabei nicht meine kleine Tochter mit meinen Spielen zu verstören. Es war niemals aufregender als jetzt! Ich sage das natürlich aus der sehr privilegierten Position als Entwicklungschef eines wichtigen Spiels heraus. Schau dir all die Möglichkeiten an, all die unterschiedlichen Orte, an denen wir Spiele spielen können, all die spielenden Menschen, die vorher noch nie gespielt haben. Mein Vater spielt „Professor Layton“, dabei hat er zuvor noch nie ein Computerspiel gespielt! Wir öffnen Spiele für Menschen, die sie zuvor nicht gekannt haben, und wir tun das anhand unterschiedlichster Spielerfahrungen, anhand kabellosem Internetaustausch und anhand 100-Stunden-Abenteuer in Welten wie „Skyrim“ oder „Mass Effect“. All das spricht unterschiedliche Menschen an! Und wir bieten Spielern Dinge an, an die sie zuvor nicht mal zu denken gewagt haben.

In meinem ersten Vorstellungsgespräch bei Ubisoft kam die Frage auf, wann wir endlich die Möglichkeit für ein echtes Online-Spielen bekommen würden. Natürlich habe ich damals vor allem an die Dreamcast und die PS2 gedacht, da diese Konsolen zu dem Zeitpunkt noch nicht erschienen waren. Jetzt leben wir in einer Zeit, in der jeder eine drahtlose Onlineverbindung hat. Damals galt Wi-Fi als futuristisches Hirngespinst! Ist das also alles immer noch aufregend? Es ist unvorstellbar aufregend!

Polygamia.de: Klare, letzte Worte, würde ich sagen! Ich danke dir sehr für das Gespräch – und wir müssen in einem Jahr dann wieder reden, vor allem über die Wii U!

Julian Gerighty: Mit Vergnügen!

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Über Sebastian

Sebastian Schmucker erblickte 1975 das Licht der Welt im tiefsten Bayern, der Wahlheimat seiner Eltern. Diese sollte er erstmal lange Zeit nicht verlassen, was sprachlich aber keine Spuren hinterlassen hat...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 22. November 2013

Ein Kommentar zu “Next Generation: Die Meinung eines Branchen-Insiders

  1. Danke für das Interview!

    Vielleicht werde ich zu alt, vielleicht bin ich zu sehr technikfetischist, aber das was die Industrie mir als „den neuen Shit“ verkaufen will törnt mich so gar nicht an. Wahrscheinlich, weil ich meine Online und Multiplayertage mit Guild Wars, World of Warcraft, Jount Operations und Battlefield 2142 und 2 vor einigen Jahren gesättigt habe. Das waren nette zwei, drei Jahre, die ich nicht missen möchte aber die Zeit ist vorbei und ich will mir den Stress mit Gilden und Clans nie wieder antun. Es war Spaß aber eben auch Zwang. Da zocke ich lieber alleine und erlebe eine spannende Offline-Story.

    Der zweite Punkt, der derzeit stark beworben wird ist übrigens ein Eingestehen das Scheiterns. Die Informatiker sind nicht in der Lage eine gute KI zu programmieren, deswegen werden aufwendig die Daten echter User genommen, um daraus Drivatare und ähnliches zu zaubern. Na gut, wenn es sein muss. Ganz überzeugen kann mich das nicht. Ein Grund extra online zu gehen oder gar XBL oder PSN Gebühren zu löhnen erst recht nicht.

    Was mich zu einer neuen Konsolengeneration lockt, und das verbocken sie gerade Allesamt fulminant, ist schon immer die bessere Grafik gewesen. Ehrlich gesagt, ich hatte noch nie so wenig Anreiz, noch nie so wenig verlangen eine neue Konsole (oder auch einen neuen PC) zu kaufen wie im Moment. Ich bin nämlich eine Grafikhure und ich stehe dazu!

    Mir ist bewusst, dass gute moderne Grafik extrem teuer ist. Nur, persönlich kann mir das egal sein. Wenn ich für ein Spiel 50 bis 70 Euro ausgeben soll, dann darf es nicht so aussehen wie ein fünf Jahre altes Spiel, das ich heute für 1,99 bei irgendwelchen Deals bekomme. Es muss mir die Kinnlade runterklappen lassen. Wenn es mich da nicht packen und flashen kann, kann ich es mir sonst auch irgendwann mal für’n 10er holen. Ist ja nicht so, dass ich nicht noch zwei Dutzend Games mit (fast) identischer Optik hier ungespielt rumliegen hätte …

    Ein Beispiel ist z.B. Motorstorm Pacific Rift. Das Ding ist von 2008, also fünf Jahre alt. Trotzdem gibt es nur wenige Rennspiele, die selbst heute da optisch mithalten können.
    Wenn ich dann auf einer XBox One und bei einem Forza 5 mit einmal Kantenflimmern oder Ruckler in 1080p habe und es nur in 720p wirklich flüssig läuft, und klar, die Fahrzeugmodelle sind detaillierter, die Texturen schärfer aber trotzdem ist der Sprung zu Motorstorm so minimal, dass ich mich Frage, was haben die Hard- und Softwareentwickler die letzten Jahre getrieben? Früher bedeutete ein Sprung von fünf Jahren ein völlig anderes Erlebnis, das war ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht.

    1080p und 60FPS schaffen die neuen Konsolen nicht bei Standardgrafik? Sorry, wir stehen kurz vor dem Umschwung auf UHD und 4k Fernseher. Um HD Ready Grafik zu „genießen“ kann ich auch bei PS3 und / oder XBox 360 bleiben. Spare ich ordentlich Geld.

    Mein Aufruf: Gebt mir Anreize eure neue Hard- und Software zu kaufen! Liefert mir den heißen Scheiß! Ich will ein God of War 4 und ein Uncharted 4, die ALLES was man je in Form eines Videospiels zuvor gesehen hat wegrocken.
    Dadurch ist es dann nämlich auch nicht mehr so tragisch, dass das Gameplay seit gefühlt zehn Jahren keine Sprünge mehr gemacht hat. Und ein Driveatar kann auch nervig werden, wenn nämlich die anderen Spieler aus denen die Daten gezogen wurden viel zu gut sind oder zu viel Blödsinn gemacht haben, dass ich mich eher ärgere als über „realistischeres“ Fahrverhalten freue.

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