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NBA 2K 11: Dabei sein ist alles

Geschrieben von Andreas
NBA 2K 11: Dabei sein ist alles

Ich bin ein Konsolensportmuffel. Früher mal ein bisschen NHL auf dem Megadrive, später ein bisschen FIFA und Top Spin, aber das war’s dann auch. Die Steuerung ist in der Regel überladen (Ausnahme ist Tennis) und ein Tor meiner Meinung nach pures Glück. Eine Sportart habe ich nie ausprobiert – Basketball. Gibt es etwas denkbar Ungeeigneteres als einen Sport zu versoften, bei dem alles auf das Gefühl ankommt? Ein Selbstversuch:

Tag 1: Promo-Version ausgepackt, keine Anleitung, nix funktioniert. Die Menusteuerung ist Mist und die Spiele laufen an mir vorbei. Kein Ball kommt an und ein Korbtreffer ist Glückssache. Für die einzelnen Moves werde ich Wochen brauchen. Wo ist das Tutorial?

„NBA 2K 11“ von Visual Concepts bietet eine enorme Fülle an Spielmodi und Steuerbefehlen. Allein die Anzahl der Möglichkeiten zum Passen, Verteidigen, Täuschen und Werfen knackt locker die 100er Grenze. Das ist für einen Neueinsteiger zunächst ziemlich ernüchternd, denn es gibt keinen „Easy-Mode“, der gleich Erfolge garantiert. „NBA 2K 11“ zu meistern heißt vor allem arbeiten und trainieren. Dabei gibt es abwechslungsreiche Spielmodi: Normale Matches, in denen man zwischen aktuellen und „klassischen“ NBA-Teams wählen kann, inklusive aktueller Liga, Playoffs oder Online-Spielen. Oder die Spielvariante „My Player“, in dem man seinen eigenen NBA-Spieler von Trainingsspielen über das Drafting zu einer NBA-Karriere ausbauen kann. Und natürlich die „Jordan Challenge“. Hier spielt man quasi die Karriere von „His Airness“ Michael Jordan nach und versucht seine Highlights zu „kopieren“. Für Anfänger ein Unding.

Ein Dunk – Bis es soweit ist vergeht einige Zeit

Tag 3: Einmal Michael Jordan sein bleibt zunächst ein schöner Traum. Zumindest habe ich einen „Practice“-Modus entdeckt. Endlich funktionieren ein paar Spielzüge, ein paar Körbe habe ich getroffen und sogar mal ein paar Würfe geblockt. Das Passen ist in der Standard-Einstellung Glückssache. Pick-Control ist zwar komplizierter, aber als alter RTS-Spieler liebe ich die Kontrolle über das Geschehen. Zumindest in der Theorie. Praktisch kommen die Bälle zwar an, aber mit wenig Erfolg. An Alleingänge zum Korb brauche ich gar nicht zu denken, die KI lässt mir keine Chance.

Es ist kein Spiel für Einzelgänger. Ähnlich wie in der Realität bringt es kaum etwas, wenn man sich den Ball schnappt und zum Korb zieht – zumindest gilt das für einen durchschnittlichen Spieler. Auch der Korbwurf will geübt sein, denn statt einfach einen Knopf zu drücken, wird der rechte Analog-Stick gezogen und im richtigen Moment wieder losgelassen. Außerdem muss das Spiel auseinander gezogen werden, um dann den entscheidenden Pass zu spielen. Aber: Die gegnerische Abwehr steht gut. Einfach mal einen Pass quer über das Feld zu spielen geht nicht, denn in der Regel wird er abgefangen. Kurzum, die KI ist alles andere als dumm. Glücklicherweise kann man per Knopfdruck auf die so genannte Pick-Control umstellen. Auf den ersten Blick wirkt das etwas kompliziert, aber nun ist jeder Mitspieler einer Gamepad-Taste zugeordnet und das Passen wird übersichtlicher. Vor allem aber fühlt man sich endlich mittendrin, statt nur dabei.

Dirk Nowitzki ist im Spiel einer der vielen Stars aus der aktuellen und vergangenen NBA-Geschichte

Tag 3,5: Oh, ich habe meinem Lieblingsmodus entdeckt. Mit „My Player“ gibt es einen echten Rollenspielmodus. Charakter entwerfen, trainieren, Drafting, Karriere. Klar, gewonnen habe ich noch kein Spiel, aber die Minispiele sind nicht so frustrierend wie der Rest des Spiels. Ich schöpfe Hoffnung, „Vanquish“ muss warten.

