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NeverDead: Der Ritter der Kokosnuss

Geschrieben von Andreas
NeverDead: Der Ritter der Kokosnuss

Kopf ab, Bein ab, Fuß ab – aber einer geht noch! Ähnlich wie der Schwarze Ritter in Monty Pythons Klassiker versucht der Held in Rebellions „NeverDead“ unbeirrt weiter zu machen. Dabei sagt einem doch der normale Menschenverstand schon: Das ist blanker Unsinn.

NeverDead: Der reinste Irrsinn. (Bild: Konami)

Ich gestehe, dass ich das Spiel nicht bis zum Ende gespielt habe. Irgendwann, so nach fünf, sechs Stunden Spielzeit, hat’s mir gereicht. Da wurde mal wieder eine Tür magisch versiegelt und aus der Ecke krochen die Monster. Also ballerten meine Begleiterin und ich darauf los, ich zückte bald mein Schwert und…naja, so ging das schon von Anfang an. Seitdem suche ich auch ständig meine Gliedmaßen. Ein Biss und schon fliegen meine Arme und Beine nämlich durch die Gegend. Glücklicherweise ist mein Held Bryce so eine Art Highlander und kann nicht sterben. Deshalb reicht es, wenn ich mit ihm einfach über meine Extremitäten rolle. Übersichtlich ist das allerdings nicht, denn ich bin quasi ständig auf der Suche nach meinen restlichen Körperteilen. Trotz hartem Kampftraining, Erfahrung und der Unsterblichkeit ist Bryce nämlich so zerbrechlich wie Porzellan. Dass ein Action-Spiel nicht zwangsläufig spannend ist, wenn man nicht sterben kann, versteht sich von selbst.

Auf dem Papier mag das ja gut ausgesehen haben. Gelegentlich muss sich Bryce den Kopf abreißen, um versteckte Winkel zu erreichen. Und mit Feuer oder Elektrizität bekommen seine Angriffe einen besonderen Kick. Außerdem sammelt er Erfahrungspunkte, um sie für schlagkräftige Schwertangriffe, höhere Sprünge oder sie für ein besseres Waffenzielsystem einzulösen. Nur: Es funktioniert überhaupt nicht. So ganz und gar nicht, so „Stormrise“-nicht. Ähnlich wie Creative Assemblys Strategie-Disaster hätte „NeverDead“ in dieser Form nicht erscheinen dürfen. Das Zielsystem ist ungenau, die Schwertkämpfe hakelig und die Kameraführung ein Witz. Das mag zwar jetzt etwas hart klingen, aber Rebellion macht mit ihrem Hack’n’Slay-Verschnitt so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann.

Laut, blutig, chaotisch (Bild: Konami)

Die Frage ist nur: Wie konnte das geschehen? Hat Publisher Konami irgendwann den Geldhahn abgedreht und das Spiel einfach auf den Markt geworfen? War die Kombination aus japanischem Humor und europäischem Game-Design von Anfang an zum Scheitern verurteilt? „NeverDead“ ist sicher nicht das schlechteste Spiel des Jahres, denn dafür habe ich viel zu viel Respekt vor der durchgeknallten Grundidee.

Vielleicht hätte es als Satire Sinn gemacht. Einfach mal ein Spiel basteln, das sämtliche Gamedesign-Regeln auf den Kopf stellt? Tatsächlich sind die sarkastischen Kommentare von Bryce sogar witzig. Und wenn er auf einem Bein durch Gegnermassen hoppelt, erinnert mich das wieder an Monty Pythons Schwarzen Ritter. In diesen Momenten versprüht das Spiel den Hauch von Anarchie, der mir durchaus sympathisch ist. Das ist purer Slapstick, gespickt mit sarkastischen Kommentaren des „Helden“. Dazu passt dann auch das wunderbar abgefahrene Monsterdesign oder die zumindest optisch abwechslungsreichen Abschnitte. Und wenn die Story jetzt nicht so konfus wäre…seufz.

Hätten die Entwickler noch etwas Zeit gebraucht? (Bild: Konami)

Was ich damit sagen will: Ich glaube, dass irgendwo in „NeverDead“ ein richtig gutes Spiel steckt. Eines, bei dem ich nicht ständig hektisch mit dem Schwert rumfuchteln muss, die Kamera mir tatsächlich eine Hilfe ist und ich nur ab und zu ein Bein verliere. Mir ging es ja mit „Shadows of the Damned“ vergleichbar. Ein ähnliches Art-Design, eine ähnliche Hauptfigur und eine ähnliche Kooperation zwischen Japan und Europa. Nur hat es dort am Ende irgendwie funktioniert. Es war zwar monoton, aber dennoch ein Spiel. „NeverDead“ ist an der Grenze des Unspielbaren. Nur wenig bereitet hier Freude. Stattdessen ist es einfach ärgerlich, was die Entwickler aus der Grundidee gemacht haben.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 15. Februar 2012

Ein Kommentar zu “NeverDead: Der Ritter der Kokosnuss

  1. Ich schrieb es auch schon in den Kommentar bei der M! Games. Schade, sehr schade! Die ersten Trailer hatten mich damals wirklich sehr begeistert. Es sah toll aus und versprach eine coole Story.
    Aber leider, leider schaffen es viele Studios nicht eine gute Idee auch gut umzusetzen und so verkommen mangels Fähigkeiten gute Ansätze zu grottigen Gurken.

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