„My Player“ ist ideal für Leute, denen die „normalen“ Spiele zu hektisch sind. Hier beginnt alles wie in einem klassischen Rollenspiel und der Spieler kämpft sich dann langsam nach oben. Die „Drills“ sind Minispiele, in denen man unter Zeitdruck Dribbelkurse absolviert, Körbe wirft oder verteidigt. Dadurch bekommt man Punkte, die nachher Auswirkungen auf die Draft-Reihenfolge haben. Originell: Es gibt auch Trainingsspiele, aber hier ist ein Sieg nicht entscheidend. Vielmehr kommt es darauf, wie sich der Spieler schlägt. Gut verteidigt, gut gepasst, Vorlagen gegeben? Am Ende entscheidet unter anderem die Beurteilung durch die Mitspieler, deren Bewertungs-Schwankungen ständig auf dem Bildschirm zu sehen sind.

Am Ende wird die Mühe belohnt

Tag 5: Haha, die Jordan Challenge! Über 60 Punkte in einem Spiel. Wie soll das denn gehen? Ich bin froh, wenn ich mal den Korb treffe. Aber gut, ist halt der Modus für die Profis.

Michael Jordan war der beste Basketballer aller Zeiten. „His Airness“ war zwar nicht nur für seine enorme Sprungkraft bekannt, aber seine Slam Dunks zählen zu den spektakulärsten Momenten in der Geschichte des Basketballs. Logisch, dass es nicht einfach ist, da mitzuhalten und so ist die „Jordan Challenge“ nicht nur dem Namen nach eine echte Herausforderung. In insgesamt 10 klassischen Spielen aus seiner Karriere muss der Spieler bestimmte Aufgaben erfüllen. Im Playoff-Spiel der Chicago Bulls gegen die Boston Celtics von 1986 muss man Jordans 63-Punkte-Rekord brechen oder ein paar Jahre später gilt es eine bestimmte Anzahl von Rebounds zu schaffen (1996, gegen die Seattle Super Sonics). Das sind nur Beispiele – bis man es mit Jordan virtuell aufnehmen kann, vergeht einige Zeit.

Michael Jordan – der beste Basketballer aller Zeiten

Tag 7: Ihr könnt nach Hause gehen! Sieg! Endlich ein Spiel gewonnen! Wobei so eine Erfolgsbilanz nach einer Woche ziemlich mickrig ist. Aber inzwischen habe ich das Gefühl, dass endlich auch Dinge geschehen, die ich wirklich so wollte. Pass, Wurf, Korbleger. Life is magical and full of joy.

“NBA 2K 11” ist nichts für Anfänger. Zumindest sollten sie ein großes Frustpotenzial mitbringen, denn Entwickler Visual Concepts macht wenig, um sie an die komplexe Steuerung heranzuführen. Das Menu ist unübersichtlich und dank des hohen Realismus werden die einzelnen Partien am Anfang zu unüberwindlichen Hürden. Das soll nicht heißen, dass NBA 2K 11 ein schlechtes Spiel. Nein, ganz im Gegenteil. Die Spielstärke, das Wiedersehen mit Stars wie Larry Bird und „Magic“ Johnson oder die motivierenden  Spielmodi bieten alleine schon Spaß für Wochen. Sobald man einige grundlegende Steuerungsmöglichkeiten gelernt, ein paar Tricks auf Lager und das richtige Wurfgefühl entwickelt hat, wird das Spiel sogar richtig klasse. Das erfordert aber einiges an Übung und deshalb mein Tipp: Nach dem „Practice“-Modus gleich „My Player“ starten. Als passionierter Rollenspiel- und Strategiespieler bin ich vielleicht nicht der Richtige, um Vergleiche zu ziehen. Ist es das beste Basketball-Spiel aller Zeiten? Keine Ahnung. Ich habe zumindest wieder einmal gelernt, dass Sportspiele in einer ganz anderen Liga spielen. Und da will ich jetzt aufsteigen.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 30. Oktober 2010

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